mini|Kirche (2007)
Rohrbach ist ein Stadtteil von Ober-Ramstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geografie Rohrbach liegt im vorderen Odenwald. Durch den Ort verläuft von Norden nach Süden die Landesstraße 3105. Die Quelle des Rohrbach befindet sich südsüdöstlich vom Ort.
Geschichte Ortsgeschichte Bei der ersten urkundlichen Erwähnung (1292) wird nicht das Dorf Rohrbach, sondern die drei Ritter Hartmut, Hartmund und Stephan von Rohrbach genannt.Hartmut von Rohrbach. In: Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 335, 23. Juli 1292.Gerald Keller, Brigitte Köhler, Ortsbeirat Rohrbach (Hrsg.): 700 Jahre Rohrbach. 1992, S. 14. Der Ort Rohrbach wird urkundlich erstmals 1382 genannt. 1382 haben in „Werner Kalbs Krieg“ Reisige (bewaffnete Dienstleute) der Städte Frankfurt, Mainz und Worms erhebliche Schäden in Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und auf dem Hofgut Illbach (Eulbach) angerichtet.Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1732 aus dem Jahr 1382, Unterlagen und Aufstellungen für die Verhandlungen im Jahre 1390. ()
Weitere historische Ortsnamen sind Roirbach (1403) und ab 1670 Rohrbach. Lehnsherren von Rohrbach waren die Grafen von Katzenelnbogen und fällt mit deren Aussterben im Jahre 1479 als Erbe an die Landgrafschaft Hessen. Durch Urkunden belegt sind:
1392 hat Werner Kalb von Reinheim (die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald) seine Güter zu Rohrbach von Graf Eberhard von Katzenelnbogen zu Lehen. Lehensträger waren die Familien von Eulbach/Ulbach (1398), Werberg von Lindenfels (1403), eine im 15. Jahrhundert zeitweise sehr einflussreiche Familie am Heidelberger Hof, von Mosbach (1423), die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald, von Erligheim (1423), von Rohrbach (1440), von Helmstatt (1441) (die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald), von Wallbrunn (1450) und Hans von Möhringen, Schwager von Hans von Rohrbach (1463). 1489 belehnt Landgraf Wilhelm I. von Hessen Philipp Kalb von Reinheim mit Rohrbach.
1699 wurden in Rohrbach und in den Nachbarorten Hahn und Wembach mehrere flüchtige Waldenser-Familien aus der Gemeinde Pragelà aus dem Herzogtum Piemont in Italien angesiedelt. 25 Familien mit 125 Personen kamen nach Rohrbach; 23 Familien mit 115 Personen nach Wembach und Hahn. Neben eigenen Pfarrern hatte die Kolonie auch eigene Lehrer sowie eigene Bürgermeister und somit eine eigenständige Verwaltung. Ab 1718 erfolgte der Neuaufbau von Rohrbach nach den Plänen von Johann Justus Spengler; um einen großen Platz in der Mitte (Place de commun) wurden 25 Häuser nach einheitlichem Bauplan gebaut, vier davon waren zweistöckig. 1738 starb Pfarrer Jacques Moutoux, er wurde 1656 in Traverses/Pragela geboren und begleitete seine Gemeinde in die neue Heimat; ihm folgte sein Sohn David als Pfarrer für die Kolonie. 1745 erfolgten umfangreiche Waldrodungen zur Vergrößerung der drei landgräflichen Höfe, die vom Landgrafen den 48 Waldenserfamilien zugewiesen worden waren. Zahlreiche Familien der Kolonie wandern 1750 unter Führung von David Moutoux nach Brandenburg aus. Neuer Pfarrer wurde Johann Philipp May (1750–1779), ihm folgte sein Sohn gleichen Namens (1779–1820). 1779 wird erstmals der Kartoffelanbau erwähnt. Den Waldensern wurde um 1820 die Benutzung der französischen Sprache in Kirche und Schule verboten. Nach und nach verlieren sie auch ihre Privilegien.
Die deutschen Einwohner von Rohrbach gehörten zum Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“Reiswagen = Bereitstellung von Frachtwagen einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge. eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Rohrbach gehörte zum „Oberramstädter Reiswagen“, dem auch noch die Orte Ober-Ramstadt, Asbach, Dilshofen, Ober-Modau, Nieder-Modau und Frankenhausen angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Die 321 französischen Einwohner in Rohrbach, Wembach und Hahn (Stand 1791) unterstanden zwar der Zentgerichtsbarkeit waren ab nicht den Reiswagen zugeteilt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Rohrbach:
Ab 1866 wurde die Verwaltung geteilt: Ein Bürgermeister war fortan für Rohrbach zuständig, ein weiterer für Wembach und Hahn.Pfarrer D. Mertens: Waldenser-Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Zeitschrift Der Deutsche Waldenser. 1890 wurde das Schul- und Pfarrhaus errichtet. Das Schulhaus wurde am 8. November 1891 eingeweiht.Schul- und Pfarrhaus. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 5. und 16. Juli 1890, 7. Oktober u. 14. November 1891. Der 200. Jahrestag der Koloniegründung wurde 1899 mit einem großen Festzug gefeiert und ein Gedenkstein errichtet. 1899 wurde mit der Planung einer zentralen Wasserversorgung begonnen. 1900 wird in Rohrbach und Wembach eine neue Schule errichtet. 1940 wurde mit Hilfe der NSV eine Kleinkinderschule im Saal der Gastwirtschaft Sonne eingerichtet. Im Jahr 1965 ist die neue Sportanlage und das Vereinshaus eingeweiht worden.Odenwälder Nachrichten 26. Juni 1965.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde aufgrund des Grenzänderungsvertrages am 21. Januar 1972 für den Stadtteil Rohrbach ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet, der das Gebiet der ehemaligen Gemeinde umfasst. Am 1. April 1972 wurde die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis nach Ober-Ramstadt eingegliedert. Rohrbach ist im Stadtgebiet der einzige Stadtteil mit Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rohrbach angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1500: Heiliges Römisches Reich, Oberrheinischer Reichskreis (bis 1806), Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Oberramstädter Reiswagen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Lnfolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt, Stadt Ober-RamstadtAm 1. April 1972 als Ortsbezirk zur Stadt Ober-Ramstadt. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Ober-Ramstadt
Gerichte Rohrbach gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Rohrbach das Amt Lichtenberg zuständig. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.
Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung von Lichtenberg nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Bevölkerung Einwohnerentwicklung • 1629: 9 Hausgesesse • 1630: 45 Einwohner (geschätzt)Einwohnerzahl 1630. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Heft 3, 1965, S. 79. • 1791: 321 (in Rohrbach, Wembach und Hahn) französische Einwohner • 1800: 148 französische Einwohner • 1806: 164 Einwohner, 28 Häuser • 1829: 316 Einwohner, 47 Häuser • 1867: 380 Einwohner, 66 Häuser
Einwohnerstruktur Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rohrbach 1323 Einwohner. Darunter waren 87 (6,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 210 Einwohner unter 18 Jahren, 547 zwischen 18 und 49, 312 zwischen 50 und 64 und 364 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 591 Haushalten. Davon waren 177 Singlehaushalte, 183 Paare ohne Kinder und 165 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 123 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 405 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Religionszugehörigkeit • 1829: 63 lutheranische (= 10,40 %), 251 reformierte (= 51,42 %) und 4 katholische (= 0,60 %). Einwohner • 1961: 508 evangelische (= 81,15 %), 110 katholische (= 17,57 %) Einwohner
Politik Bürgermeister Die Bürgermeister der Gemeinde Rohrbach waren bis zur Eingemeindung nach Ober-Ramstadt 1972: 1821–1830 Rambaud, Daniel sen.Daniel Rambaud, seit 1795 Maire de la Colonie wird erster Bürgermeister der Gemeinde Rohrbach – Wembach – Hahn. 1830–1831 Rambaud, Daniel jun. 1831–1836 Bertaloth, AbrahamBürgermeister Bertaloth, Abraham * 1783 † 1851. 1836–1841 Gaydoul, Abraham II.Bürgermeister Gaydoul, Abraham II. * 1789 † 1841. 1841–1846 Perron, Jean George III. 1846–1857 Gaydoul, Abraham III.Bürgermeister Abraham Gaydoul * 1815 † 1857 aus Hahn. Die Bürgermeisterei Rohrbach ist zuständig für die Gemeinden Rohrbach und Wembach mit Hahn. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt. Nr. 7/1856. 1857–1865 Gaydoul, Karl I.Bürgermeister Karl Gaydoul * 1824 † 1899 . Die Bürgermeisterei Rohrbach ist zuständig für die Gemeinden Rohrbach und Wembach mit Hahn. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt. Nr. 19/1862. 1865–1871 Perron, Daniel I.Bürgermeister Perron, Daniel I. In: Starkenburger Provinzial-Anzeiger – Dieburger Kreisblatt. Nr. 22/1873. 1871–1893 Perron, Daniel II.Bürgermeister Perron, Daniel II. * 1838 † 1911. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 30. August 1876, 3. Oktober 1883, 29. Januar 1887 und 26. Februar 1887. Odenwälder Nachrichten 12. Dez. 1911. 1893–1905 Bertaloth, Johannes II.Bürgermeister Bertaloth, Johannes II. * 1842 † 1910. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 20. August 1892.