mini|hochkant=1.3|Hedda Zinner, 1948 Hedwig „Hedda“ Zinner (* 20. Mai 1904 in Lemberg, Österreich-Ungarn;Heiratsregister Berlin XIIa, Nr. 312. Abweichend werden auch die Geburtsjahre 1905 und 1907 und der Geburtsort Wien genannt. † 1. Juli 1994 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin, Kabarettistin, Rezitatorin, Journalistin, Regisseurin und Rundfunkleiterin.
Leben mini|Hedda Zinner (Mitte), 1966 Hedda Zinner, die unter ihrem Geburtsnamen und verschiedenen Pseudonymen (Elisabeth Frank, Hannchen Lobesam, Hedda) publizierte, wurde in Lemberg als Tochter des Beamten Alfred Zinner und der Laura Amboss in eine jüdische Familie geboren, sie hatte eine Schwester. Sie besuchte von 1923 bis 1925 die Schauspielakademie in Wien. Engagements führten sie nach Stuttgart, Baden-Baden, Breslau und Zwickau. Sie heiratete 1927 den Schriftsteller und Journalisten Fritz Erpenbeck. Ab 1929 lebte sie in Berlin. In demselben Jahr trat sie der Kommunistischen Partei Deutschlands beiDEFA Film Library, University of Massachusetts Amherst: "In 1929, Zinner joined the Communist Party of Germany." , arbeitete als Schriftstellerin und Rezitatorin. Bei politischen Kundgebungen trug sie eigene Gedichte vor.
Ab 1930 publizierte sie politisch-satirische und gesellschaftskritische Gedichte unter anderem in der Roten Fahne, der Arbeiterstimme, in der AIZ, im Weg der Frau, dem Magazin für Alle und der Welt am Abend. 1933 emigrierte sie zunächst nach Wien und dann nach Prag, wo sie das politische Kabarett „Studio 1934“ gründete und leitete; ab 1935 lebte sie mit ihrem Mann in Moskau in der Sowjetunion, später in Ufa.John Erpenbeck: Dreifach geboren. Eine Reise in die Vergangenheit der Zukunft. In: Freie Welt, Jg. 1985, Heft 26, S. 4–9. Sie arbeitete als Hörspielautorin und Kommentatorin für Radio Moskau Valentina Choschewa: „STIMME RUSSLANDS feiert 85. Jubiläum“. In: „Stimme Russlands, 28. Oktober 2014“. Abgerufen am 29. Oktober 2014. und für verschiedene Literaturzeitschriften. Außerdem war sie als Redakteurin und Sprecherin für die deutschsprachigen Tarnsender Deutscher Volkssender, Sudetendeutscher Freiheitssender und Sender der SA-Fronde tätig, die von der Sowjetunion betrieben wurden.
mini|hochkant|Grabstätte von Fritz Erpenbeck und Hedda Zinner 1945 kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie während der Teilung der Stadt im östlichen Teil in Berlin-Pankow lebte. Sie wurde Spielleiterin im Hause des Rundfunks (seit 1946). 1965 brach Maxim Vallentin, Intendant der Volksbühne Berlin, die Inszenierung Ein Amerikaner in Paris ab, worauf sich die bis dahin überaus erfolgreiche Bühnenautorin rigoros vom Theater abwandte und fortan nur noch Prosa veröffentlichte: zunächst 1968 bis 1973 ihre Romantrilogie Ahnen und Erben sowie im Anschluss weitere Romane, Erzählbände und autobiografische Texte. Sie war Mitglied des Schriftstellerverband der DDR, erhielt hohe staatliche Auszeichnungen (u. a. Nationalpreis der DDR) und war eine loyale Vertreterin der SED-Kulturpolitik, ohne freilich zu deren engsten Machtzirkeln zu gehören. Zinner erklärte später: „Ich bin Kommunistin, jawohl, und das bleibe ich auch.“
Zinner wirkte bis zu ihrem Tode 1994 als Schriftstellerin. Ihr Mann verstarb bereits 1975. Sie ist auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden in Berlin-Mitte bestattet.
Ihr Sohn ist der Physiker, Philosoph und Schriftsteller John Erpenbeck, dessen Tochter Jenny Erpenbeck gleichfalls als Schriftstellerin tätig ist.
Ihre Bibliothek befindet sich in der Akademie der Künste Berlin.Dagmar Jank: Bibliotheken von Frauen: ein Lexikon. Harrassowitz, Wiesbaden 2019 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen; 64), ISBN 978-3-447-11200-0, S. 240.
Auszeichnungen 1954: Nationalpreis der DDR 1957: Vaterländischer Verdienstorden in Silber 1959: Goethepreis der Stadt Berlin 1960: Lessing-Preis der DDR 1973: Lion-Feuchtwanger-Preis 1975: Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1980: Karl-Marx-Orden 1985: Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold 1989: Nationalpreis der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur
Darstellung Hedda Zinners in der bildenden Kunst der DDR Renate Niethammer: Porträt Hedda Zinner. (Öl auf Hartfaser, 91 × 73 cm, 1985; Kunstarchiv Beeskow)
Werke Zinners frühe Arbeiten waren satirisch-agitatorische Texte, die das Alltagsleben wie auch politische Tagesthemen aufgriffen. Im Zusammenhang mit den Arbeiten für das „Studio 1934“ wandte sie sich dem Drama zu; dabei behielt sie die politische Aktualität. Ihr Stück General Landt war eine Reaktion auf Carl Zuckmayers Drama Des Teufels General, welches sie als verharmlosend empfand. Auf jeden Fall verdächtig thematisierte die Protestbewegung westdeutscher Wissenschaftler gegen den Atomkrieg. Weiterhin griff sie historische Themen auf (darunter die Befreiungskriege gegen Napoleon, die Frauenbewegung und den antifaschistischen Widerstand). Ihre Romantrilogie Ahnen und Erben trägt autobiographische Züge.Gisela Brinker-Gabler, Karola Ludwig, Angela Wöffen: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800–1945. dtv München, 1986. ISBN 3-423-03282-0. S. 336 ff. Unter den Dächern. Gedichte. Moskau 1936. Das ist geschehen. Gedichte. Moskau 1939. Volkslieder und Volksdichtungen. Nachdichtungen. Kiew 1939. Caféhaus Payer. Schauspiel, uraufgeführt 1945. Entstanden 1940/41. Übersetzt tschechisch und ungarisch. Fern und nah. Gedichte. 1947. Humanistisches Sonett. 1947. Alltag eines nicht alltäglichen Landes. Berichte, Erzählungen und Gedichte. 1950. Spiel ins Leben. Schauspiel. 1951. Übersetzt polnisch und slowenisch. Der Mann mit dem Vogel. Komödie. 1952. Glückliche Frauen und Kinder. Erzählungen, Berichte, Gedichte. 1953. Der Teufelskreis. Drama. 1953. Übersetzt französisch, tschechisch, japanisch, chinesisch. Wir fahren nach Moskau. Kinderbuch. 1953. Nur eine Frau. Roman über Louise Otto-Peters. 1954. In BRD erschienen 1984. Erste Anfänge. / Nie werde ich vergessen. Geschichten. In: Hammer und Feder, 1955. Lützower. Schauspiel. 1955. General Landt. Schauspiel, uraufgeführt 1957. Entstanden 1950/51. Das Urteil. Politische Revue. In: ndl, 1958/59. Was wäre, wenn …? Komödie. 1959. Auf jeden Fall verdächtig. Schauspiel. 1959. Plautus im Nonnenkloster. Nacherzählung als Libretto. 1959. Fischer in Niezow. Libretto. 1959. Leistungskontrolle. Jugendstück. 1960. Ravensbrücker Ballade. Tragödie. 1961. Ein Amerikaner in Berlin. Posse. 1963. Wenn die Liebe stirbt. Vier Novellen. 1965. Elisabeth Trowe. Filmerzählung. 1969. Ahnen und Erben. Romantrilogie. Regina. 1968. Die Schwestern. 1970. Fini. 1973. Wir sprechen aus, was ist. Studio 1934. In: Erlebte Geschichte, Band 2, 1972, hrsg. von Günter Albrecht. Auf dem roten Teppich. Erfahrungen, Gedanken, Impressionen. 1978. Katja. Roman. 1980. (BRD 1981) Die Lösung. Roman. 1981. Arrangement mit dem Tod. Roman. 1984. (BRD 1985) Die große Ungeduld. Erzählung. 1988. Selbstbefragung. Erinnerungen. 1989, ISBN 3-371-00195-4.
Rezeption von Hedda Zinners Werken
Hörspiele 1945: Ernst Fischer: Das singende Knöchlein – Regie (Berliner Rundfunk) 1946: Hedda Zinner: Das ist geschehen – Regie und Sprecherin (Berliner Rundfunk) 1947: John Boynton Priestley: Die fremde Stadt – Bearbeitung und Regie (Berliner Rundfunk) 1947: Hedda Zinner: Erde – Regie (Berliner Rundfunk) 1954: Johannes R. Becher: Die Winterschlacht – Regie (Rundfunk der DDR) 1955: Anna Seghers: Das siebte Kreuz – Regie (Rundfunk der DDR)
Verfilmungen 1956: Der Teufelskreis, Regie: Carl Ballhaus 1958: Nur eine Frau, Regie: Carl Ballhaus 1960: Was wäre, wenn …?, Regie: Gerhard Klingenberg 1962: Die aus der 12b, Regie: Rudi Kurz (Verfilmung von Leistungskontrolle) 1972: Lützower, Regie: Werner W. Wallroth 1988: Die Schauspielerin, Regie: Siegfried Kühn
Vertonungen 1946: Boris Blacher: Das ist geschehen. Hörspiel, Text: Hedda Zinner – Regie: Hedda Zinner und Oskar von Arnim.ARD-Hörspieldatenbank Max Butting: Plautus im Nonnenkloster. Oper in 3 Akten von Hedda Zinner, nach Conrad Ferdinand Meyers gleichnamiger Novelle.Belegexemplar bei der Deutschen Nationalbibliothek 1958: Jean Kurt Forest: Das Urteil. (Kantate), Text von Hedda Zinner, Uraufführung Juli 1958, V. Parteitag der SED.Bundesstiftung Aufarbeitung 1959: Jean Kurt Forest: Die Fischer von Nietzow (Musical), 1959Website operone.de 1995: Andreas Kunstein: Mutter denkt nach. (1995), auf ein Gedicht von Hedda Zinner, für Altstimme und Klavier.Donemus Publishing, sowie für Sopran und KlavierDonemus Publishing Außerdem Beiträge zu Liederbüchern mit Liedsätzen u.a. von Andre Asriel, Ernst Hermann Meyer und Joachim Werzlau.Website 'Deutsches Lied'
Literatur Annette Bühler-Dietrich, Achim Schmid: Offene Räume in der Theaterlandschaft der DDR: Leitungspraktiken und Erinnerungspolitiken am Beispiel des Berliner Ensembles und Hedda Zinners "Ravensbrücker Ballade", in Braun, Micha et al. (Hrsg.): Offene Räume: Theaterwissenschaftliche Perspektiven, Heidelberg: arthistoricum.net, 2026 (PERFORMING ARTS Books, Band 1), S. 391–402. Zinner, Hedda. In: Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. Bibliographisches Institut, Leipzig 1964, S. 563–565. Zinner, Hedda. In: Kurt Böttcher (Gesamtredaktion): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1975; Band 2, S. 498/499. Simone Barck: Hedda Zinner. In: Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Band 3. Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3061025413, S. 530–547 und S. 639–643. Uta Klaedtke, Martina Ölke: Erinnern und erfinden. DDR-Autorinnen und „jüdische Identität“ (Hedda Zinner, Monika Maron, Barbara Honigmann). In: Ariane Huml (Hrsg.): Jüdische Intellektuelle im 20. Jahrhundert. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2310-2, S. 249–274.
Jana Rahders: Kann man sein Leben lang die Wahrheit verleugnen? Das sozialistische Weltbild der DDR-Autorin Hedda Zinner. In: Siegfried Lokatis (Hrsg.): Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 395462110X, S. 73–80. Zinner, Hedda. In: Renate Wall: Verbrannt, verboten, vergessen. Kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933 bis 1945. Pahl-Rugenstein, Köln 1989, ISBN 3760912419, S. 215 f. Zinner, Hedda. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 2. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 1280 f.
Weblinks
Eintrag zu Hedda Zinner bei litkult1920er.aau.at, ein Projekt der Universität Klagenfurt Sabine Fuchs: Hedda Zinner. Klahrgesellschaft
Hedda-Zinner-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Hörspielregisseur Kategorie:Person (Rundfunk der DDR) Kategorie:Lyrik Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:DDR-Literatur Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Goethepreises der Stadt Berlin Kategorie:Träger des Karl-Marx-Ordens Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 1994 Kategorie:Frau Kategorie:Emigrant aus Österreich-Ungarn in Deutschland