Die Akizuki-Klasse () war eine Klasse von zwölf Zerstörern der Kaiserlich Japanischen Marine, welche im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Die japanische Marine bezeichnete die Schiffe auch als Typ-B-Zerstörer (jap. , Ōtsu-gata kuchikukan).In älteren Quellen manchmal auch Teruzuki- oder Terusuki-Klasse nach dem zweiten Schiff der Klasse, da die Amerikaner sie 1946 für das Typschiff der Klasse hielten.
Geschichte Entwicklungsgeschichte In den 1930er Jahren stieg die Bedeutung trägergestützter Luftfahrzeuge und ihre Einbindung in das strategische Konzept der Kaiserlich Japanischen Marine. Daher kam der Sicherung der eigenen Flugzeugträger gegen Luftangriffe eine erhöhte Bedeutung zu. Die britische Marine hatte mit der Umrüstung von zwei Leichten Kreuzern (Curlew und Coventry) ab 1935 zu Flugabwehrkreuzern gezeigt, dass es möglich war veraltete Einheiten, welche aber noch brauchbar waren, einer neuen Verwendung zuzuführen. Die japanische Marine erwog es daher mehrmals, die beiden älteren Kreuzer der Tenryū-Klasse entsprechend umzurüsten, aber wegen mangelnder Werftkapazitäten konnten diese Pläne nicht umgesetzt werden.Mark Stille: Imperial Japanese Navy Light Cruisers 1941–45. Osprey Publishing, ISBN 978-1-84908-562-5, Oxford 2012, S. 13
Am 19. September 1938 legte das Marineministerium dem Finanzministerium eine Erklärung vor, die für das Haushaltsjahr 1939 die Finanzierung von sechs Zerstörern eines neuen Typs forderte. Die Entwurfsanforderung für diese neue Zerstörerklasse bestand zu diesem Zeitpunkt aus: 2.350 ts Verdrängung acht 10-cm-Geschütze, vier 2,5-cm-Geschütze und U-Jagdausrüstung Geschwindigkeit von 35 Knoten und Reichweite von 8.000 Seemeilen bei 18 Knoten Da der Admiralstab der Marine aber mehr Offensivkraft forderte, wurde der Entwurf entsprechend geändert und ein Vierfachtorpedorohrsatz eingeplant, was aber zur Erhöhung der Verdrängung auf 2.700 ts und zu einem Abfallen der Geschwindigkeit auf 33 Knoten führte.
Auf Grund der Ähnlichkeiten (Abmessungen, Formgebung der Aufbauten und Anordnung der Bewaffnung) der Großzerstörer der späteren Akizuki-Klasse mit dem Leichten Kreuzer Yūbari, wurden diese während des Pazifikkrieges von amerikanischen Streitkräften öfters mit diesem verwechselt.
Bau Im Rahmen des 4. Kreis-Bauprogramms (Maru 4 Keikaku) von 1939 wurden sechs Einheiten mit den Baunummern 104 bis 109 geordert. Diese wurde bei einer privaten (4) und einer staatlichen (2) Werft zwischen Juni 1940 und März 1942 auf Kiel gelegt und bis Mai 1943 in Dienst gestellt. In Vorbereitung auf den erwarteten Krieg wurden im August 1941 im Rahmen des Schnellbauprogramms (Maru Kyū Keikaku) weitere zehn Einheiten, mit den Baunummern 360 bis 369 geordert. Von diesen wurden bis Mai 1944 sechs Einheiten auf zwei privaten (je 1) und zwei staatlichen (je 2) Werften auf Kiel gelegt und zwischen März 1944 und April 1945 in Dienst gestellt. Für drei Einheiten – Baunummern 367 bis 369 – wurde noch vor Baubeginn die Aufträge im Dezember 1944 storniert und der Weiterbau der zu 16 % fertiggestellte Einheit mit der Baunummer 365 ebenfalls im April 1945 eingestellt. Im Verlauf des Krieges wurde weitere 39 Einheiten in zwei Bauprogrammen geordert – 5. Kreis-Bauprogramms (Maru 5 Keikaku) 16 Einheiten und Erweitertes 5. Kreis-Bauprogramms (Kai-Maru 5 Keikaku) 23 Einheiten – aber auf Grund der Kriegslage zu Gunsten anderer Schiffsklassen storniert.
Die Akizuki-Klasse kann in drei Varianten bzw. Untergruppen unterteilt werden, die in Abfolge gebaut wurden. Die erste Variante, welche auch dem Basisentwurf mit der Bezeichnung F51 entspricht, umfasste die ersten sieben Einheiten (Baunummern 104 bis 109 und 360). Die zweite Variante, in einer leicht vereinfachten Bauweise des F51-Entwurfs auch als Fuyutsuki-Klasse (, Fuyutsuki-gata) bezeichnet, umfasste vier Boote (Baunummern 361 bis 364). Die letzte Variante, mit der Entwurfsbezeichnung F53 auch als Michitsuki-Klasse (, Michitsuki-gata) bezeichnet, umfasste die letzten beiden auf Kiel gelegten Boote (Baunummern 365 und 366).
Die im Staatshaushalt geplanten Kosten pro Schiff und aller Einheiten des jeweiligen Bauprogramms.Hans Lengerer: Imperial Japanese Warships Illustrated / Kaiserlich Japanische Kriegsschiffe im Bild: Band 2., S. 30. Bauprogramm Bau-Nrn. Budget Pro Schiff Gesamt Maru 4 Keikaku 104 bis 109 12.090.000 ¥ 72.540.000 ¥ Maru Kyū Keikaku 360 bis 369 17.820.400 ¥ 178.204.000 ¥ Maru 5 Keikaku 770 bis 785 18.387.000 ¥ 294.192.000 ¥ Kai-Maru 5 Keikaku 5061 bis 5083 19.194.000 ¥ 441.462.000 ¥
Fotodetails 600px|zentriert|Die Akizuki im Mai 1942. Oben zu sehen: Akizuki im Mai 1942 vor ihrer Indienststellung, unten die Harutsuki im Dezember 1944.Deutlich erkennbar ist der veränderte Hauptmast und die eingerüstete Radarausrüstung in beiden Masten.Des Weiteren die erweiterte Leichte Flugabwehrbewaffnung und zusätzliche Anbauten im Bereich des Brückenaufbaus. 600px|zentriert|Die Harutsuki im Dezember 1944.
Liste der Schiffe Bau-Nr. Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib Maru 4 Keikaku 104 Akizuki(, „Herbstmond“) Marinewerft Maizuru 30. Juni 1940 2. Juli 1941 11. Juni 1942 versenkt am 25. Oktober 1944 durch amerik. Flugzeugewährend der Schlacht von Kap Engaño 105 Teruzuki(, „scheinender Mond“) Mitsubishi, Nagasaki 13. November 1940 21. November 1941 31. August 1942 versenkt am 12. Dezember 1942 nach Torpedierung durch amerik. PT-Schnellboote PT-37 und PT-40,vor Savo Island 106 Suzutsuki(, „kühler Mond“) 15. März 1941 3. März 1942 29. Dezember 1942 Bei Kriegsende fahrunfähig in Sasebo liegend und am 20. November 1945 aus Flottenliste gestrichen.1948 abgebrochen und Rumpf als Wellenbrecher im Hafen von Wakamatsu verwendet. 107 Hatsuzuki(, „erster Mond“) Marinewerft Maizuru 25. Juli 1941 3. April 1942 29. Dezember 1942 versenkt am 25. Oktober 1944 durch amerik. Flugzeugewährend der Schlacht von Kap Engaño 108 Niizuki(, „Neumond“) Mitsubishi, Nagasaki 8. Dezember 1941 29. Juni 1942 31. März 1943 versenkt am 6. Juli 1943 durch amerik. Schiffsartillerie, während der Schlacht im Kula-Golf 109 Wakatsuki(, „junger Mond“) 9. März 1942 24. November 1942 31. Mai 1943 versenkt am 11. November 1944 durch amerik. Flugzeugein Bucht von Ormoc während der Schlacht um Leyte Maru Kyū Keikaku 360 Shimotsuki(, „Frostmond“) Mitsubishi, Nagasaki 6. Juli 1942 7. April 1943 31. März 1944 versenkt am 25. November 1944 durch amerik. U-Boot Cavalla,vor Anabas Island 361 Fuyutsuki(, „Wintermond“) Marinewerft Maizuru 8. Mai 1943 20. Januar 1944 25. Mai 1944 Am 20. August 1945 durch Minentreffer schwer beschädigt und am 20. November 1945 aus Flottenliste gestrichen.1948 abgebrochen und Rumpf als Wellenbrecher im Hafen von Wakamatsu verwendet. 362 Harutsuki(, „Frühlingsmond“) Marinewerft Sasebo 23. Dezember 1943 3. August 1944 28. Dezember 1944 Außerdienststellung am 5. Oktober 1945, Kriegsbeute Sowjetunion am 28. August 1947,Umbenannt in Vnezapny (Внезапный) 363 Yoizuki(, „Abendmond“) Uraga Senkyo, Yokosuka 25. August 1943 25. September 1944 31. Januar 1945 Außerdienststellung am 5. Oktober 1945, Kriegsbeute Republik China am 29. August 1947,Umbenannt in Fen Yang, 1963 abgebrochen 364 Natsuzuki(, „Sommermond“) Marinewerft Sasebo 1. Mai 1944 2. Dezember 1944 8. April 1945 Außerdienststellung am 5. Oktober 1945, Kriegsbeute Großbritannien am 25. August 1947,Zwischen September 1947 und März 1948 in Uraga abgebrochen 365 Michitsuki () Marinewerft Sasebo 3. Januar 1945 Baustopp am 17. April 1945 (zu 16 % fertiggestellt), ab 28. Februar 1948 abgebrochen 366 Hanazuki(, „Blumenmond“) Marinewerft Maizuru 10. Februar 1944 10. Oktober 1944 26. Dezember 1944 Außerdienststellung am 5. Oktober 1945, Kriegsbeute Vereinigte Staaten am 29. August 1947 und Umbenennung in DD-934,als Zielschiff am 3. Februar 1948 vor den Gotō-Inseln versenkt 367 Kiyotsuki () Marinewerft Maizuru Bauaufträge am 14. Dezember 1944 storniert. 368 Ōtsuki (, „großer Mond“) Marinewerft Sasebo 369 Hazuki () Marinewerft Maizuru Maru 5 Keikaku 770bis785 Bauaufträge storniert. Kai-Maru 5 Keikaku 5061 Yamazuki (, „Bergmond“) Marinewerft Sasebo Bauaufträge am 14. Dezember 1944 storniert. 5062 Urazuki () Marinewerft Sasebo 5063 Aogumo () Marinewerft Sasebo 5064 Benigumo () Marinewerft Sasebo 5065 Harugumo (, „Frühlingswolke“) Marinewerft Maizuru 5066 Amagumo () Uraga Senkyo, Yokosuka Bauaufträge am 5. Mai 1944 storniert. 5067 Yaegumo () Marinewerft Sasebo 5068 Fuyugumo (, „Winterwolke“) Uraga Senkyo, Yokosuka 5069 Yukigumo () Marinewerft Sasebo 5070 Okitsukaze () Marinewerft Maizuru 5071 Shimokaze (, „Frostwind“) Uraga Senkyo, Yokosuka 5072 Asagochi (, „morgendlicher Ostwind“) Marinewerft Sasebo 5073 Ōkaze (, „Sturm“) Uraga Senkyo, Yokosuka 5074 Kochi (, „Ostwind“) Marinewerft Sasebo 5075 Nishikaze (, „Westwind“) Marinewerft Maizuru 5076 Hae (, „Südwind“) Uraga Senkyo, Yokosuka 5077 Kitakaze (, „Nordwind“) Marinewerft Sasebo 5078 Hayakaze () Uraga Senkyo, Yokosuka 5079 Natsukaze (, „Sommerwind“) Marinewerft Sasebo 5080 Fuyukaze (, „Winterwind“) Marinewerft Maizuru 5081 Hatsunatsu (, „Sommeranfang“) Uraga Senkyo, Yokosuka 5082 Hatsuaki (, „Herbstanfang“) Marinewerft Sasebo 5083 Hayaharu (, „früher Frühling“) Uraga Senkyo, Yokosuka
Technische Beschreibung Rumpf Der Rumpf eines Zerstörers der Akizuki-Klasse, unterteilt in wasserdichte Abteilungen, war über alles 134,2 Meter lang, 11,6 Meter breit und hatte bei einer Einsatzverdrängung von 3.950 Tonnen einen Tiefgang von 4,15 Metern.Hans Lengerer: Imperial Japanese Warships Illustrated / Kaiserlich Japanische Kriegsschiffe im Bild: Band 2., S. 33.
Antrieb mini|Schnitt durch einen Yarrow-Kessel, wovon der bei der Akizuki-Klasse verwendete Kessel eine Variante darstellt. Der Antrieb erfolgte durch drei ölbefeuerte Dampferzeuger – Kampon Ro-Gō Modell 3 B Kessel untergebracht in zwei Kesselräumen, wobei sich zwei Kessel den vorderen Kesselraum teilten – und zwei Getriebeturbinensätze. Diese Kampon-Turbinensätze entsprachen den bei der Kagerō-Klasse verwendeten und jeder Satz erzeugte eine Leistung von 26.000 PS, womit eine Gesamtleistung von 52.000 PS (38.246 kW) erreicht wurde. Die Turbinensätze bestanden aus einer Hoch-, Mittel- und Niederdruckturbine, die über eine Welle durch ein Untersetzungsgetrieb verbunden waren. Die Welle war des Weiteren mit zwei Fahrtturbinen (Hoch- und Niederdruck) und ein weiteres Untersetzungsgetriebe mit Klauenkupplung verbunden, die die Verbindung zur Niederdruckturbine ermöglichte. Die erzeugte Leistung wurde an zwei Antriebswellen mit je einer Schraube abgegeben. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 33 Knoten (61 km/h) und die maximale Fahrstrecke 8.000 Seemeilen (14.816 km) bei 18 Knoten, wofür 1.114 Tonnen Schweröl gebunkert werden konnten.
Bewaffnung mini|Aufnahme des achteren Turmes für die Typ 98-Geschütze, hier des Zerstörers Harutsuki. Artillerie Die Artilleriebewaffnung bestand aus acht 10-cm-Geschützen mit Kaliberlänge 65 Typ 98. Dieses von 1935 bis 1938 entwickelte und mit der Akizuki-Klasse eingeführte Mehrzweckgeschütz, hatte ein Gewicht von 3.053 kg und eine Feuerrate von 15 bis 21 Schuss die Minute. Es konnte eine 13 Kilogramm schwere Granate bis zu 18,7 km weit auf Seeziele verschießen und Luftziele in bis zu 13,3 km Höhe bekämpfen. Untergebracht waren sie in vier, mit einem etwa 3 mm starken Splitterschutz versehenen, 34,5 Tonnen schweren Zwillingstürmen des A-Modells. Diese waren in Bootsmittellinie, je zwei vor bzw. auf dem Brückenaufbau und hinter bzw. auf dem achteren Deckshaus aufgestellt. Die inneren Türme (Turm B und C) waren so angeordnet, dass sie den äußeren überschießen konnten (sog. überhöhte Endaufstellung). Die Türme hatten eine Seitenrichtgeschwindigkeit von bis 16° pro Sekunde, eine Höhenrichtgeschwindigkeit von bis 16° pro Sekunde und einen Höhenrichtbereich von −10° bis +90°.
Diese Waffe wird zusammen mit ihrer Lafette als eine der fortschrittlichsten Konstruktionen im japanischen Geschützbau und ihrer Zeit angesehen.
Flugabwehr