mini|Wappen von Rheinland-Pfalz Die Geschichte von Rheinland-Pfalz umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die Geschichte von Rheinland-Pfalz im engeren Sinne begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg am 30. August 1946, als durch Militärverordnung Nr. 57 der französischen Besatzungsmacht aus der ehemals bayerischen Pfalz, aus den Regierungsbezirken Koblenz und Trier der ehemaligen preußischen Rheinprovinz, aus den linksrheinischen Teilen der ehemals zum Volksstaat Hessen gehörigen Provinz Rheinhessen, aus Teilen der preußischen Provinz Hessen-Nassau (Montabaur) und aus dem ehemals oldenburgischen Gebiet um Birkenfeld das Land Rheinland-Pfalz gegründet wurde.
Geschichte vor Gründung des Bundeslandes Ur- und Frühgeschichte In vorgeschichtlicher Zeit war das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz am Rhein und an den anderen größeren Flüssen kontinuierlich besiedelt. Die Besiedlung auch abseits der Flüsse wird durch Funde seit der Zeit der Neandertaler belegt, wie etwa durch den Faustkeil von Kirchheimbolanden, den von Lauterecken oder den von Leinsweiler, deren Mindestalter mit 200.000 Jahren angegeben wird.
Antike Vor der Zeitenwende siedelten keltische Stämme in der Region, darunter die Treverer, Mediomatriker, Nemeter und Vangionen.
Während des Gallischen Kriegs eroberten die Römer unter Julius Caesar 55 v. Chr. das linksrheinische Gebiet. Bei Strafexpeditionen gegen die Germanen drang Cäsar zeitweise auch auf das rechte Rheinufer vor und ließ temporäre Rheinbrücken bei Neuwied und Urmitz errichten. Das rechte Rheinufer kam unter Drusus und Tiberius dauerhaft unter römische Herrschaft. Nachdem die linksrheinischen Gebiete gesichert waren, kam es dort verstärkt zu römischen Ortsgründungen. Unter anderem gehen die heutigen Orte Andernach (lat. Antunnacum), Bingen (lat. Bingium), Boppard (lat. Baudobriga), Koblenz (lat. Confluentes), Mainz (lat. Mogontiacum), Remagen (lat. Rigomagus), Speyer (lat. Noviomagus Nemetum), Trier (lat. Augusta Treverorum) und Worms (lat. Borbetomagus) auf römische Siedlungen und Lager zurück. Eine Mehrzahl der ältesten Städte Deutschlands liegt in Rheinland-Pfalz.
Die Römer erschlossen das Gebiet durch Straßen und Wege und organisierten es in Provinzen; das heutige Rheinland-Pfalz umfasst Teile der Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Gallia Belgica.
Das um 17 v. Chr. gegründete Augusta Treverorum wurde vor der Mitte des 3. Jh. zur Hauptstadt der Provinz Gallia Belgica und Ende des 3. Jh. kaiserliche Residenzstadt. Hiervon künden die Palastaula und die Kaiserthermen. Mit einer hohen fünfstelligen Einwohnerzahl im Jahr 300 war Augusta Treverorum die größte Stadt nördlich der Alpen.
Nach der Gründung von Mogontiacum um 13/12 v. Chr. durch die Anlage eines Legionslagers und der Stationierung von bis zu 40.000 Soldaten war der Standort Ausgangspunkt für zahlreiche Feldzüge in die rechtsrheinische Germania magna. Mit der Gründung der Provinz Germania superior im Jahr 90, die große Teile des heutigen Rheinland-Pfalz umfasste, wurde Mogontiacum zur Hauptstadt der Provinz bestimmt.Leonhard Schumacher: Mogontiacum. Garnison und Zivilsiedlung im Rahmen der Reichsgeschichte in: Michael J. Klein (Hrsg.): Die Römer und ihr Erbe. Fortschritt durch Innovation und Integration. Philipp von Zabern, Mainz 2003, ISBN 3-8053-2948-2. Ein auf den 27. Oktober 90 datiertes Militärdiplom im Landesmuseum Mainz (Inv.-Nr. 0,400, ) gilt als frühestes epigraphisches Zeugnis der neu eingerichteten Provinz. Von der Bedeutung als römischer Rheinhafen künden die Funde der Mainzer Römerschiffe.
Unter dem Druck vereinigter germanischer Stämme auf die Ostgrenze, den obergermanischen Limes, mussten die Römer im 3. Jh. das rechte Rheinufer aufgeben. Links des Rheins konnten sie ihre Herrschaft bis ins 5. Jh. halten.
Mittelalter 406 überschritten germanische Angreifer im Zuge der Völkerwanderung den Rhein und plünderten mehrere römische Städte. Im frühen 5. Jahrhundert kontrollierten zunächst Burgunden (411–435) als foederati gemeinsam mit regulären weströmischen Einheiten das Gebiet, bis sie rebellierten und von Flavius Aëtius 436 blutig niedergeworfen wurden. Nach etwa 455 traten dann Alamannen und schließlich die merowingischen Franken die Nachfolge der römischen Herrschaft am Rhein an: Als Chlodwig I. um 482 seinem Vater als rex nachfolgte, wurde er formal zugleich administrator der aus Germania Superior hervorgegangenen Provinz Germania Prima, die sich dann schrittweise in fränkisches Kronland verwandeln sollte.
Chlodwig übernahm den funktionsfähigen spätantiken römischen Verwaltungsapparat (deren Kern vor allem im Süden die civitates waren). Dabei spielte die Macht der örtlichen Bischöfe, die oft Verwaltungsaufgaben in den civitates übernommen hatten, eine wichtige Rolle, sodass sich die Kirche zu einer weiteren Machtstütze des Königs entwickeln sollte. Im heutigen Rheinland-Pfalz waren dies die auf die Römer zurückgehenden Bistümer Trier, Mainz, Worms und Speyer. Im Norden des heutigen Rheinland-Pfalz griff das Erzbistum Köln südwärts bis zu Ahr aus.
Die römischen Provinzhauptstädte Trier und Mainz konnten sich im Lauf des Frühmittelalters als Metropolitansitze etablieren. Trier wurde bereits im 6. Jh. Sitz eines Erzbischofs. Mainz folgte in diesem Rang im 8. Jh. unter Bonifatius und Lullus nach. Beide Bistümer konnten ihren Status bis zum Anfang des 19. Jh. halten. Zur Trierer Kirchenprovinz gehörten die (seit 1648 französischen) Suffraganbistümer der Trois-Évêchés: Metz, Toul und Verdun. Die Kirchenprovinz umfasste damit eine Zentralregion des Fränkischen Reiches. Das Bistum Trier selbst konnte sich durch die Angliederung des Mayengaus die Mosel entlang bis an den Rhein nach Koblenz und darüber hinaus auf den Unterlauf der Lahn ausdehnen.
Das Bistum Mainz wurde unter dem Missionserzbischof Bonifatius Ausgangspunkt der Mission germanischer Gebiete östlich und nördlich des Rheins, die dort entstehenden Bistümer wurden dem Mainzer Erzbischof unterstellt; zur ab 782 eingerichteten Kirchenprovinz Mainz gehörten zunächst die Suffraganbistümer Verden, Hildesheim, Halberstadt, Paderborn, Würzburg, Worms, Speyer, Augsburg, Eichstätt, Konstanz, Straßburg und Chur. War der Bischofssitz von Trier anfangs aufgrund seiner zentralen Lage im Merowingerreich sehr bedeutend, verschob sich das Gewicht mit der Ausdehnung des Reiches nach Osten unter den Karolingern zunehmend ostwärts und brachte dem Bischofssitz von Mainz einen erheblichen Bedeutungszuwachs.
Die Region des heutigen Rheinland-Pfalz gehörte im Fränkischen Reich zum Teilreich Austrasien und blieb von mehreren Reichsteilungen unbetroffen. Nach dem Aufstieg der Karolinger zur Königswürde im fränkischen Reich wurde Karl der Große ab 800 Kaiser. Die Rheinlande nahmen im Fränkischen Reich eine zentrale Stellung ein. Die Karolinger bevorzugten die rheinischen Pfalzen und Bischofssitze; die Kaiserpfalz Ingelheim wurde zu einer bevorzugten Residenz von Karl und seinem Sohn und Nachfolger Ludwig dem Frommen. Nach dessen Tod kam es 842 in der St. Kastorkirche bei Koblenz zu Verhandlungen zwischen den Bevollmächtigten der Söhne Ludwigs, die zum 843 geschlossenen Vertrag von Verdun führten. Mit diesem wurde das Reich geteilt: Die Westteile des heutigen Rheinland-Pfalz mit dem Metropolitansitz Trier sowie dem Mayengau und Koblenz kamen dabei an Ludwigs Sohn Lothar I.; die östlichen Teile, umfassend den Wormsgau, Speyergau und Nahegau sowie den Metropolitansitz Mainz, die Bischofssitze Worms und Speyer und die Kaiserpfalz Ingelheim, fielen an Lothars Bruder Ludwig den Deutschen. Weitere Streitigkeiten zwischen den Nachfolgern Ludwigs des Frommen konnten 860 in dem ebenfalls in der Kastorkirche verhandelten Frieden von Koblenz bereinigt werden. Die Teilung der Region des heutigen Rheinland-Pfalz hatte jedoch nicht lange Bestand, und nach der Prümer Teilung 855 sowie dem Vertrag von Meersen 870 wurden die Gebiete des heutigen Rheinland-Pfalz unter Ludwig dem Deutschen im Ostfrankenreich, dem Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches, wieder vereint. Die Gebiete des heutigen Rheinland-Pfalz blieben seitdem Teil des deutschen Kulturraumes, während sich aus dem benachbarten Westfrankenreich im Lauf des 9. und 10. Jahrhunderts Frankreich entwickelte.
Innerhalb des Ostfränkischen Reiches bildeten ab Ende des 9. Jh. die Teile des Lotharinigschen Mittelreiches das Herzogtum Lothringen; die östlich davon gelegene Region bildete das Herzogtum Franken. Letzteres fiel bereits nach der Schlacht bei Andernach wieder an den König zurück. In der Folge bildete es für mehrere Jahrhunderte das Kernland des Königtums. Von der Bedeutung insbesondere für die Dynastien der Salier und Staufer künden die rheinischen Kaiserdome von Speyer, Worms und Mainz sowie die Pfalzen und Königshöfe von Kaiserslautern, Oppenheim, Worms, Ingelheim, Bingen, Bad Kreuznach, Oberwesel, Boppard, Andernach, Remagen und Sinzig.
Mit der Territorialisierung schwand die Macht der Könige zugunsten der Landesfürsten. Dabei bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz insbesondere die kirchlichen Kurfürstentümer Kurtrier, und Kurmainz sowie das weltliche Kurfürstentum Kurpfalz.
Neuzeit mini|Freiheitsbaum mit Jakobinermütze in der Mosellandschaft an der Grenze zwischen dem Herzogtum Luxemburg und der Französischen Republik mit dem Ort Schengen im Hintergrund; Aquarell über Feder- und Bleistiftzeichnung von J. W. Goethe (1792) mini|Der Zug zum Hambacher Schloss mini|Abzug französischer Truppen aus Mainz 1930 mini|Amerikanischer Luftangriff auf Koblenz 1944 Der Mainzer Johannes Gutenberg erfand um 1440 den Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern. Die neue Drucktechnik revolutionierte die Welt, indem sie die rasche Vervielfältigung von Büchern sowie die schnelle Verbreitung von Wissen in allen Bevölkerungsschichten ermöglichte.
Am 17. April 1521 stand Martin Luther vor dem Reichstag zu Worms. Dabei wurde er vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies sein Tod sein konnte, lehnte er mit folgender Begründung ab:Martin Treu: Martin Luther und das Geld. Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Wittenberg 2000, ISBN 3-9806328-9-X, S. 49 ff.
Die oft zitierte Version Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen ist nicht belegt. Darauf verhängte der Reichstag am 26. Mai 1521 das vom Kaiser gezeichnete Wormser Edikt über ihn.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) marschierten Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. im Rheinland ein, um von den deutschen Reichsfürsten eine dauerhafte Anerkennung seiner als Reunion annektierten Gebiete durchzusetzen und im Namen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz Teile der Kurpfalz zu beanspruchen. Die Ablehnung und der Widerstand durch Kaiser und Reichsfürsten führten zu einem langjährigen Krieg, in dem vor allem durch eine französische Politik der verbrannten Erde weite Teile des heutigen Rheinland-Pfalz verwüstet wurden. So gingen viele Städte im nördlichen Kurtrier und der Kurpfalz in Flammen auf oder wurden schwer beschädigt. An Rhein und Mosel wurden viele Burgen, beispielsweise 1689 Burg Stolzenfels, völlig zerstört. Im Frieden von Rijswijk 1697 gab Ludwig XIV. alle besetzten oder reunionierten Gebiete zurück mit Ausnahme des nördlichen Elsasses, wozu damals auch die Festungsstadt Landau gehörte.
Nach der Französischen Revolution kam es im Ersten Koalitionskrieg zur Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Truppen. Bayern verlor die Kurpfalz und die drei rheinischen Kurfürsten mussten fliehen, Kurköln und Kurtrier wurden schließlich 1803 im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgelöst. Im Schutz der französischen Truppen kam es 1793 in Mainz zur Ausrufung der Mainzer Republik, dem ersten Staatswesen auf deutschem Boden, welches auf bürgerlich-demokratischen Grundsätzen beruhte.