Der Shoshone National Forest ist einer der ältesten Nationalforste der Vereinigten Staaten und bedeckt eine Fläche von ungefähr 10.000 km² im Bundesstaat Wyoming. Als Verwaltungseinheit des Waldbesitzes der Bundesregierung dient der Nationalforst vorrangig der wirtschaftlichen Nutzung, die Forstwirtschaft, Weidenutzung und die Erschließung von Rohstoffen umfasst. Das Waldgebiet gehörte ursprünglich zum Yellowstone-Timberland-Reservat, das 1891 durch ein von Präsident Benjamin Harrison unterzeichnetes Gesetz eingerichtet wurde. Im Nationalforst befinden sich heute auch vier Wilderness Areas, die mehr als die Hälfte des Gebiets als Wildnis vor jedem menschlichen Eingriff schützen. Die einzigartige Vielfalt an Ökosystemen des Shoshone National Forest reicht von Wüsten-Beifuß-Ebenen über dichte Tannen- und Fichtenwälder bis zu zerklüfteten Berggipfeln.
Das Waldgebiet umfasst Teile der drei größeren Gebirgsketten Absaroka Range, Beartooth Mountains und Wind River Range. Die westliche Grenze wird vom Yellowstone-Nationalpark gebildet. Südlich von Yellowstone teilt die Kontinentale Wasserscheide den Forst vom westlich benachbarten Bridger-Teton National Forest. An der Ostgrenze liegen Privatgrundstücke, vom Bureau of Land Management verwaltetes Land und die Wind River Indian Reservation der Shoshone und Arapaho-Indianer. Die Grenze zum Norden bildet der Custer National Forest entlang der Grenze zu Montana. Südlich des Shoshone National Forest verläuft der Oregon Trail mit dem South Pass, den die Einwanderer im 19. Jahrhundert nutzten, um die schroffe Landschaft zu passieren. Der Nationalforst ist Teil des Größeren Yellowstone-Ökosystems, das als zusammenhängender Naturraum eine Fläche von schätzungsweise besitzt.
mini|300px|Shoshone National Forest, Lagekarte
Geographie Geologie mini|Gannett Peak ist der höchste Berg in Wyoming und im Nationalforst
Die Höhe des Nationalforsts reicht von bei Cody bis auf der Spitze des Gannett Peak, ein Höhenunterschied von über . Die drei im Nationalforst vorkommenden Hauptgebirgszüge unterscheiden sich geologisch voneinander. Alle Gebirgszüge sind Teil der Rocky Mountains und befinden sich im Übergang zwischen dem Zentral- und dem Nordteil der Rockies. Die Absaroka Mountains wurden nach den Absarokee-Indianern benannt, obwohl diese nur den äußersten Nordteil des Gebirgszuges besiedelt haben. Der Hauptteil der Absaroka Mountains befindet sich innerhalb des Nationalforstes, mit dem Francs Peak als höchsten Gipfel auf einer Höhe von . Der Gebirgszug erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung durch die nördlichen und östlichen Teile des Nationalforsts und überspannt von der Montana-Grenze bis nach Dubois eine Länge von 100 km.
Zu den wichtigen Gebirgspässen durch die Absarokas gehört der Sylvan Pass, der zum östlichen Eingang des Yellowstone-Nationalparks führt, und der Togwotee Pass, der Zugang zum Jackson Hole und zum Grand-Teton-Nationalpark bietet. Der Union Pass gehört zu den traditionellen indianischen Verkehrswegen der Region an der Westgrenze des Nationalforsts zum angrenzenden Bridger-Teton National Forest. Die Gipfel der Absaroka sind basaltischen Ursprungs und wurden als Folge von vulkanischen Aktivitäten gebildet, die vor rund fünfzig Millionen Jahren während des Eozäns stattfanden. Das Felsgestein ist relativ dunkel und besteht aus Rhyolith, Andesit und Brekzien. An Rohstoffen gibt es einige Vorkommen an porphyrischen Kupferlagerstätten, die auch Silber und etwas Gold bergen, aber nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung aufweisen. Aufgrund von erosionsbedingten Einflüssen durch Gletscher und Wasser und einer relativen Weichheit der Felsen haben die Absarokas eine ziemlich zerklüftete Erscheinung.
mini|links|Beartooth-See im Shoshone National Forest
Die Beartooth Mountains im nördlichsten Teil des Forstes wurden aus instrusiven Magmatiten und Metamorphiten gebildet. Mit einem Alter von 3,96 Milliarden Jahren gehören einige der präkambrischen Gesteine zu den ältesten auf der Erde. Obwohl das Gebirge oft als Teil der Absarokas angesehen wird, ist es vom Erscheinungsbild und der geologischen Geschichte her betrachtet verschieden. Die Beartooth Mountains erhoben sich vor ungefähr 70 Millionen Jahren während der Laramischen Gebirgsbildung und bestehen aus ausgedehnten, windanfälligen Hochebenen und schroffen Gipfeln mit teilweise dünnen Felsklippen. Die Felsen aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer sind reich an Mineralien wie Chrom und Platin. Im gesamten Gebirgszug kommen Eisen und Magnesium in Biotiten, Amphibolen und Pyroxenen vor. Verbreitet sind auch Quarz und Feldspat. Geologen vermuten, dass die höchsten Gipfel der Beartooth Mountains einmal hoch waren, aber in den darauffolgenden zehn bis hundert Millionen Jahren durch Erosion auf durchschnittlich abgetragen wurden.
Die Wind River Range befindet sich im südlichen Abschnitt des Nationalforsts und setzt sich primär aus Granitfelsen, Gneis und Glimmerschiefer zusammen. Der Gebirgszug besitzt acht Berge, die höher als sind, einschließlich des Gannett Peak, der als höchster Gipfel von Wyoming gilt. Lange Zeit vermutete man den hohen Fremont Peak als höchsten Berg der Rocky Mountains, der vom Oregon Trail aus gesehen eine gewisse Berühmtheit erlangte. Erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckte der US-Geologe Thomas Bannon, dass der etwas nordwestlich gelegene Gannett Peak deutlich höher war. Insgesamt reichen mehr als 230 Berge über die 3700-Meter-Marke. Der Gebirgszug ist bei Bergsteigern aus aller Welt auch wegen seiner massiven Felsen und seiner Routenvielfalt bekannt. Der Cirque of the Towers in der Popo Agie Wilderness ist eines der häufiger aufgesuchten Kletter- und Wanderziele, außerdem gibt es schätzungsweise 200 verschiedene Kletterrouten innerhalb der Gipfel rund um den Bergkessel.
Hydrographie mini|hochkant=1|Viele Quellflüsse, die im Nationalforst entspringen, münden in den Bighorn oder Yellowstone River.
Im Nationalforst existieren insgesamt 500 Bergseen und 4.000 km Fließgewässer. Mehr als die Hälfte der Seen befindet sich in der Beartooth-Region. Einige davon wurden von den schmelzenden Gletschern des letzten Eiszeitmaximums zurückgelassen, das als Pinedale-Kaltzeit bekannt ist und vor ungefähr 10.000 Jahren endete. In den Absarokas gibt es nur wenige Seen, jedoch findet man hier die Quellgebiete des Yellowstone oder Bighorn Rivers. Insbesondere die Quellflüsse des Shoshone und Greybull Rivers verlaufen quer durch das östliche Forstgebiet. Das Wasser einiger Bergseen in der Wind River Range speisen hingegen den Wind River, der südöstlich durch Dubois fließt und bei Riverton in den Bighorn River mündet.
Der Clarks Fork Yellowstone River ist auf 35 km Länge innerhalb des Waldes als National Wild and Scenic River gekennzeichnet und besitzt Klippen mit bis zu Höhe. Da sich der Forst auf den östlichen Hängen der kontinentalen Wasserscheide befindet, fließen die Gewässer in Richtung des atlantischen Beckens.
Glaziologie
Laut dem U.S. Forest Service besitzt der Shoshone National Forest in den Rocky Mountains die meisten Einzelgletscher unter den Nationalforsten. Der Reiseführer des Forstes listet 16 benannte und 140 unbenannte Gletscher innerhalb des Nationalforstes auf, die sich allesamt in der Wind River Range befinden. 44 dieser Gletscher liegen in der Fitzpatrick Wilderness und verteilen sich dort um die höchsten Berggipfel herum. Der Wasserverband von Wyoming listet hingegen nur 63 Gletscher für die gesamte Wind River Range auf, wobei auch Flächen außerhalb der Forstgrenzen mitgezählt werden.
Berücksichtigt man den Gletscherzuwachs während der Kleinen Eiszeit von 1350 bis 1850, sind die Gletscher seitdem weltweit um die Hälfte zurückgegangen. Ein Großteil des Rückgangs wurde gut durch Fotografien und andere Daten dokumentiert. Seit den 1970ern gibt es zudem eine Zunahme der Schmelzrate, die wahrscheinlich eng mit der globalen Erwärmung zusammenhängt.
mini|links|Gannett-Gletscher
Das Verhalten der Gletscher im Shoshone National Forest passt gut in dieses Muster. Nach den ersten fotografischen Aufnahmen in den späten 1890ern schrumpfte das von den Gletschern bedeckte Gebiet im darauffolgenden Jahrhundert merklich. Wissenschaftliche Forschungen zwischen 1950 und 1999 haben gezeigt, dass die Gletscher in dieser Zeit um ein Drittel zurückgegangen sind. Größter einzelner Gletscher in den Rocky Mountains innerhalb der USA ist der Gannett-Gletscher auf dem Nordosthang des Gannett Peak, der Berichten zufolge seit 1920 die Hälfte seines Volumens verloren hat. Von diesem Verlust trat ein Viertel seit 1980 ein. Zu den am häufigsten untersuchten Gletschern in der Wind River Range gehört der Fremont-Gletscher. Wissenschaftler haben Eisbohrkerne aus diesem Gletscher erforscht und in den letzten 500 Jahren Änderungen in der Atmosphäre festgestellt.
Im Vergleich zu den großen Eisdecken Grönlands und der Antarktis sind die kleinen Gletscher im Forst viel schlechter gegen die Schmelzprozesse geschützt. Sobald ein Gletscher anfängt abzuschmelzen, kann er in ein Ungleichgewicht geraten. Unabhängig von seiner Größe schafft er es nicht mehr, eine ausgeglichene Massenbilanz herzustellen, was ohne einen gegenläufigen Klimawechsel zu einem vollständigen Abschmelzen führt. Glaziologen sagen voraus, dass die übrigen Gletscher des Forstes bis 2020 verschwinden werden, falls der aktuelle Trend anhält. Der Rückgang reduziert schon jetzt den Sommerabfluss, der Flüsse und Seen mit zusätzlichem Wasser versorgt, und der für bestimmte Tier- und Pflanzenarten eine überlebenswichtige Kaltwasserquelle darstellt. Das Verschwinden der Gletscher wird auf das Ökosystem des Nationalforstes somit erhebliche längerfristige Auswirkungen haben.
Klima Wyoming gilt mit durchschnittlich 25 cm Niederschlag im Jahr als relativ trockener Bundesstaat. Doch liegt der Shoshone National Forest in einer der gebirgigsten Gegenden des Bundesstaates, wo selbst in trockenen Sommermonaten Gletscher und Schneeschmelze die Fließgewässer mit ausreichend Wasser versorgen. Die Durchschnittstemperatur in Tieflagen beträgt 22 °C während des Sommers und −7 °C im Winter. Auf höheren Gipfeln ist es das gesamte Jahr über durchschnittlich −7 °C kalt. Der Großteil des Niederschlags fällt im Winter und Anfang Frühling, während der Sommer durch äußerst windige Nachmittage und Abendgewitter unterbrochen wird. Der Herbst ist für gewöhnlich kühl und trocken. Aufgrund der Höhe und Trockenheit der Atmosphäre kommt es im Jahr durchweg zu starker Strahlungskühlung, bei der Temperaturunterschiede von 28 °C am Tag nicht ungewöhnlich sind. Folglich können die Nächte im Sommer recht kühl und im Winter extrem kalt werden.
Ökosystem
mini|Lage des Shoshone National Forest innerhalb des Größeren Yellowstone-Ökosystems
Der Shoshone National Forest bildet den östlichen Teil des Größeren Yellowstone-Ökosystems, das als letztes großes, beinahe intaktes Ökosystem in der nördlichen gemäßigten Zone der Erde gilt. In dem Ökosystem befinden sich fünf weitere Nationalforste, die sich zusammen mit dem National Elk Refuge rund um den Yellowstone- und Grand-Teton-Nationalpark verteilen. Das Ökosystem gilt vor allem als Rückzugsgebiet für den vom Aussterben bedrohten Grizzly. In den späten 1990ern begann ein erfolgreiches Programm zur Wiedereinführung von Wölfen, das zur Einwanderung des gefährdeten Grauwolfs führte.
Flora mini|links|Zitterpappel- und Küsten-Kiefer-Hain im Frühling