mini|hochkant|Waldo Frank
Waldo David Frank (* 25. August 1889 in Long Branch, New Jersey; † 9. Januar 1967 in White Plains, New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Soziologe jüdischer Herkunft. Während er mit erzählender Prosa scheiterte, nahm er als Essayist manche Erkenntnisse von Kultur- und Technikkritikern wie D. H. Lawrence, Lewis Mumford und Herbert Marcuse vorweg.Edward Paynter, abgerufen am 25. Juli 2011 Einst zu den herausragenden Intellektuellen Nordamerikas gezählt, geriet er nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Lediglich in Lateinamerika werden seine Bücher heute noch gelesen.Uni Delaware, abgerufen am 25. Juli 2011
Leben und Werk Franks Eltern waren wohlhabend genug, um ihren ungewöhnlich intelligenten und belesenen Sohn, nach einigen Jahren Highschool, auf ein Internat in Lausanne/Schweiz zu schicken. Er beendete seine Ausbildung 1911 mit einem M.A. in Yale.
Er schrieb für verschiedene Zeitschriften, darunter Seven Art; ab 1925 auch für die New Republic und den New Yorker. Sein Romandebüt gab er 1917 mit The Unwelcome Man, dessen „Held“ vom Selbstmord Abstand nimmt, als ihm aufgeht, in geistiger Hinsicht sei er ja bereits tot. Der Erstling verrät Einflüsse von Walt Whitman und Ralph Waldo Emerson. Franks Weltsicht braute sich in einem Tiegel aus Sigmund Freud, Karl Marx, Spinoza, fernöstlicher Mystik und nordamerikanischem Transzendentalismus zusammen. „Er ist überzeugt, viele irdische Probleme lösten sich, wenn jeder Einzelne zu einer Übereinstimmung mit dem Kosmos fände.“ Zur Kennzeichnung dieses eher vagen Rettungsplanes habe Frank, schrieb Edward Paynter, ausdrücklich den Begriff „Unanismus“ des französischen Schriftstellers Jules Romains entlehnt.
Nachdem er mit mehreren Romanen wenig Beachtung gefunden hatte, wandte sich Frank um 1925 von der Belletristik ab, um sie erst in den 1950er Jahren wieder aufzugreifen, aber auch dann mit dürftigem Echo. Neben Artikeln schrieb er jetzt Studien und Reiseschilderungen. Für Paynter war das erzählerische Scheitern bei einem „unanimistischen“ Konzept notwendig programmiert, da dann die schablonenhaften Individuen lediglich als Erfüllungsgehilfen jener sozialen oder gar kosmischen Wesenheiten fungierten, die in unanimistischer Sicht das organische Leben ausmachten. Das Konzept tauge vielleicht für prophetische Gedichte; den Romancier verurteile es jedoch zur Serienproduktion fragwürdiger philosophischer Räuberpistolen („philosophically dubious potboilers“). Dagegen habe es Franks essayistisches Schreiben kaum beeinträchtigen können.
Franks durchaus bemerkenswerte „histories“ kreisten durchweg um die Frage, ob Amerika oder „der Westen“ die geeignete Bühne sei, sich der schlechten Mitgift der Geschichte zu entledigen. Es ging Frank vor allem um die Überwindung der Vergöttlichung der Maschine und deren entfremdenden und auch sonst verheerenden Auswirkungen. Er sah den betäubenden Rhythmus „der Maschine“ selbst in Baseball und Jazz verkörpert. Setzte er eher auf Indianer und Neger, übersah er, dass sie gleichfalls gern frenetisch tanzten. Allerdings wimmelten seine Betrachtungen des „industriellen Dschungels“ von Widersprüchen, meinte Paynter. Das sei wenig erstaunlich angesichts der widerstreitenden Tendenzen, die den Autor gebeutelt hätten: gegen die Welt, mit ihr kämpfend; weg von der Welt, in geistige Regionen flüchtend.
Kleine Maschinen, großer Ruhm Franks Untersuchung spanischer Kultur Virgian Spain von 1926 brachte ihm zumindest in Lateinamerika viel Beifall ein.Dagegen sei sie von Ernest Hemingway in Death in the Afternoon (1932) verhöhnt worden, ist in der englischen Wikipedia zu lesen, siehe WP en, abgerufen am 25. Juli 2011.
Um 1930 lernte Frank das südliche Amerika auch leibhaftig, als Reisender kennen, zudem die Sowjetunion, was entsprechende Veröffentlichungen nach sich zog. In diesen Jahren war er verstärkt politisch aktiv; er beteiligte sich an diversen Protestveranstaltungen und Konferenzen, verständigte sich mit prominenten Kollegen wie Sherwood Anderson und Theodore Dreiser, unterstützte Parlamentskandidaten der Kommunistischen Partei. Auf einer erneuten Lateinamerikareise, bei der Frank gutbesuchte Vorträge hielt, machte er in Argentinien den Fehler, den nazifreundlichen Regierungskurs zu kritisieren, worauf er zur unerwünschten Person erklärt wurde.Frank A. Ninkovich: The diplomacy of ideas: U.S. foreign policy and cultural relations, 1938–1950. Cambridge University Press, 1981, Seite 44. Diese Reise krönte er mit den Büchern South America Journey (1943) und Simon Bolivar (1951). Gleichwohl verbiss er sich anschließend wieder erfolglos in die Belletristik. Für seine beiden letzten Romanmanuskripte fand er keinen Verleger. Als er 1967 77-jährig starb, war Frank schon nahezu vergessen. Seit 1952 war er Mitglied der American Academy of Arts and Letters.
Frank hinterließ einen Sohn aus erster Ehe (1916–1924) mit Margaret Naumburg und zwei weitere Kinder aus einer zweiten Ehe mit Alma Magoon (ab 1927). Er war befreundet mit den Schriftstellern Jean Toomer und Hart Crane. Paynter schilderte den mystisch gestimmten Kulturkritiker Frank als humorlosen, dabei ausgesprochen egoistischen und geltungssüchtigen Mann, der sich nach Ruhm verzehrt habe. Zwar habe sich der 70-Jährige, auf seine ihn bitter enttäuschende „Karriere“ zurückblickend, gewissenhaft bemüht, den Gründen seines Scheiterns nachzuspüren; gleichwohl seien noch seine erst postum veröffentlichten Erinnerungen mit pathetischen Selbsttäuschungen, Zitaten aus verstaubten Pressemappen und übertriebenen Behauptungen von seiner Bedeutung gespickt. Bis zum Ende sei Größe Franks „schrecklichstes Rauschmittel“ gewesen.
Werke The Unwelcome Man, Roman, 1917 Our America, Essays, 1919 The Dark Mother, Roman, 1920Schwarzer Jugendlicher vom Lande trifft, nach dem Tod seiner Mutter, im Zug nach New York homosexuellen Rechtsanwalt. Vor allem diskutieren sie. City Block, Roman, 1922Aus der zeitgenössischen New Yorker Szene freidenkerischer und freizügiger Künstler. Für Paynters der „Höhepunkt“ des (verfehlten) unanimistischen Romankonzepts. Rahab, Roman, 1922 Holiday, Roman, 1923Ein Fall von Lynchjustiz gegen Schwarze in den Südstaaten. Der Stil des Romans sei „modern“ und „experimentell“, meint die Uni Illinois, abgerufen am 25. Juli 2011 Chalk Face, Roman, 1924 Virgin Spain: Scenes from the Spiritual Drama of a Great People, 1926 The Re-discovery of America: An Introduction to a philosophy of American Life, 1929 America Hispana: A Portrait and a Prospect, 1931Zeitgenössische Buchvorstellung durch Hermann Keyserling (1932), abgerufen am 25. Juli 2011 Dawn in Russia: The Record of a JourneyMorgendämmerung in Russland, 1932 The Death and Birth of David Markand, Roman, 1934 In the American jungle, 1937 The bridegroom cometh, 1939 South American Journey, 1943, deutsch übersetzt von Hildegard von Barloewen: Südamerikanische Reise, Weismann, München 1951, . The Jew in Our Day, London 1944 The invaders, 1948 Birth of a World: Simon Bolivar in Terms of his Peoples, 1951, Re-discovery of Man, 1953Paynters sieht Parallelen zu Herbert Marcuses Eindimensionalem Menschen von 1960 Bridgehead: The Drama of Israel, 1957 The Prophetic Island: A Portrait of Cuba, 1961Für Paynters Franks schönstes Buch Memoirs, 1973 posthum
Literatur Paul J. Carter: Waldo Frank (= Twayne’s United States authors series, Band 125). Twaine, New York, NY 1967, . Waldo Frank’s Crusade for Latin America Literature. In: The Americas 46, 1. Juli 1989. Casey Nelson Blake: Beloved Community: The Cultural Criticism of Randolph Bourne, Van Wyck Brooks, Waldo Frank, and Lewis Mumford. University Of North Carolina Press, Chapel Hill, 2004, ISBN 978-0-8078-6042-7 (Dissertation University Rochester, NY 1987, ). Michael A. Ogorzaly: Waldo Frank: Prophet of Hispanic Regeneration. Bucknell University Press, Lewisburg / Associated University Presses, Cranbury (New Jersey), 1994, ISBN 0-8387-5233-0 (Philosophische Dissertation University of Notre Dame 1983, ). Sebastiaan Faber: Learning from the Latins: Waldo Frank's Progressive Pan-Americanism. In: CR: The New Centennial Review, Band 3, Nummer 1, Frühjahr 2003, S. 257–295.
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