mini|Selbstbildnis von 1815. Real Academia de Bellas Artes de San Fernandozentriert|rahmenlos Francisco José de Goya y Lucientes (* 30. März 1746 in Fuendetodos bei Saragossa; † 16. April 1828 in Bordeaux) war ein spanischer Künstler. Sein Werk umfasst Tafel- und Wandmalerei, Zeichnung sowie druckgrafische Techniken wie Radierung, Aquatinta und Lithografie. Ab 1789 war er als Hofmaler (Pintor de Cámara) für den spanischen Königshof tätig. Franciso de Goyas künstlerische Entwicklung reicht von spätbarocken und rokokohaften Anfängen über den Neoklassizismus bis zu einer eigenständigen Bildsprache am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. Goyas Œuvre umfasst mehrere hundert Gemälde und Wandmalereien, zahlreiche Zeichnungen sowie mehrere hundert druckgrafische Blätter. Ein großer Teil davon gelangte in das Museo del Prado in Madrid, weitere Bestände sind in europäischen und nordamerikanischen Sammlungen zu finden. Aufgrund der hohen Nachfrage nach seinen Arbeiten kam es im 19. Jahrhundert zu zahlreichen Fehlzuschreibungen. mini|Selbstporträt Goyas aus seinen Los Caprichos (vor 1799)
Leben Francisco de Goya wurde als Sohn des Vergolders Braulio José Goya und der aus Saragossa stammenden Gracia Lucientes geboren. Er war eines von mehreren Kindern der Familie. Über seine frühe Schulbildung ist wenig gesichert, doch möglicherweise besuchte er eine Schule der Piaristen. Seine künstlerische Ausbildung begann er vermutlich in Saragossa in der Werkstatt des Malers José Luzán y Martínez. Im Jahr 1763 hielt er sich in Madrid auf und bewarb sich erfolglos um ein Stipendium der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando. Auch eine erneute Bewerbung im Jahr 1766 blieb erfolglos. In den Jahren 1770/71 reiste er auf eigene Kosten nach Italien. In Rom arbeitete er unabhängig von akademischen Institutionen und beschäftigte sich mit der Kunst der Renaissance und des Barock.
mini|Aníbal vencedor que por primera vez mira Italia desde los Alpes (1771). Prado, Madrid 1771 nahm er an einem Wettbewerb der Akademie von Parma teil. Für sein Gemälde Aníbal que por primera vez mira Italia desde los Alpes erhielt er eine Auszeichnung. Nach seiner Rückkehr nach Spanien arbeitete Goya zunächst in Saragossa, unter anderem an Fresken für die Kartause Aula Dei. 1775 wurde Goya nach Madrid berufen, um für die Real Fábrica de Tapices de Santa Bárbara Kartons für königliche Wandteppiche zu entwerfen. In mehreren Serien entstanden unter anderem Jagdszenen für El Escorial, Darstellungen von Volksfesten und Spielen am Manzanares für El Pardo sowie allegorische und genreartige Szenen. Zu den bekannten Blättern dieser Zeit zählen La nevada, El quitasol und La gallina ciega. 1780 wurde Goya als Mitglied in die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando aufgenommen; als Aufnahmewerk reichte er ein Cristo crucificado ein. Parallel zu seiner Arbeit an den Tapisserien etablierte sich Goya in den 1780er Jahren als Porträtmaler. Er schuf Bildnisse von Angehörigen des Hochadels, Politikern und Vertretern des aufgeklärten Bürgertums. Zu seinen Werken zählen Porträts des Infanten Don Luis de Borbón und seiner Familie, des Premierministers José Moñino, Conde de Floridablanca, sowie der Herzöge von Osuna.
1786 wurde Goya zum Hofmaler ernannt und 1789 zum Pintor de Cámara. 1795 übernahm er das Amt des Direktors der Malereiklasse der Akademie und wurde 1799 gemeinsam mit Mariano Salvador Maella zum ersten Hofmaler ernannt. Im Bereich der religiösen Kunst schuf Goya unter anderem Altarbilder für die Kirche San Francisco el Grande in Madrid wie San Bernardino de Siena predicando ante Alfonso V de Aragón sowie Werke für Kirchen und Klöster in Valladolid und Valencia. Im Jahr 1798 malte er im Auftrag Karls IV. die Fresken in der Madrider Ermita de San Antonio de la Florida, welche Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius von Padua zeigen. Eine schwere Erkrankung in den Jahren 1792/93, die zu seiner dauerhaften Taubheit führte, beeinflusste seine weitere Arbeit. In der Folge entstanden zahlreiche kleinformatige Gemälde auf Metall, die Goya selbst als Werke des capricho y invención bezeichnete. Darunter befinden sich Darstellungen von Irrenanstalten, Überfällen, Bränden, Schiffbrüchen und Gefängnisszenen. In den 1790er Jahren schuf Goya zahlreiche Porträts von Adligen, Künstlern, Intellektuellen und Stierkämpfern. Zu den bekanntesten zählen die Bildnisse der Herzogin von Alba, der Condesa de Chinchón, der Schauspielerin María del Rosario Fernández (La Tirana) sowie von Gaspar Melchor de Jovellanos und Leandro Fernández de Moratín. mini|La gallina ciega (Blinde Kuh Spiel, 1788) Im Jahr 1800 entstand das großformatige Gruppenporträt La familia de Carlos IV., das die königliche Familie in einem Innenraum zeigt. Auf dem Bild hat sich der Maler selbst im Hintergrund verewigt. Weitere Porträts aus dieser Zeit sind das Bildnis von Manuel Godoy, Príncipe de la Paz, sowie mehrere Reiterporträts des Königspaars. Zu Goyas bekanntesten Gemälden zählen La maja desnuda und La maja vestida, die vermutlich für Manuel Godoy entstanden sind. Beide Werke zeigen dieselbe unbekannte Frau liegend auf einem Kanapee, einmal nackt, einmal bekleidet. Die Identität des Modells ist nicht gesichert.
Neben der Malerei entwickelte Goya ein umfangreiches druckgrafisches Werk. Bereits seit den 1770er Jahren fertigte er Radierungen an, darunter Reproduktionen nach Gemälden von Diego Velázquez. Im Jahr 1799 veröffentlichte er die 80-teilige Folge Los Caprichos, die in den Techniken Radierung und Aquatinta ausgeführt ist. Die Serie behandelt gesellschaftliche, moralische und religiöse Themen in satirischer und allegorischer Form. Blatt Nr. 43 mit dem Titel El sueño de la razón produce monstruos (Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer) wurde zu einem der bekanntesten Motive seines grafischen Werks. Im Jahr 1803 nahm Goya die Serie aus dem Verkauf und übergab die Druckplatten der spanischen Krone. Die Ereignisse des Spanischen Unabhängigkeitskriegs (1808–1814) verarbeitete Goya in Zeichnungen, in der Radierfolge Los desastres de la guerra sowie in den 1814 entstandenen Gemälden Dos de Mayo und Tres de Mayo. In den Los desastres de la guerra werden Gewalttaten, Hunger und Repressionen ohne heroisierende Darstellung gezeigt. Nach der Rückkehr Ferdinands VII. im Jahr 1814 blieb Goya formal Hofmaler und lebte weiterhin in Madrid. In den folgenden Jahren entstanden die Radierfolgen La Tauromaquia und Los disparates (auch Los proverbios genannt), die erst posthum veröffentlicht wurden. mini|Vicente López Portaña: Porträt von Francisco de Goya (1828). Prado. Madrid Um 1819 erwarb er ein Landhaus am Manzanares, die Quinta del Sordo, deren Wände er mit Ölbildern ausmalte, die heute als Pinturas negras bekannt sind. Die zwischen 1819 und 1823 entstandenen vierzehn Wandbilder zeigen düstere Szenen und Figuren, darunter Saturno devorando a un hijo, Romería de San Isidro, Duelo a garrotazos und Perro semihundido. Die Werke wurden im 19. Jahrhundert von den Wänden abgenommen, auf Leinwand übertragen und gelangten überwiegend in den Besitz des Museo del Prado. Nach dem Ende des Trienio Liberal und dem Einmarsch französischer Truppen im Jahr 1823 verließ Goya Spanien. 1824 ließ er sich in Bordeaux nieder, wo er mit Leocadia Zorrilla und Familienangehörigen lebte. In dieser Zeit entstanden seine späten Zeichnungsalben sowie das Gemälde La lechera de Burdeos. Goya hielt sich 1826 und 1827 nochmals in Madrid auf, um seine Pensionierung zu regeln. Er starb am 16. April 1828 in Bordeaux. Ende des 19. Jahrhunderts wurden seine sterblichen Überreste nach Spanien überführt. Seit 1919 befindet sich sein Grab in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid unter der von ihm selbst ausgemalten Kuppel.
Goyas Briefe an seinen Jugendfreund Martín Zapater sind erhalten geblieben. Sie enthalten wertvolle Informationen zu Goyas Leben und Werk.
Werk Francisco de Goyas Werk umfasst die Bereiche Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Das malerische Werk von Francisco de Goya umfasst mehrere hundert Gemälde, die zwischen dem späten 18. und dem frühen 19. Jahrhundert entstanden. Es reicht von frühen religiösen und höfischen Auftragsarbeiten über Porträts des spanischen Hochadels bis hin zu großformatigen Historienbildern und den sogenannten Pinturas negras (Schwarze Gemälde). Goyas Gemälde befinden sich heute überwiegend in staatlichen Museen, insbesondere im Museo Nacional del Prado in Madrid, sowie in internationalen Museen und Privatsammlungen.
Zu den bekanntesten Gemälden Goyas zählen unter anderem folgende Werke:
Das Schirmchen (El quitasol), 1777 ; Entwurf für eine Wandteppichserie der königlichen Manufaktur Santa Bárbara, Madrid. Museo Nacional del Prado, Madrid. Karl IV. von Spanien und seine Familie, 1800–1801 ; Gruppenporträt der spanischen Königsfamilie. Museo Nacional del Prado, Madrid. Die nackte Maja (La maja desnuda), um 1797–1800 ; weiblicher Akt unbekannter Auftraggeberschaft. Museo Nacional del Prado, Madrid. Die bekleidete Maja (La maja vestida), um 1800–1805 ; vermutlich als Gegenstück zur Maja desnuda entstanden. Museo Nacional del Prado, Madrid. Der 2. Mai 1808 (La carga de los mamelucos – Der Angriff der Mamelucken), 1814 ; Darstellung der Ereignisse des Madrider Volksaufstands gegen napoleonische Truppen. Museo Nacional del Prado, Madrid. Der 3. Mai 1808 (El Tres de Mayo), 1814 ; Historiengemälde zur Repression nach dem Aufstand von 1808. Museo Nacional del Prado, Madrid. Saturn verschlingt seinen Sohn (Saturno devorando a su hijo), um 1819–1823 , Öl auf Putz, später auf Leinwand übertragen; Teil der Pinturas negras (Schwarzen Gemälde) aus der Quinta del Sordo. Museo Nacional del Prado, Madrid. Der Hexensabbat (El aquelarre), um 1797–1798 ; Darstellung eines Hexensabbats im Rahmen einer Bilderserie für die Herzöge von Osuna. Museo Nacional del Prado, Madrid. Die Schmiede (La fragua), um 1815–1820 ; Genreszene mit arbeitenden Schmieden. Museo Nacional del Prado, Madrid.
Pinturas negras Als Pinturas negras werden 14 Wandmalereien bezeichnet, die Francisco de Goya zwischen etwa 1819 und 1823 in der Quinta del Sordo ausführte. Die Quinta del Sordo war ein Landhaus am westlichen Stadtrand von Madrid, das Francisco de Goya 1819 erwarb. Das Gebäude lag am Ufer des Manzanares und trug seinen Namen bereits vor Goyas Erwerb. Goya bewohnte das Haus bis zu seiner Ausreise aus Spanien im Jahr 1824. Nach seiner Abreise ging das Anwesen in den Besitz seiner Familie über. Im späten 19. Jahrhundert wurden die Wandmalereien aus dem Gebäude entfernt. Das Haus selbst wurde später abgerissen. Goya ließ die Innenwände des Hauses mit großformatigen Wandmalereien versehen. Diese Gemälde waren nicht öffentlich zugänglich und offenbar nicht für einen Auftraggeber bestimmt.
Die Gemälde sind direkt auf den verputzten Innenwänden des Hauses entstanden. Sie wurden mit Ölfarbe ausgeführt. Eine zeitgenössische Dokumentation oder Titelvergabe durch Goya ist nicht überliefert; die heute gebräuchlichen Titel wurden später vergeben. Die Darstellungen zeigen unter anderem Einzelfiguren, Gruppen und allegorische Szenen. Häufig wiederkehrende Themen sind Alter, Gewalt, religiöse Rituale, Aberglaube und menschliche Abgründe. Zu den bekanntesten Motiven zählen Saturn verschlingt seinen Sohn, Der Hexensabbat und Zwei Alte beim Essen. Die Malereien zeichnen sich durch eine stark reduzierte Farbpalette aus, in der Schwarz-, Braun- und Ockertöne dominieren. Die Figuren sind meist grob modelliert, mit sichtbarem Pinselauftrag. Die Wandbilder wurden im 19. Jahrhundert auf Leinwand übertragen, was mit erheblichen Veränderungen der Oberfläche und der Farbwirkung verbunden war. Heute befinden sich die erhaltenen Werke im Museo del Prado.
Druckgrafiken Zu seinen graphischen Hauptwerken zählen die Serien Los Caprichos (1799), Los desastres de la guerra (ab 1810 entstanden, 1863 veröffentlicht) und La Tauromaquia (1816) sowie die späten Lithografien Toros de Burdeos (1825).