Minamisanriku (jap. , -chō) ist eine Hafenstadt im Landkreis Motoyoshi, Präfektur Miyagi, Japan.

Am 11. März 2011 wurde die Stadt durch einen Tsunami infolge des Tōhoku-Erdbebens in weiten Teilen verwüstet.

Etymologie Der Name der Stadt lässt sich mit „Süd-Sanriku“ übersetzen, wobei Sanriku der Name der umgebenden Region ist und wörtlich „drei riku“ bedeutet. Dieses riku wiederum bezieht sich auf die früheren Provinzen Rikuō, Rikuchū und Rikuzen, deren ehemalige Gebiete die Region umspannt.

Geographie Minamisanriku befindet sich im Nordosten der Präfektur Miyagi entlang der pazifischen Sanriku-Riasküste. Das Gebiet ist durch seine zerklüftete Küste gekennzeichnet. Die Auflauf- und Überflutungshöhen des Tsunamis von 2011 waren in diesen zerklüfteten Küstengebieten sehr hoch. Das Gelände trug zur Verstärkung der Schäden bei, indem es den Weg für den Tsunami räumlich einengte und die Tsunamiwelle kilometerweit in das Tal lenkte.

Ein großer Teil des Gemeindegebietes ist Teil des Kitakami-Berglandes, was dazu führt, dass mehr als 70 % des Gemeindegebietes bewaldet sind und das Siedlungsgebiet hauptsächlich nur die Flussmündungen darstellen. Die gesamte Küste gehört wegen ihrer natürlichen Schönheit zum Minamisanriku-Kinkazan-Quasinationalpark.

Die Stadt besteht aus vier Ortsteilen: Utatsu () im Norden, wo der Isatomae-gawa () in die Isatomae-Bucht (, -wan) fließt Shizugawa () im Osten am nordwestlichen Teil der Shizugawa-Bucht (, -wan) im gemeinsamen Mündungstal des Mizushiri-gawa (), Hachiman-gawa () und Araita-gawa () Iriya () in einem nordwestlichen Tal davon Tokura () am südlichen Teil der Shizugawa-Bucht an der Mündung des am Oritate-gawa (). In der Shizugawa-Bucht befinden sich zudem einige kleinere Inseln.

Der Ortsteil Shizugawa in der sich nach Osten zum Pazifik öffnenden Shizugawa-Bucht bildet den Hauptteil der Stadt. Die Form der Shizugawa-Bucht ist durch einen 6,6 km breiten Buchteingang bei einer Gesamtfläche der Bucht von 46,8 km² gekennzeichnet. (Veröffentlicht am 29. März 2012). Die eigentliche, innerhalb der Shizugawa-Bucht gelegene Bucht, in der sich die „Stadt Minamisanriku“ (im Sinne von: Ortsteil Shizugawa) befindet und in die 3 Flusstäler (Mizushiri/水尻川 im Westen, Hachiman/八幡川 im Nordwesten und Araita/新井田川 im Nordosten) einmünden, ist ebenfalls von breiter Form, öffnet sich nach Südosten und hat einen 1,7 km breiten Buchteingang und eine mit 1,1 km Breite etwas schmalere Hafeneinfahrt. Weiter landeinwärts erstrecken sich die urban entwickelten Gebiete bis 1,5 km in das Binnenland. (Online veröffentlicht am 27. März 2012).

Geschichte Die kleineren Täler an der zerklüfteten Sanriku-Küste beherbergten in der Regel semiunabhängige Fischerweiler, deren Bewohner sich in der Vergangenheit unter ihren eigenen keiyakukai (Gemeinschaftsverträgen) organisiert hatten.

Die Stadt entstand am 1. Oktober 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden Shizugawa (, -chō) und Utatsu (, -chō).

Minamisanriku ist eine Stadt mit florierender Fischerei, in der die Aquakultur von Silberlachs, Jakobsmuscheln und Austern blüht. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung stellen durch Tsunamis verursachte Schäden an diesen aquakulturellen Einrichtungen ein ernstes Problem dar.

Erdbeben- und Tsunamikatastrophen +Vergleich der Bilanzen von völlig zerstörten Häusern und Opfern in Minamisanriku für die Katastrophen von 1896, 1933, 1960 und 2011 (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Mit Verweis auf: Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Forensic investigation of the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster: a case study of Rikuzentakata, Disaster Prevention and Management, 26 (3) (2017), S. 298–313, doi:10.1108/DPM-10-2016-0213. Katastrophenereignis Völlig zerstörte Häuser Zahl der Todesopfer Quelle Meiji 1896 (Erdbeben und Tsunami) 475 1234 Shōwa 1933 (Erdbeben und Tsunami) 187 85 Chile 1960 (Erdbeben und Tsunami) 601 38 Tōhoku 2011 (Erdbeben und Tsunami) 3167 812 Anmerkung: Die Zahl der Todesopfer für die Tōhoku-Katastrophe 2011 errechnet sich aus den Gesamtzahlen der Toten und Vermissten des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich der Zahlenangaben katastrophenbedingter Todesfälle,Mit dem Ausdruck „disaster-related deaths“ hat die Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency) offiziell eine Kategorie für solche Fälle definiert, in denen der Tod Folge indirekter Schäden war, die durch Erdbeben, Tsunami und Nuklearkatastrophe verursacht waren. (Quelle: (Online veröffentlicht am 22. Dezember 2017); Lizenz: Creative Commons Attribution Non Commercial (CC BY-NC 4.0).) die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) ermittelt wurden. Historische Tsunami-Erfahrungen und Gegenmaßnahmen Die Sanriku-Küste ist ein Gebiet, das in der Vergangenheit bereits oft von Tsunamis betroffen war. Innerhalb von einhundert Jahren hatten drei große Tsunamis, der Meiji-Sanriku-Tsunami 1896 (vormalige Gemeinde Shizugawa: 441 Tote, 175 weggespülte Häuser), der Shōwa-Sanriku-Tsunami 1933 (vormalige Gemeinde Shizugawa: 22 Tote und Verletzte, 7 weggespülte Häuser) und der Chile-Tsunami 1960 (vormalige Gemeinde Shizugawa: 41 Tote, 965 fortgespülte oder zerstörte Häuser, 5,17 Mrd. Yen Schäden) die Tōhoku-Region einschließlich von Minamisanriku getroffen. Aufgrund der historischen Erfahrung ist der Bevölkerung von Minamisanriku die Gefahr von Tsunamis sehr gegenwärtig.

Nach dem vom Chilenischen Erdbeben 1960 ausgelösten Tsunami waren mit +4,6 m Höhe über dem mittleren Meeresspiegel Seawalls und Tsunamiwehre errichtet worden. Jährlich wurden Tsunamievakuierungsübungen durchgeführt. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012). Die drei die Stadt durchquerenden Flüsse waren mit Tsunamitoren ausgestattet worden, die innerhalb von 15 Minuten geschlossen werden konnten, um Tsunamis daran zu hindern, stromaufwärts über die Flussläufe in das Landesinnere vorzudringen. In Shizugawa, das während des Chile-Tsunamis von 1960 schwere Schäden erlitten hatte, wurden Mahnmale erbaut, um den Einwohnern die Gefahr von Tsunamis zu vergegenwärtigen.Diese nach dem Chile-Tsunami von 1960 errichteten Tsunami-Mahnmale in Shizugawa wurden dann selbst beim Tōhoku-Tsunami vom 11. März 2011 zerstört. (Quelle: ) Die Stadt zeigte sich gegen den vom Tokachi-Erdbeben 1968 ausgelösten Tsunami vollständig geschützt. Anlässlich der dreißigsten Jährung des Chile-Tsunamis von 1960, der in Minamisanriku großen Schaden angerichtet hatte, erhielt der Ort ein Denkmal mit der Bronze-Skulptur eines Kondors als Nationalvogel Chiles, von der chilenischen Regierung als Geschenk, m-kankou.jp, [ohne Datum]., thisischile.cl, 24. April 2013. und Symbol der Freundschaft mit Chile, das ebenfalls von der Katastrophe betroffen gewesen war. 1991 wurde eine Moai-Statue fertiggestellt, um deren Herstellung die Regierung von Minamisanriku einen chilenischen Bildhauer gebeten hatte. Beide Monumente wurden im Matsubara-Park im Bezirk Shizugawa aufgestellt, wo auch Überflutungsmarken installiert wurden. In der Nähe des Parks wurde ein Flutwehr errichtet und ein privates Wohngebäude als Evakuierungsstätte ausgewiesen.

Schon im Vorfeld des Tōhoku-Erdbebens von 2011 war zudem ein Miyagi-Erdbeben in Begleitung eines Tsunamis für die nahe Zukunft erwartet worden. Somit waren im Gebiet ShizugawaIn Bezug auf Berichte der Massenmedien und insbesondere des Fernsehens über die Katastrophe von 2011 in der Gemeinde Minamisanriku ist zu beachten, dass diese Berichte zwar oft von der „Stadt Minamisanriku“ sprachen, sich aber mehrheitlich auf den zentral-südlich gelegenen Teil (ehemals Stadt Shizugawa) und nicht auf den nördlichen (ehemals Stadt Utatsu) bezogen. (Quelle: Sekine, Ryohei: , tohokugeo.jp (The 2011 East Japan Earthquake Bulletin of the Tohoku Geographical Association), 13. Juni 2011.) fortschrittliche Gegenmaßnahmen für den Fall eines Tsunamis vorbereitet worden, wie eine Tsunami-Barriere, die Instandhaltung von Zufluchtsstätten, eine sorgfältige Aufklärung der Bevölkerung über die Katastrophenvorsorge und eine 2006 durch Einwohner in jedem Nachbarschaftsverband gegründete freiwillige Katastrophenschutzorganisation. Darüber hinaus hatten die Einwohner von Shizugawa erst rund ein Jahr vor der Katastrophe von 2011, beim Chile-Tsunami vom 27. Februar 2010, bei dem es weder Opfer noch Verletzte gab, sowohl eine Tsunamigroßwarnung,Nach den 2006 von der JMA herausgebrachten Spezifikationen für Tsunamiwarnungen und -Advisories wird ab einer erwarteten Tsunamihöhe von drei Metern ein großer Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Warning: Major tsunami (hier in englischer Sprache angegeben) ausgegeben wird, die die vorausgesagte Tsunamihöhe spezifisch für jede Region anzeigt, namentlich mittels der fünf Höhenwerte 3m, 4m, 6m, 8m oder ≥10m. Bei einer erwarteten Tsunamihöhe von einem oder zwei Metern wird ein Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Warning: Tsunami ausgegeben wird, die ebenfalls die vorausgesagte Tsunamihöhe spezifisch für jede Region anzeigt, namentlich mittels der zwei Höhenwerte 1m oder 2m. Bei einer erwarteten Tsunamihöhe von etwa einem halben Meter wird ein Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Advisory mit der vorausgesagten Tsunamihöhe von 0,5m ausgegeben wird. Quelle: ; hier: S. 8. als auch einen Tsunami (mit einer Höhe von 1,30 m in Shizugawa) und die Evakuierungsabläufe erlebt. Eine Tsunamigefahrenkarte für das Shizugawa-Gebiet wurde an alle Haushalte verteilt. Darin waren sowohl das Überflutungsgebiet des Chile-Tsunamis von 1960, als auch das als etwas kleiner erwartete Überflutungsgebiet für den für die nahe Zukunft vorhergesagten Miyagi-Tsunami sowie 10 Evakuierungsstätten eingezeichnet. Die Stadt Minamisanriku hatte sich vor dem Tōhoku-Erdbeben 2011 internationale Anerkennung für ihre Vorbereitungen auf einen Tsunami erworben und war ein bedeutendes Exkursionsziel für Tsunami-Experten., Earthquake Engineering Research Institute (EERI).

Tōhoku-Katastrophe 2011

Ausmaß der Überflutung und Schäden

mini|Am 11. März 2011 im Tsunami zerstörte Stein-Mahnmale für den Shōwa-Sanriku-Tsunami (links; die Inschrift mahnt, „vorsichtig vor einer ungewöhnlich zurückweichenden Welle zu sein“) und den Chile-Tsunami 1960 (rechts; zerstörte Moai-Statue und Kondor-Säule) (Fotos: 25. März 2011) (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012), hier: S. 1015, Figure 31. Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).