miniatur|Einfahrt zum gräflichen Park miniatur|Gästeservice-Center
Der Gräfliche Park Bad Driburg ist ein englischer Landschaftsgarten mit einer Größe von 64 Hektar in der ostwestfälischen Stadt Bad Driburg in Nordrhein-Westfalen.
Der eintrittspflichtige Park befindet sich im Privatbesitz der Familie Graf von Oeynhausen-Sierstorpff und ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Lage und Gestaltung einer der Ankergärten im Europäischen Gartennetzwerk.
Das staatlich anerkannte Heilbad Bad Driburg verdankt seine Bedeutung vor allem den seit 1593 bekannten kohlensäurehaltigen Heil- und Mineralquellen. Heute wird zusätzlich Mineral- und Thermalwasser aus sieben etwa 70 Meter tiefen Bohrungen in der Kernstadt sowie aus einer mehrere Hundert Meter tiefen Thermalbohrung gewonnen, die die Driburg Therme mit Wasser versorgt.
Bad, Park und Hotel bilden eine Einheit aus einem historisch gewachsenen Gebäudeensemble, heute unter dem Namen Gräflicher Park Health & Balance Resort.
Park mini|Brunnenhaus Der Gräfliche Park Bad Driburg verfügt über insgesamt fünf Kilometer Hecken, weitläufige gepflegte Rasenflächen und einzigartige Solitärbäume. Der Ursprung des seltenen Baumbestandes geht zum Teil bis in das 18. Jahrhundert zurück. International renommierte Landschaftsarchitekten haben im Gräflichen Park verschiedene Bereiche geschaffen und gestaltet. Die „Große Allee“ aus Kastanien, Linden und Eichen zwischen Stadt und Brunnen verläuft auf der Ost-West-Achse und verlängert sich zwischen den Logier- und Badehäusern zu einer Promenade.
Im Zentrum entstand von 1822 bis 1824 das „Brunnenhaus“ im neoklassizistischen Stil als Trink- und Wandelhalle über der Hauptquelle. Vor diesen Brunnenarkaden liegt als Esplanade der erweiterte „Brunnenplatz“. Auf diesen trifft südlich eine Allee als zentrale Zugangs- und Sichtachse, die von Fachwerkbauten auf Natursteinsockeln unter Mansarddächern in der Mode der Gründungszeit ab 1784 eingefasst wird. Die Grundstruktur des Zentrums bildet ein „T“. Dieses Zentrum ist auf der Südseite von weiten Rasenflächen mit Bäumen – solitär oder in der Gruppe angepflanzt – umgeben.
Für die Gestaltung des Parks wurde Ramona Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur im Jahr 2001 das „Goldene Lindenblatt“ verliehen. 2005 wurde der Gräfliche Park als Mitglied in das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen.
Der Eintritt in den Park ist von April bis Oktober kostenpflichtig.
Die Geschichte des Gräflichen Parks miniatur|Sauerbrunnen mit Allee in den Monumenta Paderbornensia von 1672 Den Grundstein für das Driburger Bad und den Gräflichen Park legte 1669 der Fürstbischof von Paderborn Ferdinand von Fürstenberg, indem er eine doppelreihige Lindenallee zum „Driburger Sauerbrunnen“, den Quellen des Heil- und Mineralwassers, anlegte.Wilfried Hansmann: Kunsthistorischer Wanderführer Westfalen. Chr. Belser Verlag, Stuttgart / Zürich 1966, Sonderausgabe, Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching, ISBN 3-88199-138-7, S. 422. Eine Ledertapete im nahe gelegenen Schloss Vinsebeck zeigt den Transport des in Flaschen abgefüllten Mineralwassers um das Jahr 1720, das bereits nach „London, Copenhagen, Stockholm, Danzig, Amsterdam, Hamburg, Hannover, Cassel und andere vornehme Stätte in großen Mengen verführet“ wurde.Rolf Bothe: Bad Driburg In: Das Gräfliche Kurbad Driburg 1998, S. 38. Bis auf einen polygonalen Brunnenpavillon und einige Wiesen, die neben der Viehwirtschaft dazu dienten, dass „die Brunnengäste ihren Vorgang darauf haben möchten“, gab es bis zum Jahr 1782 keine weiteren Anlagen.
Das erste Badehaus in Driburg wurde 1777 errichtet.Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. 5. Band, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Mannheim 1988, ISBN 3-7653-1105-7, S. 680. Der braunschweigische Oberjägermeister Kaspar Heinrich von Sierstorpff hatte das Gelände auf einer Reise 1779 das erste Mal gesehen und kaufte es schließlich im Jahr 1781. In zähen Verhandlungen mit den Driburger Bauern und der Stadt erwarb Sierstorpff „jedes Stück Land und Wiese, was irgendwie nahe lag“.Rolf Bothe: Bad Driburg In: Das Gräfliche Kurbad Driburg 1998, S. 39. Er ließ das sumpfige Gelände entwässern, Wege anlegen und die im Siebenjährigen Krieg abgeholzte Lindenallee neu pflanzen, was jedoch gegen den Widerstand der Driburger Bürger durchgesetzt werden musste. Inspiriert von Landschaftsgärten wie Richmond bei Braunschweig, Kew in Großbritannien und Wörlitz entwarf von Sierstorpff einen englischen Park mit geschlungenen Wegen und Bächen, in deren Verlauf die künstlich angelegte Parklandschaft unmerklich mit der Natur verschmelzen konnte. Bereits 1791 sprach das viel gelesene Journal des Luxus und der Moden von Driburg als „Ort der Ruhe und des ländlichen Vergnügens“.Rolf Bothe: Bad Driburg In: Das Gräfliche Kurbad Driburg 1998, S. 43.
mini|Denkmal für Graf Caspar Heinrich von Sierstorpff
Caspar Heinrich sorgte neben Sitzgelegenheiten für die Flaneure und Unterkünften in Form schlichter Fachwerkhäuser für die Badegäste auch für eine „Gesellschaft sehr guter böhmischer Musiker“, die im Sommer Konzerte gaben.Klaus von Krosigk: Der Kurpark von Bad Driburg In: Das Gräfliche Kurbad Driburg 1998, S. 83. Zwischen 1783 und 1786 errichtete der Oberjägermeister das Logierhaus (jetzt Sierstorpff-Haus) und das Armenhaus (das jetzige Verwaltungsgebäude). 1793/94 begann der Bau eines zweiten Bad- und Logierhauses (jetzt Hölderlin-Haus), dem sich 1803 das Wohnhaus Sierstorpffs anschloss. Dieses „Gräfliche Haus“ bewohnen die Nachfahren Caspar Heinrichs bis heute. Die Verwendung des eher ländlich geprägten Fachwerks erfolgte unter anderem zur Kostenersparnis, da das Unternehmen des noch unerfahrenen Bauherrn ungewissen Ausgangs war. Um wenigstens die Bade- und Logierhäuser architektonisch zeitgemäß zu gestalten, erhielten die Bauten Mansarddächer. Schon kurz darauf bereute Sierstorpff „die zu verfluchenden Mansarde-Dächer, die immer durchregnen“, zu denen er aber nun durch eine „unseelige Mode“ verleitet worden sei.Rolf Bothe: Bad Driburg In: Das Gräfliche Kurbad Driburg 1998, S. 40. Für sein eigenes Wohnhaus kam wieder das Satteldach zur Geltung.
Die Napoleonischen Kriege bewirkten eine erste Zäsur in der Entwicklung des Bades, nach 1815 kam ein wirtschaftlicher Aufschwung. Driburg war inzwischen preußisch geworden, und Sierstorpff – dem es gelang, von Preußen finanzielle Unterstützung beim Ausbau der Kuranlagen zu erhalten – schrieb 1820 an Kanzler Graf Hardenberg, die Besucherzahl des Bades habe in der Art zugenommen, dass viele Gäste abgewiesen werden müssten. Zu dieser Zeit wurde ein weiteres großes Logierhaus, das jetzige Vincke-Haus, gebaut. Waren bis dahin alle Bauten von unbedeutenden Baumeistern der Umgebung errichtet worden, so ließ der inzwischen in den Grafenstand erhobene Sierstorpff die Pläne zur neuen Wandelhalle, der Krönung der gesamten Anlage, vom renommierten Architekten Peter Joseph Krahe anfertigen.
1853 erhielt das östliche Westfalen eine Bahnlinie, welche die Badegäste schneller und komfortabler nach Driburg kommen ließ. Seit dem Jahr 1864 allerdings zerschnitt eine neue Linie die Driburger Allee in zwei Teile. Eine weitere Neuerung gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Lawn-Tennisplätze, die neben dem Kaffeehaus angelegt wurden. Die angrenzenden Areale wurden weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Der kaiserzeitliche Teil des Parks verfügte nun über eine weitere neu angelegte Attraktion, den geschwungenen Teich. Ab 1923 wurden unter Graf Rabe von Oeynhausen-Sierstorpff die alten Parkteile und Tennisplätze zu Gunsten der heute noch bestehenden Konzertmuschel aufgegeben und die Lindenallee weiter verkürzt. Als Erweiterungen des Parks entstanden 1932 im Nordwesten in der Größe von 3000 m² der „Rosengarten“ mit Tausenden von Rosen, Monopteros und Friedrich-Wilhelm-Weber-Denkmal. Auch Gräfin Ramona von Oeynhausen-Sierstorpff schuf weitere interessante Punkte im Park, wie zum Beispiel die Gartenkapelle am Ententeich, die Gartenbrücken und wechselnde Blumenbepflanzungen.
Themengärten Der Gräfliche Park in Bad Driburg verfügt über folgende Themengärten und Besichtigungsstationen: den 3000 m² großen Rosengarten mit Monopteros und Friedrich-Wilhelm-Weber-Denkmal (1932 entstanden) die Lilienwiese nach dem Entwurf des französischen Landschaftsarchitekten Gilles Clément die Kleine Gartenkapelle und die Pfauenbrücke am Ententeich den Heckengarten aus Hainbuchen mit Yin-und-Yang-Wasserspiel der englischen Bildhauerin Angela Conner den Hölderlin-Hain und die Diotima-Insel den 8 Hektar großen Wildpark mit Damwild mit Ha-Ha-Graben und Steinhaufen den Ententeich mit großer Wasserfontäne das abseits auf dem Rosenberg gelegene Mausoleum der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff den Stauden- und Gräsergarten des holländischen Landschaftsarchitekten Piet Oudolf den Irrgarten
Wildpark mini|Gräflicher Wildpark miniatur|Piet-Oudolf-Garten mini|Mausoleum und Familienfriedhof der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff miniatur|Brunnenarkaden Am nordöstlichen Rand des Gräflichen Parks liegt das acht Hektar große Wildgehege, in dem Damwild lebt, die – nur durch den Ha-Ha-Graben getrennt – beobachtet und gefüttert werden können. Als Besonderheit führt ein Weg durch das Wildgehege. So ist es möglich das Wild ohne Zaun aus beliebiger Nähe zu beobachten.
Piet-Oudolf-Garten 2009 legte der international bekannte niederländische Gartenkünstler Piet Oudolf im südwestlichen Teil des Gräflichen Parks einen Stauden- und Gräsergarten im historischen Landschaftsgarten an. 16.000 aufeinander abgestimmte Pflanzen wurden auf 6.000 Quadratmetern gesetzt. In die Mitte der Beete fügte Piet Oudolf kleine begehbare Grashügel ein, von denen aus der Betrachter unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven auf die Pflanzen und Gräser einnehmen kann. Zusätzlich wurden – wegen des hohen Grundwasserspiegels – zwei Auffangbecken gebaut.
Diotima-Insel Auf einer kleinen Insel im Ententeich des Gräflichen Parks steht eine Statue der vom Dichter Friedrich Hölderlin als „Diotima“ verehrten Susette Gontard. Diese liegt genau auf der Blickachse zum „Hölderlin-Hain“. Die Statue symbolisiert die unerfüllte Liebe zwischen dem Dichter und der Bankiersgattin im 18. Jahrhundert, die 1796 mehrere glückliche Wochen zusammen im Gräflichen Park in Bad Driburg verbrachten.
Mausoleum mit Obelisk auf dem Rosenberg Auf dem Rosenberg befindet sich die von einem Obelisken gekrönte Grabstelle des Badgründers Caspar Heinrich Graf von Sierstorpff (1750–1842). Später wurde das Mausoleum mit der Grabkapelle und dem Familienfriedhof der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff ergänzt. Der Rosenberg, dessen erste Anlagen in das späte 18. Jahrhundert zurückreichen, war und ist ein landschaftlich attraktives Wanderziel, auf den teils gerade, teils geschwungene Wege führen und dessen Spitze den Blick auf das Tal von Alhausen freigibt. Außerdem befand sich am Rande des Rosenberges ein großer Eiskeller.
Die Brunnenarkaden Die Brunnenarkaden wurden 1822 nach den Entwürfen des Architekten Peter Joseph Krahe und mit Hilfe von Zuschüssen des preußischen Staates erbaut. Die Halle mit einer Länge von 70 Metern wurde an der Fassade mit Sandstein verkleidet, darunter ist Fachwerk verwandt worden, das auf der zum Park hin gerichteten Seite des Gebäudes noch immer sichtbar ist. Heute werden hier die Trinkkuren gereicht und klassische Konzerte angeboten.
Hotel Gräflicher Park Health & Balance Resort Das Hotel Gräflicher Park Health & Balance Resort war ursprünglich als Kurhotel erbaut worden. Im Jahr 2007 erfolgte der Ausbau zu einem Wellnessresort- und Tagungshotel. Sechs verschiedene Logierhäuser verfügen über 135 individuell eingerichtete Hotelzimmer und Suiten, ein 1.500 m² großen Spa mit ganzjährig geöffnetem 25 m Außenpool, Saunen und Dampfbäder.