Modale Tonleitern, auch modale Skalen oder kurz Modi (Einzahl Modus, aus lateinisch ) sind Tonleitern, die Namen und Tonvorrat der alten europäischen Modi (Kirchentonarten, Kirchentöne) übernehmen, ohne jedoch die weiteren in der alten Musik wichtigen Eigenschaften der Kirchentöne (Ambitus, Finalis, Repercussa, Unterscheidung authentisch/plagal) zu berücksichtigen. Die kirchentonalen Modi werden im Folgenden auch als Kirchentonleitern bezeichnet nicht auf dem Dur-Moll-System beruhende Tonleitern (z. B. modale Tonleitern im modalen Jazz und in orientalischer Musik).

Ableitung modaler Materialskalen aus einer Durtonleiter Modi können als unterschiedliche Ausschnitte aus dem Tonvorrat einer Durtonleiter gedeutet werden, wobei dieses Verfahren allerdings sowohl ahistorisch als auch eurozentristisch ist und wenig zum Verständnis historischer oder aktuell gebräuchlicher modaler Strukturen beizutragen vermag.

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Die modalen Tonleitern können auf jede Stufe der chromatischen Tonleiter transponiert werden. Um die Vorzeichen einer bestimmten Transposition ermitteln zu können, ist es nützlich, sich zu merken, auf welcher Stufe der zugehörigen Durtonleiter die Modi errichtet sind.

Weiß man zum Beispiel, dass Dorisch auf der zweiten Stufe der zugeordneten Durtonleiter „steht“, so sieht man sofort, dass e-Dorisch die gleichen Vorzeichen wie D-Dur oder fis-Dorisch die gleichen Vorzeichen wie E-Dur hat. Lydisch steht auf der vierten Stufe einer Durtonleiter, also hat zum Beispiel As-Lydisch die gleichen Vorzeichen wie Es-Dur.

Besondere Merkmale kirchentonaler Modi Die kirchentonalen Modi lassen sich nach ihrer Terz jeweils einem der Tongeschlechter Dur oder Moll zuordnen.

In der folgenden Tabelle (sortiert nach der absteigenden „Helligkeit der Klangfarbe“) sind die charakteristischen Töne bzw. diatonischen (Stufenakkorde) sowie die Halbtonschritte (rote Striche) der jeweiligen Tonart hervorgehoben. Die Verwendung dieser drei Elemente in Verbindung mit der Aufrechterhaltung des tonalen Zentrums (Tonika) erzeugt die jeweilige „Klangfarbencharakteristik“.

Damit stehen feinere Abstufungen zur Verfügung. Statt z. B. von Dur (Ionisch) nach Moll (Äolisch) zu wechseln kann über das Einfügen zunächst der b7 (Mixolydisch) und anschließend der b3 (Dorisch) die Modalität graduell gewählt werden. Dur3Lydisch123#4567Lydische QuarteIIIiii#ivoVvivii2Ionisch1234567IiiiiiIVVviviio1Mixolydisch123456b7Mixolydische SeptimeIiiiiioIVvvibVIIMoll0Dorisch12b3456b7Dorische SexteiiibIIIIVvviobVII-1Äolisch12b345b6b7iiiobIIIivvbVIbVII-2Phrygisch1b2b345b6b7Phrygische SekundeibIIbIIIivvobVIbvii-3Lokrisch1b2b34b5b6b7Lokrische QuinteiobIIbiiiivbVbVIbvii

Im Folgenden werden die Kirchentonleitern mit der jeweils ähnlichen Dur-/Moll-Tonleiter verglichen. Die Notation ist so gewählt, dass keine Vorzeichen benötigt werden. Zunächst werden die Tonleitern betrachtet, die auf das mittelalterliche System der Kirchentöne zurückgehen.

Moll-geschlechtliche Skalen Dorisch rechts|350px

Die dorische Tonleiter unterscheidet sich von der natürlichen Molltonleiter durch eine erhöhte 6. Stufe, die dorische Sext.

Phrygisch rechts|350px

Die phrygische Tonleiter unterscheidet sich von der natürlichen Molltonleiter durch eine erniedrigte 2. Stufe, die phrygische Sekunde.

Dur-geschlechtliche Skalen Lydisch rechts|350px

Die lydische Tonleiter unterscheidet sich von einer Durtonleiter durch eine erhöhte 4. Stufe, die lydische Quart.

Mixolydisch rechts|350px

Die mixolydische Tonleiter unterscheidet sich von einer Durtonleiter durch eine erniedrigte 7. Stufe, die mixolydische Sept.

Vervollständigung des Systems (ionisch, äolisch, lokrisch) rechts|350px

Aus den im 16. Jahrhundert hinzugefügten Modi Ionisch und Äolisch gingen das heutige Dur und Moll hervor. Die ionische Skala ist also mit der Durtonleiter, die äolische Skala mit der natürlichen Molltonleiter identisch.

Beim lokrischen Modus gibt es nicht ein charakteristisches Unterscheidungsintervall zu Dur oder Moll. Man muss, um aus einer Molltonleiter eine lokrische zu machen, zwei Stufen erniedrigen, nämlich die zweite und fünfte.

Einen Modus Lokrisch hat es im System der Kirchentöne nie gegeben. Erst in neuerer Zeit wurde unter der Bezeichnung, die sich u. a. bei Cleonides findet, sich dort aber auf den hypodorischen Modus der alten Griechen (von A bis a) bezieht, ein „lokrischer Modus“ konstruiert, um das System theoretisch zu vervollständigen. Die lokrische Tonleiter unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass über dem Grundton anstelle der reinen eine verminderte Quint (Tritonus) liegt, weshalb sie im Kontext der Dur-Moll-Tonalität als unbrauchbar gilt. In der Akkord-Skalen-Theorie des Jazz wird das Skalenmaterial des locrian mode hauptsächlich bei halbverminderten Septakkorden verwendet.

Bildliche Darstellung aller Kirchentonleitern mit Hörbeispielen Die folgenden Grafiken stellen die sieben Kirchentonleitern bildlich dar. (Erläuterung des Schemas)

72px Ionisch (Dur) 72px Dorisch 72px Phrygisch 72px Lydisch 72px Mixolydisch 72px Äolisch (reines Moll) 72px Lokrisch

Siehe auch Ragas Dastgah Maqam Slendro und Pélog Modi mit begrenzten Transpositionsmöglichkeiten

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Kategorie:Tonleiter