Anna Katharina Schaffelhuber (* 26. Januar 1993 in Regensburg) ist eine ehemalige deutsche Monoskibobfahrerin. Sie gehörte seit April 2017 dem Zoll-Ski-Team an.
Karriere mini|links|Anna Schaffelhuber beim Training am Hintertuxer Gletscher, November 2010
Im Alter von fünf Jahren fuhr Anna Schaffelhuber erstmals auf Monoskibob. 2007 absolvierte sie einen Sichtungslehrgang beim Deutschen Paralympic-Skiteam und wurde in den Rennkader aufgenommen. Nachdem sie beim Europacup in Kühtai im Dezember 2008 erstmals auf das Podest gefahren war, gelangen ihr Anfang Februar 2009 im schwedischen Sollefteå zwei Siege im Slalom. In der Gesamtwertung des Europacups 2008/2009 belegte sie den zweiten Rang und qualifizierte sich damit für den Weltcup des Folgejahres. Als Höhepunkt ihrer ersten Weltcupsaison beendete sie die Gesamtwertung des Slalomweltcups nach drei zweiten Plätzen in dieser Disziplin auf Rang zwei. Zudem war sie im Europacup erfolgreich und siegte Ende Januar 2010 im spanischen La Molina in der Super-Kombination sowie im Riesenslalom. Bei ihrer ersten Teilnahme an den Paralympics 2010 krönte Schaffelhuber als 17-Jährige ihre Saison mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Super-G. Darüber hinaus verbuchte sie zwei vierte Plätze in der Super-Kombination und im Slalom.
Schaffelhuber steigerte sich in der Weltcupsaison 2010/2011 erneut und erreichte mehrere Podestplätze in Europacup- und Weltcuprennen. Mit Siegen in den letzten drei Wettkämpfen im italienischen Arta Terme triumphierte sie Mitte Januar 2011 zum ersten Mal im Gesamtweltcup. Bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften der Behindertensportler 2011 in Sestriere gewann Schaffelhuber anschließend drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Dabei verwies sie die Österreicherin Claudia Lösch jeweils in der Super-Kombination, im Slalom und im Riesenslalom auf Platz zwei. Ende März 2011 errang sie zusammen mit Nachwuchsathletin Anna-Lena Forster zwei Doppelsiege beim Europacupfinale in La Molina und sicherte sich nach dem Weltcuperfolg auch die Gesamtwertung im Europacup.
Bei den Weltmeisterschaften 2013 sicherte sie sich den Titel im Slalom sowie Silber im Super-G und Riesenslalom. Zudem gewann sie in der Super Kombination und in der Abfahrt die Bronzemedaille.
Am 8. März 2014 holte Schaffelhuber bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi ihre erste Goldmedaille bei Winter-Paralympics in der alpinen Abfahrt. Auch den Super-G-Wettkampf konnte sie zwei Tage später für sich entscheiden. Auch im Slalom-Wettbewerb lag Schaffelhuber nach dem zweiten Lauf vorne, wurde aber zuerst auf Einspruch einer Wettbewerbernation wegen eines angeblichen Startfehlers disqualifiziert. Am Folgetag wurde ihr dann ihre dritte Goldmedaille zugesprochen. Dadurch verdrängte sie ihre Teamkollegin Anna-Lena Forster auf den zweiten Platz. Auch in der Super-Kombination und im Riesenslalom gewann Schaffelhuber Gold. Damit gewann sie bei fünf Starts im Ski Alpin fünf Goldmedaillen, nur der russische Biathlet und Skilangläufer Roman Petuschkow gewann eine Goldmedaille mehr.
Am 11. November 2019 erklärte Schaffelhuber nach sieben Goldmedaillen bei den Paralympics, elf WM-Titeln, sechs Gesamtweltcup- und 67 Einzelweltcup-Siegen das Ende ihrer Sportkarriere. Die 26-Jährige absolvierte zu dieser Zeit ein Referendariat an einer Realschule.
Persönliches Schaffelhuber wurde mit einer inkompletten Querschnittlähmung geboren und ist auf den Rollstuhl angewiesen.
Im Mai 2011 machte sie ihr Abitur am Burkhart-Gymnasium in der niederbayerischen Marktgemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg und begann fünf Monate später das Studium der Rechtswissenschaft an der LMU in München. Bis zu ihrem Umzug in die bayerische Metropole im Sommer 2011 lebte sie zusammen mit ihrer Familie in Bayerbach bei Ergoldsbach. Sie hat das Studium der Mathematik und Wirtschaft auf Lehramt erfolgreich abgeschlossen.
Seit Januar 2011 ist Schaffelhuber Mitglied des TSV Bayerbach. Als Sportbotschafterin unterstützte sie die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018.
Sie ist seit 2019 verheiratet.
Auszeichnungen Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh Schaffelhuber am 30. April 2010 zusammen mit den anderen deutschen Medaillengewinnern der Olympischen Winterspiele in Vancouver das Silberne Lorbeerblatt. Bei der Schlussfeier der Paralympics trug sie die deutsche Fahne. Im Oktober 2010 gewann sie bei der Wahl zum Juniorsportler des Jahres den Sonderpreis Behindertensport. Das Internationale Paralympische Komitee kürte sie 2010 zur Welt-Behindertensportlerin des Monats November. Von der Stiftung Deutsche Sporthilfe wurde sie Anfang Februar 2011 vor Skispringer Severin Freund und Rennrodlerin Tatjana Hüfner zur Sportlerin des Monats Januar gewählt. Am 21. März 2011 erhielt sie den vom Bayerischen Fernsehen vergebenen Winterstar in der Kategorie Herausragende Leistungen im Behindertensport. Im Rahmen dieser Veranstaltung überreichte Randolf Rodenstock außerdem den Preis Bayerische Behindertensportlerin des Jahres 2010, der vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS) in Kooperation mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gestiftet wurde. Bei der Gala des Sports am 10. April 2011 in Bodenmais gewann sie die Leser-, Hörer- und Zuschauerwahl zur niederbayerischen Behindertensportlerin des Jahres. In den beiden Folgejahren lag sie ebenfalls vorn. Ende Juni 2011 nahm sie von Landrat Josef Eppeneder die Medaille des Landkreises Landshut in Empfang. Bei dem Anlass trug sie sich auch in das Goldene Buch des Landkreises ein. In den Jahren 2011, 2013, 2014 und 2017 wurde Anna Schaffelhuber in Köln jeweils als Behindertensportlerin des Jahres ausgezeichnet. Für ihre Erfolge bei den Olympischen Spielen 2014 wurde sie am 8. Mai 2014 von Bundespräsident Joachim Gauck erneut mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Im November 2015 zeichnete das Internationale Paralympische Komitee Schaffelhuber mit dem Paralympic Sport Award in der Kategorie Beste Sportlerin aus. Am 23. November 2016 wurde sie als Behindertensportlerin des Jahres ausgezeichnet., Auszeichnung, vom 26. November 2017, abgerufen am 2. Dezember 2017. Seit 2017 ist sie Patin für das Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage am Gymnasium Kirchseeon. Im Juli 2018 wurde sie mit dem Persönlichen Bayerischen Jahrhundert-Sportpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. Am 3. Dezember 2019 wurde ihr vom bayerischen Ministerpräsident Markus Söder der bayerische Verdienstorden verliehen. 2022: Bayerische Botschafterin des Sports 2023: Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste
Erfolge mini|Anna Schaffelhuber auf dem Podium nach Platz zwei beim Weltcupslalom am Patscherkofel bei Rinn, 9. Januar 2010
Paralympics Vancouver 2010: 3. Super-G, 4. Slalom, 4. Super-Kombination, 7. Riesenslalom Sotschi 2014: 1. Abfahrt, 1. Super-G, 1. Riesenslalom, 1. Slalom, 1. Super-Kombination Pyeongchang 2018: 1. Abfahrt, 1. Super-G, 2. Super-Kombination, 5. Riesenslalom
Weltmeisterschaften Sestrie 2011: 1. Riesenslalom, 1. Slalom, 1. Super-Kombination, 2. Team-Wettbewerb, 4. Abfahrt, 4. Super-G La Molina 2013: 1. Slalom, 2. Super-G, 2. Riesenslalom, 3. Abfahrt, 3. Super-Kombination, 5. Team-Wettbewerb Panorama 2015: 1. Super-G, 1. Riesenslalom, 2. Slalom, 2. Super-Kombination, 3. Abfahrt Tarvisio 2017: 1. Abfahrt, 1. Slalom, 1. Super-Kombination, 2. Super-G, 2. Riesenslalom Sella Nevea / Kranjska Gora 2019: 1. Abfahrt, 1. Super-G, 2. Riesenslalom, 2. Slalom, 2. Super-Kombination
Weltcupwertungen Schaffelhuber gewann bisher fünfmal den Gesamtweltcup und insgesamt 14 Disziplinwertungen. Saison Gesamt Abfahrt Super-G Riesenslalom Slalom Super-Kombination Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte 2011/12 1.300 n. a. n. a. 1.200 2. 100 n. a. 2012/13 1.880 n. a. 3. 110 2.350 1. 360 3. 60 2013/14 1.1400 1. 400 n. a. 1.400 1. 400 2. 200 2014/15 1.760 1. 180 n. a. 1.180 1. 400 n. a. 2015/16 4.800 4.200 4.200 4.200 3. 200 n. a. 2016/17 1. 1965 1. 360 1. 540 1. 500 1. 520 5. 45 2017/18 3. 700 1. 180 1. 200 6. 140 3. 180 n. a. n. a. = nicht ausgetragen
Weltcupsiege 59 Weltcupsiege (23× Slalom, 16× Riesenslalom, 10× Abfahrt, 8× Super-G, 2× Kombination) 84 Podestplätze (32× Slalom, 23× Riesenslalom, 14× Abfahrt, 11× Super-G, 3× Kombination) Slalom Datum Ort Land 1. 11. Januar 2011 Ravascletto Italien 2. 31. Januar 2012 La Molina Spanien 3. 1. Februar 2012 La Molina Spanien 4. 10. Januar 2013 Sestriere Italien 5. 11. Januar 2013 Sestriere Italien 6. 15. Januar 2013 St. Moritz Schweiz 7. 16. Januar 2013 St. Moritz Schweiz 8. 11. Februar 2013 Zreče Slowenien 9. 12. Februar 2013 Zrece Slowenien 10. 10. März 2013 Sotschi Russland 11. 18. Januar 2014 Copper Mountain USA 12. 19. Januar 2014 Copper Mountain USA 13. 5. Februar 2014 St. Moritz Schweiz 14. 6. Februar 2014 St. Moritz Schweiz 15. 8. Januar 2015 La Molina Spanien 16. 9. Januar 2015 La Molina Spanien 17. 4. Februar 2015 St. Moritz Schweiz 18. 5. Februar 2015 St. Moritz Schweiz 19. 16. Januar 2016 Kranjska Gora Slowenien 20. 18. Januar 2016 Tarvisio Italien 21. 15. Dezember 2016 Kühtai Österreich 22. 22. Dezember 2016 St. Moritz Schweiz 23. 19. Januar 2017 Kranjska Gora Slowenien 24. 22. Dezember 2017 Kühtai Österreich
Abfahrt Datum Ort Land 1. 8. März 2013 Sotschi Russland 2. 9. März 2013 Sotschi Russland 3. 10. Januar 2014 Panorama Kanada 4. 28. Januar 2014 Tignes Frankreich 5. 29. Januar 2014 Tignes Frankreich 6. 28. Januar 2015 Tignes Frankreich 7. 1. März 2016 Aspen USA 8. 2. März 2016 Aspen USA 9. 12. März 2017 Pyeongchang Südkorea 10. 10. Februar 2018 Kimberley KanadaRiesenslalom Datum Ort Land 1. 7. Januar 2011 Ravascletto Italien 2. 8. Januar 2011 Ravascletto Italien 3. 26. Januar 2012 Arta Terme Italien 4. 14. Januar 2013 St. Moritz Schweiz 5. 13. Januar 2014 Panorama Kanada 6. 17. Januar 2014 Copper Mountain USA 7. 30. Januar 2014 Tignes Frankreich 8. 3. Februar 2014 St. Moritz Schweiz 9. 3. Februar 2015 St. Moritz Schweiz 10. 15. Januar 2016 Kranjska Gora Slowenien 11. 19. Januar 2016 Tarvisio Italien 12. 17. Dezember 2016 Kühtai Österreich 13. 19. Dezember 2016 St. Moritz Schweiz 14. 18. Januar 2017 Kranjska Gora Slowenien 15. 5. März 2017 Hakuba Japan 16. 17. März 2017 Pyeongchang Südkorea
Super-G Datum Ort Land 1. 12. Januar 2014 Panorama Kanada 2. 3. März 2016 Aspen USA 3. 4. März 2016 Aspen USA 4. 6. März 2017 Hakuba Japan 5. 14. März 2017 Pyeongchang Südkorea 6. 15. März 2017 Pyeongchang Südkorea 7. 11. Februar 2018 Kimberley Kanada 8. 11. Februar 2018 Kimberley Kanada
Kombination Datum Ort Land 1. 12. Januar 2014 Panorama Kanada 2. 31. Januar 2014 Tignes Frankreich
Europacup Saison 2008/09: 2. Gesamt Saison 2009/10: 2. Gesamt Saison 2010/11: 1. Gesamt Saison 2011/12: 1. Gesamt Saison 2012/13: 1. Gesamt
Weblinks
Offizielle Webpräsenz Anna Schaffelhuber auf der Website des Internationalen Paralympischen Komitees (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Behindertensportler (Ski Alpin, Deutschland) Kategorie:Paralympics-Teilnehmer (Deutschland) Kategorie:Teilnehmer der Winter-Paralympics 2010 Kategorie:Teilnehmer der Winter-Paralympics 2014 Kategorie:Teilnehmer der Winter-Paralympics 2018 Kategorie:Paralympics-Sieger (Ski Alpin) Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste Kategorie:Träger des Silbernen Lorbeerblattes Kategorie:Mitglied des Zoll-Ski-Teams Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1993 Kategorie:Frau