Der von den Österreichischen Bundesbahnen betriebene Bahnhof Mürzzuschlag liegt, auf 681 m Seehöhe, am steirischen Abschnitt der Südbahn und ist der südliche Ausgangspunkt der historischen Semmering-Bergstrecke, die heute zum Welterbe in Österreich zählt. Er ist auch Fernverkehrshaltestelle und liegt am Westportal des aktuell noch im Bau befindlichen Semmering-Basistunnel (SBT). Nach der umfassenden Modernisierung seiner Infrastruktur und der wesentlichen Erweiterung der Parkmöglichkeiten für ein- und zweispurige KFZ hat Mürzzuschlag als zentraler Verkehrsknoten im Mürztal in den letzten Jahren wieder etwas mehr an Bedeutung gewonnen.ÖBB Presse Eröffnung Bahnhof Mürzzuschlag. Mit der Fertigstellung des Bahnhofsgebäudes, des Personendurchgangs sowie der Bushaltestelle direkt beim Bahnhofsgebäude am Kaplanplatz steht den Reisenden jetzt eine moderne Mobilitätsdrehscheibe zur Verfügung. (abgerufen am 26.06.2024).

Geschichte 19. Jahrhundert mini|links|Mürzzuschlag und Mürzviadukt, um 1850 mini|links|Mürzzuschlag mit Südbahntrasse um 1900 mini|links|Viadukt über die Mürz, um 1900 mini|hochkant|Denkmal 100 Jahre Semmeringbahn

Erzherzog Johann von Österreich trieb energisch die Eisenbahnplanungen in der Steiermark voran, da er die Industriegebiete im Mur- und Mürztal damit besser erschließen und eine leistungsfähige Verkehrsverbindung über Graz zur Adria schaffen wollte. Ihr Bau war aber wirtschaftlich nur dann sinnvoll, wenn auch der Semmeringpass übergleist werden konnte, was er für technisch machbar erachtete. Am 26. März 1825 verfasste er ein Schreiben an Franz Graf von Saurau. Saurau amtierte damals als Reichskanzler und damit als Vorsitzender der – unter anderem für Eisenbahnbelange zuständigen – k.k. vereinigten Hofkanzlei. In diesem Brief betont der Erzherzog die Wichtigkeit des Ausbaues von Eisenbahnstrecken durch das gesamte Gebiet der K.u.K. Monarchie und die Anbindung des Hafens von Triest an den Ost-Indien-Handel. Darin wird von ihm auch Mürzzuschlag als Bahnstation empfohlen. Entscheidend für die Realisierung dieses Projektes war auch, dass er als General-Geniedirektor durch Ingenieure seiner Pioniereinheiten das Terrain am Semmering und durch die Steiermark in den Jahren 1837/38 genau studieren und vermessen ließ. Ferner gab Johann statistische Erhebungen in Auftrag, welche die Rentabilität der geplanten Bahnlinie nachweisen sollten. Schließlich erreichte der Erzherzog auch, dass die Triester Bürgerschaft ein „Eisenbahnkomitee“ unter der Leitung des Gründers des Triester Lloyds, Karl Ludwig Freiherr von Bruck, gründete. Dieses befürwortete ebenfalls den sofortigen Bau der Südbahn.Anton Adalbert Klein: Von den Anfängen des Eisenbahnbaues in Österreich. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jahrgang 55 (1964), S. 15, abgerufen am 29. November 2025.

Am 5. Mai 1842 war auf Betreiben des Bankiers Georg Simon von Sina, der 1838 die „Wien-Raaber Eisenbahn-Gesellschaft“ gründete, das erste Teilstück der Südbahn, Wien–Gloggnitz, fertiggestellt worden.Südbahnmuseum, Rail Blog, Auszug aus der Mürzzuschlager Bahnhofschronik (abgerufen am 27.06.2024).Susanne Kühberger, Ernst Suppan: Mit Volldampf in den Süden. 150 Jahre Südbahn. Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb Mitarbeitermagazin, Drehscheibe 33, 2007, S. 2 (abgerufen am 29.06.2024). Ende 1841 wird auch die Trassierung der Scheitelstrecke über den Semmering nach Mürzzuschlag beschlossen, das Eisenbahnzeitalter begann für Mürzzuschlag am 19. Dezember 1841, mit dem kaiserlichen Erlass zum Bau der 94 Kilometer langen Teilstrecke Graz – Mürzzuschlag. Die Genehmigung zum Bau wurde im August 1842 erteilt. Sie war auch der Schlusspunkt im Kampf um die Trassenführung der ersten Bahnverbindung zwischen Wien und Triest, die jahrelangen Bemühungen der Ungarn, die Trasse über ihr Gebiet zu führen, um damit in das neue Eisenbahnnetz eingebunden zu werden, waren damit gescheitert.Josef Dultinger: Die "Erzherzog-Johann-Bahn": erste Eisenbahnverbindung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit der Stadt und dem Adriahafen Triest. Verlag Dr. Erhard Rudolf, Rum 1985, 1. Auflage, S. 42. Bürger und Bauern wehrten sich anfangs vehement gegen das Bauprojekt, da der Bahndamm quer über ihre Felder und Grundstücke aufgeschüttet werden sollte. Der einflussreiche Mürzzuschlager Hammerherr Vinzenz HuberVinzenz Huber (1771–1853) war ein Gewerke in Mürzzuschlag und Bürgermeister von Bruck an der Mur. Er gehörte zum steirischen Großbürgertum und war einer der engsten Freunde von Erzherzog Johann. Bei dessen nicht standesgemäßer Hochzeit mit Anna Plochl fungierte Huber als Trauzeuge. versuchte sogar beim Erzherzog zu intervenieren, dass das Heizhaus nicht auf seinem Grundstück (Huberacker) erbaut würde.Südbahnmuseum Blog: Die Eisenbahnerstadt Mürzzuschlag. Zum 100jährigen Jubiläum der Stadterhebung. Die erste Staatseisenbahn Österreichs (abgerufen am 26. November 2025).

Die Dankbarkeit der steirischen Stände darüber war dennoch groß und sie übernahmen deswegen auch die gesamten Kosten der Grundablösung entlang der neuen Eisenbahnstrecke. Die Bahn wurde auch nicht von einer Privatgesellschaft, sondern vom Staat in Eigenregie errichtet und war damit Österreichs erste Staatseisenbahnlinie. Als Bauleiter fungierte der ursprünglich aus Venetien stammende K.K. Hofbaurat Hermengild Ritter von Francesconi. Die technische Leitung hatte Oberingenieur Johann Fillinger inne, für den Unter- und Oberbau war ein Ingenieur Tillmayer zuständig, für den Hochbau der Ingenieur Moritz von Loehr.Anm.: Francesconi schlug Hofkammerpräsident Freiherr von Kübeck Carl Ghega als Bauleiter für die Semmeringbahn vor.Josef Dultinger: Die "Erzherzog-Johann-Bahn": erste Eisenbahnverbindung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit der Stadt und dem Adriahafen Triest. Verlag Dr. Erhard Rudolf, Rum 1985, 1. Auflage, S. 38. Die Teilstrecke konnte nach einer Bauzeit von nur 369 Arbeitstagen fertiggestellt werden. Am 12. September 1844 transportierte ein Gespann aus 20 Pferden jene Lokomotive die den Festzug nach Graz ziehen sollte und von der Wiener Neustädter Maschinenfabrik konstruiert worden war, von Gloggnitz über den Semmering. Am 16. September wurde die erste Probefahrt zwischen Mürzzuschlag und Graz durchgeführt, am 21. Oktober 1844 konnte die Strecke schließlich von Erzherzog Johann in Vertretung des Kaisers Ferdinand I. ihrer Bestimmung übergeben werden.

Die Eröffnungsfahrt dauerte (wegen der zahlreichen Festakte an den Zwischenhalten) drei Stunden und 21 Minuten. Carl Ritter von Ghega persönlich fuhr die Lokomotive in die steirische Landeshauptstadt.Anton Adalbert Klein: Von den Anfängen des Eisenbahnbaues in Österreich. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jahrgang 55 (1964), S. 15, abgerufen am 29. November 2025. Die Betriebsführung oblag der Wien-Gloggnitzer Bahn, die sie stellvertretend für die k.k. südliche Staatsbahn wahrnahm. Die Bahnlinie musste als sogenannter Inselbetrieb geführt werden, der Bahnhof Mürzzuschlag ging zunächst nur als Kopfbahnhof in Betrieb. Der Schienenersatzverkehr für Fracht und Personen nach Gloggnitz musste noch mit Stellwagen über die Semmering-Passstraße bewerkstelligt werden. Dieser war den Fahrplänen der Bahn angepasst worden, sodass es in den Bahnhöfen Gloggnitz und Mürzzuschlag zu keinen überlangen Wartezeiten kam.badlwand.org: Josef Dultinger: Die "Erzherzog-Johann-Bahn": erste Eisenbahnverbindung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit der Stadt und dem Adriahafen Triest. Verlag Dr. Erhard Rudolf, Rum 1985, 1. Auflage, S. 42.

Ab Oktober 1844 verkehrten zwei Tageszüge in beiden Richtungen.Anm.: Laut Fahrordnung der k.k. Staatsbahnen ab Mürzzuschlag jeweils um 09:00 und 15:00 Uhr – Ankunft in Graz um 11:45 und 17:45 Uhr Gegenzug: Abfahrt in Graz um 08:15 Uhr, Ankunft in Mürzzuschlag um 11:45 Uhr. Im November 1844 wurde auch der Güterzugsverkehr nach Graz aufgenommen. Im laufenden Betrieb waren zu diesem Zeitpunkt dort achtundsechzig Bahnbedienstete beschäftigt und der Bahnhof avancierte bald zu einem bedeutenden Eisenbahnstandort. 1848 wird Mürzzuschlag offiziell zum Betriebsbahnhof der Semmeringbahn erklärt, damals ausgestattet mit zwei Heizhäusern, Werkstätten, Kohlenbunker und Wasserstationen. Zu Anfang waren noch vier Betriebsbahnhöfe für den reibungslosen Zugsverkehr über den Semmering vonnöten. Der Betriebsbahnhof Mürzzuschlag vervollständigte diese Liste.

mini|hochkant|Gedenktafel für Viktor Kaplan

Technischer Leiter für das südliche Bahnnetz war Carl Ritter von Ghega, der von 1842 bis 1857 die Bahnstrecke über Graz und Laibach nach Triest errichtete und schließlich zwischen 1848 und 1854 auch den Streckenabschnitt über den Semmering als erste Gebirgsbahn Europas realisieren konnte. Ihre Inbetriebnahme initiierte die erste große Veränderung für den Bahnstandort Mürzzuschlag, am 17. Juli 1854 befuhr der erste fahrplanmäßige Personenzug den Semmering, aus dem Kopfbahnhof wurde ein Durchgangsbahnhof. Am 1. August 1857 lief der erste Schnellzug aus Wien-Südbahnhof nach Triest aus.Anm.: 1910 betrug die Fahrzeit Wien – Triest noch ungefähr zehn Stunden, für 580 Kilometer. Für die Güterzüge über den Semmering mussten in Mürzzuschlag stationierte Lokomotiven vorgespannt werden. Mürzzuschlag Der Bahnbetrieb erforderte zu Beginn 68 Bedienstete. Kein einziger von ihnen stammte aus Mürzzuschlag, 27 kamen aus Böhmen und Mähren, sechs aus Ungarn, sieben aus Deutschland, fünf aus Italien, die übrigen aus sonstigen Gebieten der Monarchie. Die vier in Mürzzuschlag stationierten Lokführer waren zwei Deutsche, ein Mann aus Wien und einer aus Graz.Südbahnmuseum Blog: Die Eisenbahnerstadt Mürzzuschlag. Zum 100jährigen Jubiläum der Stadterhebung. Die erste Staatseisenbahn Österreichs (abgerufen am 26. November 2025). 1868 dürften schon über 100 Personen im Bahnhofsbetrieb beschäftigt gewesen sein.Anm.: Damaliger Personalstand lt. Almanach: ein Stationschef, ein Verkehrsassistent, fünf Verkehrseleven, ein Aushilfsbeamter, die Aufgaben der Arbeiter wurden nicht genau angeführt – bekannt sind: Verschieber, Weichensteller, Bremser und Hilfskräfte. Außerdem wurde die sog. „Ingenieurssektion“ (Streckenleitung) geschaffen.Südbahnmuseum, Rail Blog, Auszug aus der Mürzzuschlager Bahnhofschronik (abgerufen am 27.06.2024). 1858 erwarben private Financiers die auf Staatskosten errichtete Linie Wien–Triest, die damit Teil eines weitgespannten Bahnnetzes wurde. Die Südbahn-Gesellschaft erlebte in der Folge eine wechselvolle Geschichte, die hauptsächlich durch finanzielle Schwierigkeiten gekennzeichnet war.Susanne Kühberger, Ernst Suppan: Mit Volldampf in den Süden. 150 Jahre Südbahn. Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb Mitarbeitermagazin, Drehscheibe 33, 2007, S. 2 (abgerufen am 29.06.2024). 1876 wurde im Bahnhofsgebäude Viktor Kaplan geboren, der Sohn eines Bahnbeamten, der in späteren Jahren zum Maschinenbauingenieur und bedeutenden Erfinder avancierte.

1879 wurde die elf Kilometer lange Lokalbahn von Mürzzuschlag nach Neuberg an der Mürz eröffnet.Alpenbahnen.net Die Neubergerbahn Da die geplanten Verlängerungen zur Leobersdorfer Bahn bzw. zur Mariazellerbahn nie zustande kamen, diente die sogenannte Neuberger Bahn bis zu ihrer Stilllegung 2000 vorrangig dem Güterverkehr zum Sägewerk der Österreichischen Bundesforste in Neuberg.

20. Jahrhundert mini|Entwurfszeichnungen der Stellwerke ("Weichentürme") in Mürzzuschlag, 1904 mini|Der Bahnhof um 1936 (Bahnsteig 1, Blick nach Ost) in Bildmitte eines der drei Stellwerke, im Hintergrund links steht das sog. „Herrenhaus“ (2022 abgetragen), dort war der Vorstand der Zugsförderung untergebracht