Jellen ist mit der kleinste Ortsteil der Gemeinde Dobbertin im Amt Goldberg-Mildenitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und liegt mitten im Naturpark der Schwinzer Heide, etwas nördlich des alten Landweges und einstigen Poststraße von Dobbertin nach Krakow am See. Jellen hat als Wohn- und Ferienort nur sechs Einwohner.

Geografie mini|Ortseingang aus Richtung Alt Sammit, Katen am rechten Wegrand (2011) Das Heidedorf Jellen liegt im Naturpark nördlich vom Goldberger See zwischen Schwinz und Bossow. Die Geländehöhe beträgt etwa 53 m ü. NHN. Die Umgebung ist zu allen Seiten bewaldet. Nordwestlich der Ortsbebauung befindet sich eine feuchte Senke, die über einen Graben zum Goldberger See entwässert wird. In einer weiteren Senke südöstlich haben sich offene, rinnenförmige Gewässer ausgebildet. Etwa drei Kilometer nordöstlich liegt das nach dem Ort benannte 23,7 Hektar große Naturschutzgebiet Jellen, etwa 1,5 Kilometer nordöstlich das Flächennaturdenkmal Wacholderbestand Abt. 4184 Forstrevier Jellen.

Geschichte

In der ältesten nicht im Original erhaltenen Urkunde von 1227 zur erneuerten Ausstattung des Klosters Dobbertin wurde Jellen neben mehreren Ortschaften und Fluren mit 40 Hufen Land bis zum See Lankau (Langenhagen) erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 343 Doch der kümmerliche Sandboden im Süden von Jellen mag vorerst eine weitere Ausdehnung als Klostergebiet verhindert haben. Die von den Slawen angelegte Siedlung wurde noch 1367 als wentdorp bezeichnet. 1369 verkaufte der Knappe Bernd von Bellin aus Suckwitz dem geistlichen Klosterbruder Heinrich für seine Lebenszeit und nach seinem Tode der Priorin und den Dobbertiner Nonnen 12 Hufen Land, 2 Hühner und eine Stiege Eier.MUB V. (1869) Nr. 2861 1396 gab er dem Kloster weitere vier Lübsche Mark vom Dorf Jellen.MUB XXIII. (1911) Nr. 12886 Berend von Bellin auf Bellin überließ nach seinem Tode 1376 seinen umfangreichen Besitz von Jellen dem Kloster Dobbertin.Wolf Lüdecke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Band 2, 1991 S. 59.

In Jellen wohnten 1397 acht Familien mit sieben verschiedenen Namen und bildeten die gesamte Einwohnerschaft. Henneke Nemoge war dem Familiennamen nach noch slawischer Herkunft, Henneke Capehingst dagegen schon deutscher Herkunft.MUB XXIII. (1911) Nr. 13100

Am 23. April 1455 ging Jellen endgültig an das Kloster über, denn Gerdt von Linstow zu Bellin verkaufte dem Dobbertiner Klosterpropst Nicolaus Behringer und der Priorin Ermegard Oldenburg mit dem Konvent das ganze Dorf Gellant (Jellen) mit allen Rechten für 600 Mark Lübisch Strahlpfennig.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 162.

Zum Kleestener Revier gehörten die auf Jellen gelegenen Flurstücke Lütt Jellen und Grot Jellen. Das hinter dem Sternberger Weg liegende Hörnsch Kavel, eine kleine forstliche Wirtschaftsfläche, könnte darauf hindeuten, dass Jellen einst ein Landschaftsname war.Burghard Keuthe: Flurnamen Schwinzer Heide. 2004 (unveröffentlicht), S. 51. Das Hörnsch mag an Horn oder Hirsch erinnern, könnte aber auch für das dortige horn- und hügelförmige Land gelten. Der Name Jellen ist slawisch Geline oder Gellant und wird als Hirsch gedeutet.

Dorf mini|Sandweg mit ehemaligen Forst- und Waldarbeiterkaten (2011)

Mit Zunahme der Heideflächen in der Jellener Feldmark waren nach 1441 nur noch 16 Hufen Ackerland vorhanden.

Nach 1550 verkleinerten sich durch natürliche Kiefernausbreitung die Felder um Jellen. Wohnten 1540 noch acht Familien in Jellen, so waren es 1611 noch fünf. Wie das Klosteramt damals die Leute im Dorf zu halten versuchte, geht aus einem Amtsprotokoll von 1593 zu Jellen hervor: „Hans Cheel ist gefenglich zu Dobbertin eingezogen und dazu gezwungen, das ehr anloben und Burgschaff leisten mußten, den wüst liegenden Kathen des Wormb wider zu bawende und zu bewonende, wozu das Kloster ihm Hülfe und Holz verschaffen solle, auch wird der Acker ihm vermehret. Zum Bauern und Unterthanen ist Hanß Cheel angenommen...“LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Amtsprotokollbuch 1587–1593.

1587 ist Tina Baese bei Andreas Rostken zu Waren aus dem Dienst entlaufen und Drewes Kobade wurde beim Holzholen aus der Hanen-dannen vom Vogt der Grabower angeschossen und 1589 mehrfach beim Holzdiebstahl erwischt.

Im Clagebuch des Dobbertiner Klosteramtsgerichts ist 1597 zu lesen, dass der Drescher Peter Hovemann vom Hof Kogel als Sohn des Jellener Dorfschulzen mit der Magd Ilse Miltechen Unzucht trieb und Hans Lael gefenglich zu Dobbertin eingezogen sei.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.

Das alte Dorf Jellen dürfte in dem als Saagmoor bezeichneten Waldstück gelegen haben, wie dortige Bodenfunde belegen.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges gab es noch zehn Katen. 1633 wurde auch das zum Kirchspiel Kogel gehörende Jellen von einem großen Kriegsruin heimgesucht und lag 1640 völlig wüst. Nach Ende des Krieges stellte der Mangel an Menschen das Klosteramt besonders in den Heidedörfern vor große Probleme. Im Amtsprotokoll von 1649 ist dazu vermerkt: Als Dorothea Bahle aus Jellen nach Holstein reisen wollte, musste sie schwören, dass sie sich „innerhalb von 14 Tagen zu des Klosters Diensten als eine gehorsame Unterthanin wieder einstellen will, so mir Gott helfe und sein heiliges Wort.“LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Amtsprotokollbuch 1645–1650.

Im Hauptrechnungsbuch bey dem Jungfreulichen Closter Ambt Dobbertin im Namen Gottes schreibt 1674 der Küchenmeister Arendt Calsow zu Jellen Dieses Dörff ist vorigen teütschen Kriege gantz in Asche gelegt und wird der Acker so nur gering Sandt zum Kogelcker Hoeffe mit gebraucht. Im Ort wohnten Chim Schmidt, Claus Baeßen, Claus Schmidt, Chim Köster, Baltzer Diederich, Tewes Bowßen, Chim Vicker und Chim Reddin. Im Pachtregister von 1690 heißt es weiter: „das Dorf ist ganz verwüstet und der Acker meistens mit Dannen und Heide bewachsen, derjenige so noch brauchbar ist mit zum Kogelker Hof gelegt.“LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 1103 Hauptrechnungen 1674/75.

Jellen gehörte wie Kleesten zum Kirchspiel Kirch Kogel.Beichtkinderverzeichnis 1704. Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern 1706 wurden die Inventarien des Hofes aufgenommen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Mr. 3510 Inventarien des Hofes in Jellen. Zwischen 1709 und 1715 hatten neben den von Kleesten, Rum Kogel, Suckwitz und Reimershagen auch die Jellener während der Predigervakanz in Kirch Kogel Priesterfuhren zu leisten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3526 Zeugenverhöre über die zu leistenden Priesterfuhren während der Predigervakanz.

mini|Inschrift des Klosteramts Dobbertin am Giebel eines Katens (2011) Trotz Kriegsleiden und Einquartierungen wurden 1815 durch das Klosteramt weitere Katen für die benötigten Waldarbeiter errichtet. 1819 hatte Jellen 22 Einwohner, darunter waren Dunkelmann, Leverenz, Ehlers, Gerrahn, Rademacher, Seemann und Stock. 1840 kam am östlichen Waldesrand ein zweihischiger Katen, d. h. mit zwei Wohnungen, hinzu. Die Wohnungen bestanden aus einer Küche von zwölf Quadratmetern, einem beheizbaren Wohnzimmer von sechzehn Quadratmetern und zwei Kammern mit sechs und neun Quadratmetern. 1857 gab es in Jellen fünf Katen und zwei Ställe. 1858 waren bei Klevenow und Weltzien die Öfen zu erneuern, bei Sternberg eine neue Haustür einzusetzen und bei Luckmanns das Dach auszubessern. Am 1. Dezember 1876 wurden 53 Einwohner gezählt. Für die zusätzlichen Forstarbeiter hatte man 1883 am Sandweg einen weiteren zweihischigen Katen erbaut.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 21. November 1883, Nr. 19. Im Giebel sind auf einer Sandsteintafel die Initialen KL. A. D. für Klosteramt Dobbertin und das Baujahr 1883 zu sehen.LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherung, Akte Jellen Nr. 577–566. 1923 hatte Jellen noch 23 Einwohner.

1955 wurde der Ort an das elektrische Stromnetz angeschlossen.

Eingemeindung Mit Beschluss des Mecklenburgisch-Schwerinschen Landesverwaltungsrates vom 20. Januar 1923 wurden nach § 4 der Landesgemeindeordnung vom 20. Mai 1920 die Landgemeinden Dobbertin und Jellen-Kleesten-Schwinz zu einer Landgemeinde zusammengeschlossen mit der Maßgabe, dass in den kirchlichen Verhältnissen der Gemeinde nichts geändert wird.LHAS 5.12-4/3 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Nr. 6788/1

Gutshof mini|Alte Ställe (2011) Schon 1647 versuchte das Klosteramt die Ortschaften Jellen und Kogel zu verpachten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3521. Doch erst Anfang 1700 wurde ein selbständiger Hof mit einem Verwalter als Meierei, auch Schäferei genannt, angelegt. Im Beichtkinderverzeichnis von 1704 wird auf der Meyerey Gellen Hans Jacob Eckelberg als Verwalter mit Frau Maria, Knecht Jochim Garling und Schäferknecht Joachim Strüfing genannt. Der Hof bestand aus dem Pächterhaus, einer Scheune, dem Viehhaus und einem Schafstall.Beichtkinderverzeichnis 1704 und 1751, Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Niedrige Anschaffungskosten und nur wenige Menschen waren zu deren Unterhalt notwendig und vom Klosteramt wurde das Vieh gestellt.

Neben Dobbertin, Kogel, Neuhof, Kleesten und Spendin war mit Jellen die Zahl der Klostergüter wieder auf sechs angewachsen.

1728 vermerkte das Klosteramt zum Hof Jellen: „Das mehrste Teil der Feldmark ist mit Dannen und Heide zugewachsen, daher dann am meisten auf Schaafvieh bei dieser Meyerey refektiert wird.“

Nach dem Beichtkinderverzeichnis von 1751 war Jellen ein kleines Dobbertinsches Gut und Schäferei mit Verwalter Hinrich Ode, einem Schäferknecht, dem Dröscher, den Einliegern Johann Bluhm und Friedrich Schnack sowie einem Jäger. Der Dröscher half als Tagelöhner beim Dreschen auf dem Gutshof.

1793 hatte das Klosteramt Dobbertin die Meyerey Jellen mit der Tannen-Heyde zur Verpachtung ausgeschrieben.Horst Alsleben: Schlechte Zeiten für Holzdiebe. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 6. August 2021. Den schlechten, sehr sandigen Ackerboden hatte man 1794 zur Aufforstung freigegeben, doch erst 1859 beschloss der Sternberger Landtag, die Feldmark um Jellen mit Kiefern zu besamen und in Wald umzuwandeln. 1894 hatte man die 1706,6 Hektar von Jellen zur neuen Revierforst des Klosterforstamtes Dobbertin gelegt. Jellen hatte damals 33 Einwohner und der Lehrer-Assistent wohnte mit Nicht-Lehrern unter einem Dache.

Pächter des Klosteramtes:

1704 Hans Jacob Eckelberg 1721 Johann Lange 1731 Georg Friedrich Fallenkampf 1734 Levin Christoff Drews 1747 Joachim Friedrich Küntzler, auch Teerschweler.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3511 Pächter und Teerschweler. 1751 Hinrich Ode 1754 Vollrath Jochim Christoffer Drews, auch Teerschweler 1777 Runtzler, auch TeerschwelerLHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3511. 1779 Hans Friedrich Ahrend, auch Teerschweler 1793 Hartwig Carl Lierow 1806 Johann Hinrich Ahrens, auch Teerschweler mit Gut in Kleesten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3512 a, b, Pächter und Teerschweler. 1835 Christoph Bühring, ab 1836 auch Kleesten und 1850 Spendin 1846 Friedrich Timm aus Wendisch-Waren, auch Teerschweler 1858 Friedrich Alban

Gebäude im Dorf Gutshaus, zeitweise Schule und Forsthof mini|Ehemaliges Gutshaus (2011)