Georg Brintrup (* 25. Oktober 1950 in Münster) ist ein deutsch-italienischer Filmemacher und Drehbuchautor. Zu seinen bekannteren Werken gehören literarische und musikalische Filmessays und Filmbiografien. Er arbeitet hauptsächlich in Italien und Brasilien, aber auch in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Seit 2015 besitzt er neben der deutschen die italienische Staatsangehörigkeit.

Leben Brintrup drehte Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre Undergroundfilme. Einige dieser Filme wurden im Rahmen von Inszenierungen im Stadttheater Münster gezeigt.Programmheft Städtische Bühnen Münster zu Peter Tersons Zicke-Zacke, Premiere am 16. April 1970. Danach studierte er Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Romanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ab 1973 studierte er Film und Medienwissenschaft am I.S.O.P. in Rom. Seine Abschlussarbeit war der Kurzfilm Meine Wunder, der 1978 bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen gezeigt wurde. Im Jahr 1975 drehte er seinen ersten Langfilm Spielregel für einen Wiedertäuferfilm, der ein immer wiederkehrendes Prinzip zum Thema hat: Wird eine friedliche politische oder soziale Bewegung unterdrückt, führt das zum Radikalismus, wird die Bewegung gar in die geistige Isolation getrieben, entstehen Fanatismus und Terrorismus. Der Film lief 1977 beim International Film Festival Rotterdam und im Forum des Jungen Deutschen Films bei den 27. Internationalen Filmfestspielen Berlin.Neue deutsche Filme 76/77 im 7. Internationalen Forum des Jungen Films, Berlin

Im Jahre 1978 schrieb Brintrup seinen ersten „Hörfilm“ für den Südwestfunk Baden-Baden: Allein mit meinem Zauberwort. Diese Form des Hörspiels steht in der Tradition der Hörfilme von Max Ophüls Schnitzlers “Fräulein Else” und die Nackte Wahrheit: Novelle, Verfilmungen ... von Alexandra Tacke, S. 69, Böhlau Köln, 2016, ISBN 3-412-22497-9 und hat nichts mit der heute üblichen Konnotation dieser Hörspielform, Audiodeskription, zu tun. Historisches Wörterbuch der Rhetorik Begriff “Hörfilm”, Hrsb. von Gert Ueding. Band 3 Eup-Hör (Seite 1571–72), ISBN 978-3-484-68100-2 Klänge, Töne, Musik und Sprache werden gleichberechtigt nebeneinander behandelt und eingesetzt. Insgesamt schrieb Brintrup 30 Hörfilme für verschiedene Rundfunkanstalten in Deutschland.

Er drehte 1979 mit Ich räume auf nach der gleichnamigen Streitschrift der expressionistischen Dichterin Else Lasker-Schüler sein erstes filmisches Essay fürs Fernsehen. Der Film hat die Form der Ausbeutung und Korruption von ästhetischer Produktion zum Thema.Monika M. Hielscher in MEDIUM, 10. Jg. 1980, Heft 5 Mit dem Film Poemi Asolani drehte er 1985 seinen ersten Musikfilm, der auch als „Musical ohne Gesang“Prix Italia 1985, Cagliari, communicato stampa bezeichnet wurde und mehrere Auszeichnungen erhielt. In den 1990er und 2000er Jahren entwickelte er die Form des Musikfilm-Essays kontinuierlich weiter. Auch dabei wurden – wie bei den Hörfilmen – Bild, Gestik, Musik, Sprache und Geräusche gleichberechtigt nebeneinander behandelt und eingesetzt.siehe auch: Alberto Farassino in La Repubblica vom 31. Juli 1986 Brintrups Stil, seine „musikalischen Augen“ und „sehenden Ohren“Jörg Bartel: “Regisseur mit sehenden Ohren - Der Ausnahme-Filmemacher Georg Brintrup” in Neue Rheinische Zeitung vom 22. Oktober 2010 unterscheidet sich insofern von anderen Filmessayisten.

In den 1990er Jahren drehte er neben den italienischen Musikfilmen Raggio di Sole und Luna Rossa eine umfassende Musik-Trilogie in Brasilien. Der erste dieser Filme, Symphonia Colonialis, hat die Entstehung der weitgehend unbekannten brasilianischen Barockmusik zum Thema. Im zweiten Film, O Trem Caipira, wird kein Wort gesprochen. „Rein brasilianische“ Musik, von Itiberê da Cunha über Heitor Villa-Lobos zu Radamés Gnattali, kommentiert Bilder aus dem brasilianischen Alltag und legt dabei ihre eigenen akustischen Ursprünge offen. Der dritte Film der Trilogie, Trommler und Götter, dringt in die musikalische Psyche des Brasilianers ein. Ein Blinder und ein Straßenjunge streifen durch die Stadt Salvador (Bahia) auf der Suche nach dem Ur-Klang.

Zuletzt drehte Brintrup die Musikfilme Palestrina – Fürst der Musik (2009) und Santini’s Netzwerk (2013), in denen Alte Musik eine besondere Rolle spielt, und in denen die Polyphonie wie das Zusammenspiel einzelner, in sich unabhängiger Stimmen bildlich dargestellt wird,Giuseppe Fantasia: “Palestrina princeps musicae” in Dillinger - La piazza degli outsider vom 18. März 2010 wie Planeten, die, in sich zwar eigenständig, trotzdem einer höheren Ordnung des Universums folgen müssen.Virgilio Celletti: “Palestrina dopo 500 anni diventa una star del cinema” in Avvenire vom 12. April 2009

Brintrup ist Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Filmographie (Auswahl) B = Drehbuch, R = Regie, P = Produktion 1973: Il parco (Italien) (B, R, P) 1975: Spielregel für einen Wiedertäuferfilm (Italien/BRD) (B, R, P) 1976: Meine Wunder (Italien/BRD) (B, R, P) 1979: Ich räume auf (BRD) (B, R) 1981: Penn’a Du (USA) (B, R) 1983: Strada Pia (Italien) (B, R, P) 1985: Poemi Asolani (Italien) (B, R, P) 1986: Monalisa, (fünf Porträts), (Italien) (B, R, P) 1989: Deruta oder der Stein der Weisen(Italien) (B, R, P) 1991: Symphonia Colonialis (Brasilien)(B, R, P) 1994: O Trem Caipira (Brasilien) (B, R, P) 1996: Ein Sonnenstrahl (Italien) (B, R, P) 1998: Luna Rossa (Italien) (B, R, P) 2000–2007: Enzo Cucchi (Italien) (B, R, P) 2001: Trommler und Götter (Brasilien) (B, R) 2002: Viva! La banda und La banda (Italien) (B, R) 2004: Sommer Musik (Italien) (B, R) 2009: Palestrina – Fürst der Musik (Italien) (B, R) 2011: Palazzo Ricci (Italien) (B, R) 2013: Santini’s Netzwerk (Deutschland/Italien) (B, R)

Darsteller Klassenverhältnisse von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet (1983) Der Tod des Empedokles von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet (1986)

Hörspiele (Auswahl) 1978: Allein mit meinem Zauberwort 1980: Ich sterbe am Leben und atme im Bild wieder auf 1982: Bis wohin reicht mein Leben 1986: Pausen des Schweigens 1988: Bis ich Geist bei Geistern werde 1990: Nicht ich habe Angst – die Angst hat mich 1991: Die akzeptierte Tragödie 1992: Lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben 1993: Die ganze Stadt gehört Oxum 1994: Losgelöst von allen Wurzeln 1994: Die zweisprachige Liebe 1995: Wo die Worte aufhören 1995: Die am Erfolg scheitern 1996: Amor Mundi 1997: Die Liebe zum Lebendigen 1998: Die Wiederentdeckung Amerikas 1999: Ich bin wohl gar verrückt 1999: Die Macht der Mutter – Sprache 2000: Dem Leben den Stachel nehmen 2001: Spuren erzeugen Träume 2004: Insel der schlafenden Riesen 2005: Die Unruhe im Herzen wachhalten

Weblinks

Georg Brintrup Website

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann