150px|rechts|Olympische Ringe 150px|rechts|klasse=skin-invert-image|Fußball

Fußball ist seit den Olympischen Spielen 1908 eine offizielle olympische Sportart. Es finden zwei olympische Fußballturniere statt, seit 1992 ein U-23-Turnier bei den Männern und seit 1996 ein unbeschränktes bei den Frauen.

Bei den Olympischen Spielen 1900 und 1904 sowie den Zwischenspielen 1906 in Athen fanden bereits Demonstrationswettbewerbe im Fußball statt. Dort traten jedoch noch Fußballvereine und teils gemischte Auswahlen gegeneinander an. Erst ab 1908 kam es zu Länderspielen. Die erste offizielle Begegnung der Geschichte gewann beim olympischen Fußballturnier 1908 die dänische Nationalmannschaft gegen eine französische B-Mannschaft. Dort wurde auch festgelegt, dass bezahlte Spieler (Profis) nicht teilnehmen dürfen.

Danach war nur einmal, bei Olympia 1932, Fußball nicht im olympischen Programm vertreten. Offiziell hatte das IOC Fußball wegen Amateurstatus-Streitigkeiten gestrichen. Anderen Quellen zufolge standen die Gastgeber der Spiele in Los Angeles Fußball ablehnend gegenüber. 1952 wurden erstmals Qualifikationsspiele eingeführt. Die Spiele, vor allem der ersten Runden, finden in der Regel nicht nur im eigentlichen Austragungsort der Sommerspiele, sondern auch in anderen Orten des Landes statt.

Seit den Spielen von Atlanta 1996 ist Frauenfußball olympische Disziplin, und es fand erstmals ein Frauenturnier mit seinerzeit acht Mannschaften statt.

Bedeutung und Spielerstatus Nachdem das olympische Fußballturnier bis 1928 quasi den Stellenwert einer Fußball-Weltmeisterschaft hatte, nahm dessen Bedeutung nach Einführung derselben 1930 und dem Aufkommen des Professionalismus vor allem in einigen Ländern Europas und Südamerikas in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts stark ab, da ausschließlich Amateure startberechtigt waren und die besten Spieler dieser Länder somit nicht mehr an den Turnieren teilnehmen durften. Bis 1980 waren offiziell nur Amateurspieler startberechtigt. Dazu zählten auch die sogenannten „Staatsamateure“ der Ostblockstaaten, wodurch diese in der Regel mit ihren Nationalmannschaften antreten konnten, was zu großen Leistungsunterschieden gegenüber den Ländern mit Profifußball führte, die nur Amateure entsenden konnten. Aufgrund dessen stellten die Ostblockstaaten, die bei Fußball-Weltmeisterschaften und Fußball-Europameisterschaften zumeist wenig erfolgreich abschnitten, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1988 allein achtmal den Olympiasieger.

1984 wollte das IOC erstmals auch Profispieler bei den Turnieren zulassen, nachdem das Turnier immer weiter an Bedeutung verloren hatte. So einigte man sich als Kompromiss mit der FIFA darauf, dass Nationalmannschaften aus der UEFA und der CONMEBOL nur Profis aufstellen durften, die bis dato noch an keiner Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen hatten. Die Regeln von 1984 wurden auch für die Ausgabe von 1988 beibehalten, jedoch mit einem zusätzlichen Absatz: Diejenigen europäischen und südamerikanischen Fußballer, die zuvor weniger als 90 Minuten in einem einzigen Spiel der Weltmeisterschaft gespielt hatten, waren teilnahmeberechtigt.rsssf.org Diese Regel wurde 1992 durch eine Altersbeschränkung ersetzt, nach der nur noch Spieler, die am Stichtag, dem 1. Januar des Jahres, in dem die Olympischen Spiele stattfinden, noch keine 23 Jahre alt sind, teilnehmen dürfen.Dieter Kürten: Olympische Sommerspiele Barcelona 1992. Mosaik-Verlag, 1992, ISBN 3-576-06107-X, S. 183. Das olympische Fußballturnier hat sich somit zu einem Höhepunkt für die Karriere junger Fußballspieler entwickelt. Seit 1996 dürfen im 18-köpfigen Mannschaftskader bis zu drei Spieler älter als 23 Jahre sein, so dass beispielsweise 2008 Argentinien und Brasilien mit Mannschaften antraten, die durch A-Nationalspieler (u. a. Ronaldinho, Riquelme) verstärkt waren und Spanien 2012 Spieler einsetzte, die zuvor die Europameisterschaft gewinnen konnten. Häufig sind dabei auch unter 23-Jährige im Einsatz, die durch ihr Talent schon seit längerem A-Nationalspieler geworden sind.

Die FIFA erkennt aus den vorgenannten Gründen grundsätzlich nur die Begegnungen bis zum Turnier der Spiele von Melbourne 1956 als offizielle A-Länderspiele an.

Siehe dazu auch: FIFA-Regelung zu Länderspielen

Im Gegensatz zu den Männern gibt es beim Frauenturnier keine Altersbeschränkung. Dort treten in der Regel die jeweiligen Nationalmannschaften an, wodurch das olympische Fußballturnier der Frauen einen weitaus größeren sportlichen Wert als bei den Männern, vergleichbar mit dem einer Frauen-Weltmeisterschaft, besitzt.

Übersicht der Wettbewerbe Die Fußballturniere von 1900 und 1904 werden vom IOC als offizielle Wettbewerbe anerkannt, von der FIFA hingegen nicht, da überwiegend nur Klubmannschaften teilgenommen hatten. Die „Zwischenspiele“ 1906 werden sowohl vom IOC als auch der FIFA nicht anerkannt. Wettbewerb 96 00 04 06 08 12 20 24 28 32 36 48 52 56 60 64 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 16 20 24 28 32 Gesamt Männer • • (•) • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •• | 28 Frauen • • • • • • •• 8 Anzahl der Wettbewerbe 1 1 (1) 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 2 2 2 2 36

Olympisches Fußballturnier der Männer Qualifikation In den ersten Jahren fanden keine Qualifikationen vor Beginn der Spiele statt. In einigen Quellen werden aber die Vor- oder ersten Runden, die am Ort der Spiele stattfanden als „Qualifikation“ bezeichnet. Eine eigentliche Qualifikation mit Hin- und Rückspiel im eigenen Land wurde 1956 eingeführt, um die Zahl der gemeldeten Teilnehmer zu reduzieren. Aus Kosten- und politischen Gründen sagten dann aber mehrere Länder ab, so dass nur 11 Nationen in Melbourne an den Start gingen. Ab 1960 gab es dann kontinentale Qualifikationen, wobei Israel zunächst an der europäischen, von 1964 bis 1976 an den asiatischen, 1980 und 1984 wieder an den europäischen Qualifikationen und 1988 an der ozeanischen Qualifikation teilnahm. Seit 1992 nimmt Israel wieder an der europäischen Qualifikation teil. Nachdem die Volksrepublik China erstmals 1980 an der Qualifikation teilnahm (dann aber die Spiele boykottierte), musste die Republik China als “Chinesisches Taipeh” teilnehmen – zunächst 1984 und 1988 an der ozeanischen Qualifikation, seit 1992 wieder an der asiatischen Qualifikation.

Von 1964 bis 1984 war neben dem Gastgeber auch der Titelverteidiger automatisch qualifiziert.

Seit 1992 ist für die Qualifikation in Europa die U-21-Europameisterschaft maßgeblich, in Südamerika ist es seit 2008 die U-20-Fußball-Südamerikameisterschaft. Auf den übrigen vier Kontinenten finden gesonderte Qualifikations-Wettbewerbe statt, wobei es teilweise interkontinentale Playoff-Spiele gibt, wie zuletzt zwischen dem Senegal und dem Oman. Eine Sonderrolle spielt zudem Großbritannien: Da an den europäischen Meisterschaften die vier britischen Nationalmannschaften teilnehmen, besteht keine Möglichkeit, dass sich Großbritannien für die Olympischen Spiele qualifizieren kann. Wenn z. B. England oder Schottland einen der Plätze belegte, der für die Teilnahme notwendig war, rückte die nächstbeste europäische Mannschaft nach. Dies war z. B. 1996 der Fall, als Schottland Vierter wurde, wodurch Portugal sich qualifizieren konnte. Erst 2012 konnte aufgrund der Gastgeberrolle wieder eine britische Mannschaft als Gastgeber an der Endrunde teilnehmen.

Die Turniere im Überblick Jahr Gastgeber Finale Spiel um Bronze Gold Ergebnis Silber Bronze Ergebnis 4. Platz 1896 Athen(Griechenland) Kein olympisches Fußballturnier. 1900Details Paris(Frankreich) Großbritannien 4:0 Frankreich Belgien – 1904Details St. Louis(Vereinigte Staaten) Kanada Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten – 1906Details Athen(Griechenland) Die Olympischen Zwischenspiele 1906 waren inoffiziell und werden weder vom IOC noch von der FIFA anerkannt. 1908Details London(Großbritannien) Großbritannien 2:0 Dänemark Niederlande 2:0 Schweden 1912Details Stockholm(Schweden) Großbritannien 4:2 Dänemark Niederlande 9:0 Finnland 1920Details Antwerpen(Belgien) Belgien Spanien Niederlande Italien 1924Details Paris(Frankreich) Uruguay 3:0 Schweiz Schweden 1:1 n. V.3:1 Niederlande 1928Details Amsterdam(Niederlande) Uruguay 1:1 n. V.2:1 Argentinien Italien 11:3 Ägypten 1932 Los Angeles(Vereinigte Staaten) Kein olympisches Fußballturnier. 1936Details Berlin(Deutschland) Italien 2:1 n. V. Österreich Norwegen 3:2 Polen 1948Details London(Großbritannien) Schweden 3:1 Jugoslawien Dänemark 5:3 Großbritannien 1952Details Helsinki(Finnland) Ungarn 2:0 Jugoslawien Schweden 2:0 BR Deutschland 1956Details Melbourne(Australien) Sowjetunion 1:0 Jugoslawien Bulgarien 3:0 Indien 1960Details Rom(Italien) Jugoslawien 3:1 Dänemark Ungarn 2:1 Italien 1964Details Tokio(Japan) Ungarn 2:1 Tschechoslowakei Deutschland 3:1 VA Republik 1968Details Mexiko-Stadt(Mexiko) Ungarn 4:1 Bulgarien Japan 2:0 Mexiko 1972Details München(BR Deutschland) Polen 2:1 Ungarn Sowjetunion DDR 2:2 n. V. – 1976Details Montreal(Kanada) DDR 3:1 Polen Sowjetunion 2:0 Brasilien 1980Details Moskau(UdSSR) Tschechoslowakei 1:0 DDR Sowjetunion 2:0 Jugoslawien 1984Details Los Angeles(Vereinigte Staaten) Frankreich 2:0 Brasilien Jugoslawien 2:1 Italien 1988Details Seoul(Südkorea) Sowjetunion 2:1 n. V. Brasilien BR Deutschland 3:0 Italien Seit 1992: U23-Fußballturnier (+ 3 ältere Spieler, ab 1996) 1992Details Barcelona(Spanien) Spanien 3:2 Polen Ghana 1:0 Australien 1996Details Atlanta(Vereinigte Staaten) Nigeria 3:2 Argentinien Brasilien 5:0 Portugal 2000Details Sydney(Australien) Kamerun 2:2 n. V.5:3 i. E. Spanien Chile 2:0 Vereinigte Staaten 2004Details Athen(Griechenland) Argentinien 1:0 Paraguay Italien 1:0 Irak 2008Details Peking(China) Argentinien 1:0 Nigeria Brasilien 3:0 Belgien 2012Details London(Großbritannien) Mexiko 2:1 Brasilien Südkorea 2:0 Japan 2016Details Rio de Janeiro(Brasilien) Brasilien 1:1 n. V.5:4 i. E. Deutschland Nigeria3:2 Honduras 2021Details Tokio(Japan) Brasilien 2:1 n. V. Spanien Mexiko 3:1 Japan 2024Details Paris(Frankreich) Spanien 5:3 n. V. Frankreich Marokko 6:0 Ägypten 2028Details Los Angeles(Vereinigte Staaten) 2032Details Brisbane(Australien) Anmerkung:

Rekordspieler + Endrundenteilnahmen Rang Spieler TN Turniere 1 3 1960, 1964, 1968 3 1964, 1968, 1972 Kursiv: nicht eingesetzt+ Endrundenspiele Rang Spieler Spiele Turniere 1 13 1960 (3), 1964 (5), 1968 (5) 13 1968 (6), 1972 (7) 13 1968 (6), 1972 (7) 13 1968 (6), 1972 (7) 5 12 2004 (6), 2008 (6) 12 1988 (6), 1996 (6) 12 2008 (6), 2012 (6) 12 2012 (6), 2016 (6) 12 2004 (6), 2008 (6) 12 1972 (7), 1976 (5) 12 1972 (7), 1976 (5) 12 1972 (7), 1976 (5)

+ Endrundentore Rang Spieler Tore Turniere 1 13 1968 (6), 1972 (7) 13 1908 (11), 1912 (2) 3 12 1964 4 11 1924 (7), 1928 (4) 11 1928 11 1912Gemäß (PDF; 299 kB), in einer anderen Quelle werden nur 9 Tore genannt rsssf.org. 7 10 1972 (9), 1976 (1) 10 1912 9 9 1908 (8), 1912 (1) 10 8 1920 (1), 1924 (1), 1928 (6) 8 1964 (1), 1968 (7) 8 1948 (2), 1952 (6) 8 1964 8 1924 (5), 1928 (3) 8 1912 8 2004 8 1988 (2), 1996 (6) 8 2024 (8)

Teilnahmen und Endrundenplatzierungen Aufgelistet sind hier alle bisher 87 Länder bzw. Mannschaften die mindestens einmal ein olympisches Endrundenturnier bestritten haben.