mini|Bürgerhaus Westhofen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wonnegau an. Westhofen ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie Westhofen liegt in Rheinhessen zwischen Worms, Mainz und Alzey. Nachbarstädte und -gemeinden sind im Norden Monzernheim und Bechtheim, im Osten Osthofen, im Südosten der Wormser Stadtteil Abenheim, im Süden Gundheim und Bermersheim sowie im Westen Gundersheim. In Westhofen entspringt der Seebach, die stärkste Quelle Rheinhessens. Sie ist gleichzeitig die einzige Quelle in der Region, die auf Talgrund entspringt. Grundwasser aus dem Bereich des Donnersbergs speist sie.

Zu Westhofen gehört auch der Wohnplatz Neumühle.

Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung von Westhofen findet sich im Lorscher Codex und datiert auf den 29. Juli 774. Die Gemeinde erhielt am 25. April 1324 das Marktrecht. Die Bedeutung Westhofens in früherer Zeit zeigt sich an der noch erhaltenen Umwehrung mit einer Fleckenmauer und mehrfachen Gräben. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540).

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Westhofen zum kurpfälzischen Oberamt Alzey. Während der Franzosenzeit war der Ort Sitz einer Mairie im Kanton Bechtheim, der Teil des Departements Donnersberg war. Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und einem 1816 zwischen Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region zum Großherzogtum Hessen und wurde von diesem der Provinz Rheinhessen zugeordnet. Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Worms, zu dem er bis 1969 gehörte.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Westhofen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.468 1835 2.004 1871 1.657 1905 1.767 1939 1.882 1950 2.279 1961 2.225 Jahr Einwohner 1970 2.480 1987 2.779 1997 3.081 2005 3.252 2011 3.161 2017 3.219 Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 53,5 % evangelisch, 25,6 % römisch-katholisch und 21,0 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Westhofen, Stichtag: 30. Juni 2005. Der Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder ist seitdem gesunken. Ende April 2025 waren von den Einwohnern 37,6 % evangelisch und 19,2 % katholisch, 43,2 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Westhofen, abgerufen am 14. Mai 2025.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Westhofen besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FWG Gesamt 2024 7 7 1 5 20 Sitze 2019 6 9 – 5 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 5 9 – 6 20 Sitze 2009 5 8 – 7 20 Sitze 2004 7 6 – 7 20 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Wonnegau e. V.

Bürgermeister Jörg Dieter Schmitt (SPD) wurde am 28. August 2024 Ortsbürgermeister von Westhofen. Bei der Stichwahl am 23. Juni hatte er sich mit einem Stimmenanteil 64,1 % durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 9. Juni keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.

Schmitts Vorgänger Ottfried Fehlinger (CDU) hatte das Amt seit 2009 inne.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Am Marktplatz reihen sich nicht nur Fachwerkhäuser und Denkmäler, sondern auch die evangelische und die römisch-katholische Kirche, unter der am 3. Oktober 1981 ein Beinhaus entdeckt wurde.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Westhofen

Naturdenkmäler Westhofen ist einer der Fundorte mit etwa zehn Millionen Jahre alten Säugetierresten aus den Dinotheriensanden des Ur-Rheins. Der Begriff Dinotheriensande beruht darauf, dass diese Ablagerungen häufig Zähne und Knochenreste des Rüsseltieres Dinotherium enthalten.

Veranstaltungen Am ersten Samstag nach Drei Könige findet im Weingut Orb das Dreikönigsdreschen statt . Dort treten mehrere Dreschmannschaften gegeneinander an. Ein Dreschrat beurteilt die Mannschaften, den Sieger winkt der „Staubhumpen“. Beim „Hahnenschlag“ erhält der Sieger einen lebendigen Hahn. Ausrichter ist der Heimatverein Westhofen.

Die Carnevalszeit beginnt mit dem Bierrummel gefolgt von zwei Sitzungen und einem Kinderfasching. Ausrichter ist der WCV.

Zwei Wochen nach Pfingsten findet das traditionelle Traubenblütenfest statt. Freitags wird das Fest mit der Krönung der Majestäten eröffnet. Samstags wird dann die beliebte Weinprobe in der Kellergasse durchgeführt, am Sonntag folgt der Festumzug und montags dann die Führung in die Westhofener Keller. Ausklang am Abend in der Kellergasse. Ausrichter ist der Heimatverein.

Am Wochenende des vorletzten Sonntags im August wird der Westhofener Markt ausgerichtet. Ausrichter ist die Ortsgemeinde.

Samstagnachmittag beginnt der Markt mit der Westhofener Wingertsheisjer Wanderung, eine geführte Weinwanderung zu ausgesuchten Wingertsheisjer der noch 54 existierenden Heisjer. Geschichten werden erzählt und dabei Weine verköstigt. Ausrichter ist der Heimatverein.

Der Westhofener Weihnachtsmarkt auf dem Markt findet am ersten Adventswochenende statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Weinbau

Westhofen ist erheblich geprägt vom Weinbau und mit ca. 824 Hektar bestockter Rebfläche, davon 75 Prozent Weißwein- und 25 Prozent Rotweinsorten, nach Worms (1564 Hektar) die zweitgrößte Weinbaugemeinde Rheinhessens. Die Weinlagen gehören zum Bereich Wonnegau und sind im Norden der Westhofener MorsteinWesthofener Morstein – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., die Westhofener SteingrubeWesthofener Steingrube – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., das Westhofener BrunnenhäuschenWesthofener Brunnenhäuschen – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., das Westhofener KirchspielWesthofener Kirchspiel – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., der Westhofener BennWesthofener Benn – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., die Westhofener AulerdeWesthofener Aulerde – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024. und im Süden der Westhofener Rotenstern.Westhofener Rotenstern – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024. Alle Lagen gehören zur Großlage Bergkloster im Weinanbaugebiet Rheinhessen. Der Morstein ist die renommierteste Einzellage und durch den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) als Erste Lage klassifiziert. Die Weingüter Wittmann und K. F. Groebe tragen mit ihrem Qualitätsansatz zum Renommee des Ortes bei.

Verkehr Durch den Ort führt die zwischen 1820 und 1830 angelegte Gaustraße von Mainz nach Worms. Der Bahnhof Westhofen (Rheinhess) war Endpunkt der Bahnstrecke Osthofen–Westhofen. Im April 1953 endete der Personenverkehr.

Söhne und Töchter der Gemeinde Friedrich Müller (1802–1863), Richter, Beamter und hessischer Landrat Christian Orb (1813–1887), Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen Fritz Huxel (1892–1972), Weingutsbesitzer und Rebpionier in Rheinhessen Walter Beyer (1920–2012), Volkswirt, Beamter und Kommunalpolitiker (SPD) Hermann Dechent (1850–1935), lutherischer Theologe und Pfarrer

Literatur nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet J. Ebersmann: Geschichte von Westhofen, Monzernheim und Blödesheim. Westhofen 1909. Julius Grünewald, Heinrich Stroh: Chronik des Marktfleckens Westhofen. Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Westhofen. 1974. Julius Grünewald: Von Westhofener Häusern und Leuten. Westhofen 1984. Julius Grünewald: Rundgang durch Westhofen. Westhofen 1999. Leif Hansen: Aktuelle Forschungen und Prospektionen zur Eisenzeit in Westhofen, Kreis Alzey-Worms. Mainzer Archäologische Zeitschrift 10, 2015, S. 153–168. Ernst Probst: Der Ur-Rhein. Rheinhessen vor zehn Millionen Jahren. GRIN, München 2009.

Weblinks

Ortsgemeinde Westhofen auf den Seiten der Verbandsgemeinde Wonnegau

Nur Ella überlebte: Stolpersteine für jüdische Familie in Westhofen verlegt am 16. April 2026 von Wolfgang Seligmann und Katja Jorwitz auf tagesschau.de

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Ort in Rheinhessen Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 774