mini|hochkant|Niklas III. Muffel Nik(o)la(u)s III. Muffel (* 1409/1410 in Nürnberg; † 28. Februar 1469 ebenda) entstammte einer Nürnberger Patrizierfamilie, den Muffel. Er war Pfleger des Egidienklosters und des Klaraklosters, Alter Bürgermeister, Nürnbergs Gesandter beim Schwäbischen Städtebund, bei Markgraf Albrecht „Achilles“ von Brandenburg, bei Kaiser Friedrich III. und schließlich über die außergewöhnlich lange Zeit von zwölf Jahren Losunger (Verwalter der städtischen Steuern), uni-hamburg.de. Abgerufen am 30. Dezember 2013. der Reichsstadt Nürnberg. Des Weiteren war er als Autor tätig. Nach angeblicher Unterschlagung städtischer Gelder, Geheimnisverrat und einem aufsehenerregenden Prozess wurde das bekannte Stadtoberhaupt zum unehrenhaften Tode am Galgen verurteilt. Am 28. Februar 1469 wurde das Urteil vollstreckt.

Geschlecht mini|hochkant|Stammwappen der Muffel Der Ursprung des Muffel-Geschlechts ist nicht eindeutig geklärt. Es ist wahrscheinlich, dass die „Träger einer kurzen Schnauze“Gerhard Hirschmann: Die Familie Muffel im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziats, seiner Entstehung und seines Besitzes. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 41, Nürnberg 1950, S. 264. von einem staufischen Ministerialengeschlecht aus dem oberpfälzischen Neumarkt abstammten. Die Muffel wurden erstmals 1288 urkundlich in Nürnberg erwähnt und scheinen ab 1300 eine führende Rolle in Nürnberg gespielt zu haben,Matthias Kirchhoff: Gedächtnis in Nürnberger Texten des 15. Jahrhunderts. Gedenkbücher, Brüderbücher, Städtelob, Chroniken. In: Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, Band 68. Neustadt a. d. Aisch 2009, S. 77. wobei das für die damalige Zeit durchaus seltene Familienwappen erstmals in einer Urkunde von 1303 zu finden ist. Der Familie wurde 1332 das Recht zugesprochen, Mitglieder in den „Inneren Rat“ zu entsenden. Von da an waren die Muffel mit kurzen Unterbrechungen, bis zum Aussterben der Eschenauer Hauptlinie im Jahre 1784, im „Inneren Rat“ vertreten und gehörten zu den „alten“ ratsfähigen Geschlechtern.

Der Aufstieg der Familie im 14. Jahrhundert begann mit Hans Muffel dem Älteren. Dieser taucht erstmals 1317 in einer Liste der Genannten des Größeren Rats auf und lässt sich von 1332 bis 1361 urkundlich nachweisen. Hans der Ältere war lange Zeit Ratsmitglied. Konrad Groß, damals der wohl bedeutendste und reichste Patrizier und Stifter des Heilig-Geist-Spitals, setzte ihn als Testamentsvollstrecker ein. Seine finanzielle Stärke zeigt sich in mehreren Zeugnisse darüber, dass Hans der Ältere verschiedenen Bischöfen gewinnbringend Geld lieh. Hans der Ältere hatte fünf Söhne, Paulus, Fritz, Jakob, Niklas I. und Hans der Jüngere, eventuell auch nichtbelegte Töchter. Niklas I. war Handelsherr und der wohl bedeutendste Vertreter der Muffel dieser Generation. Neben seiner Handelstätigkeit war Niklas I. lange Jahre Rechenherr und Bürgermeister im Nürnberger Rat. Seine Amtszeit fiel in die politisch spannungsreichen Jahre des Städtekriegs. Besonders geeignet für diesen Posten schien er durch sein besonderes Verhältnis zu König Wenzel.Gerhard Hirschmann: Die Familie Muffel im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziats, seiner Entstehung und seines Besitzes. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 41, Nürnberg 1950, S. 293–310. Dieser war finanziell abhängig von Muffel und anderen Nürnberger Bürgern und überließ Niklas I. und dessen Ehefrau Barbara einen Span des Heiligen Kreuzes. Die Beschenkten stifteten daraufhin den Heiligkreuzaltar mit ewigem Licht für die Egidienkirche in Nürnberg.Peter Fleischmann: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Band 2: Ratsherren und Ratsgeschlechter. Neustadt a. d. Aisch 2008, S. 711. Bis 1400 waren alle fünf Söhne Hans Muffels des Älteren gestorben. Sie hatten die Grundlage zum reichen Familienbesitz und zum hohen Ansehen in Nürnberg gelegt. Fritz und Paulus hatten keine Söhne hinterlassen. Von den drei Söhnen Hans des Jüngeren lebten nur noch zwei, Grundlach und Ulrich, der als einziger der drei Brüder kurz dem Rat angehört hatte. Kurz nach Beginn des neuen Jahrhunderts starben auch sie und hinterließen keine Nachkommen. Nur Niklas II., der einzige Sohn Niklas I. und seiner Frau Barbara konnte das Geschlecht weiterführen. Dennoch ist verhältnismäßig wenig von ihm und seiner Frau Brigitte überliefert, was an ihrem frühen Tod liegt.

Leben und Wirken

Aus Muffels Gedenkbuch stammt die Annahme, Niklas III. Muffel sei 1410 geboren. Allerdings zeigt ein Vergleich weiterer Angaben aus dieser Schrift, den Ratslisten dieser Zeit und einer Heiratsurkunde, dass auch das Jahr 1409 als Geburtsjahr in Frage käme.Bertold Frhr. von Haller, Matthias Kirchhoff: Gedechtnusse und schriefft Niklas II. Muffels (1409/10-1469). Neuedition, Übersetzung und Kommentierung des Gedenkbuchs. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 97. Nürnberg 2010, S. 92–95. Aufgrund des frühen Todes seiner Eltern verwaiste Niklas III. bereits im Alter von fünf Jahren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Barbara bei seiner Großmutter Barbara Muffel auf. Durch das Ableben ihres Mannes und ihres Sohnes, ihr eigenes langes Leben und ihre außergewöhnliche Persönlichkeit wurde sie zur einflussreichsten Frau des Geschlechts, die ihren Aufgaben als zeitweise einzige mündige Vertreterin der Muffel vollständig nachkam. Die sogenannte „Muffelin“ vermehrte und bewahrte den Familienbesitz und kümmerte sich im neu erworbenen Wohnhaus gegenüber dem Egidienkloster um ihre Enkel. 1436 verzichtete sie zugunsten ihres einzigen männlichen Enkels weitgehend auf ihren Besitz. So hatte Niklas III. bei ihrem Tode 1442 längst die Geschäfte der Familie übernommen. 1431 heiratete er Margarete von Lauffenholtz, Tochter Conrads von Lauffenholtz.Gerhard Hirschmann: Die Familie Muffel im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziats, seiner Entstehung und seines Besitzes. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 41, Nürnberg 1950, S. 310–312.

Ämter

1426 belehnte König Sigmund den erst im vorangegangenen Jahr mündig gewordenen Niklas III. unter anderem mit dem Dorf Eckenhaid und der Hälfte Eschenaus. Bereits acht Jahre später, 1433, wurde Muffel Mitglied des Nürnberger Rats, dem er bis zu seinem Tode angehörte und der ihm schon zu Beginn seiner Laufbahn die Pflege des Nürnberger Klaraklosters und die des Egidienklosters anvertraute. 1443 wurde Niklas Muffel zum Alten Bürgermeister gewählt, erhielt im darauffolgenden Jahr erstmals einen selbständigen Auftrag als Gesandter und vertrat Nürnberg beim neuen schwäbischen Städtebund. Dabei konnte er seine diplomatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und für seine Vaterstadt einige wichtige Ausnahmebestimmungen vereinbaren. 1447 begann Muffel zwischen Ulm und Nürnberg zu „pendeln“ und sich im schwäbischen Städtebund fast vier Jahre lang für die Interessen seiner Vaterstadt einzusetzen. Seine Arbeit als Gesandter erledigte Muffel derart zufriedenstellend, dass er, als sich der seit langem schwelende Streit mit dem Markgrafen Albrecht Achilles zuspitzte, an den Hof König Friedrichs III. in Wiener Neustadt gesandt wurde. Nach langwierigen Verhandlungen, in deren Verlauf Muffel sogar vom König selbst empfangen worden war, kam es 1450 zu einer ersten Einigung, einem vorläufigen Friedensschluss und in den drei folgenden Jahren zu einem endgültigen Ausgleich. Nach Vermittlung durch Herzog Ludwig von Bayern wurde 1453 ein Vertrag unterzeichnet, mit dessen Ergebnis Nürnberg zufrieden sein konnte. Es gelang darin, die lange umstrittenen Ansprüche und Rechte der Stadt zu erhalten und zu bewahren. Dass dieser Einigungsprozess derart lange gedauert hatte, lag an der Schwerfälligkeit der Entschlüsse von Hof und König und nicht an fehlendem Eifer oder mangelndem Verhandlungsgeschick Muffels. Im Gegenteil: Niklas Muffels eifrigem Einsatz und seinen diplomatischen Fähigkeiten während des Markgrafenkrieges und bei der Bewältigung seiner Folgen ist es wohl zuzuschreiben, dass er 1451 mit der ehrenvollen Aufgabe betraut wurde, der Kaiserkrönung Friedrichs III. in Italien beizuwohnen. Er führte die Nürnberger Delegation an, überbrachte einen Teil der Reichskleinodien aus Nürnberg und erwirkte eine kaiserliche Bestätigung der Privilegien seiner Vaterstadt. Die Teilnahme an der Krönung 1452 bedeutete für Niklas Muffel zweifellos den Höhepunkt seiner noch bis 1455 andauernden Laufbahn im Diplomatendienst Nürnbergs. Während seines Aufenthalts in Rom war Muffel zu einem der drei Obersten Hauptleute gewählt worden. Beschleunigt durch mehrere Todesfälle und die Resignation zweier Älterer Herren wurde er 1457 zum Losunger ernannt und stand damit zusammen mit einem zweiten Losunger an der Spitze des Rates.Peter Fleischmann: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Band 2: Ratsherren und Ratsgeschlechter. Neustadt a. d. Aisch 2008, S. 716–717. Dieses Amt hatte Niklas III. bis 1469 ununterbrochen inne, wodurch ihm die Stadtsiegel, die Schlüssel zu den Reichskleinodien und Toren anvertraut waren. Außerdem lagen die gesamte Finanzverwaltung, die Steuereinnahmen und die Rechnungslegung in seiner Verantwortung, er führte weitere ehrenvolle Delegationen an und kümmerte sich um Ordnung, Organisation und Ausbau des reichsstädtischen Archivs. Neben seiner politischen Tätigkeit gehörte es auch zu Niklas Muffels Aufgaben, den reichen Familienbesitz zu bewahren und zu vermehren. So häufte er beträchtlichen Grundbesitz an, indem er Höfe und Güter kaufte oder mit ihnen belehnt wurde.Gerhard Hirschmann: Die Familie Muffel im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziats, seiner Entstehung und seines Besitzes. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 41, Nürnberg 1950, S. 325.

Schriften

Im Zuge der Teilnahme Muffels an der Kaiserkrönung Friedrichs III. in Rom entstand 1452 eine Beschreibung der Stadt Rom (Überlieferung: Autographische Reinschrift, Bayerische Staatsbibliothek München; Umfang: 43 Seiten). Der Bericht in der Tradition der „Mirabilia Romae“Nine Miedema: Die „Mirabilia Romae“. Untersuchungen zu ihrer Überlieferung mit Edition der deutschen und niederländischen Texte. Tübingen 1996. lässt sich in drei Hauptabschnitte untergliedern: die sieben Hauptkirchen, die Stationstage römischer Kirchen während der geschlossenen Zeit und die Schilderung weiterer wichtiger Kirchen Roms und einiger weltlicher Bauwerke. Die nicht enden wollende Aufzählung der Kirchen, Kapellen und Altäre Roms ist gespickt mit der Nennung erstaunlicher Reliquien und der entsprechend zu erwartenden Ablässe. Von den Gesetzestafeln Moses, dem brennenden Dornbusch und der Windel Jesu ist dabei ebenso die Rede wie von verschiedenen Marienbildern, die allesamt vom heiligen Lukas gemalt worden seien. Neben der Wiedergabe einer Menge frommer Legenden, die unkritisch und naiv als Tatsachen dargestellt werden, scheint auch kein Ablassversprechen zu groß: So habe beispielsweise Papst Sylvester bei Besuch der Kirche St. Johannes so viele Jahre Ablass versprochen, wie bei der Einweihung der Kirche bei starkem Regen Tropfen gefallen waren.Helgard Ulmschneider: Muffel, Nikolaus. In: Kurt Ruh (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 6. Berlin / New York 1987, S. 715–716.