Die Grube Gitter-Georg ist ein ehemaliges Eisenerzbergwerk im Süden des Peine-Salzgitter-Reviers. Das Bergwerk wurde ab 1954 auch unter dem Namen Verbundbergwerk Georg geführt. 1868 wurde erstmals im Gebiet der Grube beim heutigen Stadtteil Salzgitter-Gitter Eisenerz abgebaut. Ab 1937 wurde die Grube in erheblichem Umfang ausgebaut. Zum Verbundbergwerk gehörten die Schächte bzw. Schachtanlagen Galberg, Gitter, Georg, Johannes, Anna und ab 1954 die Finkenkuhle. Die Förderung wurde 1965 eingestellt.
Geologie Die Eisenerzlagerstätte lag zwischen den Stadtteilen Salzgitter-Bad, Salzgitter-Gitter und Salzgitter-Ringelheim. Das Erzlager erstreckte sich bis zum Tal der Innerste und hatte eine Länge von 5 km, eine mittlere Breite von 2,56 km und eine Fläche von 12,9 km². Im Bereich von Salzgitter-Bad (an der Finkenkuhle) und Salzgitter-Gitter (auf dem späteren Gelände des Schachtes Gitter) trat das Lager zu Tage. Nach Südwesten fiel das Lager steil ein, im Bereich der Ringelheimer Lagerstätte bis auf eine Tiefe von 1000 bis 1400 Metern.
Die Lagerstätte gehörte zu den Unterkreideerzen von Salzgitter, die sich in der Neokomzeit durch wiederholte Ablagerungen in den küstennahen Bereichen gebildet hatten. Durch spätere Gebirgsbewegungen wurde das Lager steil aufgerichtet und stark verworfen. Das Erzlager bestand aus verschiedenen, räumlich getrennten Lagerstättenteilen, die eine Erschließung durch mehrere Schächte notwendig machte.
Die Mächtigkeit der Lagerstätte schwankte sehr stark. Im Bereich von Gitter war das Erz nur wenige Meter mächtig und wechselte hier mehrfach mit taubem Gestein. Der bei Ringelheim gelegene größte Teil des Erzlagers wurde erst 1919/21 entdeckt, hier reicht das Erzlager bis zu einer Tiefe von 1400 Metern und war stellenweise über 100 Meter mächtig. Der Fe-Gehalt bewegte sich zwischen 28 % und 34 %, in der Mehrheit lag er bei 30–31 %, der Kieselsäureanteil lag bei über 20 %. Wegen zu geringer toniger Bindemittel war das Georg-Erz nicht nasstechnisch aufbereitbar und wurde – im Gegensatz zu den Erzen der Finkenkuhle und aus Gitter – zur Aufbereitung direkt der Erzvorbereitung (Sinteranlage bei Salzgitter-Heerte) zugeführt.
Geschichte bis Mitte 1937 Erzfunde im Salzgitter-Gebiet sind schon seit der römischen Kaiserzeit bekannt. Als Beleg dafür steht ein bei Lobmachtersen gefundener Rennofen aus dem 4. Jahrhundert, in dessen Schlacken Erze aus verschiedenen Fundstellen im Umland nachgewiesen wurden.
Die erste Erwähnung des Gittererzes stammt aus dem Jahr 1687, als dem späteren Hildesheimer Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck (1688–1702) eine Bergbauberechtigung auf einen Stollen bei Gitter verliehen wird. Von Brabeck hatte 1682 bei Kunigunde (einem Ortsteil von Dörnten) an der Innerste ein Eisenhüttenwerk errichtet, für das er die Erze aus der nahen Umgebung bezog. Ebenfalls um 1687 gab es in Gitter im Bereich der Unteren Landwehr im Keller einer Hofstelle einen Eisenerzanbruch.
In einem 1763 im Auftrag des Hildesheimer Fürstbischofs Wilhelm von Westfalen (1763–1789) erstellten Gutachten berichtet der Bergsachverständige G.H.Wolf am 29. März 1794, dass man im Gebiet des Hildesheimer Hochstifts unter anderem genügend Eisenerz finde, dabei verwies er besonders auf eine Grube bei Alt Wallmoden. Schon 1750 war diese Fundstelle auf der Erzwiese von Könneckenrode bekannt, das dort gefundene Erz wurde von Bauern an der Innerstefurt bei Hohenrode verhüttet.
In den Jahren 1858/59 teufte die Lüneburger Bergwerksgesellschaft an der Unteren Landwehr bei Gitter einen Schürfschacht. Aus dieser Zeit ist auch der Betrieb der anderen Gitterschen Erzfelder Ferdinandine und Gut Glück belegt. Diese Längenfelder wurden 1868 in das Geviertfeld Salzgitter umgewandelt. Das Feld wurde von den AG Eisenwerke Salzgitter erworben, die zwischen 1869 und 1874 am nahegelegenen Gittertor (damals Teil der Ortschaft Gitter) ein Hüttenwerk mit zwei Hochöfen betrieb.
Der Ausgang des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und die zunehmende Konzentration auf dem Gebiete der Stahlverarbeitung leitete einen Niedergang des Hüttenwesens und des Erzbergbaus im Salzgittergebiet ein. Zum einen war jetzt der Einsatz der hochwertigeren Minette-Erzen aus Lothringen möglich, zum anderen wurden auch die Fe-reicheren Schwedenerze vermehrt und preiswerter angeboten. Und nicht zuletzt waren die Probleme zur Verhüttung der sauren Salzgitter-Erze noch nicht zufriedenstellend gelöst, andere Erze konnten wirtschaftlicher und unter Erzielung besserer Stahlqualitäten verarbeitet werden.
Erst als nach Ende des Ersten Weltkrieges die lothringischen Erze nicht mehr zur Verfügung standen, interessierte man sich wieder verstärkt für die heimischen Erze. Im Salzgitter-Gebiet untersuchte ab 1919 die „Erzstudiengesellschaft mbH“ – ein Konsortium der Ruhrhütten – unter der Leitung des Bergassessors Johann Müller-Liebenau die hiesigen Erzvorkommen. Die Untersuchungen wurden von dem Geologen Johannes Weigelt durchgeführt, der später eine Professur in Halle annahm. Mit den Bohrungen wurde das heimische Bohrunternehmen von Anton Raky beauftragt. Bei diesen Bohrungen wurde erstmals das bis zu 144 Meter mächtige Erzlager in der Ringelheimer Mulde nachgewiesen, das sich auch außerhalb des Salzgitter-Höhenzuges erstreckte. Der Erzstudiengesellschaft wurden daraufhin 1923 die Felder Anna und Johannes verliehen. Die Gewerkschaft Widukind wiederum übernahm 1926 die Felder am Galberg und bei Gitter, die nach 1927 in den Besitz der Vereinigten Stahlwerke (VESTAG) übergingen.
Abbau wurde in diesen Jahren nur in geringem Umfang betrieben und Ende 1929 wurden, bedingt durch die einsetzende Weltwirtschaftskrise, alle Aktivitäten auf diesem Gebiet eingestellt. Erst 1934/35 nahmen die Vereinigten Stahlwerke ihre bergbaulichen Aktivitäten im Salzgitter-Gebiet wieder auf. Zunächst südlich von Salzgitter in den Grubenfeldern Ida und Fortuna, ab 1935 auch in den Feldern Segen Gottes (Finkenkuhle) und Morgenröthe (Galberg). 1936 wurde bei Gitter ein Schürfgraben angelegt, durch den ein beträchtliches Erzlager aufgeschlossen wurde, dessen Fe-Gehalt mit etwa 30 % aber nur mäßig war. Ab August 1936 wurde bei Gitter ein hölzerner Geviertschacht (Querschnitt 4,3 × 2,6 m) bis zunächst 95 m Teufe niedergebracht. Am Galberg, etwa 700 m nördlich von Gitter, wurde ab Januar 1937 ein ebenfalls hölzerner Geviertschacht (Querschnitt 4,5 × 2,5 m) bis auf 84 Meter abgeteuft, zu dem in 80 Meter Teufe von der Grube Finkenkuhle ein Wetterstollen aufgefahren wurde.
Betrieb bis 1945 mini|Karte der Erzbergbau-Schachtanlagen im Süden Salzgitters Am 23. Juli 1937 trat die Verordnung über den Zusammenschluss von Bergwerksanlagen in Kraft. Im gesamten Salzgitter-Gebiet übernahmen die Reichswerke Hermann Göring zum 1. Oktober 1937 die Bergwerksaktivitäten der Vorbesitzer. Im Gebiet zwischen Gitter und Ringelheim wurden umfangreiche Erkundungsbohrungen niedergebracht und reflexionsseismische Untersuchungen durchgeführt, um das Ausmaß des Erzlagers zu ermitteln.
Die auf diese Erkundungen basierenden Pläne der Reichswerke sahen vor, die verschiedenen Teile des Erzlagers sowohl durch die bestehenden Anlagen (Finkenkuhle, Gitter und Galberg) abzubauen, als auch neue Schächte zur Erschließung abzuteufen. Die Erzlager im Raum Salzgitter-Bad sollten bis zu einer Teufe von 220 Metern durch die Grube Finkenkuhle im Tagebau und Tiefbau abgebaut werden. Die Schachtanlage Gitter sollte den Abbau des südlich davon gelegenen Lagers bis zu einer Teufe von 364 Metern übernehmen. Der tiefer gelegene Teil bis zu einer Teufe von 830 Metern sollte durch die Schachtanlage Georg erschlossen werden, während die zwischen 1000 und 1400 Meter in der Ringelheimer Mulde liegenden Erzlager über das Bergwerk Ringelheim mit dem Förderschacht Johannes abgebaut werden sollten. Als Wetterschacht für alle Gruben sollte Schacht Galberg dienen, zusätzlich sollte östlich von Alt Wallmoden Schacht Anna als weiterer Wetterschacht abgeteuft werden.
Letztlich wurden diese Planungen aber nicht vollständig umgesetzt. Schacht Johannes wurde nur bis 941 Meter geteuft, erreichte also das ab 1000 Meter beginnende Lager nicht, und wurde nur als Wetterschacht genutzt. Schacht Anna wurde niemals fertiggeteuft und auch nicht in Betrieb genommen.
Schacht Galberg Bereits 1924 hatte die Rombacher Hütte im Tagebau der einen Bremsberg niedergebracht, über den das Feld Morgenröthe am Galberg aufgeschlossen wurde. Anfang 1937 wurde von den Vereinigten Stahlwerken ein hölzerner Geviertschacht bis zu einer Teufe von 84 Metern niedergebracht. Zeitgleich war von der Grube Finkenkuhle aus ein Wetterstollen zum aufgefahren worden, der bei 80 Meter Teufe mit dem Schacht durchschlägig wurde und der zur Bewetterung des Tiefbaus der Grube Finkenkuhle diente.
mini|Ehemaliges Maschinenhaus der Schachtanlage Galberg
Zwischen Januar 1938 und Januar 1939 wurde der Schacht Galberg durch die Schachtbaufirma Wagener aus Essen bis 144 Meter weitergeteuft und dabei auf einen Durchmesser von 5 m erweitert. 1940 wurde Schacht Galberg auf seiner 2. Sohle (138,7 m Teufe oder +32,1 m NN) mit der 2. Sohle der Grube Finkenkuhle durchschlägig. Die weiteren Teufarbeiten wurden von der Reichswerken in Eigenregie fortgeführt und im Juli 1941 wurde die vorläufige Endteufe von 440 m erreicht. Noch während der Schachtarbeiten wurden insgesamt fünf Tiefbausohlen angesetzt, die erste bei 79,6 Metern (+91,2 m NN). Die 2. Sohle bei 138,7 Metern Teufe (+32,1 m NN) wurde mit der 2. Sohle der Grube Finkenkuhle durchschlägig. Bei 260,75 m (+89,4 m NN) wurde eine 3. Sohle angelegt, die 4. und 5. Sohle bei 316,25 m (−154,4 m NN) und 435,9 m (−265,1 m NN) Teufe. Galberg wurde als Hauptwetterschacht für die anderen Gruben Gitter, Finkenkuhle und Georg genutzt.
Da dieser Schacht ausschließlich als Wetterschacht ausgelegt war, wurden auch nur wenige Tagesanlagen erstellt, so ein Gebäude für die Fördermaschine, ein Transformatoren- und ein Ventilatorenhaus.
Schacht Gitter Nachdem 1936 bei Gitter ein abbauwürdiges Erzlager nachgewiesen worden war, begannen die Vereinigten Stahlwerke (VESTAG) am 9. August 1936 im Erzlager des Feldes Salzgitter mit den Teufarbeiten für einen Holzgeviertschacht, die Arbeiten wurden durch die Betriebsabteilung Fortuna der VESTAG durchgeführt. Der Schacht hatte die Abmessungen 4,3 × 2,6 m und wurde bis zu einer Teufe von 95 Metern niedergebracht.
Nach der Übernahme der Bergwerksanlagen durch die Reichswerke wurde der ab Oktober 1938 durch die Essener Firma G.W. Wagener weitergeteuft, im Juni 1939 wurde die Endteufe von 227 Metern erreicht. Es wurden vier Tiefbausohlen bei +127,7 m NN, +84,6 m NN, +28,5 m NN und −31,4 m NN angelegt.
Da das Gelände keinen Eisenbahnanschluss besaß, war der Schacht nicht als Förderschacht ausgelegt und erhielt daher als Tagesanlagen nur Werkstatt, Magazin und Mannschaftsgebäude. Der 18 m hohe Abteufturm wurde nach Abschluss der Teufarbeiten beibehalten und zum Fördergerüst umgebaut, der Schacht wurde als Seilfahrt- und Wetterschacht betrieben. Am 1. September 1939 wurde die 2. Gittersohle (+84,60 m NN) mit der ersten Sohle von Schacht Finkenkuhle durchschlägig und ab dem 18. Dezember 1939 wurden dann die Gittererze über den Schacht Finkenkuhle zu Tage gefördert. Bis dahin hatte man die bei den Ausbauarbeiten angefallenen Erze in der Nähe des Schachtes auf Halde zwischengelagert.