mini|Der Eid des Hippokrates im Corpus Hippocraticum, einer Sammlung von rund siebzig medizinischen Werken des antiken Griechenland, die eng mit dem griechischen Arzt Hippokrates und seinen Lehren verbunden ist. Die Frühgeschichte der griechischen Medizin begann um 2500 v. Chr. Ab etwa 600 v. Chr. wurde die altgriechische Medizin bestimmt durch eine naturwissenschaftlich basierte Philosophie.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 6–7. Die erste bekannte griechische medizinische Schule wurde um 550 v. Chr. im unteritalischen Kroton eröffnet, wo Alkmaion von Kroton lehrte, der Autor des ersten anatomischen Werkes; hier wurde die Praxis der Patientenbeobachtung begründet. Die altgriechische Medizin konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Humoralpathologie oder Viersäftelehre. Die bedeutendste Rolle in der griechischen Medizin der Antike spielte der Arzt Hippokrates von Kos, bekanntester Vertreter der medizinischen Schule in Kos. Atlas of Anatomy, ed. Giunti Editorial Group, Taj Books LTD 2002, S. 9. Hippokrates und seine Schüler dokumentierten schriftlich ihre Erfahrungen, später zusammengefasst im Corpus Hippocraticum, in dem sich auch der Eid des Hippokrates befindet. Der in Rom tätige Grieche Galenos war einer der wichtigsten Chirurgen der Antike, dem zahlreiche kühne Operationen, einschließlich Hirn- und Augenoperationen, gelangen. Die Schriften des Hippokrates, Galens und anderer waren von nachhaltigem Einfluss auf die mittelalterliche europäische und islamische Medizin, bis im 14. Jahrhundert zahlreiche Ansichten als überholt abgetan wurden.

Frühe Einflüsse Die Frühgeschichte der griechischen Medizin beginnt etwa im 3. Jahrtausend v. Chr., als griechische Stämme vom Norden über die Donau und den Balkan in das Gebiet des heutigen Griechenland einwanderten. Einen ersten Höhepunkt erlebte deren Heilkunde wahrscheinlich mit der in gewissem Umfang von Ägypten beeinflussten kretisch-mykenischen Kultur zwischen 2000 und 1500 v. Chr.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 6. Trotz ihrer bekannten Hochschätzung der ägyptischen Medizin verliefen Versuche, einen konkreten Einfluss auf die griechische Medizin nachzuweisen, mangels Quellen und Problemen beim Verständnis der antiken medizinischen Terminologie nicht besonders erfolgreich. Es steht jedoch fest, dass die Griechen aus Ägypten importierte Substanzen in ihren Arzneibüchern aufführten; dieser Einfluss wuchs weiter nach der Gründung einer griechischen medizinischen Schule in Alexandria.Heinrich von Staden: Herophilus: The Art of Medicine in Early Alexandria. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 1–26. Ein in Homers Odyssee als pharmakon nepenthes bezeichnetes „Mittel gegen Kummer und Schmerz und aller Leiden Gedächtnis“, dessen Rezept aus Ägypten stamme, war vermutlich schmerzlindernder und schlafmachender Opiumsaft.Heinrich Buess: Medicochirurgisches in Ilias und Odyssee. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 81, 1956, S. 1818; E. H. Hume: Note on narcotics in ancient Greece and ancient China. In: Bull. New York Acad. Med. Band 10, 1934, S. 619. ; jeweils zitiert in H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 1. Die homerischen Gesänge, entstanden möglicherweise um 850 v. Chr., stellen die älteste schriftliche Quelle zur Geschichte der griechischen Medizin dar. Für die Entwicklung der Medizin war auch Pythagoras (um 580–500 v. Chr.) von Bedeutung, der das ordnende Zahlenprinzip als wesentlich ansah und unter anderem die Lehre von der Gesetzmäßigkeit in Biologie und Pathologie beeinflusste; ebenso Anaximenes (* um 526 v. Chr.), der den Begriff des „Kosmos“ erstmals erwähnte und damit die spätere Pneumalehre vorwegnahm.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 1960, S. 6.

Hippokrates und die hippokratische Medizin mini|Der Arzt Hippokrates, der Vater der modernen Medizin.P. C. Grammaticos, A. Diamantis: Useful known and unknown views of the father of modern medicine, Hippocrates and his teacher Democritus. In: Hellenic journal of nuclear medicine. Band 11, Nummer 1, 2008 Jan-Apr, S. 2–4, . PMID 18392218., European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases

Die herausragende Persönlichkeit der griechischen Medizingeschichte war der Arzt Hippokrates von Kos (460–370 v. Chr.), der „Vater der modernen Medizin“.Hippocrates: The "Greek Miracle" in Medicine Das Corpus Hippocraticum enthält eine Sammlung von etwa siebzig frühen medizinischen Werken des antiken Griechenland, die in enger Verbindung mit Hippokrates und seinen Schülern stehen. Am bekanntesten ist Hippokrates als angeblicher Urheber des hippokratischen Eides, der bis heute vielfach für Ärzte von Bedeutung ist, dessen Autorschaft jedoch als unwahrscheinlich gilt.

Aus der Existenz des hippokratischen Eides geht hervor, dass diese „hippokratische“ MedizinPedro Laín Entralgo: La medicina hipocrática. Madrid 1970. von einer Gruppe professioneller Ärzte praktiziert wurde, die an einen strengen ethischen Kodex gebunden waren. Angehende Studenten entrichteten in der Regel eine Gebühr für die Ausbildung und traten zu ihrem Lehrer in eine gleichsam familiäre Beziehung. Zur Ausbildung gehörte die mündliche Unterweisung durch den Lehrer und auch praktische Einsätze als dessen Assistent, da der Eid davon ausging, dass Student und Patient miteinander in eine Beziehung treten. Der Eid setzte dem ärztlichen Handeln auch Grenzen („Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben“) und verweist sogar auf die Existenz einer weiteren Gruppe medizinischer Spezialisten, etwa die Chirurgen („Ich werde … das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.“).Owsei Temkin, What Does the Hippocratic Oath Say? In: „On Second Thought“ and Other Essays in the History of Medicine. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2002, S. 21–28. Die hippokratische Medizin, deren nachhaltigste Leistung die Herausbildung der ärztlichen Ethik ist, entwickelt sich in der klassischen Zeit der antiken Heilkunde (etwa 450 bis etwa 300 v. Chr.) und gilt als Grundlage für die Medizin als eigenständige Wissenschaft. Der Hippokratismus, dessen bedeutendster Vertreter Hippokrates ist, wurzelt in den Asklepiadenschulen von Kos, Knidos und (mit Empedokles) auch Sizilien.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 7–8. Die Basis für die Physiologie innerhalb der im Corpus Hippocraticum niedergelegten hippokratischen Medizin stellt die Humoralpathologie als Lehre von den (vier) Körpersäften dar. Wie Alkmaion, Parmenides und Empedokles nahmen die hippokratischen Ärzte im Gegensatz zu Aristoteles an, dass bei der Zeugung beide Geschlechtspartner „Samen“anteile beisteuern.Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 16 und 19–27.

Hippokrates und seine Schüler wurden Erstbeschreiber zahlreicher Krankheiten und Beschwerden. Sie erkannten die Trommelschlägelfinger als wichtiges diagnostisches Zeichen bei chronischen eitrigen Lungenerkrankungen, Lungenkrebs oder Herzerkrankungen. Daher wurden diese Finger gelegentlich „hippokratische Finger“ genannt.Robert A. Schwartz, Gregory M. Richards, Supriya Goyal: Clubbing of the Nails. WebMD, aufgerufen am 28. September 2006 Hippokrates war ebenso der erste Arzt, der das hippokratische Gesicht in Prognosis beschrieb.Charles Singer, E. Ashworth Underwood: A Short History of Medicine. Clarendon Press, Oxford 1962, S. 40Roberto Margotta: The Story of Medicine. Golden Press, New York 1968, S. 70.

Hippokrates begann mit der Kategorisierung des Krankheitsverlaufes in akut, chronisch, endemisch und epidemisch, und verwendete Begriffe wie „Irritation, Rückfall, entzündungshemmend, Krise, Anfall, oder Rekonvaleszenz“.Fielding H. Garrison: History of Medicine. W.B. Saunders Company, Philadelphia 1966, S. 97.Félix Martí-Ibáñez: A Prelude to Medical History MD Publications, Inc., New York 1961, S. 90. Als weiterer wesentlicher Beitrag des Hippokrates gilt die Beschreibung der Symptomatik körperlicher Befunde, der chirurgischen Behandlung und Prognose von Pleuraempyemen, d. h. der Eiterung innerhalb der Brusthöhle. Seine Lehren etwa hinsichtlich der Lungenheilkunde und Chirurgie bleiben von anhaltender Bedeutung.

Das Corpus Hippocraticum enthält die zentralen medizinischen Texte dieser Schule. Heute schreibt man die Verfasserschaft einer Reihe von über mehrere Jahrzehnte vor Hippokrates lebenden Autoren zu.Vivian Nutton: Ancient Medicine. Routledge, London – New York 2004. Eine direkte Zuordnung bestimmter Schriften zur Urheberschaft des Hippokrates ist schwierig.

Asklepieia mini|Asklepieion von Kos, besterhaltenes Asklepieion

Heiligtümer, die dem Gott der Heilung Asklepios, als Asklepieia geweiht waren, dienten als Zentren für medizinische Beratung, Orakel und Therapie. In diesen Heiligtümern versetzte man den Patienten in einen tranceartigen Schlafzustand, enkoimesis (ενκοίμησις), nicht unähnlich einer Anästhesie, während dessen er entweder unter der Führung der Gottheit in einem Traum (Enkoimesis) oder durch eine Operation geheilt wurde. Die Asklepieia verfügten über besonders eingerichtete Räume, in denen die Heilung begleitet und gefördert wurde. Im Asklepieion von Epidauros verzeichnen drei große Marmorplatten aus dem Jahr 350 v. Chr. die Namen, Leiden, Patientengeschichten und die Behandlung von etwa 70 Patienten, die im Heiligtum Genesung erfuhren. Die Beschreibungen chirurgischer Operationen wie die Öffnung abdominaler Abszesse oder die Entfernung traumatischer Fremdkörper, bei denen der Patient mittels betäubender Substanzen wie Opium in den Zustand der enkoimesis versetzt wurde, erscheinen aufgrund ihres Realismus als glaubwürdig.

Aristoteles Der griechische Philosoph Aristoteles war der einflussreichste Gelehrte der Antike. Obwohl seine frühen naturphilosophischen Werke spekulativ waren, zeigten sich seine späteren biologischen Schriften am Empirismus, der biologischen Kausalität und der Vielfalt der Lebensräume orientiert.Mason, A History of the Sciences S. 41 Aristoteles hielt nichts vom Experiment, sondern ging davon aus, dass die Begriffe im je eigenen – statt in einem kontrollierten künstlichen – Umfeld ihre wahre Natur zeigten. Während diese Ansicht für die Physik und Chemie nicht förderlich war, blieb sie es für die Zoologie und Verhaltensforschung, wo das Werk des Aristoteles „eine echte Bedeutung“ behielt.Annas, Classical Greek Philosophy S. 247 Er machte unzählige Naturbeobachtungen, vor allem der Gewohnheiten und Eigenschaften der Pflanzen- und Tierwelt, der er große Aufmerksamkeit für seine Kategorisierung widmete. Insgesamt bestimmte Aristoteles 540 Tierarten und sezierte mindestens 50.