Die Burgen- und Klostergeschichte der Gemeinde Pettendorf beschreibt die historischen Gegebenheiten in der Oberpfälzer Gemeinde Pettendorf bei Regensburg. Dort gab es nach dem Jahr 1000 eine Festungsanlage, welche später in ein Kloster umgewandelt wurde und von der keine sichtbaren Überreste vorhanden sind. Im 13. Jahrhundert wurde die Klosteranlage auf den Adlersberg verlegt, wo Kirche und Bausubstanz in großen Teilen erhalten sind.
Die Burg der Herren von Pettendorf (1000 bis 1119) Stammsitz, Namensgebung und Abstammung der Herren von Pettendorf Die Burg zu Pettendorf mini|Im Zusammenhang mit Heinrich IV. (HRR) werden die Herren von Pettendorf 1071 erstmals urkundlich erwähnt mini|Thronsigel von Erzbischof Rudgar von Magdeburg, dem Bruder des Friedrich III. von Pettendorf
Urkunden belegen, dass es im hohen Mittelalter nach der Jahrtausendwende in Pettendorf im Bereich des heutigen Kirchfriedhofs eine Burg gab. Es muss sich dabei um eine mächtige Burganlage am höchsten Punkt im Ort gehandelt haben. Von dieser Burganlage sind keine Überreste erhalten, aber Totengräber stoßen im Friedhofsbereich immer wieder auf unterirdische Mauerreste, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit dem alten Bollwerk zuzuordnen sind. Auch das im Volksmund „Schloss“ genannte Anwesen der heutigen Besitzerfamilie Amann, zwischen Schloßstraße und Martin-Klob-Straße, befindet sich vermutlich auf den Überresten der Burg.
Dass es sich hier um eine mächtige Burg gehandelt haben muss, ergibt sich auch aus dem Umstand, dass sich im 11. Jahrhundert die Besitzer der Anlage Herren von Pettendorf genannt haben. Pettendorf bildete den Stammsitz dieses Adelsgeschlechts und die Familie führt in zeitgenössischen Aufzeichnungen auch immer nur die Bezeichnung „de Pettendorf“ oder nach älterer Schreibweise auch „de Bettendorff“. Weitere Bezeichnungen nach den Herrschaften in Lengenfeld und Hopfenohe wurden laut Hans Schneider erst später ihrem Namen angefügt. In der Literatur werden die Herren von Pettendorf daher auch teilweise als „Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe“ oder „Herren von Pettendorf-Lengenfeld“ bezeichnet.
Ob die Herren von Pettendorf selbst, ihre Vorfahren oder andere Adlige die Burg zu Pettendorf errichtet haben, ist unklar. Gesichert ist lediglich, dass der Raum um Pettendorf bis etwa zum Jahr 1000 bewaldet und erst im Zuge der Erschließung des Nordgaus besiedelt wurde. Auch sind die Herrschaftsverhältnisse vor dem Auftreten des ersten Herrn von Pettendorf, Friedrich I., unklar. Um das Jahr 1000 gehörten große Teile des Nordgaus den Markgrafen von Schweinfurt, deren Herrschaftsmittelpunkt zu jener Zeit in der heutigen Oberpfalz lag. Heinrich von Schweinfurt ist dabei um das Jahr 1000 als „Graf an der unteren Naab“ belegt. Zur Grafschaft „an der unteren Naab“ gehörten damals unter anderem Schierstadt (heute ein Teil von Stadtamhof), Prüfening, Machendorf (bei Parsberg) und Lindenloh (bei Schwandorf). Pettendorf liegt innerhalb dieser Herrschaftspunkte der „Grafschaft an der unteren Naab“, womit die Errichtung eines Stützpunkts bereits durch die zu jener Zeit herrschenden Grafen nicht auszuschließen ist. Wahrscheinlich erscheint sogar eine Besiedelung schon zur Völkerwanderungszeit durch die Agilolfinger, zumal Pettendorf im Mittelalter einer der wichtigsten Orte im Bezirk war.Die Geschichte von Pettendorf in Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Pettendorf, S. 108
Die Herren von Pettendorf und ihre unklare Abstammung Das edelfreie Adelsgeschlecht der Pettendorfer gehörte im 11. Jahrhundert zu den einflussreichsten und wohlhabendsten Familien im Bereich nördlich der mittleren Donau. Ihr Herrschaftsgebiet erstreckte sich von der Donau bei Pettendorf im Süden bis nach Grafenwöhr im Norden, locker eingegrenzt durch die Flüsse Regen, Vils und Naab, und deckte damit große Teile der heutigen Oberpfalz ab. Der Besitz der Pettendorfer bestand aus Vogteirechten, Lehen und Allodialbesitz in diesem Raum. Von ihrer Burg in Pettendorf aus bauten sie ihr Herrschaftsgebiet ab Mitte des 11. Jahrhunderts anscheinend sukzessive nach Norden aus. Wichtige Herrschaftspunkte waren unter anderem Lengenfeld, Hopfenohe, Steinsberg (bei Regenstauf), Ensdorf, Waldeck und Kallmünz. In Lengenfeld begannen sie noch vor dem Jahr 1100 mit der Errichtung einer Großburg zum Schutz ihres erheblich vergrößerten Herrschaftsgebiets (Burg Burglengenfeld). Entscheidend für ihren Aufstieg waren zudem offenbar die Hinwendung zum 1007 gegründeten Bamberger Bistum sowie ihre Verbindungen zu den Saliern und Staufern. Die Herren von Pettendorf werden auch als wichtiges Rodungsgeschlecht in der Oberpfalz angesehen, dies begann mit der systematischen Anlage von zum Teil noch bestehenden Höfen in Eidödlage rund um die Burg Pettendorf (Aignhof, Haselhof, Urtlhof, Tremmelhausen, Aichahof, Hummelberg, Ried) und geht weiter über die Naab (Ebenwies) in den Nordgau hinein. Sie stehen mit dem mit ihnen verwandten Geschlecht der Groitzsch auch mit der Kolonisation im Elberaum in Verbindung.Alois Schmid, 2005, S. 336.
In dieser Zeit stach die Familie der Herren von Pettendorf auch durch Heiratsverbindungen bis in höchste Reichsadelsschichten und bis nach Sachsen hervor. Diese Verwandtschaftsverhältnisse lassen sich teilweise auf Basis der Pegauer Annalen von 1155 nachzeichnen.
Laut Wilhelm WegenerGenealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962–1969 Seite 82 stammte die Linie der Herren von Pettendorf aus der Eheverbindung von Heinrich II. Graf an der Pegnitz († um 1043) und einer Tochter von Kuno I. Graf im Sualafeld († nach 1020) aus der Welfen-Familie ab. Heinrich II. war der Sohn des Markgrafen Heinrich von Schweinfurt (* vor 980; † 1017), der über weite Teile des Nordgaus herrschte und auf dessen (Teil-)Erbe sich vermutlich die Ländereien der Herren von Pettendorf gründeten. Inwieweit dies wahrscheinlich ist, ist allerdings fraglich, da Kaiser Heinrich II. die Ländereien der Markgrafen von Schweinfurt nach der Schweinfurter Fehde zerschlagen und einen Großteil der Besitzungen dem Bistum Bamberg sowie ihm loyalen Adligen übereignet hatte.
Wilhelm Störmer vermutet aufgrund dieser Ausgangslage, dass die Vorfahren der Herren von Pettendorf offenbar zu den Gewinnern der Auseinandersetzung von Heinrich II. und Heinrich von Schweinfurt nach dem Jahr 1003 gehörten. Er und andere Historiker ordnen die Abstammung der Herren von Pettendorf daher einer Seitenlinie der Grafen von Sulzbach oder den mit ihnen Verwandten Edelfreien von Kastl zu. Heinrich WanderwitzVgl. Heinrich Wanderwitz in Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart, S. 35 nennt – als Einziger – hingegen einen „Gotscalc de Ensdorf“ sowie eine „Heilika“ als Eltern von Friedrich I. von Pettendorf und damit als Begründer der Linie der Herren von Pettendorf.
Erstmals wurde die Familie der Herren von Pettendorf im Jahr 1071 in einer Urkunde über eine Schenkung von Kaiser Heinrich IV. erwähnt. 1091 wurde ein „Friedrich de Bettendorf“ in einer weiteren Urkunde Kaiser Heinrichs IV. für das salische Hausbistum Speyer genannt. 1108 fungierte ein „Friedrich de Pettendorf“ für das Domkapitel Bamberg als Zeuge. 1112 wurde „Friedrich de Bettendorph“ in gleicher Funktion in einer Kaiserurkunde Heinrich V. genannt.Vgl. Heinrich Wanderwitz in Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart, S. 31/32 Da es drei unmittelbar aufeinanderfolgende Herren von Pettendorf mit dem Namen Friedrich gab, ist eine konkrete Zuordnung der Namensnennungen sehr schwierig.
In einer Traditionsnotiz des Regensburger Klosters St. Emmeram aus dem Jahr 1028 werden ein „Friedrich de Pettendorf“ und ein „Gotscalc de Ensdorf“ als Ministeriale dieses Konvents genannt. Heinrich WanderwitzVgl. Heinrich Wanderwitz in Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart, S. 34 weist aber darauf hin, dass es sich diesbezüglich bei näherer Betrachtung um eine massive Verfälschung der Notiz nach dem Jahr 1100 handelt. Als Grund für die Fälschung nennt Wanderwitz, dass St. Emmeram möglicherweise nach dem Tod des letzten Pettendorfer Dynasten um 1119 Ansprüche auf dessen Erbe belegen wollte.
Spätere Aufzeichnungen ordnen die edelfreien Pettendorfer häufig falsch ein Laut Heinrich WanderwitzVgl. Heinrich Wanderwitz in Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart, S. 36 werden die Herren von Pettendorf in der Literatur fälschlicherweise vereinzelt auch als Grafen bezeichnet. Dies rührt vermutlich daher, dass der Besitz der Pettendorfer für Edelfreie ungewöhnlich umfangreich und ihre Heiratsverbindungen weit über ihre Standesgrenzen hinausgingen, was dazu führte, dass sie in mittelalterlichen Aufzeichnungen auch schon ungenau als „comes de Lenginvelt“ benannt wurden.
Tatsächlich gehörten die Herren von Pettendorf aber dem edelfreien Stand („nobilissimus de Pettendorf“) an, was sich aus vielen Urkunden des 11. Jahrhunderts und vom Anfang des 12. Jahrhunderts ergibt. Selbst im geplanten Hauskloster der Herren von Pettendorf, dem Kloster Ensdorf, befinden sich keine Nachweise, dass die Pettendorfer dem Grafenstand („comes“) angehörten.
Auch Tobias Weller führt aus, dass den Aufzeichnungen des Klosters Ensdorf gegenüber den Pegauer Annalen der Vorzug zu geben sei und sich aus dem Ensdorfer Gründungsbericht eindeutig ergibt, dass die Herren von Pettendorf Edelfreie (vir nobilis) waren und nicht dem Grafenstand angehörten.
Das Wappen der Herren von Pettendorf mini|Silberner Ring auf rotem Grund – das Wappen der Herren von Pettendorf im Wappen des ehemaligen Landkreises Kemnath mini|Das Wappen der ab dem 15. Jahrhundert auftretenden Bettendorfer mini|Türsturz mit Wappen des Wormser Bischofs Dietrich II. von Bettendorf, Ladenburg, Bereich des Bischofshofes mini|Heilika auf dem Wappen von Pettendorf
Der bis zur Gebietsreform in Bayern am 1. Juli 1972 bestehende Landkreis Kemnath führte in seinem Wappen auch das Wappen der Herren von Pettendorf. Das Wappen der Pettendorfer Edelfreien stellte einen silbernen Ring auf rotem Grund dar. Der Bezug von Kemnath zu den Pettendorfern ergibt sich aus der Burg Waldeck, welche ungefähr fünf Kilometer östlich von Kemnath lag und ab etwa 1050 im Besitz des Adelsgeschlechts war. Der blaue Querbalken im Wappen des Landkreises Kemnath nimmt Bezug auf die Landgrafen von Leuchtenberg, welche vom letzten Herrn von Pettendorf nach Heirat mit einer seiner Töchter zwischen 1112 und 1116/19 die Herrschaft Waldeck geerbt hatten., Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung e. V., 2007., Stadt Kemnath.
Das Wappen mit dem silbernen Ring auf rotem Grund wurde auch vom später aufgetretenen Adelsgeschlecht Bettendorff übernommen, welche ihren Ursprung auch auf die Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe zurückführten. Dieses ab dem 15. Jahrhundert aufgetretene Adelsgeschlecht leitete seinen Namen aber von der Burg Pettendorf bei Neunburg vorm Wald ab. Die tatsächliche Verbindung zu den Alt-Pettendorfern ist aber unklar.
Von Friedrich I. von Pettendorf bis zu Pfalzgräfin Heilika mini|Kloster Ensdorf, letzte Ruhestätte des Friedrich III. von Pettendorf und seiner Töchter
Friedrich I. von Pettendorf (* um 1025; † um 1060) war seit etwa 1050 mit Sigena von Leinungen (* um 1025; † vor 1110), der Tochter von Graf Goswin dem Älteren von Groß-Leinungen und Erbin von Morungen und Gatersleben verheiratet.
Für Sigena war es die zweite Ehe, nachdem ihr erster Ehemann Gaugraf Wiprecht I. vom Balsamgau verstorben war. Sigena überlebte auch ihren zweiten Mann und war zuletzt die dritte Äbtissin des Klosters Vitzenburg. Aus der Ehe von Sigena mit Wiprecht I. ging unter anderem der bedeutende Wiprecht von Groitzsch hervor. Zu ihm schienen die Pettendorfer Herren auch nach dem Tod von Friedrich I. noch engen Kontakt gehalten zu haben. So rief Sigena zwischen 1085 und 1106, also schon lange nach dem Tod von Friedrich I., Siedler aus der Herrschaft Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe nach Weißbach, ins Herrschaftsgebiet ihres ersten Sohns Wiprecht von Groitzsch.