mini|Ernő Verebes um 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder Ernő Verebes (auch Ernst Verebes; * 6. Dezember 1902 in New York City; † 13. Juni 1971 in Los Angeles) war ein Schauspieler und Sänger, der zeitweise in Ungarn, Deutschland und den USA lebte und arbeitete.
Leben und Werk Ernő Verebes wurde zwar Anfang des vergangenen Jahrhunderts in New York geboren, doch kehrte seine als Einwanderer in die USA gekommene Familie 1914 nach Ungarn zurück. Nach einer Ausbildung an der Theater-Akademie in Budapest und Auftritten als Bühnendarsteller startete Verebes 1922 in dem Film A hetedik Fatyol seine Karriere als Filmschauspieler. Schon bald wurde er (unter dem Namen Ernst Verebes) auch in deutschen Stummfilmen ein gefragter und beliebter Protagonist. 1928 war Verebes in dem großformatigen Buch Filmkünstler. Wir über uns selbst vertreten. In einem amüsanten Beitrag bekannte er: „Eleganten Humor im Film zum Ausdruck zu bringen, die Leute dazu zu bringen, dass ein herzliches Gelächter aus ihren perlenweißen Chlorodontzähnen dringt, halte ich für meine Aufgabe im Film.“Hermann Treuner (Hrsg.): Wir über uns selbst. Band 1: Filmkünstler. Sybillen-Verlag, Berlin 1928.
Verebes war einer jener Darsteller, die aufgrund ihrer Stimme und Ausstrahlung den Übergang zum Tonfilm nahtlos bewältigten. Er war in der Folgezeit in zahlreichen Musik- und Unterhaltungsfilmen zu sehen, u. a. in Va Banque (an der Seite von Gustaf Gründgens und Lil Dagover), der Filmoperette Das Blaue vom Himmel (Musik Paul Abraham, Drehbuch Billy Wilder), der Komödie Geheimnis der roten Katze und den Operettenverfilmungen Gräfin Mariza (Musik Emmerich Kálmán), Viktoria und ihr Husar und Die Blume von Hawaii (Musik jeweils Paul Abraham). Bis 1933 folgte Film auf Film, dann musste der Schauspieler nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten emigrieren.René Geoffroy: Ungarn als Zufluchtsort und Wirkungsstätte deutschsprachiger Emigranten (1933–1938/39). Lang, Frankfurt am Main 2001, S. 270 Er ging in sein Geburtsland USA und konnte dort unter seinem alten Namen Ernő Verebes weiter beim Film arbeiten, allerdings meist in kleineren Rollen. Er erreichte nie mehr die Beliebtheit, derer er sich in Europa erfreut hatte. War Verebes in Deutschland und Ungarn oft in der Rolle des Adeligen oder des Offiziers zu sehen, so wurde er jetzt oft als typischer Deutscher oder gar als SS-Offizier besetzt. Eine Ausnahme bildete seine Rolle als Inspizient in Ernst Lubitschs Film Sein oder Nichtsein.
Im September 1945 erhielt Ernő Verebes die Nachricht, dass seine Mutter Margit Verebes und seine Schwester Emmy Verebes 1944 in einem Internierungslager in Budapest während eines Luftangriffs der Alliierten getötet worden waren. Dies war besonders tragisch, da ihnen als amerikanischen Staatsbürgern die Deportation erspart geblieben war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg drehte Verebes weiter in Unterhaltungsfilmen, allerdings wurden die Rollen immer bescheidener. So spielte er 1952 in der Verfilmung der Operette Die lustige Witwe (Musik: Franz Lehár) einen Ober, ohne in der Liste der Schauspieler aufgeführt zu werden. Ähnlich ging es ihm 1953 in der Rolle des Prof. Alligari in Houdini, der König des Varieté. Er zog die Konsequenz und zog sich im Alter von nur 51 Jahren von der Filmarbeit zurück. Immerhin konnte er auf die beeindruckende Bilanz von gut 140 Filmrollen zurückblicken. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er, vom Filmgeschäft zurückgezogen, in Woodland Hills, Los Angeles.
Filmografie (Auswahl) 1922: Der siebente Schleier (A hetedik Fatyol) 1925: Qualen der Nacht 1925: Der Mann im Sattel 1925: Gräfin Mariza 1926: Dürfen wir schweigen? 1926: Die lachende Grille 1926: An der schönen blauen Donau 1926: Der Veilchenfresser 1926: Die Frau in Gold 1926: Die dritte Eskadron 1927: Der Bettelstudent 1927: Bigamie 1927: Die letzte Nacht 1927: Im Luxuszug 1927: Der Geisterzug 1928: Dorine und der Zufall 1928: Die Zirkusprinzessin 1929: Kameradschaftsehe 1929: Mädchen am Kreuz 1929: Der schwarze Domino 1929: Das Land ohne Frauen 1929: Die Konkurrenz platzt! 1929: Der Erzieher meiner Tochter 1930: Zapfenstreich am Rhein 1930: Va Banque 1930: Die große Sehnsucht 1930: Das Lied ist aus 1930: Delikatessen 1930: Die Czikosbaroneß 1930: Va banque 1930: Tingel-Tangel 1930: Ein Tango für Dich 1930: Die große Sehnsucht 1930: Die Marquise von Pompadour 1931: Die verliebte Firma 1931: Das Geheimnis der roten Katze 1931: Viktoria und ihr Husar 1931: Um eine Nasenlänge 1931: Der Tanzhusar 1931: Trara um Liebe 1931: Die Faschingsfee 1931: Walzerparadies 1931: Wenn die Soldaten 1931: Jeder fragt nach Erika 1931: Mein Herz sehnt sich nach Liebe 1932: Es wird schon wieder besser 1932: Gräfin Mariza 1932: Das Blaue vom Himmel 1932: Zwei in einem Auto 1932: Es geht um Alles 1932: Die verliebte Firma 1932: Es war einmal ein Walzer 1932: Traum von Schönbrunn 1933: Die Blume von Hawaii 1933: Es war einmal ein Musikus 1934: Ende schlecht, alles gut 1935: Villa zu verkaufen (Ez a villa eladó) 1935: Kleine Mutti 1935: 4½ Musketiere 1935: Katharina die Letzte 1938: A Desperate Adventure 1940: Bitter Sweet 1940: Dance, Girl, Dance 1941: Die Unvollendete (New Wine) 1942: Sabotageauftrag Berlin (Desperate Journey) 1942: Sein oder Nichtsein (To Be Or Not to Be) 1943: The Strange Death of Adolf Hitler 1943: Gefährliche Flitterwochen (Above Suspicion) 1944: None Shall Escape 1944: The Hitler Gang 1944: The Climax 1946: Tangier 1947: Ich kann mein Herz nur einmal verschenken (Northwest Outpost) 1947: Kalkutta (Calcutta) 1947: Meine bessere Hälfte (Dear Ruth) 1949: Sumpf des Verbrechens (Scene of the Crime) 1949: Der große Liebhaber (The Great Lover) 1949: Aufruhr in Marokko (Outpost in Morocco) 1949: Der Agent aus der Hölle (Alias Nick Beal) 1950: Flammendes Tal (Copper Canyon) 1950: Captain Carey, U.S.A. 1950: Inspektor Goddard (Appointment with Danger) 1951: Zu jung zum Küssen (Too Young to Kiss) 1952: Die lustige Witwe (The Merry Widow) 1952: Liebe, Pauken und Trompeten (Stars and Stripes Forever) 1953: Eine Leiche auf Rezept (Remains to bei Seen) 1953: Der Gehetzte (The Juggler) 1953: Starr vor Angst (Scared Stiff) 1953: Houdini, der König des Varieté (Houdini)
Literatur Aufbau reconstrucion, 11. Jahrgang, Nummer 38, 21. September 1945, S. 18, Nummer 39, 28. September 1945, S. 17; . Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 3: Peit–Zz. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1961, , S. 1786. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T–Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 157. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 519 f.
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Sänger Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Ungarischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann