mini|Die Alte Synagoge, Blick von Südwesten. Fotografie von 1896 Die als Alte Synagoge bezeichnete Synagoge am heutigen Platz der Alten Synagoge in Freiburg im Breisgau wurde 1869/1870 erbaut und in der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Bei Bauarbeiten zur Platzumgestaltung 2016 wurden an mehreren Stellen Reste des Gebäudefundaments entdeckt, freigelegt und dokumentiert, bevor es teilweise abgetragen und verfüllt wurde, um es mit einem symbolischen Wasserbecken zu überbauen. Die als Ort der Erinnerung bezeichnete Brunnenanlage entspricht in Größe und Lokalisierung dem Grundriss der zerstörten Synagoge und wurde 2017 der Öffentlichkeit übergeben. Hinsichtlich seiner Konzeption und Nutzung ist der Gedenkbrunnen bis heute Gegenstand von Kontroversen.

Vorgänger-Synagogen

Die mittelalterliche jüdische Gemeinde hatte wahrscheinlich bereits um 1300 eine Synagoge. Ihre erste Erwähnung ist auf 1349 datiert. In diesem Jahr wurden im Rahmen der allgemeinen Judenverfolgung in der Pestzeit fast alle Freiburger Juden ermordet. Die erste Freiburger Synagoge befand sich in der Wasserstraße, wo neben der benachbarten Weberstraße bis dahin auch die Mitglieder der Gemeinde wohnten. Insgesamt ließen sich in diesem Bereich zehn jüdische Wohnhäuser nachweisen.Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde. Auf Alemannia Judaica (abgerufen am 12. November 2017).

Ab etwa 1360 lebten wieder Juden in der Stadt, teilweise in den alten Häusern in der Wasserstraße. 1385 wurde eine Synagoge an der südwestlichen Ecke Weberstraße/Raustraße genannt; damals wurden 60 jüdische Einwohner in Freiburg gezählt, unter ihnen ein Judenschulmeister. Es ist unklar, in welchem Verhältnis zur mittelalterlichen Ansiedlung die noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts (1708) sogenannte Judengasse (für den zwischen Bertholdstraße und Franziskanerplatz liegenden Teil der heutigen Universitätsstraße) steht.

Im Jahre 1401 beschloss der Freiburger Stadtrat, daz dekein Jude ze Friburg niemmerme sin sol.Vgl. hierzu: Peter Schickl: Von Schutz und Autonomie zu Verbrennung und Vertreibung: Juden in Freiburg. In: Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Band 1. Von den Anfängen bis zum „Neuen Stadtrecht“. Stuttgart 1996, S. 544. König Sigismund bestätigte dieses Dekret 1424 mit der Ewigen Vertreibung. Danach war es Juden nicht mehr erlaubt, in Freiburg zu wohnen.Heinrich Schwendemann: Die Juden werden aus der Stadt vertrieben. In: Jürgen Dendorfer u. a.: Auf Jahr und Tag. Freiburgs Geschichte im Mittelalter. Freiburg 2013, S. 123–142.

Ab 1809 waren Juden in Baden als Staatsbürger anerkannt und ihre Religion war als gleichberechtigt geduldet, das jeweilige Ortsbürgerrecht blieb ihnen jedoch weiterhin verwehrt. Auch durften sie nur in Gemeinden leben, in denen schon Juden ansässig waren. Laut einer Volkszählung 1846 lebten damals nur zwanzig Juden in der Freiburger Innenstadt.Gabriele Blod, Wolfgang Hug u. a.: Unruhe im „Pfaffenstädtchen“. Reaktion, „Neue Ära“ und Kulturkampf (1850–1870). In: Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Band 3. Von der badischen Herrschaft bis zur Gegenwart. Stuttgart 1992, S. 157. Die in Freiburg lebenden Juden schlossen sich erst 1864 zur „Israelitischen Religionsgesellschaft“ zusammen und mieteten einen Betsaal an. Die Gemeinde stellte einen Kantor ein, der zugleich als Schochet und Religionslehrer tätig war. Der Betsaal befand sich im damaligen Haus Nr. 838 am Münsterplatz.Jüdische Geschichte in Freiburg. Der Weg zur Gründung der israelitischen Gemeinde und der Bau der Synagoge. freiburg.de (abgerufen am 13. November 2017).

Bau und Erweiterung mini|Gesamtansicht von Westen, mit jüdischem Gemeindehaus (linker Bildrand) und Rempartkaserne rechts, im Vordergrund die Sedanstraße. Zeitgenössische Ansichtskarte, Fotografie um 1905 mini|Westfassade mit Hauptportal. Zeitgenössische Ansichtskarte, Ausschnitt aus obiger Fotografie, um 1905 mini|Innenraum mit nach Osten ausgerichtetem Toraschrein, Bima und Ner Tamid mini|Die Alte Synagoge „fast verloren“ zwischen Universität und Theater. Blick von Südosten. Zeitgenössische Ansichtskarte, 1912 mini|Die Alte Synagoge mit dem Portalanbau. Fotografie von 1926 mini|Das Portal aus südwestlicher Richtung. Fotografie von 1926 Einige Jahre später erwarb die Gemeinde ein städtisches Grundstück an der damaligen Rempartstraße, ab 1874 Werderstraße, heute Platz der Alten Synagoge, für den Neubau einer Synagoge. Im Herbst 1869 begann man mit dem Bau der Synagoge nach Plänen des Gewerbeschulhauptlehrers Georg Jakob Schneider. Er hatte sich als alleiniger bzw. maßgeblich beteiligter Baumeister der Synagogen in den Landgemeinden Ihringen, Kippenheim, Müllheim, Rust und Schmieheim bereits einen Namen gemacht. In Freiburg nahm er die von Gottfried Semper gebaute Synagoge in Dresden zum Vorbild. Dass „der äußeren Erscheinung einer Synagoge nach eigenem Verständnis der zeitgenössischen jüdischen Architekten auch eine politische Bedeutung zugemessen werden muss“, gelte insbesondere für die Freiburger Synagoge; gleichzeitig sei mit der Wahl Schneiders als Synagogen-Architekt ein „Schulterschluss mit der (damaligen) städtischen Gesellschaft“ vollzogen worden, zumal dieser bereits durch mehrere öffentliche Gebäude in Freiburg präsent war.Clemens Rehm: Freiburg. In: Franz-Josef Ziwes (Hrsg.): Badische Synagogen aus der Zeit von Großherzog Friedrich I. in zeitgenössischen Photographien. G. Braun, Karlsruhe 1997, ISBN 3-7650-8177-9, S. 42. Allerdings scheint die Stadt hinsichtlich des Standortes der Synagoge eine kritische Haltung eingenommen und behalten zu haben, die im Rahmen der Diskussion um eine notwendige Erweiterung in den 1920er Jahren erneut deutlich wurde.Kathrin Clausing: Leben auf Abruf. Zur Geschichte der Freiburger Juden im Nationalsozialismus. Stadtarchiv Freiburg im Breisgau, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-923272-33-2, S. 30. In Stilwahl und Topographie an zentralem Platz setzte sich die Synagoge, durch eine Hügelaufschüttung zudem leicht erhöht, von den umliegenden Gebäuden und den christlichen Gotteshäusern der Stadt merklich ab.

Die in maurisch-byzantinischem Stil errichtete Synagoge besaß links und rechts vom Eingangsportal minarettartige, den Eingangsrisalit flankierende Türme. Romanische Stilelemente waren bei den umlaufenden Bogenfriesen und den halbrunden dreigeteilten Fenstern mit zierlichen Säulen zu erkennen. Über dem Giebel des Eingangsrisalits thronten die Gesetzestafeln und über dem Portal war eine deutsche Inschrift angebracht: „Mein Haus soll Bethaus genannt werden für alle Völker“ (Jesaja 56, 7). Die Mauerflächen waren verputzt, nur die Einfassungen der Fenster und Türen waren in Sandstein, die freiliegenden Bögen in Backsteinen hergestellt. Die Frauenempore war durch zwei Nebeneingänge und über im Hauptbau integrierte hölzerne Treppenhäuser erreichbar. Der aus einem griechischen Kreuz als Grundrissform gebildete Baukörper ließ von außen die innere Dreischiffigkeit nicht ohne weiteres vermuten. Die Bima, das Pult für den Vorbeter, bildete nicht, wie traditionell üblich, den Mittelpunkt des Raums, sondern stand, wie der Toraschrein, an der östlichen Kopfseite.

Die feierliche Einweihung des mit finanzieller Hilfe der etablierten Jüdischen Gemeinde Mannheim errichteten Synagogengebäudes fand am 23. September 1870 unter der Leitung des Breisacher Rabbiners Moses Reiß statt. Unter den Gästen waren die Vorstände der Behörden von Staat und Gemeinde und die protestantischen Geistlichen. Neben der Synagoge, etwas nach Osten versetzt, stand das jüdische Gemeindehaus, das der Synagogengemeinde seit 1890 als Verwaltungsgebäude diente. Darin befand sich auch die Wohnung des Rabbiners und ab 1925 ein Betsaal für die orthodoxen Gemeindemitglieder der Freiburger Einheitsgemeinde. Nicht wie geplant an der Nordostseite, sondern an der Südwestseite des Gemeindehauses wurde 1922 nach Plänen des Freiburger Architekten Arthur Levi ein „Frauenbad für die israelitische Gemeinde“ (Mikwe) errichtet. Nach Süden grenzte die Synagoge bis 1906 an die Rempartkaserne, die dem Gebäude der neuen Universität weichen musste.

Wiederum nach Plänen Arthur Levis wurden das Synagogengebäude 1925/1926 an seiner westlichen Seite aus feuerpolizeilichen Gründen umgebaut (Erweiterung der beiden engen, hölzernen Wendeltreppen zur Frauenempore) und die Empore um einige Plätze erweitert. Die westliche Portalseite erhielt einen großen Vorbau, mit dem nach Ansicht der Stadtverwaltung die zwischen dem neuen Stadttheater und dem 1911 fertiggestellten Universitätsgebäude liegende Synagoge „auch äußerlich aufgewertet“ worden war.Reste der ehemaligen Freiburger Synagoge dokumentiert. auf freiburg.de, abgerufen am 13. November 2017. Die beiden Knäufe der Turmspitzen wurden abgenommen und nicht wieder aufgesetzt; Fotografien der erweiterten Synagoge nach 1926 zeigen sie nicht mehr. Einer davon wurde bei den Bauarbeiten im Juli 2016 auf dem Gelände wiedergefunden.Zur Präsentation (Abbildungen) dieser Exponate vgl. die Ausstellung Nationalsozialismus in Freiburg, Augustinermuseum 2016/17, Diese Exponate erzählen die Geschichte von Freiburg im Nationalsozialismus. Badische Zeitung, 23. November 2016.Bertram Jenisch: Ein architektonischer Stolperstein. In: Nationalsozialismus in Freiburg, Begleitbuch zur Ausstellung des Augustinermuseum. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0362-8, S. 172–173. Im Vorfeld der Planungen und Finanzierungsanträge der Gemeinde war von Seiten der Stadtverwaltung zum Ausdruck gebracht worden, dass man sich „in städtebaulicher Hinsicht“ eher einen repräsentativeren Neubau der Synagoge wünschte und daran auch nach dem Anbau von 1926 festhalten werde. Hans Schadek resümiert diesbezüglich: „Die auch nach der Erweiterung von 1925 bescheidene Synagoge [hat] seit dem Bau von Stadttheater, Universitätsgebäude und Rotteck-Gymnasium fast verloren zwischen diesen gestanden“.Hans Schadek: Freiburg ehemals - gestern - heute. Die Stadt im Wandel der letzten 100 Jahre. Steinkopf, Kiel 2004, ISBN 3-7984-0771-1, S. 115.

Zerstörung Am 10. Juli 1934 kam es zu einem Brand des Universität-Hauptgebäudes, der vor den Augen vieler Schaulustiger und des an den Brandort geeilten Freiburger Oberbürgermeisters Franz Kerber durch einen Großeinsatz der Freiburger Feuerwehr gelöscht wurde, wobei auch der Ordnungsdienst der Polizei, SA- und SS-Männer und der Freiwillige Arbeitsdienst im Einsatz waren.Hans Sigmund: Der Tag an dem die Uni brannte. Badische Zeitung, 21. Juli 2008. Der Brand, der sich vom Dachstuhl in kurzer Zeit bis auf den nördlichen Gebäudetrakt ausgedehnt hatte, griff nicht auf die dicht angrenzende Synagoge über.