Die Gerhard-Rohlfs-Oberschule ist eine Oberschule in Bremen als Stadtteilschule der Sekundarstufe I und teilgebundene Ganztagsschule in Bremen-Vegesack. Von 1957 bis 1976 war die Schule ein Gymnasium, das Gerhard-Rohlfs-Gymnasium, danach das Gerhard-Rohlfs-Schulzentrum des Sekundarbereichs I, und seit 2010 ist es die Gerhard-Rohlfs-Oberschule. Das Gymnasium wird seit 1993 als Gymnasium Vegesack in der benachbarten Kerschensteinerstraße 2 mit etwa 1000 Schülern weitergeführt.
Schulbeschreibung Die Gerhard-Rohlfs-Oberschule ist eine Oberschule als teilgebundene Ganztagsschule der Sekundarstufe I von Jahrgang 5 bis 10, mit einer Leistungsdifferenzierung in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften als Qualifizierungsangebote für lernstarke Schüler und mit zusätzlichen Förderangeboten für lernschwache Schüler.
Die Oberschule versteht sich als MINT-Schule im Aufbau mit besonderen schulischen Angeboten und Arbeitsgemeinschaften für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). In Kooperation mit der Universität Bremen gibt es Robotik-Kurse. Im Wahlpflichtbereich werden Spanisch und Französisch als zweite Fremdsprache erteilt.
Ein besonderer Schwerpunkt der außerschulischen Angebote ist die Berufsorientierung durch berufsorientierte Betriebs- und Sozialpraktika, Werkstatt- und Praxisphasen in den benachbarten Berufsschulen. Außerdem ist im Verbund mit dem Schulzentrum Vegesack der Aufbau einer Fachoberschule und eines beruflichen Gymnasiums geplant.
Der Ganztagsbetrieb der Oberschule wird von Sozialpädagogen sowie Honorarkräften getragen. Die alten Schulgebäude an der Breiten Straße und der Kirchheide wurden deshalb umfänglich renoviert und zu Jahrgangshäusern umgebaut. Die neue Mensa, ein Kleinspielfeld und ein Spielplatz mit Abenteuerspielgeräten wurden im Gebäude des ehemaligen Gymnasiums Kirchheide untergebracht.
Seit 1937 verfügt die Schule über eine eigene kleine Sternwarte. Nach dem Diebstahl des schuleigenen Fernrohrs konnte 2004 das Observatorium mit einem kleinen Leihteleskop ausgestattet werden. 2004/05 wurde ein schuleigenes Teleskop mit einer 280-mm-Öffnung und einer computergesteuerten Nachführung aufgestellt. Um Öffentlichkeit herzustellen, gibt es einen Freundeskreis der Sternwarte. Die Sternwarte wurde 2011 durch eine Wetterstation erweitert. Die bislang stündlich gesammelten Daten sind im schuleigenen Rechnernetz verfügbar.
Seit 2010 findet an der Oberschule ein Musiktheaterprojekt statt. Basierend auf dem Chorpädagogik-Modell Venezuelas, unter pädagogischer Leitung von Dorothee Daus-Kohlhas vom Musikforum der Hochschule Bremen, erarbeiten Sänger der EuropaChorAkademie mit den Schülern Chortheater-Projekte.
Name Die Schule wurde 1938 nach dem Vegesacker Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (1831–1896) benannt. Berühmt wurde Rohlfs wegen seiner fesselnden Reisebeschreibungen. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Afrikareisenden.
Im Gerhard-Rohlfs-Zimmer des Schlosses Schönebeck, Heimatmuseum für Vegesack, wird die Erinnerung an den Afrikaforscher wachgehalten.
Geschichte Schule vor der Gründung
Das 1794 zum Flecken erhobene Vegesack nahm mit dem Ausbau der Häfen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Schulisch wurde der Ort noch von den Kirchen der Nachbargemeinden Lesum und Blumenthal versorgt. 1823 entstand aus der größeren reformierten und der kleineren lutherischen Kirchenschule eine evangelisch-unierte Kirchenschule. 1827 konnte in sehr bescheidenem Rahmen mit dem Unterricht in einer zusätzlichen Lateinschule als höhere Schulklasse, noch mit der Bezeichnung Klasse für sprachlichen Unterricht, an der damals zweiklassigen Volksschule an der heutigen Jaburgstraße begonnen werden. 1829 entstand das neue Schulhaus an der Ecke Breite Straße und Oststraße (heute Kirchheide). Bis 1840 wurden von einem Lehrer 11 bis 26 Schüler unterrichtet. Viele Schüler verließen nach ihrer Konfirmation die Schule, um praktische Berufe zu erlernen. Zunehmend mehr Schüler setzten ihre Schulausbildung dann jedoch nach 1840 in der nun zweiklassigen Schule am Gymnasium in Bremen fort. Aus der Kirchschule entwickelte sich um 1858 eine Höhere Bürgerschule mit vier bis fünf Klassen und mit einem Vorsteher und vier Lehrern, von denen zwei eine Universitätsausbildung hatten. 1863 erfolgte die Trennung der Volksschule von der Bürgerschule. Vorsteher der Bürgerschule war seit 1867 Dr. Röttger, der mit einer Bremer Schulkommission eine Schulreform und den Ausbau der Schule plante.
Schulgründung Am 5. April 1869 erfolgte die Umwandlung und damit Gründung der Realschule II. Ordnung unter Führung von Röttger nach einer feierlichen Eröffnung durch Senator Hermann Albert Schumacher. Damit hatte Vegesack seine erste höhere Schule. Die Schule mit Direktor Dr. Ebeling und acht Lehrern hatte anfänglich 126, dann rund 150 Schüler und unterrichtete seit 1869 Latein. Ebeling betrieb bis 1899 den Ausbau der Schule. Seit 1874 erfolgte der Ausbau zu einer Realschule I. Ordnung, wie 1876 rückwirkend vom Reichskanzleramt verfügt wurde. Damit konnte die Schule Reifeprüfungen abhalten, welche die Möglichkeit erschloss, in den höheren Dienst einzutreten, Offizier zu werden, eine Technische Hochschule zu besuchen sowie neuere Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren. 1882 führte die Schule den Namen Realgymnasium zu Vegesack. Sie hatte 1892 in neun Klassen von Septima (Vorklasse) bis Prima 135 Schüler. 1888 erfolgte der Anbau eines Zeichensaals und einer Turnhalle, die 1907 erneuert wurde, sowie 1904 der Bau einer Aula.
1899 bis 1918 1899 übernahm Vollert die Schulleitung und führte als Reform 1902 den Frankfurter Lehrplan ein, mit Französisch als erste Fremdsprache ab Sexta, Latein ab Quarta und Englisch ab Obertertia. Turn- und Wanderfahrten sowie der Schulchor waren weitere Neuerungen. Direktor Nagel, bis dahin Oberlehrer in Lübeck, folgte 1905. Sie Schülerzahl wuchs von rund 140 bis 150 um die Jahrhundertwende auf 270 bis 292 um 1913, um zum Ende des Ersten Weltkrieges auf 220 abzusinken. Der Schülerruderverein Wiking wurde 1906 gegründet, und Festspielbesuche ergänzten das Kulturprogramm. 1907 konnte die erste Schülerin als Hospitantin in die Oberklassen aufgenommen werden. Es folgten weitere Schülerinnen von einer Höheren Mädchenschule (1913 Lyzeum), und 1915/16 waren es schon neun. Im Krieg mussten Stundenabsenkungen hingenommen werden, Ernteeinsätze geleistet werden, und Lehrer wie Schüler wurden als Soldaten eingezogen. 1916 konnte der 200. Abiturient die Schule verlassen.
1918 bis 1945 1919 feierte die Schule ihr 50-jähriges Bestehen und der Verein ehemaliger Realgymnasten zu Vegesack wurde gegründet. 1919/20 belief sich die Schülerzahl auf 244 und sank auf 192 Schüler wegen des erhöhten Schulgeldes von 600 bzw. 1000 Mark. 220 bis 230 Schüler waren Ende der 1920er Jahre zu verzeichnen, die von 12 Lehrern unterrichtet wurden. 1929 waren neun Schülerinnen an der Schule. Das Realgymnasium und das Vegesacker Lyzeum erwarben um 1932 das Schullandheim Badenstedt bei Zeven. Das Schulgebäude wurde 1937/38 um eine Etage aufgestockt. Die höheren Schulen wurden in Deutschland ab 1937 einheitlich Oberschulen benannt. 1938 erhielten die Bremer Oberschulen einen dem NS-Regime genehmen Namenspatron. Diese Schule wurde zur Gerhard-Rohlfs-Schule, Oberschule für Jungen. Der naturwissenschaftliche Bereich wurde in dieser Zeit ausgebaut. 1939 gab es 17 Lehrer an der Schule.
Während des Zweiten Weltkriegs musste die Schule viele Schwierigkeiten bewältigen. Schüler der Oberklassen absolvierten zunehmend das Notabitur, um dann Soldaten zu werden. Schüler mussten statt Unterricht Hilfsdienste für die Hitlerjugend (HJ) und beim Ernteeinsatz leisten und Wach- und Botendienste für Polizei und Partei und für die Wehrmacht als HJ-Marinehelfer und Flakhelfer. 1943 wurden 7 Lehrer und 133 Schüler der jüngeren Jahrgänge bis Ende 1944 nach Hofgeismar bei Kassel evakuiert. Erheblicher Unterricht fiel aus und die Prüfungen wurden „so einfach wie möglich gestaltet“.
1945 bis 1976/77 Nach Kriegsende war das erhaltene Schulgebäude bis Juni 1945 ein deutsches Reservelazarett, dann die amerikanische Slaughter Memorial School. Erst Anfang 1946 wurde diese Schule von der Militärregierung der Amerikaner freigegeben. Der Unterricht konnte nur unter sehr erschwerten Bedingungen aufgenommen werden, vor allem fehlte es an Pädagogen, die entweder im Krieg gefallen waren oder wegen ihrer NS-Vergangenheit nach dem Krieg von der amerikanischen Militärregierung entlassen wurden. Es fehlte an geeigneten neuen Lehrbüchern, aber auch an Schreibmaterialien. Die amerikanische Militärregierung richtete 1946 eine Schulspeisung ein.
Gerhard-Rohlfs-Schule Bereits Ende 1945 wurde Wilhelm Dening Schulleiter, und er betrieb den Wiederaufbau des geregelten Schulbetriebes. Er förderte die Schülermitgestaltung und die Herausgabe der Schulzeitung Das Echo. Mit der Schulreform von 1949 wurde in Bremen die sechsjährige Grundschule eingeführt. Die Höheren Schulen ab Klasse 7, nunmehr Oberschule Zweig D genannt, wurden in vier Fachzweige differenziert. Die Gerhard-Rohlfs-Schule richtete traditionsgemäß den neusprachlichen und den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig ein, deren „Gabelung“ ab der 11. Klasse erfolgte. Nach Vorgabe des Schulsenators sollte der Unterricht in der 13. Klasse recht aufgelockert mit Wahlangeboten ausgerichtet werden. Für die 11. bis 13. Klasse wurden zudem freiwillige Studienkreise eingerichtet für wissenschaftliche, musische und sportliche Bereiche, aber auch für unter anderem Chor, Laienspiel oder Fotografie. Die Schulgeld- und Lernmittelfreiheit wurde in Bremen eingeführt. Ein jährliches Schulgeld von 240 Mark mussten nur auswärtige Schüler leisten.
1949 waren 505 Schüler in 16 Klassen und 24 Pädagogen an der Schule. Die Schülerzahl sank dann etwas, um aber 1955 wieder auf 540 zu steigen. Die Raumnot wurde zunehmend größer, und „Wanderklassen“ mussten eingerichtet werden. Schul- und Sportfeste waren unter den Schülern beliebt. 1953 wurde die Schule Handballschulmeister und siegte bei leichtathletischen Disziplinen. Dichterlesungen, Laienschauspiele, Schüleraustausch, Studienfahrten oder Vortragsveranstaltungen gehörten zu Schulprogramm. Der Schüleraustausch insbesondere mit Frankreich nahm in den 1960er Jahren zu. Ziele waren u. a. Neufchâteau in den Vogesen und seit 1963 Le Havre.
Gerhard-Rohlfs-Gymnasium 1956 wurde die Einführung der Koedukation, der gemeinsame Schulbesuch von Jungen und Mädchen, beschlossen und ab 1957 eingeführt. Die Schule führte ab 1957 den Namen Gerhard-Rohlfs-Gymnasium. Nach Wiedereinführung der vierjährigen Grundschule in Bremen war der Übergang nunmehr sowohl von der vierten als auch von der sechsten Klasse möglich. 1957/58 waren 650 Schüler in 22 Klassen an der Schule und 1958/59 bereits 749 Schüler in 25 Klassen, davon 113 Mädchen.
Die Schulzeitung Das Echo Die Schulzeitung „Das Echo“ erschien erstmals am 20. Oktober 1949. Gegründet wurde das „Monatsblatt der Gerhard-Rohlfs-Schule“ in der ehemaligen NSDAP-Hochburg Bremen-Vegesack, um als Diskussionsforum die Eingliederung der in der NS-Zeit sozialisierten Schüler in die Nachkriegsgesellschaft zu fördern.