mini|Das Logo der meisten Edgar-Wallace-Filme ab 1964 Als Edgar-Wallace-Filme im weiteren Sinn werden alle Kinoproduktionen bezeichnet, die auf Werken des britischen Schriftstellers Edgar Wallace beruhen. Im engeren Sinn steht der Begriff für eine Reihe deutschsprachiger Kriminalfilme der 1960er-Jahre, die mit Der Frosch mit der Maske (1959) begann, produziert von der dänischen Rialto-Film.
Die eigenständige, deutsche Spielart des Filmgenres war zu ihrer Zeit sehr erfolgreich. Stilistisch war sie entscheidend von der Regiearbeit Alfred Vohrers geprägt, der vor allem auf Effekte des Thrillers und des sanften Horrors setzte. Seine Filme riefen zahlreiche Nachahmer auf den Plan und mündeten in eine regelrechte Serienproduktion. Deren Abschluss bildete die italienisch-deutsche Koproduktion Das Rätsel des silbernen Halbmonds (1972), die jedoch kaum mehr etwas mit dem ursprünglichen Stil gemein hatte. Die unverwechselbare Handschrift und leichte Wiedererkennbarkeit der deutschen Edgar-Wallace-Filme führte dazu, dass seit den 1990er-Jahren etliche Parodien nach ihrem Vorbild entstanden.
Die Geschichte der deutschen Edgar-Wallace-Filme 1920er- und 1930er-Jahre mini|hochkant|Edgar Wallace in Berlin, 1928 Schon während der Stummfilm-Ära erkannten deutsche Filmproduzenten, dass die Romane von Edgar Wallace leicht zu verfilmen sind. Der erste deutsche Edgar-Wallace-Film Der große Unbekannte entstand bereits 1927 unter der Regie von Manfred Noa. Wallace selbst besuchte das Drehteam des nächsten Films, Friedrich Zelniks Der rote Kreis (1929), in Berlin.
1931 verfilmte Carl Lamac Der Zinker, eines von Wallaces bekanntesten Werken, als Tonfilm. Es folgten die Adaptionen des noch populäreren Romans Der Hexer (1932), ebenfalls von Lamac, und Der Doppelgänger (1934) unter der Regie von E. W. Emo.Eike Kronshage: Weimar Wallace: Three Early German Screen Adaptations of Novels by Edgar Wallace (1931–1934). In: Zeitschrift für Anglistik und Amerikanistik: A Quarterly of Language, Literature and Culture. Vol. 67, No. 4 (2019), S. 375–391, . Danach entstanden zunächst keine Edgar-Wallace-Verfilmungen mehr im deutschsprachigen Raum.
1959 bis 1972 Gerhard F. Hummel, damaliger Programmberater der Constantin Film, erstellte 1955 eine Analyse des Kriminalromans Die toten Augen von London (Originaltitel: The Dark Eyes of London) von Edgar Wallace. Hummel schlug Verleihchef Waldfried Barthel vor, eine deutsche Edgar-Wallace-Filmserie in die Kinos zu bringen. Da auf Fiktion basierende, deutsche Kriminalfilme zu dieser Zeit schlecht besucht waren, rieten Filmproduzenten von einer solchen Unternehmung ab. Das Risiko, mit einer deutschen Wallace-Verfilmung einen finanziellen Misserfolg zu landen, erwies sich als zu groß.
Der dänische Filmproduzent Preben Philipsen, bis 1955 Miteigentümer des Constantin-Filmverleihs und Chef der in Kopenhagen ansässigen Rialto Film, erwarb 1958 den deutschen Prisma-Filmverleih. In dessen Programm wurde für 1958/59 der britische Kriminalfilm The Ringer (dt. Titel: Der Hexer, auch Der Würger kommt um Mitternacht) aus dem Jahr 1952 angekündigt. Nach Sichtung des Films in München beschlossen Preben Philipsen und Waldfried Barthel, den Film nicht in die Kinos zu bringen. Stattdessen entstand die Idee zu einer eigenen Filmserie nach Romanen des britischen Schriftstellers Edgar Wallace. Zum Auftakt wählte man die Verfilmung von The Fellowship of the Frog aus dem Jahr 1925, das bereits ein Jahr später als Der Frosch mit der Maske in deutscher Sprache erschien. Der Wilhelm Goldmann Verlag brachte seine Erstausgabe 1928 heraus. Seit 1952 war das Werk als Goldmanns Taschen-Krimi Band 1 erhältlich. Daneben erwarb Philipsen bei Verhandlungen mit Edgar Wallaces Tochter Penelope Wallace die Verfilmungsrechte zu dem Roman The Crimson Circle (dt. Titel: Der rote Kreis) mit einer Option auf weitere Verfilmungen nach Wallace-Romanen.
1959 produzierte die dänische Rialto Film den Film Der Frosch mit der Maske im Auftrag der Constantin Film. Der Film entwickelte sich zu einem großen Überraschungserfolg. Rialto erwarb daraufhin die Exklusivrechte fast aller Wallace-Romane, gründete ein deutsches Tochterunternehmen und steuerte, unbekümmert von den zahlreichen Epigonen anderer Produzenten, dem künstlerischen und kommerziellen Höhepunkt der Reihe entgegen. Die insgesamt 32 Wallace-Verfilmungen der Rialto Film, die ab 1961 unter der Gesamtleitung des Produzenten Horst Wendlandt entstanden, blieben bis in die späten 1960er-Jahre in Kreativität und treffsicherer Inszenierung federführend.
Ab der Produktion Der Bucklige von Soho (1966) entstanden sämtliche Edgar-Wallace-Verfilmungen in Farbe. Man distanzierte sich zunehmend von den originalen Romanvorlagen, um eigene Geschichten nach Motiven verschiedener Wallace-Stoffe zu kreieren. Damit entsprachen die Filme zwar mehr dem Zeitgeist der späten 1960er-Jahre. Dramaturgisch, inhaltlich und inszenatorisch sank das Niveau der Filme jedoch.
1969 begann die Rialto, einige Filme von italienischen Firmen koproduzieren zu lassen, um sich lediglich noch mit einem Teil an den Produktionskosten zu beteiligen. Das Publikum blieb diesen Werken zunehmend fern und die Serie endete in der Kinosaison 1972 mit dem Film Das Rätsel des silbernen Halbmonds. Ursprünglich sollte der Film Das Messer (auch Blutspur im Park) unter dem Titel Das Geheimnis der schwarzen Rose als 33. Edgar-Wallace-Film der Rialto Film veröffentlicht werden, doch nach einem Gutachten von Gerhard F. Hummel zogen sich sowohl Constantin Film als auch Rialto Film aus der Finanzierung des Projekts zurück. Da das Drehbuch auf keiner Vorlage von Edgar Wallace basiert, wurde sein Name bei der Vermarktung des Films schließlich auch nicht erwähnt.
Fernsehproduktionen In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden bereits einige Fernsehspiele nach Edgar Wallace im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Alle späteren Fernsehproduktionen können hingegen als Versuch gesehen werden, den Erfolg der Edgar-Wallace-Serie der 1960er-Jahre wiederzubeleben. So produzierte Rialto Film ab 1995 zwei Staffeln einer Edgar-Wallace-Serie für RTL. Einige der Darsteller aus den alten Edgar-Wallace-Kinofilmen konnten für diese Produktionen gewonnen werden, so unter anderem Eddi Arent, Harald Leipnitz, Gisela Uhlen, Pinkas Braun, Eva Ebner und Friedrich Schoenfelder. Hauptpersonen der ersten Staffel sind Chief-Inspector Nick Higgins (Joachim Kemmer), Inspector Barbara Lane (Julia Bremermann), Scotland-Yard-Chef Sir John (Leslie Phillips) und der pensionierte Inspector Flatter (Eddi Arent). In der zweiten Staffel treten neben Gunter Berger als Chief-Inspector Higgins und Eddi Arent als Sir John Rebecca Immanuel, Petra Kleinert und Mariella Ahrens auf. Die insgesamt acht unterschiedlich langen Filme wurden größtenteils frei nach Edgar Wallace erzählt.
Parodien 1994 produzierte RTL Otto – Die Serie mit dem Komiker Otto Waalkes. Die 13-teilige Reihe bestand größtenteils aus digital bearbeiteten, neu synchronisierten Szenen aus Edgar-Wallace-Filmen. Die Serie wurde eingestellt, nachdem aufgrund der ungeklärten Rechtslage einige Schauspieler oder deren Angehörige geklagt hatten.
Die 2004 produzierte Filmkomödie Der WiXXer entstand laut Tagline nach keinem Roman von Edgar Wallace. Neben den Komikern Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka und Anke Engelke traten auch die Altstars Wolfgang Völz, Grit Boettcher und Eva Ebner in der erfolgreichen Parodie auf. Ursprünglich wollten die Macher auch Joachim Fuchsberger für das Projekt gewinnen, der aber ablehnte.
Nachdem Fuchsberger eine DVD des Films erhalten hatte, sagte er für dessen Fortsetzung Neues vom Wixxer zu. Der Film, in dem auch Chris Howland, Ingrid van Bergen und abermals Wolfgang Völz zu sehen waren, stieß zwar auf weniger Resonanz als der Vorgänger. Dennoch war zunächst eine weitere Fortsetzung unter dem Titel Triple WixXx geplant. Nachdem sich das Projekt immer wieder verzögert hatte, gab Kalkofe im August 2015 bekannt, dass Triple WixXx aufgrund des Ausstiegs von Bastian Pastewka nicht gedreht wird.Oliver Kalkofe beendet "Triple Wixx"-Gerüchte, 9. August 2015.
Merkmale der deutschen Edgar-Wallace-Filme Regie Kein Regisseur hat den Stil der Edgar-Wallace-Filme mehr beeinflusst als Alfred Vohrer. Der erfahrene Synchronregisseur inszenierte 14 Filme der Serie, darunter Klassiker wie Die toten Augen von London, Das Gasthaus an der Themse und Der Hexer. Die leicht übertriebene Schauspielführung und die pointierte Schnitt- und Zoomtechnik sind für praktisch alle Film- und Fernseharbeiten Vohrers typisch.
Nicht viel weniger Einfluss auf die Serie hatte Harald Reinl, zu dessen fünf Edgar-Wallace-Filmen das erste Werk zur Reihe Der Frosch mit der Maske sowie die Höhepunkte Die Bande des Schreckens und Der unheimliche Mönch zählen. Typische Merkmale der Filme des einstigen Heimat- und Bergfilm-Regisseurs sind stimmungsvolle Außenaufnahmen mit langen Kamerafahrten und -schwenks. Stilmittel, die Reinl vor allem auch in den durch ihn geprägten Karl-May-Filmen angewendet hat.
Die eher routinemäßig arbeitenden Regisseure Franz Josef Gottlieb (drei Filme) und Harald Philipp (ein Film) hatten mit ihren Wallace-Adaptionen eher die Funktion, Vohrers und Reinls Stile zu kopieren. Der Journalist und Stahlnetz-Regisseur Jürgen Roland (zwei Filme) konnte die Serie durch seinen eigenwilligen, fast dokumentarischen Stil mit statischen und kontrastreichen Bildern bereichern. Josef von Báky (ein Film) griff bei der Inszenierung auf seine langjährige Erfahrung als UFA-Regisseur zurück und schuf einen kommerziell erfolgreichen, von Kritikern jedoch oft als antiquiert bezeichneten Wallace-Film.
Akos von Rathony und Helmuth Ashley (jeweils ein Film) wurden hingegen mit der Inszenierung von Wallace-Filmen beauftragt, um innerhalb der Serie neue Akzente zu setzen und mit dem eigentlichen Stil der Serie bewusst zu brechen. Noch mehr traf dies auf die Arbeiten der britischen Regisseure Lawrence Huntington, Freddie Francis, Robert Lynn, John Llewellyn Moxey, Cyril Frankel und des Spaniers Jess Franco (jeweils ein Film) zu. Deren Wallace-Filme waren eher anderen Subgenres wie Gangster-, Agenten- oder Abenteuerfilmen zuzurechnen. Die Filme der Italiener Riccardo Freda, Massimo Dallamano und Umberto Lenzi zählten zur Gattung des Giallo. Trotz wohlwollender Worte der Filmkritik stießen die meisten Versuche, das Genre zu verlassen, beim Publikum auf wenig Erfolg.
Darsteller Die Besetzung mit bewährten Schauspielern in ähnlichen Rollen war typisch für die Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zu den meist reifen und besonnenen Ermittlern zählten Joachim Fuchsberger (13 Filme), Heinz Drache (acht Filme), Siegfried Lowitz (vier Filme), Harald Leipnitz (drei Filme) oder Klausjürgen Wussow (zwei Filme). In den weiblichen Hauptrollen waren meist attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme), Brigitte Grothum (drei Filme), Uschi Glas (fünf Filme) oder Karin Baal (drei Filme) zu sehen. Zwielichtige Charaktere wurden regelmäßig von Fritz Rasp (fünf Filme), Pinkas Braun (fünf Filme), Harry Wüstenhagen (sechs Filme), Christopher Lee (drei Filme) und vor allem Klaus Kinski (16 Filme) gespielt. Komische Rollen übernahmen Eddi Arent (23 Filme), Siegfried Schürenberg (16 Filme) und Hubert von Meyerinck (vier Filme). Zudem traten immer wieder profilierte Film- und Bühnenschauspieler wie Elisabeth Flickenschildt, Gert Fröbe, Dieter Borsche, Lil Dagover oder Rudolf Forster und Margot Trooger in wichtigen Gastrollen auf.
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