rahmenlos|105pxrahmenlos|105px rahmenlos|105pxrahmenlos|105px rahmenlos|105pxrahmenlos|105px Die Negro Leagues waren verschiedene US-amerikanische Profibaseballligen, deren Teams ausschließlich aus Schwarzen, meist afroamerikanischen Spielern bestanden, und die nicht Teil der Major Leagues waren.Hogan, Lawrence D.: Shades of Glory: The Negro Leagues & the Story of African-American Baseball New York (2007), ISBN 1-4262-0033-1. Die Gründung eigener Ligen wurde durch die in den Vereinigten Staaten festgeschriebene Rassentrennung (Racial Segregation) notwendig, die eine Trennung von Schwarzen und Nicht-Schwarzen an öffentlichen Orten festschrieb.
Das erste nur aus Afroamerikanern bestehende Profi-Team wurde 1885 in Babylon im US-Bundesstaat New York als Cuban Giants gegründet.Heaphy, Leslie A.: The Negro Leagues 1869–1960 Jefferson (North Carolina) 2003, ISBN 0-7864-1380-8. Die erste Negro League der Geschichte war die National Colored Base Ball League, die sich 1887 formierte. Sie umfasste acht Mannschaften, wurde aber mangels Zuschauerinteresse bereits nach zwei Wochen wieder aufgelöst. Ab 1920 etablierten sich sieben mehr oder weniger erfolgreiche und langlebige Ligen, auf die der Begriff Negro Leagues im engeren Sinne verweist. Im weiteren Sinne definieren sich Negro Leagues als sämtliche professionelle Wettbewerbe, egal ob in einer Liga organisiert oder von unabhängigen Teams in einzelnen Partien ausgetragen.
Das langlebigste Franchise in den Negro Leagues waren die Kansas City Monarchs, die von 1920 bis 1965 insgesamt 45 Spielzeiten bestritten, davon elf Jahre in der Negro National League, 34 in der Negro American League und neun Jahre als ligaunabhängiges Team.Peterson, S. 34ff Die letzte dieser Ligen wurde um 1960 aufgelöst, nachdem der Spieler Jackie Robinson die sogenannte „Color Line“ durchbrach, indem er als erster schwarzer Spieler von einem MLB-Team unter Vertrag genommen wurde: Tragende Figur dieses historischen Moments war Manager Branch Rickey von den Brooklyn Dodgers, der in Folge seines Engagements für die friedliche Integration den Spitznamen „The Mahatma“ bekam.
Hintergrund mini|Abraham Lincoln und sein Kabinett bei der Unterzeichnung der Proklamation zur Sklavenbefreiung Die historisch gewachsene Rassentrennung in den Vereinigten Staaten, die von 1896 bis 1954 in den Südstaaten durch den Grundsatz separate but equal gesetzlich fundamentiert war, ist die direkte Folge der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Diese Massenversklavung der Afrikaner begann bereits im 16. Jahrhundert mit der Europäischen Kolonisierung Amerikas., abgerufen am 16. Oktober 2014 Mit Ende des Sezessionskrieges im Jahre 1865 trat der 13. Zusatzartikel zur Verfassung in Kraft, welcher die Sklaverei auf dem gesamten Gebiet der USA abschaffte. 1868 wurden den Afroamerikanern schließlich die Bürgerrechte durch den 14. Zusatzartikel zur Verfassung zugesprochen.
Von diesem Zeitpunkt an, also seit Ende der Sklaverei, spricht man von Rassentrennung, die mit sich brachte, dass getrennte Einrichtungen für Weiße und Schwarze in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorhanden waren. Dies galt auch für sportliche Betätigung und hier speziell auch im professionellen Sport. Obwohl das Wort Rassentrennung gleichberechtigte Teile einer Bevölkerung suggeriert, ist der Begriff als Euphemismus zu verstehen, da die weiße Bevölkerung über deutlich mehr Privilegien verfügte als die Schwarzen.Von der Sklaverei in die Freiheit: Die Geschichte der Rassentrennung in den USA, Podcast von Bayern 2 Radiowissen vom 4. April 2008, im Archiv der Universität Heidelberg.
19 Jahre nach dem historischen Moment des Zuspruchs der Bürgerrechte für die Schwarzen wurde von dieser Bevölkerungsgruppe erstmals eine professionelle Baseballliga, die National Colored Base Ball League gegründet.Black Famous Baseball Firsts auf baseball-almanac.com (englisch) Abgerufen am 19. Februar 2011.
Geschichte mini|Octavius Catto, Bürgerrechtler und Baseballpionier in Philadelphia im 19. Jahrhundert Vor der Gründung des ersten professionellen Teams 1885 organisierten sich die schwarzen Spieler zunächst nur in Amateurteams. Das erste Spiel dieser Teams soll 1860 im Elysian Field in Hoboken (New Jersey) stattgefunden haben,Peterson, S. 16–20 was allerdings nicht eindeutig belegt werden kann. Das Elysian Field gilt zudem als Geburtsstätte des Baseballs, da dort angeblich 1846 das erste Spiel überhaupt stattgefunden haben soll.O’Reilly, Charles, mysite.verizon.net: , abgerufen am 16. Oktober 2014
Während der Zeit der Reconstruction Mitte der 1860er Jahre formierte sich eine breite Masse der schwarzen Bevölkerung im Osten und Mittelwesten der Vereinigten Staaten in amateurhaft organisierten Baseballclubs. Viele dieser Teams, wie zum Beispiel die Chicago Uniques oder die Philadelphia Excelsiors, wurden von schwarzen Offizieren geführt und bestanden zu großen Teilen aus ehemaligen Soldaten des Bürgerkriegs.Peterson, S. 34–36 Zum Ende des Jahrzehnts war Philadelphia das Zentrum des schwarzen Baseballsports. Zu dieser Zeit lebten mehr als 22.000 Schwarze in der Großstadt und es gab mehr als ein Dutzend organisierte Teams.Peterson, S. 53ff
Tragende Figur der Bürgerrechtsbewegung in Philadelphia zu dieser Zeit war der Lehrer und Intellektuelle Octavius Catto. Catto, 1839 als Sohn eines Sklaven in Charleston (South Carolina) geboren, startete seine sportliche Karriere während der Schulzeit im Cricket. Später schloss er sich dem ebenfalls von ehemaligen Cricketspielern gegründeten Baseballclub Pythian Base Ball Club an, dessen Sprecher er später wurde. Gemeinsam mit anderen Spielern startete er den Versuch, sich der National Association of Base Ball Players anzuschließen, der ersten vollorganisierten Spielergemeinschaft der USA. Die Organisation entschied 1867, alle Teams auszuschließen, in denen auch nur ein schwarzer Spieler aktiv war.Riley, James A.: The Biographical Encyclopedia of the Negro Baseball Leagues 1994, ISBN 0-7867-0959-6
Das erste Profiteam Das erste Team der Geschichte, das nur aus schwarzen Spielern bestand, waren die 1885 gegründeten Cuban Giants. Wie die Mannschaft genau entstand, ist unklar, da seit jeher zwei leicht unterschiedliche Geschichten über die Formierung der Giants kursieren. Die populärere, weil spektakulärere Version der Entstehungsgeschichte rankt sich um Frank P. Thompson, den Oberkellner des Argyle Hotel in der New Yorker Kleinstadt Babylon auf Long Island. Dieser soll mit anderen Kellnern eine Baseballmannschaft gegründet haben, die schon bald bei den Hotelgästen als große Attraktion angesehen wurde und so bei ihren Spielen immer mehr Zuschauer anzog.Ribowsky: A complete History…, S. 21–23
Die zweite, offenbar historisch korrekte Version der Entstehungsgeschichte besagt, dass Thompson das Team zwar im Argyle Hotel gründete, der Kader aber mitnichten aus anderen Angestellten des Hotels bestand. Vielmehr waren fast alle Teammitglieder zuvor bei Amateurbaseballmannschaften aktiv und wurden von Thompson von dort aus mit dem Versprechen einer Bezahlung abgeworben. Thompson persönlich bestätigte dieses Vorgehen in einem Zeitungsinterview, das er 1887 gab. Obwohl das Team bis 1899 unter dem Namen Cuban Giants aktiv war, kam keiner der Aktiven aus Kuba. Laut einer Aussage des damaligen Spielers Sol White wurde die Bezeichnung vielmehr deshalb gewählt, um bei der Suche nach möglichen Gegnern die Wahrheit über die Herkunft der Spieler zu verschleiern und so öfter die Möglichkeit zu haben, zu Auswärtsspielen eingeladen zu werden.Riley, S. 836
National Colored Base Ball League (NCBBL) (1887) Die National Colored Base Ball League war der erste Versuch der von den anderen Bevölkerungsgruppen getrennten Schwarzen, einen eigenen professionellen Spielbetrieb aufzubauen. Acht Mannschaften waren geplant, doch bereits zwei Wochen nach dem ersten Spiel wurde der Spielbetrieb wieder eingestellt, so dass nur sechs der acht Teams überhaupt gespielt hatten. Das erste Spiel fand am 6. Mai 1887 zwischen den Gorhams aus New York City und den Keystones aus Pittsburgh statt und endete mit 11:8 Runs. Nach dem Aus der National Colored Base Ball League dauerte es mehr als 30 Jahre, bis 1920 die erste langlebige Liga ins Leben gerufen wurde.
Die sieben wichtigsten Negro Leagues mini|380px|Zeitstrahl der sieben wichtigsten Negro Leagues Heutzutage versteht man unter dem Begriff Negro Leagues im engeren Sinne sieben mehr oder weniger erfolgreiche und langlebige Ligen, die sich ab 1920 formierten. Die Namensgebung Negro für die gegründeten Ligen basierte auf dem Ziel der schwarzen Bevölkerung, nicht mehr African genannt zu werden, da sie sich selber als gleichberechtigte Bürger etablieren wollten. Die Bezeichnung als Afroamerikaner beinhaltete in den Augen der Beteiligten die unzulässige Verallgemeinerung, dass alle Schwarzen eigentlich Afrikaner seien, obwohl sie sich selber als Teil der Vereinigten Staaten sehen.Daily News: Use of word Negro on 2010 census forms raises memories of Jim Crow, 6. Januar 2010, abgerufen am 21. März 2011Martin Luther King: The I Have a Dream Speech Martin Luther King bezeichnet in seiner berühmten Rede die Schwarzen als Negro
Die langlebigste Negro League war die Negro American League (NAL), die 23 Jahre existierte. Allerdings versank die Liga bereits nach 20 Jahren in der Bedeutungslosigkeit, nachdem die Color Line 1957 durchbrochen wurde. Sämtliche bedeutungsvollen Negro Leagues hatten deutliche geographische Grenzen. So war die Klassifizierung nach Himmelsrichtungen, wie sie heute noch im US-Sport zu finden ist, auch hier üblich. Zu finden waren dort Namensbestandteile wie Eastern, East-West oder Southern. In den Anfangsjahren der professionellen Negro Leagues konzentrierte sich alles auf den Osten der Vereinigten Staaten. Kein einziges Team der frühen Jahre, das in einer solchen Liga spielte, war westlicher beheimatet als Kansas City.
Des Weiteren war auch in den Bereich der Negro Leagues ein Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Organisatoren einer Liga zu finden.Ribowsky: A complete History…, S. 92–94, 146, 165 Noch heute gibt es in der MLB zwei Ligen, die American League und die National League, die getrennt voneinander geführt werden. Die American–National–Einteilung war dementsprechend auch in den Negro Leagues vorhanden.
Negro National League (NNL) (1920–1931) Die erste der beiden Ligen, die unter dem Namen Negro National League (NNL) den Spielbetrieb aufnahm, wurde am 13. Februar 1920 bei einem Treffen aller Teambesitzer im YMCA in Kansas City gegründet. Das Projekt wurde zuvor von Rube Foster, dem Eigner der Chicago American Giants, vorangetrieben, der später auch Ligachef wurde. Im Jahre 1981 wurde Foster posthum in die Baseball Hall of Fame aufgenommen.
Geographisch erstreckte sich die Liga bei ihrer Gründung 1920 über den Mittelwesten der Vereinigten Staaten. Die am westlichsten gelegene Stadt war Kansas City, die östlichste Pittsburgh. Die acht Gründungsmitglieder kamen aus insgesamt fünf US-Bundesstaaten. Im Laufe der Jahre expandierte die Liga Richtung Süden, indem mehrere neue Mannschaften aufgenommen wurden. Die am südlichsten gelegene Stadt der NLL-Geschichte war Birmingham im Bundesstaat Alabama, wo die Black Barons beheimatet waren. Zwei der bedeutendsten Negro-Clubs der Ostküste jener Zeit, der Hilldale Club aus Darby und die Bacharach Giants aus Atlantic City, gehörten von 1920 bis 1922 zwar der Ligaorganisation an, nahmen aber nicht am Wettbewerb teil. Diese Teams sind der Ursprung der 1923 gegründeten Konkurrenzserie Eastern Colored League.
Insgesamt nahmen in der elfjährigen Ligageschichte 24 Teams am Spielbetrieb teil, von denen allein fünf aus Cleveland kamen. Rekordmeister wurden die Chicago American Giants mit fünf Titeln. Neben den American Giants konnten sich mit den Kansas City Monarchs (4) und den St. Louis Stars (3) nur zwei weitere Teams den Sieg in der Negro National League sichern.Ribowsky: A complete History…, S. 104–122