Die Zerstörer der Laforey-Klasse oder ab Oktober 1913 L-Klasse der Royal Navy liefen in den Jahren 1913 bis 1915 vom Stapel. Zwanzig waren unter dem Marinehaushalt von 1912/1913 bestellt worden, zwei im ersten Kriegshaushalt. Sie waren die letzten nach einem Vorkriegsentwurf gebauten Zerstörer der britischen Marine. Noch während des Baues erhielten alle einen mit L beginnenden Namen. Drei Zerstörer der Klasse gingen während des Ersten Weltkriegs verloren. Die übrigen wurden in den Jahren 1921 bis 1923 zum Abbruch verkauft.
Baugeschichte Die Laforey-Klasse, die im Oktober 1913 offiziell in L-Klasse umbenannt wurde, war eine Klasse von 20 Zerstörern, die im Haushalt 1912/1913 bestellt wurden und 1913 bis 1914 vom Stapel liefen. Es war die erste Klasse, bei der die 1913 durchgeführte Klassifizierung nach Buchstaben auch in den Schiffsnamen übernommen wurde und so alle am 30. September 1913 einen mit dem Buchstaben L beginnenden Namen erhielten. Nur die ersten sieben waren noch unter ihren ursprünglich vorgesehenen Namen vom Stapel gelaufen. Im ersten Kriegshaushalt wurden noch zwei Zerstörer bei Beardmore nachbestellt, die dann 1915 vom Stapel liefen. Für diese beiden waren, wie für die anderen im Kriegshaushalt georderten Zerstörer, mit M beginnende Namen vorgesehen. Da sie als Nachbauten der L-Klasse ausgeführt wurden, wurden ihre Namen am 15. Februar 1915 geändert.
Die Klasse wurde auf der Grundlage der modifizierten HMS Fortune der Acasta-Klasse (ab September 1913 K-Klasse) mit einem Klipperbug entwickelt. Die Torpedobewaffnung wurde durch die Verwendung zweier Zwillingsrohre verdoppelt. 16 Boote der Klasse hatten drei Schornsteine gleicher Höhe, von denen der mittlere dicker war. Nur die sechs bei White und Yarrow gebauten Boote waren Zweischornsteiner. Die vier von Yarrow & Company in Scotstoun bei Glasgow gelieferten Boote (Lark, Linnet, Laverock, Landrail), die bei Fairfield gebauten Lawford und Louis sowie das letzte Boot von Beardmore, die Lochinvar, wurden von Brown-Curtis-Turbinen angetrieben, während die anderen Parsons-Turbinen erhielten. Die bei der Parsons Marine Steam Turbine Company bestellten Leonidas und Lucifer erhielten erstmals zur Erprobung vollautomatische Getriebeturbinen. Die Rümpfe dieser beiden Boote stellte die Werft Palmers Shipbuilding and Iron Company in Jarrow als Zulieferer her.
Einsatz Die ab März 1914 in den Dienst kommenden Zerstörer der Klasse wurden der 3. Zerstörerflottille in Harwich zugewiesen, deren Führerschiff die HMS Amphion war.
Versenkung der Königin Luise mini|links|Geschütz der Lance, das den ersten Schuss der Royal Navy im Ersten Weltkrieg abgegeben haben soll Am Nachmittag des 5. August 1914 lief die Amphion unter Captain Cecil H. Fox mit der 3. Zerstörerflottille aus, nachdem ein Fischdampfer ein verdächtiges Schiff gesichtet hatte, das „Dinge über Bord werfe“. Die Amphion führte die Flottille nach einem vorher geübten Suchplan zur gemeldeten Position. Schon bald wurde das nach Osten laufende Minenschiff Königin Luise entdeckt. Das zum Hilfsminenleger umgebaute ehemalige Seebäderschiff Königin Luise hatte in der Nacht zum 4. August Emden verlassen, um in der Themsemündung Minen zu legen. Die Königin Luise versuchte, vor der Flottille wegzulaufen, was den Verdacht erhärtete, so dass vier Zerstörer, darunter HMS Lance und HMS Landrail, ihre Verfolgung aufnahmen. Die ersten Schüsse der Royal Navy im Ersten Weltkrieg gegen ein feindliches Schiff wurden von der Lance gegen 10:30 Uhr auf die Königin Luise abgegeben. Nachdem weitere Zerstörer und die Amphion etliche Treffer erzielt hatten und ohne Chance, in neutrale Gewässer zu entfliehen oder sich mit ihren zwei Revolverkanonen zu verteidigen, versenkte der deutsche Kommandant sein Schiff durch Öffnen der Seeventile und befahl die Überlebenden in die Rettungsboote. Die Königin Luise sank um 12:22 Uhr brennend auf als erstes deutsches Kriegsschiff des Ersten Weltkriegs. Von den britischen Schiffen wurden 46 Mann gerettet; die Zahl der Toten schwankt in den Angaben zwischen 54 und über 100.
Die Amphion lief am 6. August auf dem Rückmarsch nach Harwich um 06:30 Uhr mit 20 kn auf eine der von der Königin Luise während ihrer Flucht abgeworfenen Minen. Die begleitenden Zerstörer versuchten, mit Booten die Besatzung zu übernehmen. Um 07:03 Uhr trieb die Amphion erneut auf eine Mine und ihr Magazin explodierte. Geschosse trafen dabei die HMS Lark und töteten drei gerade gerettete Schiffbrüchige der Amphion, darunter einen der deutschen Gefangenen. Die Amphion sank auf innerhalb von 15 Minuten. Bei ihrem Untergang starben etwa 150 britische Seeleute und 18 Überlebende der Königin Luise.
Seegefecht bei Helgoland Die am 26. August in Harwich eingetroffene HMS Arethusa wurde sofort im Flottenunternehmen gegen die deutschen Vorpostenlinien eingesetzt, das zum Seegefecht bei Helgoland am 28. August 1914 führte. Der Befehlshaber der Harwich Force, Commodore Reginald Tyrwhitt, lief mit der Arethusa als Flaggschiff und Flottillenführer und 16 modernen Zerstörern der L-Klasse der 3. Flottille am 27. August aus.Es fehlten Loyal und Laverock, die wohl noch nicht fertig war und die beiden Bauten aus dem Kriegsprogramm (Lassoo, Lochinvar), zwei L-Zerstörer sollen bei der 1. Flottille zum Einsatz gekommen sein: (Lucifer, Llewellyn) Gegen 8:00 Uhr am 28. entdeckte die Flottille das deutsche Torpedoboot G 194 auf der erwarteten Position deutscher Schiffe. Bei einer Sichtweite von unter drei Seemeilen lagen die Fearless und die Zerstörer der 1. Flottille etwa zwei Seemeilen zurück und die sechs Kreuzer des 1. Leichten Kreuzergeschwaders unter William Goodenough etwa acht weitere Seemeilen. G 194 lief nach Helgoland zurück und informierte über Funk ihre vorgesetzten Stellen. Den bei Helgoland stehenden Kleinen Kreuzern Stettin und Frauenlob wurde die Verteidigung der Vorpostenlinie befohlen. Sechs weitere Kreuzer sollten so schnell wie möglich die Verteidiger unterstützen.Massie, S. 102f Tyrwhitt befahl vier Zerstörern unter HMS Laurel die Verfolgung der G 194. Der Gefechtslärm führte weitere deutsche Torpedoboote auf das Gefechtsfeld, die zum Teil sofort von britischem Feuer getroffen wurden. Alle versuchten, Helgoland zu erreichen und unter den Schutz der dortigen Batterien zu gelangen, die aber nicht eingriffen, da sie die Boote nicht unterscheiden konnten. Um 8:58 Uhr trafen die Kleinen Kreuzer Stettin und Frauenlob ein und die britischen Zerstörer zogen sich auf ihre Kreuzer Arethusa und Fearless zurück. Ab 9:12 Uhr lief Tyrwhitt nach Westen und traf dabei auf sechs weitere deutsche Torpedoboote. V 187 wurde versenkt, bevor die Stettin eingreifen konnte. Die schwerbeschädigte Arethusa traf um 11:17 Uhr mit der Fearless zusammen, und beide Kreuzer lagen 20 Minuten gestoppt, um notwendige Reparaturen durchzuführen.Massie, S. 107 Die aus der Jade als erste der alarmierten Kreuzer eintreffende Straßburg entdeckte die Arethusa und griff sie mit Artillerie und Torpedos an. Die begleitenden Zerstörer vertrieben die Straßburg mit Torpedoangriffen, wie auch die danach eintreffende Cöln mit Konteradmiral Maass an Bord.
Tyrwhitt bat Admiral Beatty um Verstärkung, der mit Goodenough und dessen verbliebenen vier Kreuzern aufschloss.Massie, S. 107f Um 12:30 Uhr wurde Tyrwhitts Verband vom eintreffenden Kleinen Kreuzer SMS Mainz angegriffen. Erst nach 20 Minuten Gefecht trafen Goodenoughs Kreuzer ein, welche die Mainz in die Flucht schlugen, die drei Zerstörer beschädigt hatte. Die Lydiard erzielte ihrerseits einen Torpedotreffer auf der Mainz.
Von den Zerstörern der 3. Flottille war die viermal getroffene Laertes am schwersten beschädigt. Ein Treffer im Kesselraum hatte zeitweise die Dampfversorgung total unterbrochen und das Boot bewegungsunfähig gemacht. Auch war der mittlere Schornstein zerstört und ein Geschütz außer Gefecht. Die Lapwing der 1. Flottille unter Lieutenant Commander GyeOsborne, S. 103 versuchte, sie mitten im Gefecht abzuschleppen. Als die Schlepptrosse brach und die Laertes erneut liegen blieb, rettete das Erscheinen des Schlachtkreuzers Lion den Zerstörer, der nach dem Gefecht wieder etwas Dampf machen konnte, aber von der Fearless eingeschleppt werden musste. Die Laertes hatte zwei Tote und acht Verwundete zu beklagen. Die höchsten Personalverluste hatte die Laurel mit elf Toten und 18 Verwundeten. Auch sie war nicht in der Lage, allein zurückzulaufen, und wurde am Abend durch die Amethyst ins Schlepp genommen. Auf der Liberty waren der Kommandant und weitere sieben Seeleute gefallen und zehn Mann wurden verwundet.
Gefecht vor Texel
Am frühen Nachmittag des 17. Oktober 1914 stellte der neue Flottillenführer der 3. Flottille Undaunted auf einer Routinepatrouille mit den Zerstörern Lennox, Legion, Loyal und der Lance, die schon an der Versenkung der Königin Luise beteiligt gewesen war, die deutsche 7. Torpedoboots-Halbflottille unter Korvettenkapitän Georg Thiele mit den Torpedobooten S 115, S 117, S 118 und S 119 als Flottillenführer vor Texel. Die deutschen Boote kamen aus Emden und sollten vor der Südküste Englands Minen legen. mini|links|Deutsches Torpedoboot Typ 1898 Die britischen Schiffe waren den deutschen artilleristisch weit überlegen. Zu beiden 152-mm- und sechs 102-mm-Geschützen der Undaunted kamen auf jedem der vier Zerstörer der Laforey-Klasse drei 102-mm-Geschütze. Die vier älteren deutschen Boote vom Typ „Großes Torpedoboot 1898“ hatte nur je drei 5-cm-Kanonen von geringer Reichweite. Ihre stärkste Waffe waren die drei 45-cm-Torpedorohre, für die fünf Torpedos je Boot vorhanden waren. Die deutschen Boote aus dem Jahr 1904 konnten jetzt mit ihren Kolbenmaschinen nur noch etwas über 18 kn (statt ursprünglich 28 kn) erreichen, so dass ihr Fluchtversuch aussichtslos war. Captain Fox hatte seinen Verband geteilt und griff mit der Legion und der Loyal zuerst S 118 an, das um 15:17 Uhr sank, während die beiden anderen Zerstörer S 115 so schwer trafen, dass dieses Boot nicht mehr steuerbar war. Die beiden verbliebenen Torpedoboote versuchen einen Torpedoangriff auf die Undaunted, die den Torpedos ausweichen konnte und ihr Feuer auf die angreifenden Boote konzentrierte. Um 15:30 Uhr sank dann S 117, dem die Legion zuvor das Ruder zerschossen hatte. Um 15:35 Uhr sank auch das Führerboot S 119 im Feuer von Lance und Loyal, nachdem es einen Torpedoangriff auf die Lance durchgeführt hatte. Ein Torpedo traf den Zerstörer mittschiffs, ohne zu explodieren. Das letzte schwimmende, aber manövrierunfähige Boot S 115 wurde von der Lennox geentert, die an Bord nur noch einen Überlebenden vorfand. Danach versenkte die Undaunted um 16:30 Uhr auch dieses Boot. 218 Seeleute starben auf den deutschen Booten. 30 Seeleute wurden von den Briten gefangen genommen, und zwei Seeleute wurden am nächsten Tag von einem neutralen Schiff gerettet. Auf britischer Seite hatten drei Zerstörer unbedeutende Treffer erhalten und vier britische Seeleute wurden verletzt.
Mit der 3. Zerstörerflottille und der Harwich Force waren die Zerstörer der Laforey-Klasse häufig im Einsatz gegen deutsche Flottenvorstöße, wie die Beschießungen von Yarmouth am 3. November und am 16. Dezember von Scarborough, Hartlepool und Whitby durch die deutschen Schlachtkreuzer, und sicherten britische Vorstöße, wie den Luftangriff auf Cuxhaven. Beim Gefecht auf der Doggerbank am 24. Januar 1915 war die Undaunted mit zwölf Zerstörern (Lookout, Lysander, Landrail, Laurel, Liberty, Laertes, Lucifer, Lawford, Lydiard, Louis, Legion und Lark) beteiligtCampbell, S. 6, ohne aktiv in das Gefecht einzugreifen.
Gefecht an der Noordhinder Bank