Rehau () ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Hof in Bayern nahe dem Dreiländereck Bayern-Sachsen-Böhmen. Sie liegt 15 Kilometer südöstlich von Hof (Saale) an der Bayerischen Porzellanstraße und gehört zum bayerischen Vogtland. Im Landesentwicklungsprogramm Bayern ist Rehau als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie Geographische Lage mini|Blick vom Großen Kornberg auf Rehau mini|Rathaus und Museum mini|Perlenbach Eingebettet in die hügeligen Ausläufer des nördlichen Fichtelgebirges liegt die Stadt am Fuße des Großen Kornbergs () im Nordosten von Oberfranken. Die Entfernung zur Grenze der Tschechischen Republik beträgt drei, zum Freistaat Sachsen neun Kilometer. Durch Rehau fließen der Perlenbach und der Höllbach, die sich im Stadtgebiet zur Schwesnitz vereinigen.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Regnitzlosau, Hranice u Aše (Roßbach), Krásná (Schönbach b. Asch), Aš (Asch), Selb, Schönwald, Schwarzenbach an der Saale, Oberkotzau und Döhlau.

Gemeindegliederung Rehau besteht aus 29 Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Außerdem gibt es die Siedlung Neukühschwitz und die Einöde Wendelhof. Ziegelhütte ist in der Ortstraße Ziegelhüttenweg des Gemeindeteils Rehau aufgegangen.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Faßmannsreuth, Fohrenreuth, Kühschwitz, Neuhausen, Pilgramsreuth, Rehau, Rehauer Forst und Wurlitz. Die Gemarkung Rehau hat eine Fläche von 16,148 km² und ist in 6330 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2551,00 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Degenreuth, Dürrenlohe, Heinersberg, Löwitz, Röllmühle und Seelohe.

Geschichte Namensentwicklung Trotz des sprechenden Wappens aus dem Jahr 1427 hat der Name Rehau weder mit einem Reh noch mit einer Au etwas zu tun. Rehau tauchte 1234 als „Resawe“ erstmals auf, das dürfte auf das slawische Wort rezawe zurückgehen, das einen Waldausschnitt oder eine Waldrodung bezeichnet. Im Laufe der Zeit verschwand das „S“, und der Name wurde zu Reh-Au umgedeutet (ein W wurde in jener Zeit häufig als U geschrieben). Auf einer bronzenen Grabtafel des ersten Rehauer Pfarrers Behr aus dem Jahr 1497 wird noch die Schreibweise Rehaw verwendet.Ernst Zeh: Heimatkunde der Stadt Rehau. S. 14.

Geschichte mini|Plan von Rehau vor dem Stadtbrand von 1817, gesüdet mini|Rehau nach dem Wiederaufbau ab 1824, gesüdet mini|Rehau, Postkarte um 1900 mini|Wallstraße Rehau wurde 1234 erstmals urkundlich als „Resawe“ erwähnt und erhielt 1427 die Stadtrechte. Schon vor der Erhebung zur Stadt bestand eine dem Heiligen Jobst geweihte Kapelle, die der Mutterkirche in Schwarzenbach an der Saale unterstand. Erster wehrhafter Ansitz war der Burgstall Rehau. Am 22. Mai 1470 stellte der Rat der Stadt Rehau erfolgreich den Antrag auf Gründung einer eigenen Pfarrei. Ab 1500 lag Rehau im Fränkischen Reichskreis. Aufgrund der Zugehörigkeit zum Fürstentum Kulmbach (seit 1604 Fürstentum Bayreuth), das von 1527 bis 1541 vom Ansbacher Markgrafen Georg mitregiert wurde, führte man in Rehau die Reformation und das lutherische Bekenntnis ein. Die auf dem Grund der alten Kapelle errichtete evangelische Hauptkirche trägt noch den Namen Pfarrkirche St. Jobst. Sie ist das älteste Bauwerk der Stadt. Der Kirchturm wurde 1607 aufgestockt und mit einem Gedenkstein, der diese Jahreszahl trägt, versehen. Das ist die älteste Inschrift in Rehau.

Im Jahre 1622 war in Rehau eine Kippermünzstätte in Betrieb. 1647 fand im Stadtteil Pilgramsreuth, damals noch ein selbständiges Dorf, der erste feldmäßige Kartoffelanbau in Deutschland statt, zwei Jahre vor dem ersten Anbau in Preußen.

Im Jahre 1791 kam Rehau mit dem Markgraftum Bayreuth zu Preußen. Von 1806 an war die Stadt vier Jahre lang unter französischer Verwaltung. Am 30. Juni 1810 übergab die französische Armee das ehemalige Fürstentum an das mittlerweile zum Königreich aufgestiegene Bayern, das es für 15 Millionen Francs von Napoleon Bonaparte gekauft hatte.

mini|hochkant|Typisch für den Rehauer Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts sind die klassizistischen Portale aus heimischem Granit In den Jahren 1512, 1763 und 1817 verwüsteten verheerende Brände fast die ganze Stadt. Der schachbrettartige Wiederaufbau nach dem Brand von 1817, bei dem 168 Wohnhäuser mit Nebengebäuden, 300 Scheunen sowie die soeben eingefahrene Ernte, das Pfarrhaus, das Brauhaus, das Rathaus, das Landgericht, die Hammermühle und die Kirche niederbrannten, erfolgte unter der Leitung von Johann Wilhelm Baumann und dauerte bis 1824.modellstadt-bayerns.de abgerufen am 10. Februar 2013. Dieser Wiederaufbau gilt als Beispiel einer klassizistischen Städteplanung und sollte als Vorbild für alle weiteren bayerischen Städte dienen, die durch derartige Katastrophen zerstört worden waren („Modellstadt Rehau“).

Im Frühjahr 1945 führte der zweite Todesmarsch von Helmbrechts durch das heutige Rehauer Stadtgebiet. 1175 weibliche Häftlinge wurden aus dem KZ-Außenlager Helmbrechts evakuiert und sollten über Franzensbad ins böhmische Wallern gebracht werden. Zwischen 200 und 500 Frauen starben unterwegs an Erschöpfung oder wurden ermordet (siehe auch Gedenkstätte Langer Gang). In einem Sammelgrab auf dem kommunalen Friedhof von Rehau sind vier dieser KZ-Opfer bestattet.

Zwischen Juli 1946 und Frühjahr 1948 gab es in Rehau ein Lager für jüdische Displaced Persons (DP), in dem 1946 250 und 1947 87 Überlebende der nationalsozialistischen Judenverfolgung untergebracht waren.

Bis 1972 war Rehau Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Das moderne Rathaus der Stadt beherbergte bis zur Landkreisreform das Landratsamt. Im Rahmen der Gebietsreform 1978 wurde die Kommune um fünf vormals selbständige Gemeinden erweitert.

Im Sommer 2002 fand vor der Stadt das Bundeslager des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) unter dem Motto Jurtown – It’s Yourtown statt. An dem Lager nahmen etwa 4100 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet sowie viele internationale Gäste aus Thailand, Finnland, Israel usw. teil.

Am 1. April 2007 übernahm Michael Abraham das Amt des Ersten Bürgermeisters der Stadt Rehau.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Faßmannsreuth, Fohrenreuth, Neuhausen, Pilgramsreuth und Wurlitz sowie der Gemeindeteil Kühschwitz der Gemeinde Kautendorf in die Stadt Rehau eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 9880 auf 9424 um 456 bzw. um 4,6 %. Am 31. Dezember 1993 hatte die Stadt 10.593 Einwohner. Jahr Einwohner 1960 11.689 1970 12.268 1980 10.760 1990 10.322 1995 10.526 2000 10.301 Jahr Einwohner 2005 9.930 2007 9.815 2008 9.631 2009 9.476 2010 9.427 2011 9.412 Jahr Einwohner 2012 9.374 2013 9.364 2014 9.303 2015 9.335 2016 9.352 2017 9.445 Jahr Einwohner 2018 9.424 2019 9.3982020 9.31920219.32420229.36920239.366 Jahr Einwohner 2024 9.422 2025 2026 2027 2028 2029 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung bis 2000, ab 2002, danach Stadt Rehau.

Politik mini|hochkant|Michael Abraham (1. Bürgermeister)

Stadtrat Der Stadtrat hat 20 Mitglieder (Wahlperiode 2020/26): CSU 9 Sitze SPD 4 Sitze Freie Unabhängige Wählerschaft (FUWR) 4 Sitze Alternative für Deutschland (AfD) 2 Sitze Fraktionslos 1 Sitz

Bürgermeister Hauptamtlicher Erster Bürgermeister ist Michael Abraham (CSU) seit 2007. Seine Vorgänger waren Strobel, Fritz †CSUMai 1948 bis Dezember 1963Stang, Gustav †SPDMärz 1964 bis 30. September 1971Thümler, Heinz †SPD1. Oktober 1971 bis 31. März 1983Pöpel, EdgarCSU1. April 1983 bis 31. März 2007

Patenschaft / Städtepartnerschaften 1954 wurde zusammen mit der Stadt Selb die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Nachbarstadt Asch übernommen. Seit 1963 besteht eine Städtefreundschaft mit Bourgoin-Jallieu in Frankreich im Département Isère (zwischen Lyon und Grenoble). Ausgangspunkt hierfür waren die sogenannten Franzosengräber zweier napoleonischer Soldaten aus dem Jahre 1813 im Rehauer Wald. Beim Rückzug von Napoleons Armee waren sie zurückgelassen worden, Bauern im Rehauer Ortsteil Faßmannsreuth übernahmen ihre Versorgung. Nach dem Tod wurden sie im Wald beigesetzt. Seitdem wurden die Gräber über alle Zeiten hinweg immer von der Bevölkerung gepflegt. Als eine französische Besuchergruppe darauf aufmerksam wurde, fand deren Bericht in Frankreich große Resonanz und so wurde der Grundstein für die Städtefreundschaft zwischen Rehau und Bourgoin-Jallieu gelegt. Dies war eine der ersten Partnerschaften zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Oelsnitz im Vogtland. Seit 2004 besteht eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Oborniki Śląskie (Obernigk in Niederschlesien) nördlich von Breslau.

Die Stadt war maßgeblich an der Gründung der tschechisch-deutschen Vereinigung Freunde im Herzen Europas beteiligt.

Der Stadt Rehau wurde im Jahr 2010 das Europadiplom verliehen, es bildet die erste Stufe von insgesamt 4 Stufen des Europapreises. Im Jahr 2013 folgte die zweite Stufe mit der Ehrenfahne des Europarates. Mit der Ehrenplakette des Europarates im Jahr 2019 wurden erneut die besonderen Verdienste der Stadt Rehau um die europäische Integration ausgezeichnet.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche St. Jobst

Baudenkmäler

Museen mini|Maxplatz – rechts im Bild das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Das Museumszentrum am Maxplatz zeigt Exponate zur Stadtgeschichte. Neben der stadtgeschichtlichen Sammlung befinden sich auch eine original eingerichtete Drogerie und eine historische Schmiede. Mit der Ascher Sammlung und der Roßbacher Weberstube wird das kulturelle Erbe der Sudetendeutschen dokumentiert. Ergänzt wird dies mit der Schlesischen Sammlung.

Die Stadtgeschichte und vor allem das Stadtbild von Rehau ist geprägt von drei Stadtbränden. Im Museumszentrum werden anhand von zwei Stadtmodellen nicht nur die gravierenden Unterschiede vor und nach dem Brand von 1817 deutlich, sondern auch wie Rehau zur „Modellstadt Bayerns“ wurde. Rehau wurde auf Betreiben des bayrischen Königs Max I. nach brandschutztechnischen Erkenntnissen vollständig neu aufgebaut.

Die Mechanische Werkstatt im Angergäßchen ist ein Zeugnis der Anfangszeit der Industrialisierung in Rehau und besticht durch die erhaltene Originaleinrichtung. In ihr lernte der in Wurlitz geborene Bauernsohn Hans Vogt, der Miterfinder des Tonfilms.

Ein besonderer kultureller Höhepunkt ist das Kunsthaus Rehau ergänzt durch einen Skulpturenpark.

Regelmäßige Veranstaltungen Das Heimat- und Wiesenfest findet alle zwei Jahre abwechselnd mit dem Rehauer Stadtfest statt und zwar immer am ersten Wochenende im Juli.

Der Rehauer Lebkuchenmarkt findet immer am 1. Adventswochenende in Rehau statt. Der Markt ist einzigartig und könnte sich zu Recht als „Erster Deutscher Lebkuchenmarkt“ bezeichnen, weil es ihn so nirgendwo sonst gibt. Eine Vielzahl von namhaften regionalen Lebkuchenbäckereien bieten ihre Produkte alle gemeinsam nur auf dem Lebkuchenmarkt in Rehau an.

Der Lebkuchenmarkt wurde als „globale Leitmesse für Pfeffer- und Honigkuchen“ bezeichnet und gibt Gelegenheit, sich über hunderte verschiedene Lebkuchen zu informieren.Martin Droschke: Hunderte, ja gefühlt sogar mehrere Tausend verschiedene Lebkuchen kosten zu können, ohne sich weiter als 200 Meter bewegen zu müssen. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 30. November.

Auszeichnung „Goldene Kartoffel“