Richard Barnfield (* 1574; † 1620 oder 1627) war ein englischer Dichter des elisabethanischen Zeitalters.Das Todesjahr von Richard Barnfield wird unterschiedlich datiert. Robert Maslen nennt 1627 als Todesjahr in seinem Eintrag in: Michael Dobson, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Companion to Shakespeare. 2. Ausgabe. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-870873-5, S. 28. Sonia Massai datiert dagegen in ihrem Eintrag in The Oxford Dictionary of National Biography den Tod Barnfields auf das Jahr 1620. Laut Massai beruht die Angabe von Barnfields Tod im Jahre 1627 auf der Annahme, dass er jener Richard Barnfield gewesen sei, dessen Testament im Lichfield Joint Record Office erhalten. Ihr zufolge handelt es sei bei diesem Testament jedoch mit größerer Wahrscheinlichkeit um das Testament des gleichnamigen Vaters von Richard Barnfield.

Leben Barnfield kam im Juni 1574 als Kind Richard Barnfields senior und Mary Skrymsher zur Welt, überliefert ist der Taufeintrag vom 13. Juni in Norbury, Staffordshire. Im Alter von 15 immatrikulierte er sich am 27. November 1589 an der Universität Oxford am Brasenose College, 1592 erhielt er den Titel eines Bachelor of Arts. Mutmaßlich fällt in die Zeit an der Universität eine Beschäftigung mit antiker Lyrik, da diese später eine Basis seiner Dichtung bilden wird. Sein Hauptschaffen als Poet konzentriert sich auf die Jahre zwischen 1594 und 1598. Er beklagte in dieser Zeit die Schwierigkeit, einen Mäzen für seine Dichtung zu gewinnen, warum er aber im jungen Alter von 24 aufhört, Gedichte zu verfassen, und im Alter von 34 gar nichts mehr im Druck erscheint, bleibt im Ganzen immer noch unklar. Sein genaues Todesdatum ist umstritten, sein Begräbnisort unbekannt.

Werke Als sein anonym erschienenes erfolgreiches Erstlingswerk gilt The Affectionate Shepherd (1594). Ob die Initialen „R.B.“ im 1594 von John Danter gedruckten Greenes Funerals by R.B.Gent, einer Sonnetsammlung die Robert Greenes Tod beklagt, die Autorschaft Barnfields belegen ist umstritten, Danter ist jedoch im selben Jahr der Verleger des Affectionate Shepherd. Zwei Monate nach letzterem (1595) folgte sein zweites Werk Cynthia, with certain Sonnets, and the legend of Cassandra, in welchem er die Autorenschaft des Affectionate Shepherd bestätigt. Es folgen die The Encomion of Lady Pecunia (1598), ein satirisches Kurzepos auf das Geld, und The Complaint of Poetry for the Death of Liberality. Barnfields pastorale Gedichte behandeln offen homoerotische Themen, die er vor dem Hintergrund antiker Traditionen rezipiert. Er bewegt sich dabei im Gefolge Edmund Spensers und bezieht sich auf Vergil, dessen Eklogen er zu imitieren vorgibt. Vor allem diese frühen Gedichte im Affectionate Shepherd und Cynthia, in denen die Liebe des Hirten Daphnis zu Ganymed thematisiert werden, gelten in ihrer sexuellen Direktheit als außergewöhnlich für die englische Renaissance und als möglicher Einfluss auf Shakespeares Beschäftigung mit dem Fair Youth in seinen Sonetten. Barnfield widmet sich aber auch heterosexuellen Themen, wie dem Aufeinandertreffen von Helena und Paris.

Der Elisabethanische Kritiker Francis Meres nennt 1598 „My friend Master Richard Barnfield“ neben Sidney und Spenser „the best in this kind“, als englisches Äquivalent zu den antiken Pastoralisten.

1599 wird The Passionate Pilgrim veröffentlicht mit der Autorangabe „By W. Shakespeare“ auf der Titelseite. Bemerkenswerterweise enthält das Gedichtbüchlein mindestens ein Gedicht (Nr. 8) von Richard Barnfield, wie auch von anderen Dichtern (Griffins, Marlowe).

Alternative Ansichten außerhalb des wissenschaftlichen Konsens Der Neurologe Bastian Conrad vertritt in seinem im Selbstkostenverlag erschienenen Buch Der wahre Shakespeare, Christopher Marlowe. Zur Lösung des Jahrhunderte alten Autorschaftsproblems die Ansicht, Barnfield sei lediglich eine „Tarnidentität“ Christopher Marlowes, der anders als von Zeitgenossen und der historischen Forschung geglaubt, seinen frühen Tod nur vortäuschte und fortan unter verschiedenen Pseudonymen weiter publizierte. Conrad identifiziert auch zahlreiche weitere elisabethanische Autoren, darunter William Shakespeare, als solche „Tarnidentitäten“. Zweifel elisabethanischer Dichter und anderer Zeitgenossen an Barnfields Identität als Autor sind jedoch nirgends überliefert. Seine Meinung begründet Conrad mit einer Analyse der Texte von Barnfields Werken.

Literatur Richard Barnfield, Kenneth Borris, George Klawitter: The Affectionate Shepherd. Celebrating Richard Barnfield. London 2001, ISBN 1-57591-049-7. Fabio Ciambella, Cristiano Ragni, Camilla Caporicci [Hrsg.]: Richard Barnfield's Poetics: Early Modern English Poetry Beyond Shakespeare. Bloomsbury, London 2025, ISBN 978-1-3504-5603-7 Bastian Conrad: Der wahre Shakespeare, Christopher Marlowe. Zur Lösung des Jahrhunderte alten Autorschaftsproblems. 5. Auflage. Buch und Media, 2016, ISBN 978-3-86520-374-8. Massimiliano Riviera: Richard Barnfield and Queer Classicism in Elizabethan England. Oxford, Oxford University Press 2026, ISBN 978-0198995104.

Weblinks Alexander B. Grosart (Hrsg.): The Complete Poems of Richard Barnfield. London 1876; . William Griggs: The Passionate Pilgrim by Shakspere, Marlowe, Barnfield, Griffin, and other writers unknown. (The first Quarto 1599), London 1883; .

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