mini|Wappendarstellung der Reichsministerialien von Praunheim, die Streubesitz in und um den Ort hatten und u. a. die Klettenburg und die Burg Philippseck erbauen ließen. Praunheim ist seit dem 1. April 1910 ein Stadtteil von Frankfurt am Main in Hessen. Die Einwohnerzahl beträgt .

Geografische Lage Praunheim liegt im Nordwesten von Frankfurt am Main auf etwa , 6 km nordwestlich der Frankfurter Innenstadt. Sein höchster Punkt befindet sich mit 128 m Höhe am Steinbach an der Bundesautobahn 5 und der niedrigste Punkt mit 99 m Höhe an der „Rohrbrücke“ über die Nidda. Es liegt am Nordufer der Nidda am Wanderweg des Frankfurter Grüngürtels und am Niddapark (Volkspark Niddatal). Die Kirche steht zentral im alten Dorfkern. Praunheim grenzt (von Nord nach Süd) an Niederursel, Heddernheim, Ginnheim, Hausen, Westhausen und Rödelheim.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Das Gebiet um Praunheim ist seit der Jungsteinzeit (etwa 6000 Jahren) besiedelt. Grundlage hierfür bildete der für landwirtschaftliche Erträge günstige Lößboden des Ebelfeldes. Es wurden hier zahlreiche archäologische Befunde gesichert.

Zwischen Heddernheim und Praunheim fanden sich die Reste von mindestens zehn frührömischen Militärlagern, die einen strategischen Schwerpunkt für die Eroberung der Wetterau bildeten. Eine römische Militärstraße führte einerseits in die Wetterau und andererseits Richtung Mainz. Die römische Stadt Nida lag an der Grenze Praunheims. Diese archäologische Stätte wurde anlässlich des Baus der Römerstadt (1927–1929) und der Nordweststadt (1961–1973) zerstört.

Mittelalter mini|Wappen derer von Praunheim am Epitaph Rudolfs von Sachsenhausen|alternativtext=|240x240px

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 804 unter dem Namen Praunheim (Brumheim) als im Niddagau gelegen. Im Hochmittelalter zählte Praunheim zum Gericht und späteren Amt Bornheimerberg. Praunheim war damit Königsgut. Im Bereich der Kirche lag in der Nähe der Nidda ein vermutlich wasserumwehrter Königshof. Die Klettenburg und (seit 1676) die Augustusburg lagen in Richtung Niederursel in dem damals sumpfigen Steinbachtal. Der örtliche Adel, die Herren von Praunheim, waren eine der führenden Familien in der Wetterau und stellten im 12. und 13. Jahrhundert eine Reihe von Schultheißen der Reichsstadt Frankfurt am Main.

Im Jahr 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg an Ulrich II. von Hanau, so dass Praunheim zur Hälfte zunächst zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte. Die andere Hälfte gehörte den Grafen von Solms. Aus diesem doppelten Anspruch wuchs ein Kondominat. Der Hanauer Teil an Praunheim war als Lehen zunächst an die Herren von Praunheim vergeben. Diese Familie spielte eine erhebliche Rolle in der Stadtgeschichte Frankfurts. So ist zum Beispiel der Ritter Wolfram I. von Praunheim der erste bekannte Schultheiß der Stadt Frankfurt am Main.

Eine weitere Burg, die Alte Burg, lag inmitten von Praunheim.

Im Jahre 1132 erwarb der Mainzer Erzbischof das Investiturrecht der Praunheimer Kirche.

Zum Kirchspiel Praunheim gehörten ursprünglich Ginnheim, Rödelheim (bis 1464), Hausen (bis 1772), Heddernheim (bis 1821) und Niederursel. Seit 1336 war das Leonhardstift in Frankfurt Patronatsherr, aber auch die Erzbischöfe von Mainz erhoben darauf Anspruch. Nach dem Ende des alten Reiches besaß die Stadt Frankfurt bis 1906 das Patronatsrecht. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn.

Bis zur Eingemeindung zur Stadt Frankfurt besaß Praunheim gemeindeeigenen Wald am Sandplacken (dessen Fläche etwa 99 ha beträgt mit der höchsten Erhebung von 684 m NN. auf dem Kolbenberg). Das Waldstück wird durch den Grenzsteinlehrpfad umschlossen.Bilder zur Praunheimer Geschichte 1988.

Historische Namensformen

Brumheim (804) Brunniheim (1063) Prumheim (1132) Phrumheim (1211) Prumheim (1247) Prhumheim (1276) Brumheim (1323) Promheim (1374) Brunheim (1477)

Neuzeit Graf Friedrich Magnus von Solms und Graf Philipp III. von Hanau-Münzenberg führten 1545 die Reformation nach lutherischer Lehre in Praunheim ein. Der Solmser Anteil von Praunheim gehörte zur Grafschaft Solms-Rödelheim, Amt Rödelheim.

1770 wurde ein Grenzstein neu gesetzt, nachdem es zu Streitigkeiten um einen Grenzverlauf gekommen war. Die Ginnheimer beanspruchten den Graben im Woog für sich, da er regelmäßig zur Fischwaid verpachtet wurde.Franz Lerner, Frankfurter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft) (Hrsg.): Ginnheim. Von der Vorzeit bis zur Gegenwart, Frankfurt 1983, S. 75ff.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. erbten dessen Anteil an Praunheim zusammen mit der Grafschaft Hanau-Münzenberg die Landgrafen von Hessen-Kassel. Aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde 1803 das Kurfürstentum Hessen. Durch den Reichsdeputationshauptschluss fiel der Solms-Rödelheimer Anteil von Praunheim an das Großherzogtum Hessen. Vorübergehend gehörte Praunheim in napoleonischer Zeit zunächst 1806 bis 1810 zum Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Bornheimerberg, dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, bevor es wieder zu einem Kondominat zwischen dem Kurfürstentum und dem Großherzogtum Hessen wurde. Diese Gemengelage wurde 1816 bereinigt, als das Großherzogtum seine Hälfte Praunheims an das Kurfürstentum abtrat. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, in deren Rahmen Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Praunheim zum Landkreis Hanau. Das Kurfürstentum unterlag als Verbündeter Österreichs 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg dem Königreich Preußen. Dieses annektierte daraufhin Kurhessen und damit auch Praunheim. Ab 1866 gehörte Praunheim nun zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau, dem Regierungsbezirk Kassel und dem Landkreis Hanau, ab 1886 dem Landkreis Frankfurt. Zum 1. April 1910 wurde Praunheim in die Stadt Frankfurt eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

1609: 293 Einwohner, davon 127 Erwachsene 1612: 74 Steuernde 1753: 113 Haushaltungen 1834: 595 Einwohner 1840: 629 Einwohner 1895: 1.055 Einwohner 1910: 1.413 Einwohner 1956: 12.456 Einwohner 1985: 15.398 Einwohner 2018: 16.492 Einwohner

Politik Für die Kommunalwahlen in Praunheim sind maßgeblich die Ortsbezirke 7 und 8 (Ortsbezirk 7 Frankfurt-Mitte-West: Rödelheim, Praunheim, Hausen und Ortsbezirk 8 Frankfurt-Nord-West: Niederursel, Heddernheim, Praunheim-Nord).

Bebauung Siedlung Praunheim

Zur Milderung der dramatischen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg ließ der von Oberbürgermeister Ludwig Landmann berufene Hochbaudezernent Ernst May in Praunheim eine Trabantenstadt errichten, die westlich des alten Ortskernes zwischen Heerstraße und der Nidda liegt. In der Siedlung Praunheim wurden in wenigen Jahren (1926–1929) knapp 1500 Wohnungen im Bauhausstil errichtet. Die Siedlung Praunheim gilt als Prototyp des sozialen Wohnungsbaues in Frankfurt und weit darüber hinaus, obwohl es sich hierbei nicht um Mietwohnungsbau durch eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, wie in fast allen Siedlungen der Zwanziger Jahre deutschlandweit üblich, sondern um eine Reichsheimstättensiedlung, die direkt durch die Stadt Frankfurt errichtet wurde und deren Wohnbauten nach Fertigstellung mit den auf der Heimstätte liegenden sozialen Bindungen verkauft wurden. Bekannt wurde auch die erstmals in der Siedlung Praunheim eingebaute Frankfurter Küche, eine von der bis dahin üblichen Wohnküche radikal abweichende architektonische Gestaltung, nach der die Küche nur noch ein kleiner rein funktionaler Raum (Laborküche) war. Stattdessen wurde die Wohnung mit einem Wohnzimmer als Familientreffpunkt ausgestattet, ein in Arbeiterkreisen bislang ungewohnter Raum.

Die Bewohner der Siedlung Praunheim bildeten auf einer ersten Versammlung am 30. Juni 1927 den noch heute bestehenden „Siedlerverein der Siedlung Frankfurt am Main – Praunheim“, der die Interessen der seit 1993 von der Reichsheimstättenbindung befreiten Eigentümer vertritt.

Siedlung Westhausen

Künstlerkolonie 1967 1964 stellte der Frankfurter Planungsdezernent Hans Kampffmeyer in Praunheim zehn Grundstücke zur Bebauung mit modernen Häusern für Künstler zur Verfügung. Die Häuser entstanden in der Straße An den Pflanzländern 2-22 im Zusammenhang mit der für 1969 vorgesehenen aber aus finanziellen Gründen nicht stattgefundenen Bundesgartenschau.Astrid Kumpfe: Die Frankfurter Künstlerkolonie: In Frankfurt am Main Wohnen 1967. 29. September 2012 auf der Website von L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, auchAstrid Kumpfe: In Frankfurt am Main wohnen 1967: Frankfurter Künstlerkolonie e. V. (1959). Henrich Editionen, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-921606-96-4.

mini|Heinrich-Lübke-Siedlung Heinrich-Lübke-Siedlung und Baumaßnahmen Heerstraße In der in den 1970er Jahren in Praunheim errichteten Heinrich-Lübke-Siedlung gibt es ca. 600 Wohnungen für ca. 2.000 Bewohner in drei- bis achtstöckigen Wohngebäuden. Die mehrjährigen umfassenden Sanierungs- und Neubaumaßnahmen durch die städtische ABG Frankfurt Holding wurden im Jahre 2016 größtenteils fertiggestellt.

Im Bereich der Heerstraße findet eine permanente Weiterentwicklung und Ausdehnung des Stadtteils statt. Sowohl in Form von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen von Wohnhäusern (teilweise öffentlich gefördert) als auch im Rahmen des umfangreichen Ausbaus des Gewerbegebietes Nördliche Heerstraße.

Wirtschaft mini|Ehemalige Produktionsstätte der Firma Hartmann & Braun AG, jetzt Karl-Klee-Weg, Wohnpark Praunheim Praunheim ist ein teilweise noch landwirtschaftlich geprägter Stadtteil mit unterdurchschnittlicher Arbeitslosenquote. Es sind zahlreiche Einzelhändler und große Unternehmen ansässig.

Wichtige Arbeitgeber in der Region sind u. a. die Mercedes-Benz AG und die ABB Ltd an der Heerstraße bzw. Stierstädter Straße. Ebenfalls an der Heerstraße befanden sich einst die Produktionsstätten des historisch größten Arbeitgebers Praunheims, der Firma Hartmann & Braun, die während des Zweiten Weltkrieges dorthin verlagert wurden. Hartmann & Braun war in den Jahren 1941 und 1942 ein kriegswichtiger Betrieb. Das neue Werk Praunheim hatte zeitweise rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Umsiedelung des Unternehmens im Jahre 1997 erfolgte der Abbruch der Gebäude und eine Neubebauung mit Reihenhäusern.

Soziale Einrichtungen und Kliniken

Nordwestkrankenhaus mini|Nordwestkrankenhaus Auf einer Anhöhe liegt das im Jahre 1960 gegründete und später modernisierte und erweiterte Krankenhaus Nordwest im Steinbacher Hohl 2–26, welches mit zahlreichen Fachrichtungen überregional frequentiert wird.

Praunheimer Werkstätten mini|Praunheimer Werkstätten – ehem. Produktionswerkstatt In Praunheim hat sich eine weit über die regionalen Grenzen bekannte Behindertenwerkstatt zur Förderung behinderter Menschen etabliert, die unter dem Namen Praunheimer Werkstätten gGmbH (pw) handgefertigte Produkte vertreibt. Neben traditionellem Holzspielzeug werden auch Möbel und Dienstleistungen angeboten. Die Produktionswerkstatt befand sich früher in der Graebestraße an der Praunheimer Brücke. Nach Fertigstellung eines modernen Neubaus in der Christa-Maar-Straße fand der Umzug im Jahre 2016 statt. Außerdem gibt es eine Wohneinrichtung für behinderte Menschen in den historischen Gebäuden der Praunheimer Mühle. Die ehemaligen Werkstattgebäude der Praunheimer Werkstätten in der Graebestraße werden seit 2016 für einen begrenzten Zeitraum als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Altenpflegeheim Alt-Praunheim In Alt-Praunheim 48 befindet sich das Alten- und Pflegeheim Praunheim des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe e. V.

Kirchen