Die bangladeschische Cricket-Nationalmannschaft (), deren Spieler auch unter dem Spitznamen The Tigers bekannt sind, vertritt Bangladesch auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Bangladesh Cricket Board (BCB) geleitet und ist seit 2000 Vollmitglied im International Cricket Council. Die Mannschaft besitzt somit Teststatus.
Bangladesch ist die zehntälteste Nationalmannschaft im Test Cricket und bestritt seinen ersten Test 2000 gegen Indien. Größte Erfolge bei Turnieren waren das zweimalige Erreichen der Super 8 bzw. des Viertelfinales bei Cricket World Cups (2007 und 2015), das Halbfinale bei der Champions Trophy 2017, das sechsmalige Erreichen der zweiten Runde bei T20 World Cups (2007, 2014, 2016, 2021, 2022 und 2024) sowie dreimal das Finale beim Asia Cup (2012, 2016 und 2018).
Geschichte Cricket in Bengalen Cricket gelangte im 18. Jahrhundert mit der Britischen Ostindien-Kompanie nach Bengalen. Das erste überlieferte Cricketspiel fand 1792 in Kalkutta statt, doch möglicherweise war Cricket bereits ein Jahrzehnt früher gespielt worden. Jedenfalls erlangte der Sport in Westbengalen und im angrenzenden Bihar rasch an Beliebtheit. In Ostbengalen, dem heutigen Bangladesch, entwickelte sich Cricket etwas langsamer, da dieses Gebiet bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein keine große Anzahl europäischer Kolonisten anzog. Erst später ließen sich Europäer in Dhaka nieder und wie im angrenzenden Indien war Cricket eine ihrer beliebtesten Freizeitaktivitäten. 1876 besiegte in Dhaka eine European XI eine Native XVIII (die Ziffern entsprechen der Anzahl an Spielern).Roy Morgan, Encyclopaedia of World Cricket, SportsBooks Limited (2007), S. 31.
Beim ersten Besuch einer englischen Auswahlmannschaft auf dem indischen Subkontinent traf 1889/90 eine Auswahl Bengalens auf G. F. Vernon’s XI. Im Januar 1923 spielte Bengalen beim Nagpur Provincial Tournament gegen eine Auswahl Bombays und eine Central Provinces XI. 1934 rief der indische Verband BCCI die Ranji Trophy ins Leben, Bengalen nahm jedoch nicht am ersten Turnier 1934/35 teil. Im Dezember 1934 erhielt Bengalen First-Class-Status, als es gegen die Besucher aus Australien antrat, jedoch mit neun Wickets unterlag. Im Januar 1936 nahm Bengalen an der Ranji Trophy teil, spielte in der östlichen Zone und unterlag im Halbfinale gegen Madras. 1937 wurde Bengalen Vizemeister und gewann schließlich 1939 die Ranji Trophy. Damals war Bengalen faktisch eine westbengalische Mannschaft. Der Mannschaftssitz befand sich in Kalkutta und die Heimspiele fanden im dortigen Eden Gardens statt. Im Februar 1941 folgte das erste wichtige Spiel in Dhaka, als eine Bengal Governor’s XI gegen Bengal Gymkhana im Dacca Stadium spielte.
Cricket in Ostpakistan Zwischen den Saisons 1954/55 und 1970/71 nahmen 13 ostpakistanische First-Class-Mannschaften an Pakistans Cricketturnieren – der Quaid-e-Azam Trophy und der Ayub Trophy – teil, viele dieser Mannschaften jedoch nur während einer oder zwei Saisons. Die aktivsten Mannschaften waren East Pakistan (neun Saisons), Dhaka University, East Pakistan Greens und East Pakistan Whites (jeweils drei Saisons). Chittagong ist ein Beispiel dafür, wie sporadisch ostpakistanische Mannschaften an den nationalen Turnieren teilnahmen. Zwischen 1959/60 und 1965/66 sollte die örtliche Mannschaft zu drei Spielen antreten, die jedoch alle abgesagt werden mussten. Einige der ostpakistanischen Mannschaften bestritten First-Class-Matches gegen die besuchenden Mannschaften Indiens (1954/55) und des Marylebone Cricket Clubs (1955/56). Im Januar 1955 war Ostpakistan erstmals Austragungsort eines Test Matches, als Indien im Bangabandhu National Stadium in Dhaka zu Gast war. Hier wurden während der gesamten 1960er Jahre hindurch wichtige Spiele, einschließlich Tests, ausgetragen. Das M. A. Aziz Stadium in Chittagong wird seit 1954 für First-Class-Matches verwendet; der erste Test fand jedoch erst 2001 hier statt, als Bangladesch Simbabwe empfing.
Das letzte vollständige First-Class-Match in Ostpakistan war am 26. Februar bis 1. März 1971 jenes zwischen einer Pakistan Cricket Board XI und der besuchenden International XI in Dhaka. Das Spiel endete in einem Remis und der letzte Spieltag fiel mit der Auflösung des Parlaments durch Yahya Khan zusammen, was zum Ausbruch des Bangladesch-Krieges führte. Die International XI verließ Dhaka am darauf folgenden Tag Richtung Lahore und spielte dort ein weiteres Match, bevor ihre Tour endete. Zwei für März geplante Spiele der Quaid-e-Azam Trophy in Dhaka fanden aufgrund des nationalen Notzustandes nicht mehr statt.
Assoziiertes Mitglied des ICC mini|Bangladeschs offizielles internationales Debüt erfolgte beim Asia Cup 1986 Bis 1947 war Bangladesch Teil Britisch-Indiens und anschließend bis 1971 Teil Pakistans, sodass es jeweils als Teil dieser Staaten Teststatus besaß. Nach der Unabhängigkeit musste sich das Team neu formieren. 1972 gründete die Regierung das Bangladesh Cricket Board, damals Bangladesh Cricket Control Board genannt. Der Verband hatte den Auftrag, das Cricket in der neuen Nation zu organisieren. Im Nachhall des dritten indisch-pakistanischen Krieges war dies jedoch keine leichte Aufgabe. Laut Barclays World of Cricket befand sich das National Stadium in Dhaka im Frühjahr 1975 in einem verfallenen Zustand.Barclays World of Cricket, E. W. Swanton (Editor), Willow Books (1986), S. 75. Nachdem die Probleme der Nachkriegsphase überwunden waren, erfreute sich das Cricket in Dhaka zunehmender Beliebtheit und im Februar und März 1973 fand das erste nennenswerte Turnier auf Klubebene statt, das Dhaka Metropolis Knockout Tournament. Ein nationales Klubturnier wurde 1974/75 erstmals ausgespielt und fand bis 2015 in den meisten Saisons statt. Sponsor war 1983/84 der britische Tabakwarenhersteller W.D. & H.O. Wills, danach bis 1993/94 PepsiCo. Dennoch war es nie ein First-Class-Turnier. Der Status war vergleichbar mit league cricket in England und grade cricket in Australien.
Das größte Problem ging der Verband zu Beginn der Saison 1976/77 an. Im Januar 1977 stellte er die erste bangladeschische Cricket-Nationalmannschaft für ein Spiel gegen den besuchenden Marylebone Cricket Club im Bangabandhu National Stadium zusammen. Der MCC spielte auch gegen die North Zone, East Zone and South Zone, womit diese Teilnehmer der jährlichen Bangladesh Cricket League erstmals ein internationales Spiel bestritten. Obwohl der MCC bekannte County-Cricketspieler in ihren Reihen hatte, besaßen dessen Spiele während der Tour 1976/77 keinen First-Class-Status. Bangladesch beeindruckte den MCC dennoch und so erhielt das Land 1977 den Status als assoziiertes Mitglied des ICC. Die erste Nationalmannschaft, die Bangladesch besuchte, war jene Sri Lankas im Januar 1978. Sri Lanka war damals kurz davor, Testnation zu werden (was 1982 erfolgte) und unterstrich seinen höheren Standard mit mehreren Innings-Siegen in den drei Spielen gegen Bangladesch. Das Spiel in Dhaka, das am 13. Januar 1978 begann und von Sri Lanka mit einem Innings und neun Runs gewonnen werden konnte, war Bangladeschs Debüt im internationalen Cricket, aufgrund des geringen Standards des Cricket in Bangladesch besaß es jedoch keinen First-Class-Status.
Bangladesch war eine von 15 Mannschaften, die an der ersten ICC Trophy 1979 teilnahmen. Dieses Turnier gab den Nicht-Testnationen die Möglichkeit, sich für den Cricket World Cup 1979 in England zu qualifizieren. Bangladesch, angeführt vom Kapitän Raqibul Hasan, gewann und verlor je zwei Spiele, versäumte es jedoch, über die erste Runde hinauszukommen. Mit seinem Sieg beim South-East Asia Cup im Februar 1984 qualifizierte sich Bangladesch für den Asia Cup 1986. Am 31. März 1986 bestritt Bangladesch sein erstes ODI gegen eine Testnation. Angeführt von Gazi Ashraf, wurde Bangladesch für 94 Runs ausgebowlt und Pakistan gewann mit sieben Wickets. Das zweite ODI gegen Sri Lanka ging ebenfalls verloren und Bangladesch landete auf dem letzten Tabellenplatz.
Als Gastgeber nahm Bangladesch am Asia Cup 1988 teil; während dieses Turnieres wurden (im Nachhinein) die ersten ODIs in dem Land ausgetragen, es verlor jedoch alle Spiele. Bei der ICC Trophy 1986 erzielte Bangladesch zwei Siege, die nächsten Turnierteilnahmen erfolgten beim Austral-Asia Cup 1990, dem Asia Cup 1990, 1995 und 1997 sowie mehreren anderen Tri-Nations-Turnieren, der erste ODI-Sieg gelang jedoch erst 1998. Diese 22 verlorenen Spiele hintereinander waren ein neuer Negativrekord. Bangladeschs erster ODI-Sieg erfolgte gegen Kenia in Indien, dank Mohammad Rafique, der wichtige 77 Runs erzielte und drei Wickets nahm. Er erzielte in der Partnerschaft mit Athar Ali Khan für das erste Wicket 137 Runs. Athar selbst trug 47 Runs bei. Im Oktober 1998 war Bangladesch Gastgeber der ersten ICC KnockOut (der späteren ICC Champions Trophy), einem K.O.-Turnier der damaligen Testnationen, nahm jedoch selbst nicht an dem Turnier teil. Bangladesch beteiligte sich an den ICC Trophies 1979, 1982, 1986, 1990 und 1994 und gewann das Turnier 1997 in Malaysia. Damit qualifizierte es sich erstmals für den Cricket World Cup 1999, nachdem es die vorhergehenden Weltmeisterschaften verpasst hatte. Aminul Huq Moni, der damalige Generalsekretär des Verbands, ließ das AstroTurf im Abahani Cricket Field und das Bangabandhu National Stadium errichten, sodass den Spielern zwei volle Saisons zur Verfügung standen, um sich auf die Pitches der ICC Trophy 1999 vorzubereiten. Bangladesch nahm 1999 an seinem ersten World Cup in England teil und erzielte seinen ersten Sieg gegen das assoziierte Mitglied Schottland. Im Gruppenspiel in Northampton gelang ein Überraschungssieg gegen die Testnation Pakistan mit 62 Runs. Bangladesch erreichte 223/9 in seinen 50 Over und Pakistan erreichte in seinem Innings nur 161 Runs, nachdem der Wicket-Keeper Khaled Mashud mehrere pakistanische Spieler ausschieden ließ und Khaled Mahmud mit seinem Bowling 3/31 in zehn Over erzielte. Mahmud erhielt die Auszeichnung als „Man of the Match“. Bangladesch gelang es nach drei Niederlagen in seinen fünf Spielen nicht, sich für die Super Six zu qualifizieren. Der Erfolg gegen den späteren Vizeweltmeister Pakistan half Bangladesch, im folgenden Jahr Teststatus zu erhalten.
In Vorbereitung auf den Teststatus erfolgte 1999/2000 in Bangladesch die Gründung eines First-Class-Turniers, dessen Spiele jedoch erst ab der Saison 2000/01 über diesen Status verfügten. Das Fehlen einer etablierten First-Class-Struktur im Land kurz vor dem ersten Test Match gilt als einer der Gründe dafür, dass sich die Mannschaft im wichtigsten Cricket-Format schwer tat. Die West Indies besuchten Bangladesch im Oktober und gewannen beide ODIs der Serie. Im Mai und Juni 2000 war Bangladesch Gastgeber des Asia Cup 2000; das Team verlor alle drei Spiele und die Niederlage gegen Pakistan mit 233 Runs war die damals höchste. Im Oktober nahm Bangladesch an der ICC KnockOut 2000 in Kenia teil und das einzige Spiel endete mit einer Niederlage gegen England.
Erste Jahre als Testnation mini|hochkant|Naimur Rahman war Bangladeschs Kapitän im ersten Test mini|hochkant|Khaled Mahmud war 2003 und 2003/04 Bangladeschs Kapitän