Auguste Boissonneau (* 26. Juni 1802 in Saumur; † 7. Juli 1883 in Paris) war ein französischer Ornithologe, Naturalienhändler und Okularist. Er war der Erste, der künstliche Augen aus Glas mit aufgetragenem Email fertigte und den Begriff Ocularist für den Beruf des Augenprothetikers verwendete.

Boissonneau als Ocularist Am Anfang seiner Karriere lebte er in Tours in der Rue et hôtel de L'Ancienne intendance No 8. Hier trug er im Jahre 1828 sein erstes Patent ein:

mini|Werbeanzeige von Boissonneau In einem Werbeprospekt aus dieser Zeit, in dem er sich noch Augenarztkünstler, der Name seiner Vorgänger, nannte, zeigte er an, dass er jegliche Art von künstlichen Augen herstelle „für Menschen als auch für Tiere im Allgemeinen“. Des Weiteren stelle er alles her, egal ob „zweisäulige Sicherheitsröhren, die zur Nutzung bei neuem Wein verwendet werden könnten, und alles was zur Kunst der Schmelzglas-Modellierung gehört: Rosenkränze, Halsketten, Armbänder, usw. …, zusätzlich produziere er Kreuze auf Bestellung“. Schließlich erschien er im Jahre 1827 vor dem medizinischen Gremium des Départements Indre-et-Loire, um eine Impfstoffpumpe zu präsentieren, die den Aufstieg der Flüssigkeit im Rohr mit dem Impfstoff erleichterte.Fabricants d'yeux artificiels (depuis les temps anciens jusqu'au milieu du XIXe siècle) Boissonneau-Bibliographie (franz.)

Der Franzose François Hazard (1758–1822) diente Boissonneau als großes Vorbild und er bezeichnete ihn selbst als einen Schöpfer der Augenprothese. Schon im Jahre 1825 begann Boissoneau in den Glasfabriken von Rougemont und Montmirail mit ersten Versuchen zur Anfertigung von künstlichen Augen. Waren die ersten Versuch noch eher erfolglos, so gelang es ihm im Laufe der Zeit, mit Hilfe einer Verbindung aus Bismut und Kieselsäure eine geeignete Masse zu produzieren, die den Temperaturwechsel besser vertrug und selbst nach Jahren nicht durch Augenflüssigkeit angegriffen wurde. Zunächst produzierte er seine Augen nur für kleinere und größere Tiere, erst sehr viel später auch für Menschen.

Eduard Wengler aus Dresden beschrieb die Fertigung der boissonneauschen Augen wie folgt:

Für die Ärmsten der Gesellschaft gab es die Augenprothese gratis. So schrieb Wagler weiter:

Im Jahre 1839 zog er nach Paris in die Rue Neuve des Mathurins und begann mit der Publikation einer ganzen Reihe von Broschüren zu seinem Spezialgebiet, den Augenprothesen. In einer Ankündigung der Société de Travail a Mulhouse aus dem Jahre 1839 wird der Aussteller Boissonneau als Hersteller von Emailaugen für Mensch und Tier beschrieben. So heißt es in der Ankündigung:

In den Jahren 1842 bis 1844 diente er Wilhelm II. der Niederlande, an den er auch berichtete. Von ihm erhielt er den Orden der Eichenkrone verliehen. Des Weiteren wurde er mit der Großen Medaille in Gold für Wissenschaft und Kunst bedacht. Im Deckblatt seiner Publikation Yeux artificiels mobiles heißt es:

Im Jahr 1850 führte Friedrich Philipp Ritterich die Email-Augen erstmals in Deutschland ein. Ritterich pflegte ein großes Lager mit künstlichen Augen, die ihm von Boissonneau, J. B. H. Desjardins de Morainville und einem gewissen Noël aus Paris geliefert wurden. Am 29. Oktober 1850 besuchte Boissonneau München. Der Arzt Ludwig Walther empfiehlt Boissonneaus Kunst in einem Artikel in der Zeitung Volksbötin mit den Worten:

Am 2. August 1851 demonstrierte er im King’s College Hospital in London unter den Augen von Richard Partridge den Gebrauch seiner künstlichen Augen und referierte über deren Vorteil. Dabei erwähnte er seine zehnjährigen Erfahrungen aus Studien in Frankreich, Holland und Deutschland.London Lancet, 1851 Demonstration of the Mechanism of M. Boissnneau's new kind of Artificial Eyes, upon a patient of Ms. Partridge (engl.)

Bis 1851 arbeitete er u. a. mit Peter Gouglemann zusammen, der aber im Jahre 1851 in New York City ein eigenes Geschäft eröffnete.Artificial parts, practical lives: modern histories of prosthetics Buchausschnitt (engl.)

Am 5. August 1854 trug er in London unter der Nr. 1715 folgendes Patent ein:

Bei der Pariser Weltausstellung 1855 gab er zum ersten Mal seinen Beruf als Ocularist an. Laut Boissonneau nannten die Römer die Hersteller von künstlichen Augen Faber Oculariarius oder Oculorum Repositor, woraus sich sein Berufsname Ocularist ableitete. In seiner Publikation On the mechanical restoration of the apparatus of vision aus Anlass der Weltausstellung beschrieb Émile Debout (1811–1865) die Prothesen und das Wissen von Boissonneau und dessen Sohn. Zumindest seit dem Jahr 1858 wohnte er 11, rue de Monceau in Paris. Im Katalogführer La médecine a l'exposition universelle de 1857, herausgegeben von La société médicale allemande de Paris, heißt es:

Im Jahr 1863 erschien in Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde ein Artikel mit dem Titel Boissonneau Itinerarium. Im Artikel wurde darauf hingewiesen, dass er vom 16. April bis 31. Dezember 1863 auf einer Geschäftsreise kreuz und quer durch Europa sei. Diese Reise begann in London und endete schließlich in Cádiz. Weitere Stationen waren u. a. Brüssel, Berlin, Königsberg, Sankt Petersburg, Moskau, Warschau, Leipzig, Marseille, Hamburg, Kopenhagen, Stockholm, Amsterdam, Edinburgh und Madrid.Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde Boissonneau Itinerarium

Es folgte im Jahr 1866 ein weiteres Patent in Preußen. Im Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Bromberg ließ er folgendes registrieren:

In den USA hatte er laut Annual Report of the commissioner of patents for the year 1866 unter Nr. 55.793 folgendes Patent angemeldet:

Zu seinem Tod erschien in der Fachzeitschrift Annales d'oculistique im gleichen Jahr ein Nachruf mit folgenden Worten:

Zu seinen Schülern zählten sein Sohn Pierre-Auguste Boissonneau, der in der Rue de la Ferme-des-Mathurins in Paris lebte und ebenfalls ein Patent zur Verbesserung von Augenprothesen eingereicht hatte.Bulletin des lois de l'Empire français, 1857 560 Le brevet d'invention (franz.) Der eingeheiratete Herr Coulomb-Boissoneau zählte in dieser Zeit ebenfalls zu den Experten auf diesem Gebiet.Annuaire pharmaceutique, 1865 Yeux artificiels mobiles de M. Coulomb-Boissoneau (franz.)

Boissonneau als Ornithologe In Katalog ausgestopfter Vögel (Catalogue d'oiseaux empaillés) aus dem Jahre 1837 bot Boissonneau der Sociéte Impériale des Naturalistes de Moscou Vogelbälge zum Kauf an.Bulletin de la Sociéte Impériale des Naturalistes de Moscou, 1837, S. 65 Ouvrages offerts (franz.) Zu seinen Kunden gehörten Côme-Damien Degland, der das Musée Ornithologique de Come Damien Degland betrieb,Mémoires de la Société royale des sciences, de l'agriculture et des arts, 1839, S. 421–463, Oiseaux (franz.) der Baron Frédéric de Lafresnaye, Jean Louis Cabanis für das Museum für Naturkunde zu Berlin,Journal für Ornithologie, Volume 50, Number 9, 1861 Uebersicht der im Berliner Museum befindlichen Vögel von Costa Rica das Hof-Naturalienkabinett in Wien,August Edler von Pelzeln, Ludwig Lorenz von Libernau: Typen der ornithologischen Sammlung des k.k. naturhistorischen Hofmuseums. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band 1, 1886, S. 261–262 (archive.org). Coenraad Jacob Temminck für das Reichsmuseum für Naturgeschichte in Leiden und viele mehr. Neben den Museen bezogen auch Privatsammler Vogelbälge, wie George Loddiges über den englischen Naturalienhändler Benjamin Leadbeater. Dieser erhielt die Bälge wiederum von Boissonneaus Frau. Später erwarb das Natural History Museum in London Loddiges Material.Type-specimens of birds in the British Museum (Natural History), Band 1, 1966 Type-specimens of birds in the British Museum (Natural History) (engl.)

1839 wurde Boissonneau von Félix Édouard Guérin-Méneville als Mitglied Nummer 180 der Société Cuvierienne vorgestellt.Revue zoologique la Société cuviérienne, 1839 Nouveaux membres admins dans la Société cuviérienne (franz.)

Im gleichen Jahr veröffentlichte er in der Revue zoologique la Société cuviérienne den Artikel Nouvelles espèces d'Oiseaux-Mouches de Santa-Fé de Bogota.Revue zoologique la Société cuviérienne, 1839 Nouvelles espèces d'Oiseaux-Mouches de Santa-Fé de Bogota, par M. Boissonneau (franz.) Originalartikel Hierin beschrieb er fünf Kolibriarten, von denen drei neu für die Wissenschaft waren. Er nannte die Arten »Ornismya Temminckii« (der Blauflügelkolibri Pterophanes cyanopterus (, 1840)), »Ornismya ensifera« (der Schwertschnabelkolibri Ensifera ensifera), »Ornismya microrhyncha« (der Kurzschnabelkolibri Ramphomicron microrhynchum), »Ornismya Paulinæ« (das Smaragdkehl-Glanzschwänzchen Metallura tyrianthina (, 1832)) und »Ornismya heteropogon« (das Bronzeglanzschwänzchen Chalcostigma heteropogon). Da die Dezemberausgabe der Revue zoologique immer erst im nächsten Jahr veröffentlicht wurde, ist das Jahr 1840 und nicht das Jahr 1839 als Erstbeschreibungsjahr. Ein Konflikt mit dem Namen Ornismya Temminckii (entspricht dem Violettkehlkolibri (Heliomaster squamosus) (, 1823)), welcher bereits 1832 von René Primevère Lesson verwendet wurde,René Primevère Lesson, S. 88, Tafel 20. verhinderte laut Internationale Regeln für die Zoologische Nomenklatur weiteres potentielles gültiges Taxon.

Im Jahr 1840 folgte im Magasin de zoologie, d'anatomie comparée et de paléontologie die bildliche Illustration sowie eine detaillierte Beschreibung durch Boissonneau. Die Zeichnungen trug Jean-Gabriel Prêtre (1768–1849), die Gravur Davesne (bl. 1835–1860) und der Druck N. Rémond bei.Magasin de Zoologie, D'Anatomie Comparee Et de Paleontolgie, 1840 Tafeln 12-16 (franz.) Seine Bälge aus Santa-Fé de Bogota bezog er von einem Herrn Rieffer, der damals im Vizekönigreich Neugranada für ihn und andere sammelte.

In seinem zweiten Artikel Oiseaux nouveaux ou peu connus de Santa-Fé de BogotaRevue zoologique la Société cuviérienne, 1839 Oiseaux nouveaux ou peu connus de Santa-Fé de Bogota, par M. Boissonneau (franz.) Originalartikel in der Januarausgabe der Revue zoologique beschrieb er 15 weitere Arten, wobei er darauf hinwies, dass drei bereits von Lesson beschrieben waren. Er nannte die neuen Arten »Ampelis Nattererii« (die Nördliche Prachtkotinga Cotinga nattererii), »Ampelis rufocristala« (die Rotschopfkotinga Ampelion rubrocristatus), »Ampelis Riefferii« (die Goldbandkotinga Pipreola riefferii), »Tanagra (Euphone?) Constantii« (eine Unterart der Mennigohr-Bergtangare Anisognathus igniventris lunulatus (Du Bus, 1839)), »Tanagra (Euphone?) Vassorii« (die Schwarzblautangare Tangara vassorii), »Tanagra (gros-bec?) Riefferii« (die Papageitangare Chlorornis riefferii), »Uncirostrum La Fresnayii« (der Stahlhakenschnabel Diglossa lafresnayii), »Uncirostrum d'Orbignyi« (der Rostbauch-Hakenschnabel Diglossa sittoides dorbignyi), »Ornismia Bonapartei« (der Goldbauchkolibri Coeligena bonapartei), »Ornismia torquata« (der Violettscheitelkolibri Coeligena torquata), »Ornismia paradisæa« (der Fahlschwanzkolibri Boissonneaua flavescens (Loddiges, 1832)), »Ornismia Guerinii« (der Grünbart-Helmkolibri Oxypogon guerinii), »Ornismia Kingii« (Less.) (die Himmelssylphe Aglaiocercus kingii (Lesson, 1832)), »Ornismia Nuna« (Less.) (die Grünschwanzsylphe Lesbia nuna (Lesson, 1832)), »Ornismia Vestita« (Less.) (der Violettkehl-Höschenkolibri Eriocnemis vestita (Lesson, 1839)) und »Trochilus La Fresnayi« (der Samtbauchkolibri Lafresnaya lafresnayi).