Als Kleinkampfverbände der Kriegsmarine, auch Kommando der Kleinkampfverbände (K.d.K.) genannt,Werner Rahn: Deutsche Marinen im Wandel – Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit. R. Oldenbourg, München, 2005, ISBN 3-486-57674-7 werden verschiedene Einheiten der deutschen Kriegsmarine bezeichnet, die im Seekrieg des Zweiten Weltkriegs über Kampfmittel von geringer Größe verfügten. Unter Kleinkampfmitteln verstand das Oberkommando der Marine selbständig operierende und leicht verlegbare maritime Kampfeinheiten. Dies waren in erster Linie bemannte Torpedos, Kampfschwimmer, Kleinst-U-Boote und Sprengboote.Harald Fock: Marine-Kleinkampfmittel. Nikol Verlagsvertretungen, 1997, ISBN 3-930656-34-5 Der Einsatz der Kleinkampfverbände endete mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945, wobei die letzten beiden Kampfschwimmer noch bis zum 11. MaiHelmut Blocksdorf: Das Kommando der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine, 1. Auflage. Motorbuch Verlag, 2003, ISBN 3-613-02330-X bzw. 12. Mai 1945 agierten.Cajus Bekker: … und liebten doch das Leben. Die erregenden Abenteuer deutscher Torpedoreiter, Froschmänner und Sprengbootpiloten. Adolf Sponholtz Verlag Hannover, 8. Auflage 1980 (Erstauflage 1956), ISBN 3-453-00009-9
Ihre Aufstellung war Teil einer defensiv ausgerichteten Strategie der Kriegsmarine, die von Hitler unterstützt wurde.Gerhard Wagner: Lagevorträge des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine vor Hitler 1939–1945. Im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung. J. F. Lehmann Verlag, München 1972, S. 570 Diese sah sich ab Frühjahr 1944 gezwungen, ein Seekampfkonzept zu entwickeln, das es der Führungsebene erlauben sollte, mit einer „Nadelstichtaktik“ Versorgungs-, Kriegs- und Handelsschiffe der Alliierten im Küstenvorfeld zu versenken und somit den Nachschub zu verringern. Ihr Einsatz diente ferner auch der Störung der alliierten Schifffahrtsrouten und der Kräftebindung. Gleichzeitig sollte der U-Boot-Krieg intensiviert werden, um doch noch eine entscheidende Kriegswende zu erreichen.Siegfried Beyer, Gerhard Koop: Die Deutsche Kriegsmarine 1935–1945. Band 3, Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-89350-699-3, S. 86V. E. Tarrant: Das letzte Jahr der deutschen Kriegsmarine Mai 1944 bis Mai 1945. Podzun-Pallas Verlag, Ausgabe 1994, ISBN 3-7909-0561-5
Ursprünge und Konzeption Ab den späten 1930er Jahren entwickelte die kaiserlich-japanische Marine verschiedene Kleinkampfmittel, von denen einige Kleinst-U-Boote beim Angriff auf Pearl Harbor eingesetzt wurden. Während der Anfangsphase des Pazifikkriegs wurden die Mittel für die Weiterentwicklung der japanischen Kleinkampfmittel großenteils zusammengestrichen und erst wieder erhöht, als die Japaner immer weiter in die Defensive gedrängt wurden und viele ihrer großen Überwassereinheiten verloren. Die ersten maritimen Kleinkampfverbände auf dem europäischen Kriegsschauplatz wurden vom Königreich Italien mit der Gründung der Decima MAS im Frühjahr 1941 aufgestellt. Italien konnte dabei auf Entwicklungs- und Einsatzerfahrungen aus der Endphase des Ersten Weltkriegs zurückgreifen und stellte dann bis 1943 die einzig erfolgreich operierenden Kleinkampfverbände im Mittelmeerraum. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 trat der Verband in die Streitkräfte der faschistischen Italienischen Sozialrepublik über. Schon im Frühjahr 1942 hatte die britische Royal Navy eigene Kleinkampfmittel entwickelt. Sie orientierte sich dabei an erbeuteten bzw. geborgenen bemannten Torpedos und Kleinst-U-Booten der Italiener. Die britischen Kleinkampfmittel unterstanden gemeinsam mit den Kampfschwimmern der Underwater Working Party (UwWp).
Ab dem Frühjahr 1944 begann auch die Kriegsmarine mit der Entwicklung eigener Kleinkampfmittel und der Aufstellung von Verbänden. Man orientierte sich dabei jedoch nicht hauptsächlich an den Verbänden des Achsenpartners Italien,C. E. T. Warren und James Benson: … und über uns die Wogen – Die britischen Torpedoreiter und Kleinst-U-Boote 1942/45. Verlagsgesellschaft Jugenheim Koehler 1962 sondern an den britischen Entwicklungen, welche als effektiver als die italienischen erachtet wurden.
Ein Hauptgrund für die relativ späte Aufstellung der deutschen K-Verbände war die noch bis in die ersten Kriegsjahre dominierende Doktrin Erich Raeders, welche die deutschen Marinerüstungspläne auf große Überwassereinheiten konzentrierte. So sah das Flottenrüstungsprogramm von 1938/39 im Z-Plan keine Kleinkampfverbände vor, sondern hauptsächlich große Einheiten.
zentriert|1200px|Zeitliche Übersicht über die kriegführenden Seestreitkräfte des Zweiten Weltkriegs, welche Kleinkampfmittel einsetzten Erfolgreiche britische Kommandoaktionen und Sabotageakte in Saint-Nazaire und Nordafrika, die um die Jahreswende 1942/43 durchgeführt wurden, führten der deutschen Marineführung um den neuen Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, erstmals die Möglichkeit erfolgreicher Einsätze kleinster Marineeinheiten vor Augen. Dönitz erwog hiernach erstmals die Aufstellung eigener Kleinkampfverbände, die er zu diesem Zeitpunkt als Mountbatten-Organisation bezeichnete.Cajus Bekker: Einzelkämpfer auf See: Die deutschen Torpedoreiter, Froschmänner und Sprengbootpiloten im Zweiten Weltkrieg. Stalling, Oldenburg 1968 Er wurde in diesen Überlegungen durch verschiedene äußere Faktoren bestärkt. So war die deutsche Werftindustrie durch die immer massiver werdenden alliierten Bombenangriffe kaum mehr in der Lage, größere Schiffe zu bauen. In den neuen Untertagewerften konnten nur U-Boote und andere kleinere Einheiten gebaut werden. Außerdem traf die Verknappung von Ressourcen wie Stahl die Kriegsmarine besonders stark, da das Panzerprogramm des Heeres und das Jägerprogramm der Luftwaffe Vorrang vor dem U-Boot-Programm der Kriegsmarine besaßen und dadurch bevorzugt Nachschub erhielten. Als weiterer wichtiger Grund trat der Leistungsbeweis durch Briten und Italiener weit in den Vordergrund. Diese hatten mit wenigen Soldaten und kleinsten Einheiten auch größere Schiffseinheiten beschädigen und versenken können und darüber hinaus massive gegnerische Kräfte gebunden. Dönitz sah daher in eigenen Kleinkampfmitteln eine kostengünstige Möglichkeit, die deutsch besetzten Küsten mit einem Sperrnetz aus schnell herzustellenden kleinen Einheiten zu überziehen, um so eine mögliche Invasion der „Festung Europa“ schwer zu behindern oder gar abwenden zu können.
Für eine solche mögliche Invasion wurden folgende hauptsächlichen Überlegungen angestellt: Im Hinblick auf die überwältigende Masse des amerikanischen Kriegsmaterials und deren Luftüberlegenheit sei die Entstehung eines Brückenkopfes mit den vorhandenen deutschen Kräften nicht erfolgreich zu bekämpfen. Gebildete Brückenköpfe würden dabei durch Bombenteppiche, deren Radius sich immer weiter vergrößerte, vor deutschen Gegenangriffen abgeschirmt und ausgedehnt werden. Wenn ein Angriff auf diese Brückenköpfe erfolgen sollte, müsste er sich primär auf den Nachschub des Gegners konzentrieren. Da eine alliierte Luftüberlegenheit angenommen werden müsse, sei die Unterbrechung der Nachschublinien nur durch eine Unterwasserwaffe vorstellbar. Begünstigend würde dabei angesehen, dass die gegnerischen Schiffe in den engeren Küstenbereich vordringen müssten. Hierbei könne demnach eine U-Boot-Waffe eingesetzt werden, die nur über einen geringen Fahrbereich verfüge, aber dennoch maximale Sprengwirkung mit sich führen solle. Die künftigen Landungsstellen der alliierten Einheiten könnten nur erahnt werden. Daher sei eine Unterwasserwaffe zu entwickeln, die möglichst in großer Stückzahl hergestellt und per Nachttransport ohne größeren Aufwand per Bahn und Lastkraftwagen zu jedem beliebigen Punkt gebracht werden könne. Dort angekommen, solle sie ohne größere Vorrichtungen sofort zu Wasser gebracht werden können.
Die alliierte Invasion in Süditalien im September 1943 sowie die Landung in der Normandie im Juni 1944 stellten diese Situation jedoch her, noch bevor K-Verbände aufgestellt werden konnten.
Aufstellung Bereits 1929 wurden der Marineleitung der damaligen Reichsmarine erste Entwürfe für den Einsatz von bemannten Torpedos vorgelegt. Allerdings wurden sie im Hinblick auf die Bedingungen des Versailler Vertrages abgelehnt. Basis für diese erste Konzeption sogenannter „Kleinkampfmittel“ waren die von Italien im Ersten Weltkrieg eingesetzten Mignatta. Im Zuge der Mobilmachung von 1938 wurden dem Oberkommando der Marine (OKM) unter Erich Raeder erneut mehrere Vorschläge für bemannte Torpedos unterbreitet, welche von diesem aus nicht bekannten Gründen abgelehnt wurden. In der Folgezeit wurden immer wieder einzelne Konzepte beim OKM vorgelegt, von denen allerdings keines bis zur Serienreife weiterentwickelt wurde. So hatte unter anderem Heinrich Dräger von den Drägerwerken dem OKM im Oktober 1941 mehrere Pläne für ein Klein-U-Boot vorgelegt, die jedoch abgelehnt wurden.
Mit der Ernennung von Karl Dönitz zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine am 30. Januar 1943 setzte ein Umdenken in der Marineführung ein. So erfolgte bereits während einer Besprechung zum Amtsantritt Dönitz’ am 30. Januar die Erwähnung des potentiellen Nutzens von Kleinkampfverbänden. In derselben Besprechung äußerte Dönitz auch den Wunsch, dass die Aufstellung derartiger Kleinkampfverbände unter der Leitung von Konteradmiral Hellmuth Heye erfolgen solle. Da dieser jedoch von seinem Posten als Chef des Stabes des Marinegruppenkommandos Nord vorerst nicht abkömmlich war, wurde Vizeadmiral Eberhard Weichold zunächst mit der Planung und Aufstellung betraut. Während der Planungsphase, bei der auch erstmals der Begriff „K-Verbände“ gebraucht wurde, wurden folgende Schwerpunkte gesetzt, um den Aufbau der Verbände zu forcieren: Entwicklung und Bau eines brauchbaren Kleinst-U-Bootes nach britischem Muster sowie dessen Einsatz bei gezielten Einzelunternehmungen Entwicklung von mehreren kleinen Torpedoträgern für verschiedene Verwendungszwecke, darunter auch kleine Schnellboote nach dem Vorbild der italienischen Sprengboote Fortsetzen der Aufstellung und Ausbildung von Marineeinsatzkommandos (M.E.K.s), die als Stoßtrupps nach britischem Vorbild von kleinen Schiffen und U-Booten aus Angriffe auf feindliche Küstenobjekte wie Radarstationen, Geschützstellungen und Hafeneinrichtungen durchführen sollten.
mini|Die japanischen Kleinst-U-Boote vom Typ A dienten als Vorbild für die ersten deutschen Boote. Da die Kriegsmarine über keine Erfahrungen auf dem Gebiet der Kleinkampfmittel verfügte, sandte das OKM an Paul Wenneker, den Marineattaché an der deutschen Botschaft in Tokio, einen Fragenkatalog zur japanischen Kleinst-U-Boot-Klasse Typ A. Mit Hilfe dieses Kataloges sollte Wenneker benötigte Informationen zur Konstruktion und Einsatzfähigkeit des Typs A gewinnen. Nach mehreren Anfragen erteilte die japanische Marineführung Wenneker und dem italienischen Marineattaché am 3. April 1943 die Erlaubnis zur Besichtigung eines Bootes. Da die Japaner jedoch jede Auskunft über die technischen Spezifikationen verweigerten, brachte diese Besichtigung keinerlei neuen Erkenntnisse. Da von Japan auch in Zukunft kein Informationstransfer zu erwarten war, beschloss man, sich für den Aufbau der K-Verbände an den Entwicklungen der Royal Navy zu orientieren. Die bisher von den Italienern auf diesem Gebiet gesammelten Erfahrungen wurden dabei lediglich im Falle der Sprengboote genutzt.In Bezug auf Kleinst-U-Boote hatte die Marina Militare der Kriegsmarine bereits mehrmals erfolglos vorgeschlagen, gemeinsam mit den Deutschen Entwicklungen durchzuführen, da man bereits Erfahrungen mit dem Bau und Einsatz solcher Boote hatte (vgl. Kleinst-U-Boot CC-Klasse u. a.).