In Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote wurden mehrere Alternative Zehn Gebote erstellt, über die kein Konsens besteht.
Sozialistische Moral und Ethik Walter Ulbricht Die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik wurden von Walter Ulbricht, damals Generalsekretär der SED, auf dem fünften Parteitag der SED (10.–16. Juli 1958) verkündet. In formaler Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote fassten sie die politischen Pflichten jedes DDR-Bürgers zusammen, wurden vom sechsten SED-Parteitag 1963 in das Parteiprogramm der SED aufgenommen und standen bis 1976 darin.Erklärung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Eintrag im FDGB-Lexikon
Beispiele für säkular-agnostische Alternativen Neue Zehn Gebote Die „Neuen Zehn Gebote“ des Religionskritikers Ebon Musings aus dem Jahr 2011, welche durch den Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem religionskritischen Buch Der Gotteswahn zitiert werden, sind:
Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu. Strebe immer danach, keinen Schaden anzurichten. Behandle deine Mitmenschen, andere Lebewesen und die Welt im Allgemeinen mit Liebe, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Respekt. Sieh über Böses nicht hinweg und scheue dich nicht, Gerechtigkeit walten zu lassen und sei immer bereit, schlechte Taten zu verzeihen, wenn sie freimütig eingestanden und ehrlich bereut werden. Führe dein Leben mit einem Gefühl von Freude und Staunen. Strebe stets danach, Neues zu lernen. Stelle alles auf den Prüfstand; miss deine Ideen immer an den Tatsachen und sei bereit, auch lieb gewordene Überzeugungen über Bord zu werfen, wenn sie sich nicht mit der Wirklichkeit vereinbaren lassen. Versuche nie, zu zensieren oder dich von Meinungsverschiedenheiten abzukapseln; respektiere immer das Recht der anderen, anderer Meinung zu sein als du. Bilde dir aufgrund deiner eigenen Vernunft und Erfahrung eine unabhängige Meinung; lass dich nicht blind von anderen führen. Stelle alles infrage. Weitere Gebote, die Dawkins ergänzt: Erfreue dich an deinem eigenen Sexualleben (solange es keinem anderen Schaden zufügt) und lass andere sich des ihren ebenfalls erfreuen, ganz gleich, welche Neigungen sie haben – die gehen dich nichts an. Diskriminiere oder unterdrücke nicht aufgrund von Geschlecht, Rasse oder (soweit möglich) biologischer Art. Indoktriniere deine Kinder nicht. Bring ihnen bei, selbstständig zu denken, Belege zu beurteilen und anderer Meinung zu sein als du. Beurteile die Zukunft nach einem Zeitmaßstab, der größer ist als dein eigener.
Christopher Hitchens Der Religionskritiker Christopher Hitchens (1949–2011) definiert die folgenden zehn Gebote:
Verurteile Menschen nicht auf der Grundlage ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Hautfarbe. Denke nicht einmal daran, Menschen wie Privateigentum zu verwenden. Verachte diejenigen, die Gewalt oder die Androhung von Gewalt in sexuellen Beziehungen einsetzen. Verdecke dein Gesicht und weine, wenn du es wagst, einem Kind zu schaden. Verurteile nicht die Menschen für ihre angeborene Natur.(„Warum sollte Gott so viele Homosexuelle erschaffen, nur um sie zu foltern und zu zerstören?“) Sei dir bewusst, dass auch du ein Tier bist und damit abhängig vom Beziehungsgeflecht der Natur. Versuche entsprechend zu denken und zu handeln. Erwarte nicht, dass du dich dem Urteil entziehen kannst, wenn du Menschen nur mit Worten beraubst (indem du sie belügst) anstatt mit einem Messer. Schalte das verdammte Handy aus. Verurteile alle Dschihadisten und Kreuzzügler als das, was sie sind: geistesgestörte Kriminelle mit hässlichen Wahnvorstellungen und schrecklicher sexueller Unterdrückung. Lehne jeden Glauben ab, wenn dessen Gebote einem der oben genannten widersprechen.
Die zehn Angebote des evolutionären Humanismus
Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus wurden 2005 von Michael Schmidt-Salomon (1967–) im Buch Manifest des evolutionären Humanismus veröffentlicht und gehören zum Leitbild der Giordano-Bruno-Stiftung. In der Vorbemerkung heißt es:
Die Kurzfassung der Angebote lautet:
Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen! Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann morgen überholt sein! Zweifle aber auch am Zweifel! Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst! Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en!
Die acht „Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht …“ Im Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters wurden von Bobby Henderson (1980–) im Jahr 2006 die folgenden acht Gebote aufgestellt:
Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest dich nicht wie ein oberheiliger Heuchler aufspielen, wenn du meine nudlige Güte beschreibst. Wenn irgendwelche Leute nicht an mich glauben, ist das echt okay. Ich bin nicht so eitel. Außerdem: Es geht nicht um diese, also weich nicht vom Thema ab. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht meine Existenz als Mittel benutzen, zu unterdrücken, jemanden zu deckeln, zu bestrafen, fertigzumachen und/oder du weißt schon. Ich verlange keine und benötige keine Opfer. Und Reinheit ist was für Trinkwasser, nicht für Menschen. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht Leute wegen ihres Aussehens beurteilen oder was für Klamotten sie anziehen oder wie sie reden oder wie auch immer – sei einfach nett, okay? Oh, und kriegt das mal in eure Dickschädel: Frau=Person. Mann=Person. Klar? Klar. Eine ist nicht besser als der andere, solange wir nicht über Mode reden. Tut mir leid, aber ich hab’ das den Frauen überlassen und einigen Kerlen, die den Unterschied zwischen dunkeltürkis und scharlachrot kennen. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nichts tun, das Dir selbst oder Deinem bereitwilligen, volljährigen und geistig gesunden Partner peinlich sein müsste. Wem das nicht passt, der kann mich mal – ich glaube, die Formulierung lautet: am A**** lecken. Wem das auch nicht passt, der sollte am besten die Glotze ausmachen und zur Abwechslung ein Stück spazieren gehen. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest Dir die verklemmten, frauenfeindlichen Vorstellungen anderer nicht auf nüchternen Magen anhören. Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht Multimillionendollar-Kirchen, Moscheen, Tempel, Schreine für Meine Nudlige Güte erbauen. Das Geld kann man nun wirklich sinnvoller anlegen. Sucht euch etwas aus: Armut zu beenden Krankheiten zu heilen. in Frieden leben, mit Leidenschaft lieben und die Kosten von Kabelfernsehen senken. Mag ja sein, dass ich ein komplexes, allwissendes Kohlenwasserstoffwesen bin, aber ich mag die einfachen Dinge im Leben. Ich muss es wissen, ich bin der Schöpfer. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht rumgehen und Leuten erzählen, ich würde zu dir sprechen. Du bist nicht SO interessant. Nimm dich mal zurück. Und ich sagte dir bereits, dass du deine Mitmenschen lieben sollst, kannst du keinen Hinweis erkennen? Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest andere nicht so behandeln, wie du nicht selbst gern behandelt werden möchtest, es sei denn, du bist mit Sachen zugange, in denen, ähm, eine Menge Leder, Gleitcreme und Las Vegas eine Rolle spielen. Sollte die andere Person auch darauf abfahren, dann macht es, siehe auch Punkt 4, macht Fotos und bei der Liebe Mikes, benutzt KONDOME! Hätte ich nicht gewollt, dass es sich gut anfühlt, dann hätte ich Stacheln oder so drangebastelt.
Bertrand Russell Der Philosoph und Pazifist Bertrand Russell (1872–1970) formulierte folgende Zehn liberale Gebote (im Original: Liberal Decalog; das englische liberal hier im Sinne von „aufgeschlossen“, „tolerant“, „vorurteilsfrei“):
Fühle dich keiner Sache völlig gewiss!Do not feel absolutely certain of anything. Trachte nicht danach, Fakten zu verheimlichen, denn eines Tages kommen die Fakten bestimmt ans Licht!Do not think it worth while to proceed by concealing evidence, for the evidence is sure to come to light. Versuche niemals, jemanden vom selbstständigen Denken abzuhalten, denn es wird dir gelingen.Never try to discourage thinking for you are sure to succeed. Wenn dir jemand widerspricht, und sei es dein Ehepartner oder dein Kind, bemühe dich, ihm mit Argumenten zu begegnen und nicht mit der Autorität, denn ein Sieg der Autorität ist unrealistisch und illusionär.When you meet with opposition, even if it should be from your husband or your children, endeavour to overcome it by argument and not by authority, for a victory dependent upon authority is unreal and illusory. Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch Autoritäten, die gegenteiliger Ansicht sind!Have no respect for the authority of others, for there are always contrary authorities to be found. Unterdrücke nie mit Gewalt Überzeugungen, die du für verderblich hältst, sonst unterdrücken diese Überzeugungen dich!Do not use power to suppress opinions you think pernicious, for if you do the opinions will suppress you. Fürchte dich nicht davor, exzentrische Meinungen zu vertreten; jede heutige Meinung war einmal exzentrisch.Do not fear to be eccentric in opinion, for every opinion now accepted was once eccentric. Freue dich mehr über intelligenten Widerspruch als über passive Zustimmung; denn wenn die Intelligenz so viel wert ist, wie sie dir wert sein sollte, dann liegt im Widerspruche eine tiefere Zustimmung.Find more pleasure in intelligent dissent than in passive agreement, for, if you value intelligence as you should, the former implies a deeper agreement than the latter. Halte dich an die Wahrheit auch dann, wenn sie nicht ins Konzept passt! Denn es passt noch viel weniger ins Konzept, wenn du versuchst, sie zu verbergen.Be scrupulously truthful, even if the truth is inconvenient, for it is more inconvenient when you try to conceal it. Neide nicht denjenigen das Glück, die in einem Narrenparadiese leben; denn nur ein Narr kann das für ein Glück halten!Do not feel envious of the happiness of those who live in a fool's paradise, for only a fool will think that it is happiness.
Rodrigue Tremblay Der Philosoph und Humanist Rodrigue Tremblay (1939– ) formulierte folgende Zehn humanistische Gebote:
Proklamiert die naturgegebene Menschenwürde und den inhärenten Wert eines jeden Menschen. Respektiert Leben und Eigentum anderer. Seid tolerant und vorurteilsfrei gegenüber der Wahlfreiheit und den Lebensstilen anderer. Teilt mit denen, die weniger Glück haben als ihr, und bietet gegenseitige Unterstützung für die, die Hilfe brauchen. Beruft euch weder auf Lügen noch auf spirituelle Lehrmeinungen noch auf weltliche Macht, die auf Dominanz und Ausbeutung anderer ausgerichtet ist. Vertraut auf eure Vernunft, auf die Logik und die Wissenschaft, um das Universum zu verstehen und zur Lösung der Probleme des Lebens. Schützt und verbessert den natürlichen Raum der Erde – Land, Boden, Wasser, Luft und All –, und zwar als das gemeinsame Erbe der Menschheit. Überwindet eure Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, ohne Gewalt auszuüben oder Kriege zu führen. Regelt öffentliche Angelegenheiten auf der Basis von individueller Freiheit und Verantwortung, mittels einer politischen und wirtschaftlichen Demokratie.