Der Organ-Pipes-Nationalpark (OPNP)The Australian Entomologist. The Entomological Society of Queensland (2000). S. 106 ist ein Nationalpark im Süden des australischen Bundesstaates Victoria (Australien) und hat eine Fläche von 121 Hektar. Er wurde vorwiegend zur Bewahrung der angestammten Flora und Fauna, sowie Erhaltung der geologischen Besonderheiten am Jackson Creek, einem Quellfluss des Maribyrnong River im Nordwesten Melbournes, geschaffen.Management. S. i, iv–v, 1–2 Er liegt in einer tiefen Klamm auf den unfruchtbaren Keilor Plains.

Im Park gibt es 400 Mio. Jahre altes vulkanisches Gestein, das die besonders sechseckige Basaltsäulen, die „Organ Pipes“, ausformte. Sie sind in Lagen angeordnet, als wären sie zusammengeschweißt worden. Die Felsformationen wurden langsamen Eingraben des Maribyrnong River in die Basalthochfläche freigelegt, das einige Jahrhunderte dauerte. Das Studium der Fossile im Vulkangestein führte zu der Erkenntnis, dass das Gebiet vor ungefähr 400 Mio. Jahren vom Meer bedeckt gewesen sein muss.

Eine Unterstützergruppe, die Friends of Organ Pipes (FOOPS), beteiligt sich an der Wiederansiedlung der ursprünglichen Flora und Fauna im Park und ergänzt damit die Arbeit von Parks Victoria, unter denen die Organ Pipes zum Nationalpark erklärt wurden. Der Park ist für die ganze Region als „Lehrzentrum über Geologie, Flora und Fauna der Keilor Plains, sowie die Sanierung von zerstörten Naturräumen“ wichtig. Mit seiner Eintragung in die IUCN-Liste der Vereinten Nationen für Nationalparks und geschützte Gebiete unter Kategorie III (Naturdenkmäler) wurde die Notwendigkeit, besondere Naturräume zu erhalten und zu bewahren, anerkannt.

Der Nationalpark wird von Parks Victoria verwaltet.

Geografie mini|links|Der Maribyrnong River auf seinem Weg durch den Stadtteil Essendon West in Melbourne Der Nationalpark liegt ca. 20 km nordwestlich der Innenstadt von Melbourne und ist vom Calder Highway aus erreichbar. Der Jackson Creek, der das Zentrum des Parks bildet, grenzt im Norden an die Local Government Area Hume City und im Süden an die Local Government Area Brimbank City. Der Deep Creek und die Keilor Plains gehören ebenfalls zur Umgebung. Weitere Grünflächen in der Umgebung sind die Holden Flora Reserve (65 ha), die Holden School Site (25 ha), die Derimut Grassland Reserve (154 ha) und die Laverton and North Grassland Reserve (52 ha).Management. S. 1–9

Der Organ-Pipes-Nationalpark liegt direkt neben der M79 (Calder Freeway). Das Straßennetz rund um den Park besteht aus dem Calder Freeway im Süden und dem Calder Park Raceway ebenfalls südlich, aber näher am Eingang.Management. S. 1–3

Von den 121 ha Gesamtfläche sind 107,3 ha (88,6 %) Schutzfläche, 13 ha (10,8 %) Freizeitfläche, 0,7 ha (0,6 %) Besucherzentrum und 2 ha (1,6 %) Wirtschaftsfläche.

Der Park wird vom Jackson Creek, dem Deep Creek und dem Emu Creek entwässert. Dies sind die Quell- und Nebenflüsse des Maribyrnong River, der ein Einzugsgebiet von 1.300 km² besitzt.Management. S. 7

Klima Der Park liegt in einem Regenschattengebiet. Laut den Aufzeichnungen vom nahegelegenen Flughafen Melbourne seit 1972 liegt die jährliche Regenmenge im Park durchschnittlich bei 580 mm.Taylor. S. 171–175 Regen fällt vorwiegend im Winter und Frühjahr. Gelegentlich gibt es auch heftige Regenfälle in diesem Gebiet, so etwa im September 1993, als schwere Überschwemmungen im Maribyrnong Valley einen Teil der Vegetation fortspülten, die Aussichtsplattform mit sich rissen und die Bachufer beschädigten.

Geschichte Vor der Einwanderung der Europäer Die früheste Besiedlung fand durch die Aborigines der Woiwurrung der Kulin-Allianz in den Tälern des Yarra River und des Maribyrnong River statt. Der Jackson Creek bildete einen Teil der Grenze zwischen den Gebieten der Marin-Bulluk und der Wurundjeri-Willam.Management. S. 11 Sie waren Jäger und Sammler, die von den Pflanzen und Tieren des Waldes lebten und so die Umwelt bereits bis zu einem gewissen Grad schädigten. Damals wurden auf den Keilor Plains das Themeda-Gras und Federgräser angepflanzt und jedes Jahr nach dem Abbrennen wieder gesät. Klima und Regenfälle begünstigten das Wachstum der angestammten Grassorten auf der weiten Ebene. Tierarten wie Kängurus, Dingo, Beuteltiger, Nasenbeutler und Schnabeltier waren allgemein verbreitet. Vogelarten wie Kakadu, Jägerlieste, Wachtel, Fink und Habicht diente er als Lebensraum. Die Vegetation mit Wiesen voller blühender Pflanzen war auch üppig.

Die Anwesenheit von Ureinwohnern wurde durch archäologische Funde von Lagerplätzen und einzelner Artefakte im Park nachgewiesen. Die Umgebung des Jackson Creek bot Unterschlupf, Wasser und viele Nahrungsquellen für die ursprüngliche Besiedlung.

Nach der Besiedlung durch Europäer Anfang des 19. Jahrhunderts ließen sich europäische Siedler aus Tasmanien in der Gegend nieder. Sie waren hauptsächlich für die Einschleppung verschiedener exotischer Tier- und Pflanzenarten in das Gebiet verantwortlich. Dies taten sie, weil sie das Land öde und mit eigenartigen Tieren wie Kängurus bevölkert fanden. Sie führten ganz neue Pflanzenfamilien, wie Bocksdornhecken für Grundstücksbegrenzungen und Bäume wie Eichen, Weiden und Pinien, ein, um eine Umgebung wie in ihrer früheren Heimat zu schaffen. Kängurus wurden gejagt, Kaninchen und andere Tiere wegen ihrer wertvollen Felle getötet. Dies schädigte die angestammte Flora und Fauna nachhaltig. Es heißt, dass „hohes Artischockengestrüpp die Bachtäler und -hänge bedeckte, Andorn und Schwarznessel sich überall ausgebreitet hatte, Bocksdorne Hänge und Ebenen bedeckten und anderes Unkraut die Taleinschnitte füllte. Erosionsrinnen gruben sich in die Hänge. Unrat sammelte sich hier und dort an.“

Damals gab es eine Siedlung bei den Organ Pipes und eine Hängebrücke über den Jackson Creek, um die Schule und die umgebenden Felder zu erreichen. Die Familie Hall lebte hier von 1870 bis in die 1920er Jahre; ihre Pflaumenbaumhaine gibt es noch heute. Die Zeit der europäischen Siedler ist auch durch Überreste in Form von Basaltmauern gekennzeichnet. Die Holzhütten im Park wurden von den Halls gebaut, später lebte die Familie Hayes darin, und ein Jackson-Bay-Feigenbaum steht neben dem Besucherzentrum. Die Familie Bartlett lebte hier von 1934 bis 1948 und der letzte Eigner war E. A. Green. Sein Grundstück wurde Kroneigentum und Eigentum der E. A. Green Charitable Foundation und wurde schließlich 1972 dem Organ-Pipes-Nationalpark übereignet.

Nationalpark Um die Umweltschädigungen zu beseitigen, beschlossen die gut meinenden umweltbewussten Bürger, das Gebiet zu sanieren. Der erste Schritt dazu war die Umwandlung einer Fläche von 65 Hektar, das die E. A. Green Charitable Foundation zur Verfügung gestellt hatte, in einen Nationalpark. Am 12. März 1972 wurde unter Kapitel 2 des National Parks Act 1971 (Vic.) das Land zum Nationalpark erklärt. Dieser Erlass hatte mehrere Ziele, sah aber insbesondere die Verbesserung des Ökosystems durch direkte und indirekte Eingriffe vor. Ein direkter Eingriff war das Pflanzen von einheimischen Pflanzen und Setzlingen, ein indirekter das Jäten von Unkraut. Dadurch sind heute die angestammten großen Pflanzen und das Unterholz wieder etabliert.

20 Hektar kamen 1978 nach dem National Parks (Amendment) Act 1978 (Vic.) dazu, und weitere 36 Hektar Land in Staatsbesitz (Crown Land) einschließlich der extra für den Park gekauften Grundstücke wurden am 4. Juni 1997 hinzugefügt. Der National Parks Act schreibt dem Direktor des Parks vor, „die natürliche Umwelt des Parks und seine Natur- und anderen Denkmäler zu bewahren und zu schützen“. Das Gesetz setzt neben der notwendigen Forschung auch die Nutzung des Parks durch die Öffentlichkeit für Freizeit und Bildung fest. Der Park gilt auch als „geologisches Denkmal“.

Die Wahl fiel auf diesen Standort wegen der interessanten geologischen Erscheinungen wie den Organ Pipes und des Tessalated Pavement.

Geologie mini|Geologische Formation der Organ Pipes Die Keilor Plains, wo sich die geomorphologischen und geologischen Sehenswürdigkeiten befinden, gehören zu den größeren Western Volcanic Plains in South Australia, die als drittgrößtes Lavafeld der Welt gelten. Dieses Feld entstand bei sich wiederholenden Lavaausstößen vor mehr als einer Million Jahre (Tertiär (Geologie)|Jungtertiär), die steil abfallende Sedimentfelsen aus den Zeiten des Ordovizium bis zum Silur überlagerten. Darin hat sich der Jackson Creek tief eingeschnitten.

Sedimentfelsen und Fossile, die man im Park gefunden hat, werden ebenfalls auf ein Alter von 400 Mio. Jahren datiert. Sie sind ein Zeichen, dass dieses Gebiet einmal Teil eines Meeres war. Die Felsen im Park sind meist von dunkelgrauer oder brauner Farbe. Graptolithen werden als fossile Meeresschnecken, Meereswürmer oder ausgestorbene Schwebetierchen angesehen. Etwa vor einer Million Jahren haben sich riesige Lavaströme aus den umgebenden Vulkanen, die Trapp genannt werden, über das Land ausgebreitet.

Offene Felsen aus Schlammstein und verbundenen Basaltstrukturen gibt es an vielen Stellen in Form von Basaltklippen, Geröllhalden und sedimentären Schichtstufen. Im Park sind mehrere solche geologische Sehenswürdigkeiten, die alle vulkanischen Ursprungs sind, zu sehen:

Organ Pipes Der Jackson Creek, der sich mit dem Deep Creek zum Maribyrnong River vereinigt, hat langsam ein tiefes Tal in die Basalthochfläche aus hartem, dunklen Fels gegraben und die alten vulkanischen Formationen wie die sechseckigen Basaltsäulen der „Organ Pipes“ () freigelegt. Die Lavaablagerungen sind im Bachbett rund 70 Meter hoch. Als die Lava sich im Verlauf einiger Jahre abkühlte, isolierte die äußere, schon abgekühlte Schicht das noch flüssige Innere, das sich zu exakten, gleichartigen Basaltsäulen entwickelte, als es ebenfalls abkühlte. Die Abkühlung bewirkte ein Schrumpfen und dieses Schrumpfen verursachte – wie wissenschaftlich nachgewiesen wurde – Spannungen im Fels. Vertikale Spannungen konnten vom elastischen, geschmolzenen Felsen unten noch ausgeglichen werden, aber nicht die horizontalen Spannungen, und so sprang der Basalt. Üblicherweise springt der Fels in sechseckigen Strukturen, aber es gibt auch achteckige Säulen. Weitere Kontraktion entstand, als der Fels seine Resthitze abgab; die Spannungen entluden sich in horizontalen Rissen, was einige Felsen wie Stücke holländischen Käses aussehen lässt. Heute ragt die Felsengebilde bis zu 20 Meter auf und gilt als bestes Beispiel für verbundene Säulen in Victoria.

Die ungewöhnliche Form der Organ Pipes am Jackson Creek ist auf die seltene Säulenstruktur zurückzuführen, die nur an Stellen zu Tage tritt, wo ein Wasserlauf das nachvulkanische Tal geschaffen hat. Die Organ Pipes heißen so, weil sie wie Pfeifen einer Orgel aussehen. Der Durchmesser jeder Pfeife in der Formation beträgt ungefähr einen Meter. Nur einige Säulen liegen exakt vertikal, während die meisten anderen kleinen Säulen in der Umgebung schräg oder horizontal angeordnet sind.

Tessellated Pavement Das Tessellated Pavement () ist eine Anordnung von Basaltsäulen, die durch die Erosion durch den Jackson Creek entstand. Man kann sie in Form eines Mosaikplattenbelages ca. 750 Meter bachaufwärts von den Organ Pipes sehen. Durch die vielen Besucher wird sie vermutlich mit der Zeit beschädigt.

Rosette Rock Der Rosette Rock ist eine Basaltrosette, eine radiale Anordnung von Basaltsäulen. Er liegt etwa 500 Meter bachaufwärts von den Organ Pipes und ist ein überhängender Felsen am nördlichen Bachufer. Auch er ist aus Basalt, aber die radiale Anordnung der Säulen erinnert an die Speichen eines riesigen Rades. Seine Entstehung wird dem Abkühlen „einer Lavatasche, vermutlich in einer kugelförmigen Höhle, die ein früherer Lavastrom formte“, zugeschrieben.

Scoria Cone