mini|Die Lage des Ländeburgus am niederpannonischen Donaulimes. mini|Paks und Kömlőd (Kimling) auf einem Ausschnitt einer Karte von 1809. Zu sehen sind die Halbinsel Imsós, die sog. Überfahrt Imsós bei Zádor und die Battyán vára (Battyán-Burg), an deren Stelle einst das Kastell Lussonium stand. mini|Das Kastell Lussonium und der Ländeburgus mit der nach Aquincum führenden Heerstraße. mini|Grundriss des Ländeburgus Contra Florentiam, so oder so ähnlich könnte auch der Burgus von Dunakömlőd ausgesehen haben.

Der Burgus Dunakömlőd, der auch unter den Namen Zádor–Imsós und Contra Lussonium bekannt geworden ist, war ein ehemaliger römischer Ländeburgus, dessen Besatzung in der Spätantike einen Flussübergang am pannonischen Donaulimes sicherte. Die Anlage befand sich am Ostufer des Stromes, schräg gegenüber dem Kastell Lussonium,Kastell Lussonium bei . auf einer schon im Barbaricum befindlichen Halbinsel, heute das Gemeindegebiet von Dunakömlőd, im ungarischen Komitat Tolna.

Lage Die antike topographische Situation ist heute vor Ort nur mehr sehr schwer zu rekonstruieren, da sich der Lauf der Donau seither vollständig verändert hat. Bis zur Flussregulierung in den 1840er Jahren floss der Strom in einem mächtigen, nach Norden ausgreifenden Bogen östlich des 1785 als „Kimling“ wiederbegegründeten Ortes Dunakömlőd vorbei. Dieser Bogen, dessen nördlichster Punkt früher als „Krümmung Imses“Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 114 (Zeichnung). (Krümmung von Imsós) bekannt war, ist noch durch Altwasserarme und Waldsäume im Gelände erkennbar. Der heutige Donaulauf hat die einst als „Halbinsel Imsós“ bekannte Landzunge vollständig ausgespart. Von Nordosten kommend, fließt der Strom seit dem 19. Jahrhundert statt nach Nordwesten zur „Krümmung Imses“ direkt nach Westen und knickt dann nach Südwesten ab. Nahe diesem Knick, an den das Nordende der Stadt Paks reicht, wurden die Reste des Burgus Dunakömlőd in der Donau entdeckt. Einst kam der Fluss in diesem Bereich nicht von Osten, sondern von Norden, von der „Krümmung Imses“ her. Und entsprechend lag der Ländeburgus nicht wie heute am Nordufer des Flusses, sondern an dessen Ostufer auf der „Halbinsel Imsós“. Nordwestlich des Burgus, auf der damaligen anderen Uferseite stand möglicherweise bereits seit dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. auf einem hohen Lössberg das Kastell Lussonium. Beide rund 1,2 Kilometer voneinander entfernt liegenden Militärplätze besaßen auch Sichtkontakt zueinander.

Die Wahl des Bauplatzes für den Ländeburgus entsprang nicht dem Zufall, sondern war wohlüberlegt, da in diesem Bereich schon seit prähistorischer Zeit ein häufig benutzter Donauübergang bestand,Zsolt Visy: The ripa Pannonica in Hungary. Akadémiai Kiadó, Budapest 2003, ISBN 963-05-7980-4, S. 95. die sog. „Überfahrt Imsós“. In der späteren ungarischen Geschichte setzten hier mehrfach große Heeresverbände über den Strom. Besondere Berühmtheit erlangte in diesem Zusammenhang das Übersetzen der Revolutionstruppen des ungarischen Nationalhelden Ferenc Rákóczis 1705/1706 unter der Führung des Generals János Bottyán. Nachdem dessen Truppen sicher das Westufer erreicht hatten, verschanzten sie sich auf dem Areal des einstigen Kastells Lussonium.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 112–113. Die Stelle trug auf den Landkarten von da ab den Namen „Bottyán vár“ (Bottyán-Burg), heute „Bottyán-Sánc“ (Bottyán-Wall).

Name Der in der Vergangenheit vielfach angenommene, rekonstruierte Name Contra Lussonium lässt sich durch die antiken Quellen nicht belegen. Bereits der Limesexperte Sándor Soproni (1926–1995) hielt diese Namensrekonstruktion für weniger wahrscheinlich.Sándor Soproni: Der spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Akademiai Kiado, Budapest 1978, ISBN 963-05-1307-2, S. 162. Insgesamt ist die Diskussion um verschiedene erhalten gebliebene bzw. rekonstruierte antike Namen entlang des ungarischen Donaulimes noch nicht abgeschlossen.Siehe z. B. Péter Kovács: Discussio. (Zu: Ágnes Szabó, Endre Tóth (Hrsg.): Bölcske. Römische Inschriften und Funde.) In: Acta Archaeologica. 55, Akadémiai Kiadó, Budapest 2004, S. 382.

Forschungs- und Baugeschichte Die Anlage ist – wie auch der etwas weiter nördlich gelegene Burgus Bölcske – heute vollkommen von der Donau überspült. Sigmund Szelle, ein Hobbyarchäologe, untersuchte 1879 bei Niedrigwasser die Baureste, die sich damals bereits „14 m unter 0“ befanden. Szelle ging davon aus, dass die Ursache dieser tiefen Lage in einer Absenkung des Bodens und einer Verlagerung durch die Strömungskräfte zu suchen sei.Historische Gesellschaft zu Berlin (Hrsg.): Jahresberichte der Geschichtswissenschaft. Band 17, Mittler & Sohn, Berlin 1896, S. 741. Szelle gab in seinem unter dem Titel Die Römerschanze in der Donau bei Paks veröffentlichten Untersuchungsbericht weiter an, dass die Gebäudereste eine Ausdehnung von 100 × 55 Meter besessen haben.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 114. Mit diesen Abmessungen entspricht die Fortifikation auch ungefähr den Dimensionen der anderen vom ungarischen Donaulimes bekannt gewordenen spätantiken Ländeburgi, so beispielsweise dem etwas weiter südlich gelegenen Burgus contra Florentiam (59 × ca. 85 Meter). Dies lässt, neben weiteren Faktoren, klare Rückschlüsse auf seine Erbauung im 4. Jahrhundert zu. Noch bis in die 1920er Jahre konnten die Mauern des Ländeburgus bei niedrigem Wasserstand beobachtet werden.

Funde Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Bereich des Burgus von Fischern und Schiffern immer wieder Ziegelstempel aufgefunden, darunter auch solche der OF ARN-Gruppe. Neben diesen Ziegelstempeln kamen auch Spolien älterer verbauter Inschriftensteine ans Licht. Nachfolgend sind die Inschriften der Stempel aufgelistet.Jenő Fitz (Hrsg.): Der Römische Limes in Ungarn. Fejér Megyei Múzeumok Igazgatósága, 1976, S. 125.Barnabás Lőrincz: A későrómai hídfőállások bélyeges téglái Valeriában. In: Attila Gaál (Hrsg.): Pannoniai kutatások. A Soproni Sándor emlékkonferencia előadásai (Bölcske, 1998. október 7.). Szekszárd 1999, S. 53–68.

OF AR MAXENTI AR (5 Stücke), CO MAXIMIN (1 Stück), [F]L SENECIO … (2 Stücke) und AP LVPO ORD (1 Stück).

Außerdem fanden sich ein valentinianischer Stempel der in Vindobona (Wien) kasernierten Legio X Gemina (10. Legion, die Zwillinge): [LEG X G MAG S]ATVRNINVS (1 Stück)

Stempel der OF ARN-Gruppe lassen sich in die Zeit der Herrschaft der Kaiser Constantius II. (337–361) und Valentinian I. (364–375) datieren. Da sich die Stempelabkürzungen AR, ARN bzw. ARAN einstweilen jedoch nicht eindeutig erklären lassen, bleiben die bisherigen Übersetzungsvorschläge spekulativ.Ádám Szabó, Endre Tóth (Hrsg.): Bölcske. Römische Inschriften und Funde – In memoriam Sándor Soproni (1926–1995) Libelli archaeologici Ser. Nov. No. II. Ungarisches Nationalmuseum, Budapest 2003, ISBN 963-9046-83-3, S. 80. Möglich wäre Officinae auxiliares ripenses.Übersetzung: „Verwaltung der Grenztruppen“ Nach Titus Kolník: Cifer-Pác – eine spätrömische Station im Quadenland? In: Jenő Fitz (Hrsg.): Limes. Akten des XI. Internationalen Limeskongresses (Székesfehérvár, 30.8–6.9.1976). Akadémiai Kiadó. Budapest 1977, ISBN 963-05-1301-3, S. 187. Nach Meinung des Archäologen Barnabás Lőrincz (1951–2012) können die Ziegel des vorgenannten Maxentius der Zeit zwischen 351 und 354 n. Chr. zugeordnet werden. Andere Forschungsergebnisse, welche die Ziegelstempel des Maxentius in den Provinzen Pannonia I und Valeria sowie im benachbarten Barbaricum analysierten, legen das Auftreten dieser Stempel entweder an das Ende der 350er Jahre oder in die letzten Jahre der Herrschaft Valentinians I.

Ziegel des Fl(avius) Senecio sind bisher aus anderen Festungen nicht bekannt geworden. Der Archäologe Jenő Fitz nahm an, dass Stempel vom Typ LEG X G MAG SATVRNINVS aus der Privatziegelei eines Saturninus stammen könnten, diese Vermutung gilt heute jedoch als überholt.

Der wohl als AP(parante) LVPO ORD(inario) zu lesende Stempel des Zenturios Lupus (nicht LVP(pian)O, wie häufig in der älteren Literatur genannt) tritt auch in Vergesellschaftung mit dem am Burgus Dunakömlőd bisher nicht aufgefundenen Stempel des Frigeridus dux auf,Z.B.: Edit Thomas: Römische Villen in Pannonien. Beiträge zur pannonischen Siedlungsgeschichte. Verlag der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Budapest 1964, S. 226.Barnabás Lőrincz: A későrómai hídfőállások bélyeges téglái Valeriában. In: Attila Gaál (Hrsg.): Pannoniai kutatások. A Soproni Sándor emlékkonferencia előadásai (Bölcske, 1998. október 7.). Szekszárd 1999, Fußnote 12. was eine zeitliche Zuordnung möglich macht. Frigeridus besaß höchstwahrscheinlich zwischen 371 und 373/374 den militärischen Oberbefehl über die pannonische Provinz Valeria (Dux Valeriae ripensis),Zsolt Mráv: Archäologische Forschungen 2000–2001 im Gebiet der spätrömischen Festung von Göd-Bócsaújtelep (Vorbericht) 2002. In: Communicationes archeologicae Hungariae 2003. Népművelési Propaganda Iroda, Budapest 2003, S. 101.Notitia Dignitatum, IN PARTIBUS OCCIDENTIS, XXXIII. zu der auch das Gebiet um Dunakömlőd gehörte.

Zu den Flussfunden aus Paks soll auch eine fast vollständig erhaltene, unverzierte Beinschiene gehören, die sich in der berühmten, Wissenschaftlern zugänglichen Berliner Privatsammlung von Axel Guttmann befand, bevor diese nach dem Tod des Sammlers 2001 aufgelöst und teils über Auktionsverkäufe weltweit verstreut wurde. Das Stück stammte aus dem 2./3. JahrhundertMarcus Junkelmann: Reiter wie Statuen aus Erz. Philipp von Zabern, Mainz 1996, ISBN 3-8053-1821-9, S. 98. und gehört damit nicht zum Komplex des spätantiken Burgus Dunakömlőd.

Limesverlauf vom Burgus Dunakömlőd bis zum Kastell Tolna Der südliche Abschnitt des pannonischen Limes in Ungarn wurde von der Forschung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend vernachlässigt, so dass etliche Analysen noch auf die Erkenntnisse der Ausgräber des 19. Jahrhunderts zurückgehen.