Die Falkenlibellen (Corduliidae) sind eine Familie der Libellen (Odonata). In Deutschland leben sieben Arten dieser Gruppe. Namensgebend für die Familie ist die Falkenlibelle (Cordulia aenea). Deren wissenschaftlicher Gattungsname Cordulia bedeutet so viel wie „die Keulige“ (Griech.: kordyleia), was sich auf die Abdomenform des Männchens bezieht.
Merkmale Die Falkenlibellen sind mittelgroße Vertreter der Großlibellen (Anisoptera); ihre nächsten Verwandten sind die Segellibellen (Libellulidae). Die meisten Arten besitzen relativ lange Beine und sind metallisch-grün gefärbt (im Alter teils kupferfarben; manche auch düster und matt), wobei besonders die Körper der Smaragdlibellen (Gattung Somatochlora) ein schimmerndes Grün aufweisen. Die Augen sind oft in leuchtenden Grüntönen gefärbt. Der Legeapparat (Ovipositor) der Weibchen ist zu einer einfachen Klappe reduziert. Die Eier werden einzeln (Somatochlora), in Klümpchen (Cordulia) oder in Laichschnüren (Epitheca) ins Wasser abgegeben. Die untersetzt wirkenden Larven tragen eine Helmmaske und sind teilweise mit besonders langen Beinen sowie auffälligen Dornen am Hinterleib ausgestattet.
Lebensweise Ihren deutschen Namen verdanken die Falkenlibellen dem schnellen Flug ihrer männlichen Imagines, bei dem sie häufig die Richtung wechseln. Dies erinnert an den Flug eines Falken. Die Männchen fallen darüber hinaus durch ausdauernde und gewandte Flugaktivitäten auf. Die Weibchen sind allerdings scheu und verstecken sich oft in der Ufervegetation.
Die Paarung der Tiere beginnt im Flug, wird jedoch sitzend beendet. Zur Eiablage wird das Weibchen nicht vom Männchen begleitet. Es fliegt dazu meist dicht über der Wasseroberfläche und taucht seinen Hinterleib mehrfach kurz ins Wasser ein; einige Arten legen ihre Eier auch in den Uferschlamm.
Die Larven halten sich vor allem am Gewässergrund auf und sind sehr bewegungsträge. Häufig sind sie auch im Schlamm zu finden. Ihre Entwicklungsdauer zieht sich meist über zwei bis drei Jahre hin, von manchen Arten sind zwölf oder mehr Larvenstadien bekannt.
Falkenlibellen haben recht eng definierte Lebensraumansprüche. Einige Arten sind auf dystrophe Moorgewässer spezialisiert, andere bevorzugen naturnahe, verkrautete Gewässer in Auen und Niederungen.
Fossilbericht Der Fossilbericht der Falkenlibellen ist insgesamt nur sehr spärlich, wobei aufgrund der systematischen Diskussionen auch die Zuordnung schwierig ist. Als eine der ältesten bekannten Falkenlibellen gilt die Eocordulia cretacea, die 1986 aus der Mongolei beschrieben wurde und aus der Unterkreide stammt; die Zuordnung wird allerdings angezweifelt. Ein in Bernstein eingeschlossener Flügel aus dem frühen Eozän Frankreichs weist Ähnlichkeiten mit denen verschiedener Falkenlibellengattungen (Dorocordulia, Williamsonia, Hemicordulia) auf, weitere Funde aus dem Eozän, Oligozän und Miozän werden den Gattungen Croatocordulia, Stenogomphus, Miocordulia, Cordulia, Epitheca und Epophthalmia zugeordnet, sind jedoch ebenfalls strittig. Als älteste, sicher den Falkenlibellen zugeordneter Fossilfund gilt heute die 2005 beschriebene Molecordulia karinae aus dem Paläozän Dänemarks mit einem Alter von etwa 65 Millionen Jahren.Die Libelluloidea – eine junge Verwandtschaftsgruppe. In: Hansruedie Wildermuth: Die Falkenlibellen Europas., S. 27–29.
Gattungen und Arten mini|Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica), Männchen auf Patrouillenflug Derzeit werden 39 Gattungen der Falkenlibellen unterschieden.Martin Schorr, Martin Lindeboom, Dennis Paulson: World Odonata List. Update vom 10. Februar 2010 () In Europa sind 11 Arten aus insgesamt 5 Gattungen heimisch, wobei die Arten der Smaragdlibellen (Somatochlora) mit 7 Arten überwiegen. Die verbleibenden 4 Gattungen sind mit nur je einer Art vertreten.Hansruedie Wildermuth: Die Falkenlibellen Europas. Neue Brehm-Bücherei Band 653, Westarp Wissenschaften Hohenwarsleben 2008; S. 14. ISBN 978-3-89432-896-2.
Aeschnosoma Selys, 1870 Antipodochlora Fraser, 1939 Apocordulia Watson, 1980 Archaeophya Fraser, 1959 Austrocordulia Tillyard, 1909 Austrophya Tillyard, 1909 Cordulephya Selys, 1870 Falkenlibellen (Cordulia) Falkenlibelle, Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) Cordulisantosia Fleck & Costa, 2007 Dorocordulia Needham, 1901 Zweiflecke (Epitheca) Zweifleck, Zweiflecklibelle (Epitheca bimaculata) Gomphomacromia Brauer, 1864 Guadalca Kimmins, 1957 Helocordulia Needham, 1901 Hemicordulia Selys, 1870 Hesperocordulia Tillyard, 1911 Heteronaias Needham & Gyger, 1937 Idionyx Hagen, 1867 Idomacromia Karsch, 1896 Lathrocordulia Tillyard, 1911 Lauromacromia Geijskes, 1970 Libellulosoma Martin, 1907 Flussherrscher (Macromia) Europäischer Flussherrscher (Macromia splendens) Metaphya Laidlaw, 1912 Micromidia Fraser, 1959 Navicordulia Machado & Costa, 1995 Neocordulia Selys, 1882 Neophya Selys, 1881 Nesocordulia McLachlan, 1882 Neurocordulia Selys, 1871 Flussfalken (Oxygastra) Gekielter Flussfalke (Oxygastra curtisii) Paracordulia Martin, 1906 Pentathemis Karsch, 1890 Procordulia Martin, 1907 Pseudocordulia Tillyard, 1909 Rialla Navás, 1915 Smaragdlibellen (Somatochlora) Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) Rhodopen-Smaragdlibelle (Somatochlora borisi) Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata) Balkan-Smaragdlibelle (Somatochlora meridionalis) Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) Polar-Smaragdlibelle (Somatochlora sahlbergi) Syncordulia Selys, 1882 Williamsonia Davis, 1913
Literatur Heiko Bellmann: Libellen beobachten – bestimmen. Naturbuch Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89440-107-9. Klaus Honomichl, Heiko Bellmann: Biologie und Ökologie der Insekten. CD-Rom. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-8274-0760-5. Gerhard Jurzitza: Der Kosmos-Libellenführer. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co., Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08402-7. Klaus Sternberg, Rainer Buchwald: Libellen Baden-Württembergs. Band 2: Großlibellen. Eugen Ulmer Verlag, 2000, ISBN 3-8001-3514-0. Hansruedi Wildermuth: Die Falkenlibellen Europas. Die Libellen Europas, Band 5. Die Neue Brehm-Bücherei 653. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008, ISBN 3-89432-896-7.
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