Alfred Beierle, geboren als Paul Alfred Beier, (* 4. Juni 1885 in Berlin-FriedrichshainStandesamt Berlin VIII, Geburtsurkunde Nr. 1006 vom 10. Juni 1885; † 16. März 1950 Berlin-WilmersdorfStandesamt Berlin-Mitte, Sterbeurkunde Nr. 687 vom 18. März 1950) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler.

Leben 1905 gehörte Alfred Beierle zum ersten Jahrgang der von Max Reinhardt gegründeten Schauspielschule des Deutschen Theaters.25 Jahre Schauspielschule des Deutschen Theaters...Ein Interview mit Alfred Beierle in: General-Anzeiger für Dortmund und das gesamte rheinisch-westfälische Industriegebiet vom 28. Mai 1930, S. 8Max Hochdorf: 25 Jahre Schauspielschule des Deutschen Theaters. In: Fünfundzwanzig Jahre Schauspielschule des Deutschen Theaters zu Berlin 1905–1930. Labisch, Berlin 1930, S. 12 Er startete seine Schauspielerkarriere in der Rolle des Major von Tellheim in Minna von Barnhelm an der Berliner Volksbühne, war dann 1907/08 am Schiller-Theater O. engagiert (in der ersten Spielzeit noch als Alfred Beier), 1909 spielte er in Bamberg (Stadttheater), von 1910 bis 1913 war er in Wien engagiert (Residenzbühne) und in der Spielzeit 1913/14 als Schauspieler und Regisseur in Leipzig (Schauspielhaus). Beierle war zudem an verschiedenen anderen Berliner Bühnen tätig, bis er schließlich Direktor des Lessingtheaters wurde. In den 1920er Jahren gehörte er zu den kritischen Intellektuellen der Berliner Theater- und Kabarettszene und machte sich ab 1918 auch als Rezitator einen Namen. Er arbeitete für den Rundfunk, trat 1922/23 in Trude Hesterbergs Kabarett Wilde Bühne aufHelga und Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp, Künstlerbiographien A–K. Verlag Medium Film, Berlin 1994, ISBN 3-926945-13-3 und leitete von 1928 bis 1930 eine kleine Schallplattenfirma mit dem Namen Die Neue Truppe.Rainer E. Lotz und Walter Roller: Discographie der deutschen Sprachaufnahmen, Band 2. Birgit-Lotz-Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-9803461-9-6, S. 297 Daneben spielte er bei fast 50 Filmen mit, zunächst als Darsteller in Stummfilmen, dann auch im Tonfilm. Beierle trat 1924 der SPD bei und blieb Mitglied bis 1930.

Im April 1934 ging Beierle für einige Zeit ins westliche Ausland. In den Niederlanden kontaktierte er Emigrantenkreise, wovon die deutsche Botschaft in Den Haag erfuhr. Als man dort 1936 seiner Mitwirkung in dem Film Das Veilchen vom Potsdamer Platz gewahr wurde, informierte die Botschaft deutsche Stellen in Berlin über Beierles Kontakte. Daraufhin wurde der inzwischen wieder heimgekehrte Beierle noch 1936 sowohl aus der Reichstheaterkammer als auch aus der Fachschaft Film ausgeschlossen. Die Vorwürfe lauteten, Beierle habe im Ausland „den Führer beschimpft“ und „gegen Deutschland gehetzt“. Am 4. November 1936 deportierte man Beierle in das KZ Sachsenhausen. Am 24. September 1937 wurde er wieder entlassen, durfte aber bis 1945 nicht mehr künstlerisch arbeiten.Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke, S. 58

Nach dem Krieg leitete er ab September 1945 etwa ein Jahr lang das Wilmersdorfer Theater (Berlin)25 Jahre Theater in Berlin: Theaterpremieren 1945–1970. Spitzing, Berlin 1972, S. 388, gestaltete gemeinsam mit Willi Schaeffers einen Karl-Kraus-AbendNachruf Alfred Beierle (Beier) in: Deutsches Bühnen-Jahrbuch. 59. Jahrgang 1951. Der Büchermarkt, Berlin 1950, S. 85 und wirkte noch in vier Film-Produktionen mit. Sein letzter Film war 0 Uhr 15, Zimmer 9, der im April 1950, einen Monat nach seinem Tod, in die Kinos kam.

Beierle blieb dem Publikum als Charakterdarsteller in Erinnerung.

Würdigung

Filmografie 1918: Die Wette um eine Seele, Regie: Carl Boese 1918: Die tolle Heirat von Laló, Regie: Lupu Pick 1919: Mazeppa, der Volksheld der Ukraine, Regie: Martin Berger 1921; Der Totenvogel, Regie: Leo Lasko 1921: Ein Tropfen schwarzes Blut, Regie: Hans Forsten 1927: Der Sieg der Jugend, Regie: Fred Sauer 1929: In Jena sind alle Mädels so blond (Kurzfilm), Regie: Johannes Guter 1929: Café Kalau (Kurzfilm), Regie: Johannes Guter 1929: Der Bund der Drei, Regie: Hans Behrendt 1930: Die singenden Babies (Kurzfilm), Regie: Johannes Guter 1930: Der Tiger, Regie: Johannes Meyer 1930: Der Schuß im Tonfilmatelier, Regie: Alfred Zeisler 1930: O alte Burschenherrlichkeit, Regie: Rolf Randolf 1930: Das Flötenkonzert von Sans-souci, Regie: Gustav Ucicky 1930: Stürme über dem Mont Blanc (auch: Über den Wolken), Regie: Arnold Fanck 1931: Die Fremde, Regie: Fred Sauer 1931: Die Frau – Die Nachtigall, Regie: Léo Lasko 1931: D-Zug 13 hat Verspätung, Regie: Alfred Zeisler 1931: Im Geheimdienst, Regie: Gustav Ucicky 1931: Gloria, Regie: Hans Behrendt 1931: Der Herzog von Reichstadt, Regie: Viktor Tourjansky 1931: Der Draufgänger, Regie: Richard Eichberg 1931: Bobby geht los, Regie: Harry Piel 1931: Mein Leopold, Regie: Hans Steinhoff 1931: Kadetten, Regie: Georg Jacoby 1931: Der Hauptmann von Köpenick, Regie: Richard Oswald 1931: Yorck, Regie: Gustav Ucicky 1932: L’Auberge du père Jonas, Regie: Harry Piel 1932: Wäsche – Waschen – Wohlergehen, Regie: Johannes Guter 1932: Der Sieger, Regie: Hans Hinrich, Paul Martin 1932: Kriminalreporter Holm, Regie: Erich Engels 1932: Mensch ohne Namen, Regie: Gustav Ucicky 1932: Grün ist die Heide, Regie: Hans Behrendt 1932: Zigeuner der Nacht, Regie: Hanns Schwarz 1932: Der weiße Dämon, Regie: Kurt Gerron 1933: Was gibt’s Neues heut? (Kurzfilm), Regie: Phil Jutzi 1932: Kampf um Blond, Regie: Jaap Speyer 1933: Der große Bluff, Regie: Georg Jacoby 1933: Brennendes Geheimnis, Regie: Robert Siodmak 1933: Morgen beginnt das Leben, Regie: Werner Hochbaum 1934: Kuddelmuddel (Kurzfilm), Regie: Alfred Jungermann 1934: Ein Mädchen mit Prokura, Regie: Arzén von Cserépy 1934: Das Blumenmädchen vom Grand-Hotel, Regie: Carl Boese 1936: Das Veilchen vom Potsdamer Platz, Regie: J. A. Hübler-Kahla 1936: Wie Eulenspiegel zu Marburg den Landgrafen malte (Kurzfilm, nicht im Abspann), Regie: Theo Lingen 1936: Wie Eulenspiegel sich einmal erbot, zu fliegen (Kurzfilm), Regie: Theo Lingen 1936: Unter heißem Himmel, Regie: Gustav Ucicky 1937: Die Pfennigschlacht (Kurzfilm), Regie: Fritz Genschow 1947: Der Fall Wozzeck, Regie: Georg C. Klaren 1948: Berliner Ballade (nicht im Abspann), Regie: Robert A. Stemmle 1949: Martina, Regie: Arthur Maria Rabenalt 1950: 0 Uhr 15 Zimmer 9, Regie: Arthur Maria Rabenalt

Tondokumente Die Neue Truppe, die Schallplattenfirma, die Beierle von 1928 bis 1930 künstlerisch leitete, hat 'mit Unterstützung der deutschen Gewerkschaften...im Laufe eines knappen Jahres nicht weniger als hundert Schallplatten herausgebracht, die revolutionäre und sozialistische Dichtungen und Musikstücke...verbreiten wollen'Sozialistische Schallplatten in: Arbeiter-Zeitung, Wien, vom 1. Februar 1930, S. 8 . Erich Kästner, Edlef Köppen, Karl Kraus oder Ernst Toller lasen hier eigene Texte, die meisten Sprachaufnahmen wurden aber von Beierle persönlich eingesprochen. Seine Autoren waren u. a. Ferdinand Freiligrath, Heinrich Heine, Georg Herwegh, Victor Hugo, Rosa Luxemburg, Upton Sinclair, Kurt Tucholsky und Émile Zola. Dazu kommen Verse aus der Bergpredigt und der Text der letzten Rede von Gustav Stresemann vom September 1929.6 Titel sind zu hören auf der CD: Leben in dieser und jener Zeit. Originaltonaufnahmen von und mit Erich Kästner. (Stimmen des 20. Jahrhunderts). Deutsches Historisches Museum, Berlin und Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt/Main 1999. DRA-CD- 1-1999 Die Aufnahmen erschienen in Serien wie Die großen 1848er oder Reden und Dokumente und wurden von der Kultur-Abteilung der Firma Artiphon-Record (Berlin-Kreuzberg) hergestellt.

Literatur Fritz Rosenfeld: Sozialistische Schallplatten. In: Bildungsarbeit: Blätter für sozialistisches Bildungswesen. Wien, Jänner/Februar 1930, S. 29–32 Nachruf Alfred Beierle (Beier) in: Deutsches Bühnen-Jahrbuch. 59. Jahrgang 1951. Der Büchermarkt, Berlin 1950, S. 85 f Beierle, Alfred in: Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Leimbach, Göttingen 1991, ohne Paginierung Diskografie Alfred Beierle in: Rainer E. Lotz und Walter Roller: Discographie der deutschen Sprachaufnahmen, Band 2. Birgit-Lotz-Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-9803461-9-6, S. 297–300, überarbeitete Fassung in Band 3, erschienen 2000, ISBN 3-9805808-5-7, S. 849–852 Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 57 Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 624 f.

Einzelnachweise

Weblinks

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