mini|Maria Rasputin im Gespräch mit einem spanischen Journalisten (1930)

Maria Rasputin, geb. Matrjona Grigorjewna RasputinaRobert Alexander: Rasputin’s Daughter, Baltimore, MD 2006, ISBN 978-0-14-303865-8, S. 297–298 (; * in Pokrowskoje; † 27. September 1977 in Los Angeles) war die Tochter des russischen Mystikers Grigori Rasputin und seiner Frau Praskowja Fjodorowna Dubrowina.

Nach der Russischen Revolution von 1917 schrieb sie verschiedene Bücher über das Leben ihres Vaters in Verbindung mit Zar Nikolaus II., seiner Frau Alexandra und deren Ermordung.

Kindheit und Jugend mini|alternativtext=|Rasputin mit seinen Kindern Matrjona (Maria), Warwara und Dimitri

Matrjona Grigorjewna Rasputina wurde im sibirischen Dorf Pokrowskoje, Gouvernement Tobolsk (heute Oblast Tjumen) geboren, kam aber als Jugendliche nach Sankt Petersburg, wo ihr Name von Matrjona in Maria geändert wurde, um sich dem sozialen Umfeld besser anzupassen. Rasputin hatte Maria und ihre jüngere Schwester Warwara (Warja) im Oktober 1913 mit nach St. Petersburg gebracht, damit sie bei ihm leben und die Steblin-Kamenskoi-Privatschule besuchen konnten, wo sie zu „kleinen Damen“ erzogen werden sollten.Edward Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, München 2000, ISBN 3-8135-0173-6, S. 215. Infolge von Rasputins Bekanntschaft mit der Zarenfamilie war auch seine ganze Familie zu Gast in Zarskoje Selo. Von der ersten Begegnung Marias mit der Zarenfamilie hinterließ sie eine anschauliche Schilderung: „Wir fuhren in einer Hofequipage nach Zarskoje Selo; ich weiß noch, dass ich wie im Fieber zitterte, als ich das Haus der Frau Wyrubowa betrat. Die Zarin war noch nicht zugegen, und wir setzten uns einstweilen auf einem weichen Sofa nieder; das Wohnzimmer war behaglich eingerichtet, überall standen Etageren mit unzähligen Nippes, und an den Wänden hingen Stiche und Fotografien. Plötzlich klingelte es, und bald darauf hörte man das Rascheln von Frauenkleidern. Bertschik, der Lieblingslakai der Frau Wyrubowa, öffnete die Tür, und die Zarin trat ein, gefolgt von ihren Töchtern. Sie begrüßte uns mit gütigem Lächeln, wir küssten ihr ehrfurchtsvoll die Hand. Dann setzte sie sich und forderte uns auf, das Gleiche zu tun […]“.Fülöp-Miller, René: Der heilige Teufel. Die Wahrheit über Rasputin, Leipzig 1994, ISBN 3-376-05011-2; S. 185–186 Es folgten zahlreiche Gespräche zwischen den Töchtern des Muschiks und den Zarentöchtern sowie ihren Eltern, und zwischen den beiden Familien entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis, sodass sich in der Folgezeit derartige Begegnungen des Öfteren wiederholten.Fülöp-Miller, S. 186

Die Autorin Vera Schukowskaja beschrieb 1913 oder 1914 die ihrer Angabe nach damals 16 Jahre alte Matrjona und ihre Schwester Warwara, 13 Jahre, als Mädchen mit blassen, breiten Gesichtern, auf denen die „unbändige sibirische Kraft“ zum Ausdruck gekommen sei. Wie sich Schukowskaja erinnert, hatte Matrjona ein weißes, breites Gesicht mit stumpfem Kinn und niedriger Stirn über großen blauen Augen. „Sie schüttelte ständig den Kopf, um die langen Simpelfransen von den Augen zu entfernen[…] Mit einer raubtierhaften Bewegung fuhr sie sich mit der Zungenspitze über die breiten, blutroten Lippen. Die gut gebauten Körper der beiden Schwestern schienen kaum in ihre Kaschmirmäntel zu passen, und sie rochen nach Schweiß.“Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 216 Wenn die feinen Damen der Gesellschaft ihren Vater in seiner bescheidenen Wohnung besuchten, küssten sie das große Mädchen und nannten sie bei ihrem Kosenamen, „Mara“ und „Marotschka“. Schukowskaja: „Hier trat Mara ins Zimmer; sie trug ein dunkelrotes Kleid und einen prächtigen Seidengürtel von gleicher Farbe, und ihre Locken waren sorgfältig gedreht. Alle streckten ihr die Hände zur Begrüßung entgegen: ‚Mara, Marotschka, guten Tag!‘ Dann setzte sich Matrjona Rasputin auf den Ehrenplatz neben die alte Golowina.“Fülöp-Miller S. 302 Schukowskaja empfand es als sehr seltsam, dass Rasputins Töchtern so viel Aufmerksamkeit seitens Fürstinnen und Gräfinnen zuteilwurde.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 229.

Später erzählte Maria ihren Enkeln, dass ihr Vater stets sehr großzügig zu ihr gewesen war, besonders in den Zeiten, wenn sie ihn brauchte. Rasputin sagte ihr, dass sie niemals das Haus mit leeren Taschen verlassen, sondern stets Geld dabei haben solle, um es den Armen zu geben. Im Juni 1916 unternahm Rasputin gemeinsam mit seinen Töchtern Matrjona und Warwara sowie seinen Anhängerinnen Anna Wyrubowa, Munja Golowina und Lili Dehn eine Pilgerfahrt zum Kloster Werchoturje, um die Reliquien des Hl. Simeon zu verehren. Während Rasputin in einer Klosterzelle untergebracht war, ertrugen die Frauen im Klostergasthof den Schmutz und zahllose Wanzen. Von hier aus besuchten sie den Einsiedlermönch Makarij in seiner Klause und die Rasputin-Verehrerin Olga Lochtina, die bei Makarij in einem Anbau lebte.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 414. Nachdem sie den Reliquien des Heiligen im Kloster ihre Verehrung erwiesen hatten, fuhr Matrjona mit ihrer Schwester und ihrem Vater nach Pokrowskoje. Damals ahnten sie noch nicht, dass es ihr endgültiger Abschied von dem Kloster sein sollte.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 415.

Rasputins Tod

Rasputins Töchter lebten bei ihm in seiner St. Petersburger Wohnung bis zum 16. Dezember. An diesem Tag wurde er von Felix Jussupow zu einer Feier in dessen Haus eingeladen. Rasputin nannte Jussupow gern „den Kleinen“.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 464 Am Morgen des 17. Dezember 1916 hatte das Dienstmädchen Katja Iwanowna eine Vorahnung von Rasputins Tod. Um fünf Uhr morgens, der Zeit, zu der sie auch sonst aufstand, stürzte sie zu Matrjona ins Zimmer, rüttelte sie aus dem Schlaf und rief ihr zu: „Maria Grigorjewna, steh auf, ich fürchte mich! Grigori Jefimowitsch ist nicht zurückgekommen!“ Doch Maria, die diese Worte noch halb im Traum vernommen hatte, ärgerte sich über Katjas Angst und brummte sie an, dass er doch zu „dem Kleinen“, Felix Jussupow, gegangen sei.Fülöp-Miller S. 426 Maria schlief wieder ein, doch um sieben Uhr wurde sie erneut von Katja geweckt, denn die Polizei stand vor der Tür. Ohne anzudeuten, worum es ginge, fragten sie nach den Umständen des vergangenen Abends, um dann wieder abzuziehen.Fülöp-Miller S. 426–427 Nun war auch Maria in Sorge und rief Munja Golowina an; doch diese beruhigte sie, dass Rasputin die Nacht bei Jussupow verbracht habe.Fülöp-Miller S. 427 Später, als man Rasputin tot aus dem Fluss zog, identifizierte Maria die Überstiefel, die er anhatte, als die seinigen.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 466 Am 18. Dezember wurden Matrjona, ihre Schwester Warwara, die beiden Dienstmädchen, Rasputins Nichte und Maria Golowina Verhören unterzogen.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 468 Am selben Tag wurde auch der Mörder Felix Jussupow vom Ermittler Makarow verhört. Aus den Gesprächen und deren Vergleichen ergab sich, dass Jussupow noch an diesem Tag durch die Aussagen der Angehörigen Rasputins hätte überführt werden können; doch der Minister wagte es nicht, einen Verwandten des Zaren durch Aussagen einer Köchin und der Töchter Rasputins zu überführen.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 471

Am 21. Dezember 1916, dem Tag von Rasputins Beisetzung, die im Park von Zarskoje Selo erfolgte, legte Maria ihrem toten Vater ein Heiligenbild auf die Brust, bevor seine sterblichen Überreste in die Erde gesenkt wurden.Fülöp-Miller S. 435

Am 14. April des Jahres 1918, als der Zar und die Zarin zu ihrem endgültigen Exil nach Jekaterinburg gebracht wurden, fand eine letzte Begegnung der Zaren- und der Bauernfamilie statt. Alexandra blickte aus dem Fenster des Zuges auf das Dorf Pokrowskoje und sah die Angehörigen von Rasputins Familie, wie sie verwundert aus den Fenstern von seinem Haus auf die vorbeifahrende Zarenfamilie starrten.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 507

Leben nach der Revolution

Während des Ersten Weltkrieges war Maria kurz liiert mit einem georgischen Offizier namens Papchadse. Diesem war dank Rasputin das Los erspart geblieben, an die Kriegsfront zu müssen. Er absolvierte in dieser Zeit seinen Wehrdienst im Reservebataillon zu St. Petersburg.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 396

Nach Rasputins Ermordung überredeten Rasputins Anhänger sie dazu, Boris Solowjew zu heiraten. Dieser war der Sohn von Nikolaj Solowjew, dem Schatzmeister des Heiligen Synod und ein Bewunderer ihres Vaters. Nach Rasputins Tod wurde Solowjew bald sein Nachfolger. Solowjew, der sich ausführlich mit der Kunst der Hypnose befasst hatte, veranstaltete Sitzungen, in denen Rasputins Anhänger versuchten, durch Gebete und Séancen mit dem Toten Verbindung aufzunehmen.Robert K. Massie, Nicholas and Alexandra, New York, NY 1967, ISBN 0-440-16358-7, S. 487 Ein Jahr nach Rasputins Tod, 1918, schrieb Maria, dass sie die Anwesenheit von Rasputins Geist verspüre: „Zum ersten Mal fühle ich wieder die Gegenwart meines teuren Vaters, der nun schon länger als ein Jahr tot ist. Wohl können wir seine Worte nicht mehr aus seinem eigenen Munde vernehmen, aber wir fühlen klar, dass er um uns ist.“ Auch bezeugte sie, dass sie ihn mehrmals im Traum sah und Olga Lochtina ähnliche Gesichte von ihm habe: diese erzählte ihr, dass sie in St. Petersburg in der Gorochowaja gewesen war, wo sie den Hof ihres Vaters aufgesucht hatte, und dort habe sie Rasputins Geist in sich gespürt.Fülöp-Miller S. 259

Auch Maria nahm an diesen Treffen teil, schrieb aber später in ihrem Tagebuch, dass sie nicht verstehen könne, warum ihr Vater ihr in den Séancen stets geraten habe, „Boris stets zu lieben“. Ihrer eigenen Aussage nach liebte sie Boris überhaupt nicht.Massie, S. 487 Und Solowjews Begeisterung für Maria hatte sich inzwischen gelegt. In seinem Tagebuch schrieb er, dass er mit dieser Frau nicht einmal mehr schlafen wollte, weil es so viele andere Frauen gäbe, deren Körper er attraktiver fand als den ihren.Radsinski, Edvard, The Last Tsar, New York, NY 1992, ISBN 0-385-42371-3, S. 230 Nichtsdestoweniger heiratete sie Solowjew am 5. Oktober 1917. Sie kehrten dann nach Sibirien zurück und lebten einige Wochen lang in Rasputins Haus in Pokrowskoje. Später stahl Solowjew Juwelen des Zarenpaars, um ihm damit bei ihrer Flucht aus Russland zu helfen, doch dann behielt er die Kostbarkeiten für sich. Nachdem die Bolschewiken die Macht ergriffen hatten, gesellte sich Solowjew zu den Offizieren, die nach Jekaterinburg gekommen waren, um die Flucht der Romanows zu planen. Während des Ersten Weltkrieges verlor er alles Geld, das ihm die Juwelen eingebracht hatten.Radsinski, Die Geheimakte Rasputin, S. 493–494 Es existieren auch verschiedene Berichte von Leuten, die sich nach der Revolution als entkommene Romanows ausgaben. Solowjew betrog prominente russische Familien, indem er sie um Geld bat, um eine Flucht der Romanows nach China zu ermöglichen. Viele junge Frauen fielen auf ihn herein, indem sie sich bereit erklärten, sich in betrügerischer Absicht, zum scheinbaren Wohl armer Familien, als eine der Prinzessinnen zu verkleiden.Occleshaw, Michael, The Romanov Conspiracies: The Romanovs and the House of Windsor, Orion Publishing Group Ltd., 1993, ISBN 1-85592-518-4, S. 47

Flucht ins Exil