Posen (, ) ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Großpolen und mit etwa 540.000 Einwohnern die fünftgrößte polnische Stadt. Posen war in preußischer Zeit ab 1815 Hauptstadt des Großherzogtums bzw. ab 1848 der Provinz Posen, bis es im Gefolge eines polnischen Aufstands nach dem Ende des Ersten Weltkriegs durch den Versailler Vertrag 1920 mitsamt der Provinz zum wiedererrichteten Polen kam.

mini|350px|Blick auf die Posener Altstadt (2016)

Mit der Adam-Mickiewicz-Universität ist die Stadt ein Zentrum von Industrie, Handel und Forschung. Sie ist Sitz der ältesten polnischen Diözese sowie Messestadt.

Lage miniatur|Satellitenbild Die Stadt liegt in Großpolen, dem historischen Kern Polens, am Fluss Warthe, ungefähr in der Mitte zwischen Berlin und Warschau.

Stadtgliederung

mini|Karte der Stadtteile

Posen ist in fünf Stadtteile aufgeteilt:

Name deutscher Name (1815–1918 und 1939–1945) Einwohner Fläche in km²Grunwald Grunwald 125.500 36,2Jeżyce Jersitz 81.300 57,9Nowe Miasto Neustadt 142.200 105,1Stare Miasto Altstadt 161.200 47,1Wilda Wilda (1940–1945 Wilde) 63.800 15,0

Klima und Wetter

Geschichte mini|Die Stadt Posen auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Vorgeschichte und Mittelalter Die frühesten Siedlungsspuren sind 12.000 Jahre alt. Die Lage beidseits der Warthe, an den uralten Handelspfaden zwischen Ost- und Westeuropa, ermöglichte Posen eine stetige Entwicklung. In der Zeit der Völkerwanderung verließen die ostgermanischen Burgunden diese Gegend, und slawische Volksstämme aus dem Osten siedelten sich an.

Die erste Nennung Posens fällt mit der Erwähnung der Stadt als erstem polnischen Bischofssitz im Jahre 968 zusammen (siehe Erzbistum Posen). Aus dieser Zeit stammt auch der erste Vorgängerbau des Posener Doms. In der Kathedrale wurden die ersten Herrscher Polens bestattet. Eine weitere Erwähnung erfolgt in der Thietmarchronik zum Jahr 1005. Daraus sowie aus Grabungsfunden geht hervor, dass Posen eine der am stärksten ausgebauten Festungen in Polen war, als dieses unter Bolesław I. Chrobry aus dem Herrschergeschlecht der Piasten zum Königreich wurde.

Im Jahr 1038 überfiel Böhmen das Piastenland, entführte die kostbaren Reliquien des heiligen Adalbert und besetzte Schlesien. Der Einfall des böhmischen Fürsten Břetislav I. konnte aber die wirtschaftliche Entwicklung Posens ebenso wenig aufhalten wie die Verlegung der polnischen Hauptstadt von Gnesen nach Krakau durch Kasimir I. den Erneuerer. Die erste Burg und die ältesten Siedlungen Posens lagen auf dem rechten Wartheufer und an der Cybina. An der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert wandelte sich Posen von einer Wehrburg und einem Fürstensitz in eine Stadt nach westeuropäischem Vorbild. Unter Przemysł I. gründeten deutsche Einwanderer 1253 der Altstadt gegenüber auf dem linken Ufer der Warthe eine Siedlung nach Magdeburger Recht.Withold Maisel: Die Quellen des deutschen Rechts im mittelalterlichen Posen. In: Dietmar Willoweit, Winfried Schich (Hrsg.): Studien zur Geschichte des sächsisch-magdeburgischen Rechts in Deutschland und Polen. Lang, Frankfurt 1980, S. 116ff. Sein Sohn Przemysł II. residierte in der Stadt als König von Polen (1295–1296) auf dem Posener Königsschloss.

Posen vom 16. Jahrhundert bis zur Zweiten Polnischen Teilung 1793 mini|Posen um 1617 mini|Jesuitenkolleg, um 1571 errichtet Im 16. Jahrhundert blühte die Stadt auf und wurde eines der wichtigsten Handelszentren des damaligen polnischen Staates. 1519 stiftete Bischof Jan Lubrański ein Kollegium, das mit der Zeit den Namen Lubrański-Akademie bekam. In den Jahren 1550 bis 1560 baute der Tessiner Baumeister Gianbattista Quadro, der später auch das Warschauer Königsschloss neu entwarf, das Rathaus um. Das Jesuitenkolleg Posen wurde 1571 gegründet. Im 16. Jahrhundert hatte Posen etwa 30.000 Einwohner.

Im 17. und 18. Jahrhundert hemmten Feuersbrünste, Überschwemmungen und Kriege sowie veränderte Handelsrouten die Entwicklung der Stadt. Die Situation änderte sich erst unter der Regierung von König Stanisław August in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die vom König zur grundlegenden Reform des polnischen Staates eingesetzte Kommission der Guten Ordnung erreichte gemeinsam mit den städtischen Behörden den Wiederaufbau Posens, die Wiederbelebung von Handel und Handwerk. Zum Ende des 18. Jahrhunderts zählte die Stadt Posen wieder 15.000 Einwohner.

Preußische Zeit (1793–1918) mini|Stadtplan um 1905 mini|Rathaus Posen (2013)

Im Zuge der Zweiten Polnischen Teilung marschierten preußische Truppen am 30. Januar 1793 in Posen ein. Die Stadt gehörte danach zum Gebiet der neuen Provinz Südpreußen des Königreichs Preußen. Nach mehr als 500 Jahren des formalen Nebeneinanders wurden 1793 die beiden Teilstädte Posens vereinigt.

In den ersten Jahren der preußischen Herrschaft hatten die polnischen Einwohner die gleichen Rechte wie die preußischen. Die Gleichbehandlung galt auch der Sprache, sodass das Polnische in Schulen und Behörden gebraucht wurde, obwohl man sich bemühte, den Anteil der deutschen Bevölkerung durch Begünstigungen bei der Ansiedlung zu erhöhen.

Am 11. Dezember 1806, also während der Napoleonischen Kriege, erfolgte mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages in Posen zwischen Frankreich und Sachsen die Erhebung Sachsens zum Königreich.

Die Stadt Posen wurde durch zwei neuerliche Gebietswechsel betroffen. Nach der Niederlage Preußens gegen das napoleonische Frankreich wurde Großpolen samt Posen von 1807 bis 1815 Bestandteil des kurzlebigen pronapoleonischen Herzogtums Warschau. Auf dem Wiener Kongress wurde Posen als Teil des Großherzogtums Posen schließlich wieder dem Königreich Preußen zugeschlagen. Der polnische Adlige Anton Radziwiłł wurde als Statthalter in der Provinzhauptstadt Posen eingesetzt. Die Stadtregierung wurde von preußischen Beamten übernommen und die polnische Amtssprache durch die deutsche ersetzt, was erst der Anfang der Germanisierung werden sollte.

Nach dem Novemberaufstand von 1830 wurde die Sonderstellung des Großherzogtums innerhalb des preußischen Staatswesens weitgehend beseitigt. Nach der Märzrevolution von 1848 wurde das Gebiet nur noch Provinz Posen genannt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geriet die polnische Sprache immer mehr unter politischen Druck. So wurde beispielsweise der polnischsprachige Schulunterricht systematisch zurückgedrängt. Hinzu traten der Kulturkampf mit kulturellen, konfessionellen (die polnische Bevölkerung war fast gänzlich katholisch) und ökonomischen Repressionen sowie weitere staatlich unterstützte Antipolonismen, wie die des Deutschen Ostmarkenvereins, der 1894 in Posen gegründet und Vorgängerorganisation des Bundes Deutscher Osten wurde.

In dieser Zeit wurden einige bedeutsame Bauten errichtet, so die Raczyński-Bibliothek (1829), das „Hotel Bazar“ (1841) und das Stadttheater (1875). Ein intellektuelles Zentrum der polnischen Bildungselite war die „Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften“ (1857). Maßgeblich für die Industrialisierung wurde insbesondere die Maschinenfabrik Hipolyt Cegielskis. mini|Neues Stadttheater (Opernhaus), 2014 Nachdem 1902 die ein Jahrhundert zuvor errichteten preußischen Befestigungen abgerissen worden waren, konnte Joseph Stübben, einer der bekanntesten deutschen Stadtplaner seiner Zeit, ein repräsentatives Stadtviertel entwerfen. In den folgenden Jahren wurde eine Reihe öffentlicher Gebäude in verschiedenen Baustilen errichtet: 1904 der Neubau des 1857 als Museum für polnisches und slawisches Altertum gegründeten Kaiser-Friedrich-Museums am Wilhelmsplatz, heute Nationalmuseum am plac Wolności (Freiheitsplatz), die Königliche Akademie (1905–1910 von Eduard Fürstenau, heute Collegium Minus), das Residenzschloss (1905–1910 von Franz Heinrich Schwechten) mit vollständiger neobyzantinischer Goldmosaizierung der Schlosskapelle von August Oetken und das Neue Stadttheater (1908–1910 von Max Littmann). mini| der Oberschlesische Turm (1910) 1911 fand in Posen die 'Ostdeutsche Ausstellung für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft' statt. Ziel der Veranstaltung war es, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leistungen der Deutschen in den Regionen Posen, Pommern, Schlesien und Ostpreußen zu präsentieren.Ausstellungskatalog Der 1910/11 gebaute Oberschlesische Turm war Wasserturm, Ausstellungshalle und Restaurant.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Posen 15 katholische Kirchen, drei evangelische Kirchen und mehrere Synagogen. Die Neue Synagoge wurde 1907 eingeweiht.

Polnische Zwischenkriegszeit (1918–1939)

Am Ende des Ersten Weltkrieges traten starke ethnische Spannungen in der Stadt auf. Die polnischsprachige MehrheitLaut der Volkszählung von 1910 zählte die Stadt Posen einschließlich der Garnison 156.696 Einwohner, davon 57,1 % oder 89.473 Polen und 42,9 % oder 67.223 Deutsche sah in der sich abzeichnenden militärischen Niederlage des deutschen Kaiserreiches eine Chance für eine Eingliederung der Stadt in den wiedergegründeten polnischen Staat. Ihr Großpolnischer Aufstand, vom 27. Dezember 1918 bis Februar 1919, der sich von der Stadt Posen aus auf die Provinz ausdehnte, erreichte sein Ziel: Posen und weite Teile der preußischen Provinz Posen wurden im Zuge des Versailler Vertrages dem restaurierten polnischen Staat ohne vorherige Volksabstimmung angegliedert. In den Jahren 1919 bis 1923 verließen 50.000 der etwa 60.000 Deutschen die Stadt,Antoni Zubinski: Poznań w latach 1919–1939. Posen 2000. was jedoch nicht zur Senkung der Einwohnerzahl führte.Einwohnerzahl 1919: 158.185, davon ca. 60.000 Deutsche; 1924: 193.228, davon ca. 10.000 Deutsche.

In der gesamten Zwischenkriegszeit erfuhr Posen eine vielseitige Entwicklung. Im Jahre 1919 wurden die Posener Universität und die Technische Universität Posen ins Leben gerufen. Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges haben sowohl die Posener Einheiten als auch das Geld der Posener Banken den Ausgang wesentlich beeinflusst. Ab dem Jahr 1921 fanden die Posener Handelsmessen statt, die ab 1925 auch internationale Beachtung fanden. Das beeinflusste nicht nur den Bau der Ausstellungshallen, sondern mittelbar auch den anderer repräsentativer Bauten und einiger Theater sowie die Anlage von Villensiedlungen wie etwa Dębiec und Ostroroga und von Mittelstandsiedlungen wie Główna, Starołęka, Komandoria, Rataje und Winiary. Die industrielle Entwicklung in den zwanziger Jahren erreichte mit der Allgemeinen Landesausstellung von 1929 einen Höhepunkt. Mit der Industrialisierung wuchsen gleichzeitig die Kommunikationsinfrastruktur der Stadt sowie der Lebensstandard ihrer Einwohner. Seit 1919 verdoppelte sich die Einwohnerzahl fast und erreichte 1939 275.000 (davon ca. 6.000 Deutsche).

Posen unter deutscher Besatzung (1939–1945)

mini|Das schwer beschädigte Rathaus nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945