Der Reichsbund Deutscher Seegeltung e.V. (auch: Deutsches Seegeltungswerk, Abk.: RDS) war ein 1934 in der Zeit des Nationalsozialismus gegründeter Interessenverband zur Steigerung deutscher machtpolitischer Bestrebungen auf den Weltmeeren mit Sitz in Berlin.Lexikon Drittes Reich: Reichsbund Deutscher Seegeltung

Ziele

Das Seegeltungswerk wirkte in der Art einer staatlich gelenkten, übergeordneten Propagandaabteilung der Kriegsmarine und verschiedener Gruppen und Institutionen, die sich zur Förderung der Machtentfaltung des Deutschen Reiches auf den Weltmeeren zusammengeschlossen hatten. Im Rahmen der „Gleichschaltung“ aller Vereinigungen im nationalsozialistischen Deutschen Reich waren ihre Aktivitäten nicht unabhängig und neutral, sondern der Kontrolle und Zensur der Partei unterworfen. Hatten im Deutschen Flottenverein, der bedeutendsten Vorgängerinstitution, noch Einzelpersonen Mitglieder werden können, so war im Reichsbund Deutscher Seegeltung nur Institutionen die Mitgliedschaft gestattet. Das ermöglichte dem NS-Regime eine bessere Kontrolle und verhinderte die Entwicklung einer Eigendynamik innerhalb des weitgehend passiven Reichsbundes.Sebastian Diziol: „Deutsche, werdet Mitglieder des Vaterlandes!“ Der Deutsche Flottenverein 1898–1934. Solivagus Praeteritum, Kiel 2015, S. 716–742. ISBN 978-39817079-0-8.

Der RDS war ideologischer Nachfolger des Deutschen Flottenvereins.Hartmut Rübner: Konzentration und Krise der deutschen Schiffahrt. Maritime Wirtschaft und Politik im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Bremen 2005, S. 29 f.

Die Gründung ging auf Initiative des Unternehmers Fritz Thyssen, des Politikers Carl Vincent Krogmann und des Vizeadmirals a. D. Adolf von Trotha zurück.

Organisation Erster Leiter des Reichsbundes wurde 1934 Vizeadmiral a. D. von Trotha, der ihn zusammen mit Kapitän zur See a. D. Gustav von Stosch, dem Vorsitzenden der Marine-Offizier-Vereinigung, im Auftrag Adolf Hitlers ins Leben gerufen hatte.Meyers Lexikon. 8. Auflage. In völlig neuer Bearbeitung u. Bebilderung. 12 Bde. Bibliographisches Institut AG., Leipzig 1936–42. Bd. 9 Nach Trothas Tod 1940 übernahm Konteradmiral Wilhelm Buße bis Kriegsende die Leitung.

Im 15-köpfigen „Führerrat“ saßen u. a. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, John T. Essberger, Gustav Koenigs und die Bürgermeister von Hamburg und Bremen.

Unter den vielen korporativen Mitgliedern befanden sich u. a.: Verband Deutscher Reeder Reichsverkehrsgruppe Seeschiffahrt 16 Seehafenstädte 8 Industrieverbände (u. a. die Industrie- und Handelskammern) Reichskolonialbund Schiffbautechnische Gesellschaft Hafenbautechnische Gesellschaft Deutsche Seemannsmission

Eine Unterorganisation war das Reichsinstitut für Seegeltungsforschung im Deutschen Seegeltungswerk.

Bewertung Laut Hartmut Rübner war der RDS ein wichtiges Bindeglied an der Schnittstelle zwischen den militärisch-politischen Interessen des Staates und der Privatwirtschaft.

Literatur Sebastian Diziol: „Deutsche, werdet Mitglieder des Vaterlandes!“ Der Deutsche Flottenverein 1898–1934. Solivagus Praeteritum, Kiel 2015, besonders S. 716–725. ISBN 978-39817079-0-8. Walter Schwengler: Marine und Öffentlichkeit 1919 bis 1939. In: Werner Rahn(Hg.): Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit (Beiträge zur Militärgeschichte 63). München 2005, S. 331–362, S. 353–355. ISBN 3-486-57674-7. Adolf von Trotha: Seegeltung – Weltgeltung. Gedanken eines Admirals. Hrsg. vom Reichsbund Dt. Seegeltung. Berlin, 1940 Deutsches Seegeltungswerk: Unterlagen zur Schulung über Deutsche Seegeltung. Berlin, 1941 Grundlagen Deutscher Seegeltung. Im Auftrage des Deutschen Seegeltungswerkes herausgegeben von Vizeadmiral Walter Lohmann, Professor F.[erdinand] Dannmeyer, G.[eorg] Lauritzen. Bildwerk: Alfred Ehrhardt. Verlag Werbefront Alfred Becker / Berlin, 1942, 560 S.

Weblinks

https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1941_1942/0082/image,info Pressemeldung über Preisausschreiben 1941

Einzelbelege

Kategorie:NS-Propaganda Kategorie:Deutsche Organisation (Schifffahrt) Kategorie:Organisation (Deutsches Reich, 1933–1945) Kategorie:Dachverband (Deutschland) Kategorie:Deutscher Hochseesportverband HANSA Kategorie:Verkehr (Deutsches Reich, 1933–1945) Kategorie:Ehemaliger Verein (Berlin) Kategorie:Verbandsgründung 1934 Kategorie:Aufgelöst 1945