Die St. Louis Blues (IPA: ) sind ein US-amerikanisches Eishockeyfranchise der National Hockey League aus St. Louis, Missouri. Es wurde am 5. Juni 1967 gegründet und nahm zum Beginn der Saison 1967/68 den Spielbetrieb auf. Die Teamfarben sind Blau, Gold, Dunkelblau und Weiß. Das Team ist benannt nach dem Jazz-Titel St. Louis Blues von W. C. Handy.Tim Brooks, Richard Keith Spottswood: Lost Sounds. S. 434. Erklärung (books.google.de)
Die Blues tragen ihre Heimspiele im Enterprise Center aus und gingen aus der großen Erweiterung der Liga vor der Saison 1967/68 hervor, als die Teilnehmerzahl von sechs auf zwölf aufgestockt wurde. St. Louis erwies sich früh als das fähigste Franchise der Expansion und sicherte sich den Platz als Finalteilnehmer gegen eines der älteren Franchises, das sich jedoch dreimal in Folge als zu stark erwies. Nach vielen Jahren im oberen Drittel der Liga – geprägt von der aufeinanderfolgenden, 24-maligen Qualifikation für die Playoffs zwischen 1980 und 2003 sowie der zwischenzeitlichen Etablierung als Titelkandidat zum Ende der 1990er Jahre – fiel das Team in ein Loch. Der Gewinn des prestigeträchtigen Stanley Cup gelang der Mannschaft schließlich erstmals in der Saison 2018/19.
Geschichte Frühe Geschichte (1967–1970) 1967 wurden die St. Louis Blues als eines von sechs neuen Franchises neben den Minnesota North Stars, den Los Angeles Kings, den Philadelphia Flyers, den Pittsburgh Penguins und den California Seals in die NHL aufgenommen, die damit die Anzahl der an ihr teilnehmenden Mannschaften von den Original Six auf zwölf verdoppelte. Die ersten Besitzer der Mannschaft waren der Versicherungs-Manager Sid Salomon Jr., sein Sohn Sid Salomon III. sowie Robert L. Wolfson, die das Franchise im Jahr zuvor gegründet hatten. Sid Salomon III. renovierte zunächst die 38 Jahre alte St. Louis Arena, deren Kapazität daraufhin von 12.000 auf 15.000 vergrößert wurde.
Zunächst wurden die Blues von Lynn Patrick trainiert, der jedoch schon bald durch Scotty Bowman ersetzt wurde. Obwohl fast sämtliche Star-Spieler bei den Original Six verblieben waren, schaffte es das Team dennoch, in den ersten drei Jahren ihres Bestehens die Playoffs zu erreichen. Spieler wie Doug Harvey, Don McKenney, Dickie Moore, die beiden Torhüter-Veteranen und Gewinner der Vezina Trophy Glenn Hall und Jacques Plante sowie Jim Roberts, Bob und Barclay Plager schafften es schon bald, dem Heimstadion der Blues den Ruf einer der lautesten Arenen der gesamten Liga zu beschaffen, ein Ruf, den die St. Louis Arena bis zu ihrer Ausmusterung innehatte.
Probleme im neuen Jahrzehnt (1970–1977) Die frühen Erfolge der 1960er konnten die Blues im folgenden Jahrzehnt jedoch nicht fortsetzen, auch, weil das Playoff-Format geändert wurde und die Chicago Black Hawks in die Western Division verschoben wurden, um deren Qualität zu verbessern. Zudem wechselte Trainer Bowman, ein Garant des Erfolges, zu den Montreal Canadiens, ihm folgten die Spieler Hall, Plante, Goyette und auch Red Berenson, die sich alle anderen Vereinen anschlossen oder ihre aktive Karriere beendeten. Im Tausch gegen Berenson erhielten die Blues immerhin Garry Unger, Star-Center der Detroit Red Wings, der in acht aufeinander folgenden Spielzeiten jeweils mehr als 30 Tore erzielen konnte, was einen neuen NHL-Rekord darstellte.
Dennoch verpassten die St. Louis Blues in der Saison 1973/74 zum ersten Mal in der Franchisegeschichte die Playoffs, nach einer Reformation des Divisionssystems wurde das Team schließlich in die Smythe Division verschoben. Auch diese Division gehörte zunächst zu den schwächer besetzten, sodass die Blues 1976/77 noch einmal in diesem Jahrzehnt die Playoffs erreichen konnten. Zu der folgenden sportlichen Misere kamen zudem finanzielle Probleme, die die Salomons dazu zwangen, das Teampersonal auf drei Angestellte zu verkleinern, sodass Emile Francis den Posten des Präsidenten, des General Managers und des Trainers einnehmen musste.
Die Ära Purina (1977–1983) 1977 fanden die Salomons mit dem Tiernahrungs-Giganten Ralston Purina einen neuen Besitzer der St. Louis Blues. Dieser benannte die Arena in „Checkerdome“ um und gab zudem den beiden anderen Teilhabern Francis und Wolfson die Garantie, dass die Blues auch in Zukunft in St. Louis verbleiben würden. Nachdem das Team die Saison im Vorjahr mit dem noch heute gültigen Negativrekord von nur 18 Siegen beendete, erreichten die Blues schon 1980 wieder die Playoffs. Es sollte die erste von 25 aufeinander folgenden Teilnahmen sein. Der Aufwärtstrend setzte sich auch in der folgenden Saison fort, als die Blues, angeführt von Wayne Babych, dem späteren Hall of Famer Bernie Federko, Brian Sutter und Torhüter Mike Liut die Finalrunde mit 45 Siegen und 107 Punkten erreichten. Diesen Erfolg konnte die Mannschaft jedoch nicht in den Playoffs umsetzen, dort scheiterten die Blues in der zweiten Runde an den New York Rangers.
In seiner Zeit als Besitzer verlor Ralston Purina jährlich geschätzte 1,8 Millionen US-Dollar, er setzte sein Engagement jedoch aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Club fort. Als jedoch R. Hal Dean, Vorstandsvorsitzender der Purina Gruppe, im Jahr 1983 in Rente ging und sein Nachfolger sich wieder mehr auf das Tiernahrungsgeschäft konzentrierte, wurden die Blues erneut zum Verkauf angeboten. Gekauft wurde das Franchise schließlich von Bill Hunter, dem Gründer der WHA und den Edmonton Oilers. Hunter wollte das Team ins kanadische Saskatoon umsiedelten, dies scheiterte jedoch am Veto der NHL, die den starken Absatzmarkt St. Louis nicht verlieren wollte. Daraufhin nahm Hunter die Blues aus dem Ligenbetrieb, dies änderte sich erst wieder als Harry Ornest, ein Geschäftsmann aus Los Angeles, das Team übernahm. Ornest schlug daraufhin einen neuen Sparkurs ein und benannte den „Checkerdome“ umgehend wieder in „St. Louis Arena“ um.
Weg zu einer neuen Arena (1983–1996) Obwohl die Blues in der Folgezeit nur 26 Spieler unter Vertrag hatten, was weit unter dem NHL Durchschnitt von 60 Spielern pro Team lag, erreichte das Team konsequent die Playoffs. In dieser Zeit wurde Doug Gilmour, ausgewählt im NHL Entry Draft 1982, zum neuen Star des Franchises. Dennoch schafften es die Blues nicht, junge, aufstrebende Spieler im Team zu halten, so verließen Rob Ramage und später auch Gilmour die Mannschaft in Richtung Calgary Flames.
1985/86 erreichten die Blues das Playoff-Halbfinale gegen ebendiese Flames. Dort besiegelte Doug Wickenheiser mit einem Overtime-Tor im sechsten Spiel einen der Höhepunkte in der Teamgeschichte, welcher heute als „Monday Night Miracle“ bekannt ist und der den Blues das alles entscheidende siebte Spiel ermöglichte. Dieses wurde allerdings mit 1–2 verloren. Nach der Saison verkaufte Harry Ornest das Franchise an eine Gruppe um den Geschäftsmann Michael Shanahan.
In den späten 1980er und den frühen 1990er erreichten die Blues zwar immer wieder die Playoffs, größere Erfolge konnten sie dort jedoch nicht feiern, obwohl General Manager Ron Caron Spieler wie Brett Hull, Adam Oates, Curtis Joseph, Brendan Shanahan und Al MacInnis verpflichten konnte. Dennoch beschloss ein Konsortium aus 19 Unternehmen, dem Bau einer neuen Arena zuzustimmen. Das Kiel Center, das inzwischen den Namen Scottrade Center trägt, wurde 1994 eröffnet.
Brett Hull, „The Golden Brett“, wurde während seines Engagements in St. Louis zu einem der Superstars der Liga, in der Saison 1990/91 schoss er beispielsweise 86 Saisontore, was bis heute die drittbeste Quote in der gesamten NHL-Geschichte darstellt. Besser war nur Wayne Gretzky, der selber 1996 kurz für die Blues spielte, in der Saison 1981/82 mit 92 bzw. 1982/83 mit 87 Toren. Die Blues schlossen die Saison 1990/91 als drittbestes Team ligaweit ab, wieder kam man jedoch nicht über die zweite Playoff-Runde heraus.
Von der Presidents’ Trophy zum Boden der Liga (1997–2006) 1994 wurde Mike Keenan als General Manager und Trainer verpflichtet. Zu den von ihm durchgeführten Veränderungen gehörte auch der Abgang der Fan-Lieblinge Brendan Shanahan und Curtis Joseph sowie die Verpflichtungen des alternden Wayne Gretzky sowie des Torhüters Grant Fuhr. Erneut schieden die St. Louis Blues jedoch in der ersten Runde der Playoffs aus. Gretzky verließ das Team in Richtung New York Rangers, Keenan wurde schon im Dezember 1996 entlassen. Im Juni 1997 wurde schließlich der aktuelle GM Larry Pleau verpflichtet, doch auch er konnte den Weggang von Brett Hull im folgenden Jahr nicht verhindern.
Mit Spielern wie Chris Pronger, Pavol Demitra, Pierre Turgeon, Al MacInnis und Torhüter Roman Turek erreichten die Blues in der Saison 1999/2000 einen neuen Teamrekord mit 114 Punkten, was ihnen zudem die Presidents’ Trophy als beste Mannschaft der regulären Saison einbrachte. Dennoch konnten sie diese Leistung erneut nicht in den Playoffs abrufen, wo man in der ersten Runde von den San Jose Sharks in sieben Spielen besiegt wurde. 2001 erreichten die Blues das Playoff-Finale der Western Conference, dort unterlagen sie allerdings dem späteren Stanley-Cup-Sieger Colorado Avalanche. Auch in den folgenden zwei Spielzeiten erreichte das Franchise zwar die Finalrunde, ohne jedoch einmal die zweite Runde zu überstehen.
Nach der Lockout-Saison 2004/05 verpassten die Blues 2006 zum ersten Mal seit 1980 wieder die Playoffs, was bis dato die zweitlängste Serie im gesamten US-amerikanischen Profisport darstellte. Zudem sank die durchschnittliche Zuschauerzahl von 18.000 auf ca. 12.000 pro Spiel.
1999 wurden die Mannschaft von der Wal-Mart-Erbin Nancy Walton Laurie und ihrem Mann Bill gekauft, am 17. Juni 2005 kündigten die beiden jedoch an, das Team wieder abgeben zu wollen. 2006 wurde das Franchise schließlich nach einiger Verhandlungszeit an SCP Worldwide, einer Investment-Gruppe um den ehemaligen Präsidenten des Madison Square Garden, Dave Checketts sowie TowerBrook Capital Partners übergeben.
Der Neuanfang (2006 bis 2011) mini|Das zur Saison 2008/09 eingeführte Alternativ-Logo Nach der Saison 2005/06, in der die Blues die schlechteste Punktebilanz der ganzen Liga aufwiesen, konzentrierte sich das neue Management auf den Neuanfang der Franchise. Der frühere NHL-Torhüter John Davidson wurde zum Präsidenten der Profiabteilung des Clubs ernannt, wodurch Larry Pleau nun nur noch eine hauptsächlich beratende Funktion übernahm. Davidson stellte auch ein konkurrenzfähiges Entwicklungsprogramm unter dem Headscout Jarmo Kekäläinen zusammen. Im NHL Entry Draft 2006 konnten die Blues aufgrund der schlechten Platzierung in der Vorsaison den ersten Spieler des Drafts wählen. Sie entschieden sich für den US-amerikanischen Verteidiger Erik Johnson. In der Transferzeit im Sommer 2006 wurden mit Jay McKee, Bill Guerin, Doug Weight und Manny Legace erfahrene Spieler zur Verstärkung des Kaders verpflichtet. Zu Beginn der Saison 2006/07 schienen die Blues in der Central Division wieder konkurrenzfähig zu sein. Die Mannschaft wurde jedoch während dieser Spielzeit oft von Verletzungen geplagt. Zudem fehlte ein echter Torjäger. Das Ende des Kalenderjahres wurde durch eine Serie mit elf Niederlagen in Folge abgeschlossen. Am 11. Dezember 2006 entließen die Blues Cheftrainer Mike Kitchen und ersetzten ihn durch den ehemaligen Cheftrainer der Los Angeles Kings, Andy Murray. Trotz einer Verbesserung von 24 Punkten gegenüber der Vorsaison erreichte das Team das zweite Jahr in Folge die Playoffs nicht.