mini|Ausschnitt aus dem Programm des Festumzugs von 1851 Die Zünfte der Stadt Zürich sind privatrechtliche Vereine, die sich insbesondere der Traditionspflege verschrieben haben. Die zwölf (ursprünglich dreizehn) «historischen» Zünfte waren ursprünglich Handwerksvereinigungen und entstanden im 14. Jahrhundert. Die vierzehn «neuen» Zünfte entstanden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zürcher Zünfte organisieren unter anderem das alljährliche Sechseläuten.
Geschichte Ursprung Vom 11. bis 13. Jahrhundert entstanden in ganz Europa zahlreiche Handwerksvereinigungen und Korporationen, die die Interessen ihres Gewerbes vertraten und immer mehr versuchten, sich auch politisch zu betätigen. In Zürich wurden derartige Bestrebungen verhindert; im 13. Jahrhundert wurde die Errichtung von Zünften, Gesellschaften und Meisterschaften ausdrücklich verboten.Quellen zur Zürcher Zunftgeschichte. 13. Jahrhundert bis 1798. Hrsg. von Constaffel, alten und neuen Zünften der Stadt Zürich, bearbeitet unter Mithilfe von Hans Nabholz von Werner Schnyder. Berichthaus, Zürich 1936, S. 1. Die Stadt wurde von einem Rat der Rittern und freien Bürger regiert, welche grosse wirtschaftliche Macht besassen. Kleinhändler und Handwerker besassen keinerlei politische Rechte.
Brunsche Zunftverfassung Am 7. Juni 1336 vertrieb Ritter Rudolf Brun zusammen mit Handwerkern und Krämern die Ratsherren aus dem Rathaus. Nach dem Vorbild des «Schwörbriefes» der Stadt Strassburg aus dem Jahre 1334 setzte Brun seine Zunftverfassung in Kraft, in der die bestehenden Gruppierungen in 13 Zünften als feste Organisationen zusammengefasst wurden.Siehe den «Geschworenen Brief» von 1336, von 1373 und von 1393 in: Quellen zur Zürcher Zunftgeschichte. 13. Jahrhundert bis 1798. Hrsg. von Constaffel, alten und neuen Zünften der Stadt Zürich, bearbeitet unter Mithilfe von Hans Nabholz von Werner Schnyer. Berichthaus, Zürich 1936, S. 7–25. Aus ihren Vertretern wurde zunächst nur der Kleine, später auch der Grosse Rat gebildet. Bisher musste jeder wahlberechtigte Stadtbürger, der in der Stadt Besitzer von Grund und Boden war, einer Zunft angehören.
Neben den vollberechtigten Zünftern gab es daher in den Zünften auch Männer, die dort nur ihr Wahlrecht ausübten.
Auflösung und Wiedererrichtung als Wahlkörper 1798 löste die von Napoleon errichtete Helvetische Republik 1798 angesichts der neu verkündeten «gänzlichen Freyheit und Gleichheit des Handels und Gewerbes» nach 462 Jahren Vorherrschaft die gewerblichen Zünfte auf.Quellen zur Zürcher Zunftgeschichte. 13. Jahrhundert bis 1798. Hrsg. von Constaffel, alten und neuen Zünften der Stadt Zürich, bearbeitet unter Mithilfe von Hans Nabholz von Werner Schnyer. Berichthaus, Zürich 1936, S. 870. Etliche Zunfthäuser wurden verkauft.
In der am 19. Februar 1803 durch die Mediationsakte erlassenen «Verfassung des Cantons Zürich» wurden gemäss Art. 2 Satz 2 die «ehemaligen Zünfte der Stadt Zürich» zwar «wieder hergestellt», doch fungierten diese nun mehr als Personalverbände bei der Wahl zum Grossen Rat (Kantonsparlament). Auf dem Land wurden durch die Verfassung ebenfalls «Zünfte» eingerichtet, hierbei handelte es sich allerdings um geographisch organisierte Wahlkreise, die sachlich nichts mit den städtischen Zünften zu tun hatten. Insgesamt gab es nun 65 Zünfte im Kanton: die 13 alten in der Stadt Zürich und in den vier neu geschaffenen Bezirken des Kantons je 13 neue, die auch «Landzünfte» genannt wurden.Repertorium der Abschiede der eidgenössischen Tagsazungen aus den Jahren 1803 bis 1813. In zweiter Auflage bearbeitet von Jakob Kaiser. Wyss, Bern 1886, S. 473. Eine Landzunft umfasste im Schnitt etwa drei bis fünf Gemeinden.Zur Einteilung des Kantons in Bezirke, Zünfte und Gemeinden siehe Markus Lutz: Vollständige Beschreibung des Schweizerlandes. Band 5. Aarau 1835, S. 456–460. Diese als Wahlkörper fungierenden Zünfte wurden nach einer 1837 beschlossenen Revision der Verfassung von 1831 und dem Erlass des neuen Wahlgesetzes von 1838 gegenstandslos.Revisions-Beschluß des Großen Rathes betreffend Veränderung derjenigen Artikel der Verfassung, welche das Repräsentations-Verhältniß beschlagen, vom 19. Dezember 1837 und Gesetz betreffend die Erwählung der Mitglieder des Großen Rathes und die Konstituirung desselben vom 15. Februar 1838. Website des Staatsarchivs des Kantons Zürich. Abgerufen am 16. Februar 2026.
Auf der Ebene der 1798 gegründeten Stadtgemeinde Zürich hatte in der Mediations- und Restaurationszeit jede Zunft eine fixierte Anzahl Vertreter im erweiterten Stadtrat. Die Stadtverfassung von 1839 bestimmte neu, dass auf je 30 Zünfter einer in den erweiterten Stadtrat gewählt werden solle. Diese letzte öffentlich-rechtliche Funktion der Zünfte wurde ihnen 1866 entzogen, da die neue Gemeindeordnung die Funktion der bisherigen Bürgergemeinde auf die Einwohnergemeinde übertrug. Dadurch verloren die Zünfte ihre letzten politischen Rechte.Paul Guyer: Die soziale Struktur der Zunft zur Schiffleuten in Zürich. In: Zürcher Taschenbuch. Band 69, 1949, S. 10–37, hier S. 33 (E-Periodica).
Neubeginn mini|Zunftwappen im Zunfthaus zur Zimmerleuten, Glasmalerei: Antoinette Liebich mini|Partizipationsschein der Zunft zur Schmiden vom Anfang des 20. Jahrhunderts In der Zeit des Biedermeiers suchten junge Zünfter innerhalb ihres Kreises neue Betätigungen. Ab 1818 begannen sie mit einfachen nächtlichen kleinen Umzügen, aus denen sich im Laufe der Jahrzehnte das Sechseläuten entwickelte. Seither bilden die Gesellschaft zur Constaffel und die Zünfte Vereinigungen von Männern mit ähnlichen traditionellen Interessen, «in welchen der alte Kern der Bürgerschaft die Liebe zur Vaterstadt, zur engern und weitern Heimat, einen gut bürgerlichen Sinn und das Verständnis für alte zürcherische Sitten, Gebräuche und Feste wachhält und pflegt».
Jüngere Zünfte Die jüngeren oder neuen Zünfte entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1867 entstand im Gasthof zum Schwanen an der Schipfe die Stadtzunft, um «den gleichen Zwecken zu dienen wie die alten Zünfte». Dieser folgten weitere neue Zünfte, meistens im Zusammenhang mit den Eingemeindungen von 1893 und 1934. Die Gründer der Quartierzünfte wollten sich einerseits zur Stadt bekennen, anderseits die Erinnerung an die ehemaligen Gemeinden wachhalten.
Frauenzunft als Dauergast mini|Flagge Gesellschaft zu Fraumünster Nicht zu den Zürcher Zünften gerechnet wird die Frauenzunft Gesellschaft zu Fraumünster, auch wenn sie 2011 erstmals am Sechseläuten als Gast teilnehmen durfte. 2014 marschierte die Gesellschaft zu Fraumünster erstmals in corpore zu Gast bei der Gesellschaft zur Constaffel mit. Laut einer Vereinbarung, dem sogenannten «Verkommnis» zwischen dem Constaffelherrn, dem Zunftmeister der Zünfte der Stadt Zürich und der Hohen Fraumünster-Frau wurde die Gesellschaft zu Fraumünster bis 2022 als Dauergast zugelassen. Die Abmachung wurde bis 2030 verlängert und soll danach stillschweigend ausgedehnt werden.
Tätigkeiten mini|hochkant|Sechseläuten Höhepunkt der Tätigkeiten aller Zünfte ist die Organisation und Durchführung des Sechseläutens. Ausserdem führen die Zünfte Anlässe verschiedenster Art durch, die sich von Zunft zu Zunft unterscheiden. Darunter finden sich gemeinsame Mahlzeiten, Vorträge, Ausflüge, sonstige gesellschaftliche Anlässe und zunftspezifische Brauchtumspflege.
Sechseläuten Am dritten Montag im April findet das Sechseläuten statt. Fällt dieser Tag an die Karwoche oder auf den Ostermontag, wird der Anlass um eine Woche verschoben.Walter Baumann: Zürcher Sechseläuten, Constaffel und die 25 Zünfte. Verlag NZZ, Zürich 1992
Rund 3500 Zünfter in ihren historischen Kostümen, Trachten und Uniformen, Ehrengäste, über 350 Reiter, rund 50 von Pferden gezogene Wagen und gegen 30 Musikkorps ziehen im Kontermarsch durch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zum Sechseläutenplatz.
Zentralkomitee der Zürcher Zünfte mini|hochkant|Titelblatt der Statuten des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs von 1895 Die Gesellschaft zur Constaffel und die Zürcher Zünfte sind Mitglied im Verband der Zürcher Zünfte (VZZ); dessen oberstes Organ ist die Zunftmeisterversammlung.
Das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs (ZZZ) ist das ausführende Organ des Verbandes und ist per Definition für die Organisation des Sechseläutens zuständig. Seine Gründung erfolgte 1871; unter dem Namen «Sechseläuten-Central–Comité» wurde ein Ausschuss für die Organisation und Durchführung des Sechseläutens gegründet. Das Komitee vertritt Anliegen von gemeinsamem Interesse und unterstützt die Durchführung des Umzuges und des Kinderumzuges vom Sonntag auch finanziell. Der heutige Name «Zentralkomitee der Zürcher Zünfte» gilt seit dem 13. Juli 1914. Jede Zunft ist mit einem Vertreter im Komitee vertreten.
Historische Zünfte Name Wappen Beschreibung Gründung Zunft-/Gesellschaftshaus Website Gesellschaft zur Constaffel 100px Gesellschaft der Ritter und Edelleute 1336 Haus zum Rüden Website Zunft zur Saffran 100px Zunft der Händler vor allem Textil-, Eisenwaren-, Lebensmittel- und Gewürzhändler 1336 Zunfthaus Zur Saffran Website Zunft zur Meisen 100px Zunft der Weinhändler, Gastwirte, Sattler und Maler, seit 2025 werden Frauen als gleichgestellte Zünfterinnen aufgenommen 1336 Zunfthaus zur Meisen Website Zunft zur Schmiden 100px Zunft der Eisen-, Kupfer-, Silber- und Goldschmiede, Kannengiesser, Schlosser, Uhrmacher, Glockengiesser, Spengler, Bader und Scherer 1336 Zunfthaus Zur Schmiden Website Zunft zum Weggen 100px Zunft der Bäcker und Müller 1336 Restaurant Weisser Wind Website Vereinigte Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern 100px Zunft der Gerber und Schuhmachern 1336, Vereinigung der beiden Zünfte 1877 Hotel Savoy Website Zunft zum Widder 100px Zunft der Metzger und Viehhändler 1336 Widder Hotel Website Zunft zur Zimmerleuten 100px Zunft der Zimmerleute, Maurer, Wagner, Drechsler, Holzhändler, Steinmetze, Hafner und Rebbauern 1336 Zunfthaus Zur Zimmerleuten Website Zunft zur Schneidern 100px Zunft der Tuchausrüster, Kürschner und Schneider 1336 Zunfthaus Zum Königstuhl Website Zunft zur Schiffleuten 100px Zunft der Fischer und Schiffleute 1336 Hotel Storchen Website Zunft zum Kämbel 100px Zunft der Kleinhändler, Grempler, Oeler, Gartner und Salzleute 1336 Zunfthaus zur Haue Website Zunft zur Waag 100px Zunft der Wollweber, Hutmacher, Leinenweber und Leinenhändler 1336, Zunft der Wollweber und Zunft der Leinenweber, 1440 vereinigt zur Zunft zur Waag Zunfthaus und Restaurant Zur Waag Website
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