mini|300px|Stadtansicht vom Haff aus mini|300px|Aussicht auf Stadt und Haff vom Kathedralhügel aus mini|130px|Wappen von Frauenburg im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig Frombork [], deutsch: Frauenburg, ist eine Stadt im Powiat Braniewski der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie hat etwa 2330 Einwohner und ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde mit Einwohnern (Stand ).
Die Ersterwähnung des Ortes stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Stadt ist aufgrund des architektonisch interessanten Domes sowie des Wirkens des Astronomen Nikolaus Kopernikus, dessen Grabmal sich im Dom befindet, international bekannt.
Geographische Lage Die Hafenstadt liegt im historischen Ostpreußen, im Ermland, am Ostufer des Frischen Haffs, etwa 65 Kilometer östlich von Danzig und ebenso weit südwestlich von Kaliningrad (Königsberg).
Geschichte Mittelalter Ob die Ortschaft, die 1287 angelegt wurde, an der Stelle einer alten Prußensiedlung nahe dem Frischen Haff gegründet wurde, ist nicht geklärt. Der Ort wurde zum ersten Mal als Sitz des ermländischen Domkapitels 1282 erwähnt, nachdem der erste Sitz in Braunsberg im großen Prußenaufstand der 1270er Jahre vollständig vernichtet worden war. Nach einem Anniversarienbuch der Frauenburger Domherren vom Jahr 1393 wurde das Jahresgedächtnis eines frater Heinricus de Castro alias Pasloci (altpreußisch passis lukis = „Quartier des Anführers“, also aus Preußisch Holland, polnisch Pasłęk) und einer Gertrud Paslocisse gefeiert, beide als einzige Laien unter den verzeichneten Namen. „Die Sage von einer preußischen Frau, die in Sonnenberg gewohnt und die Frauenburg dem Kapitel zur Errichtung einer Kathedrale geschenkt haben soll, deutet vielmehr auf eine heidnische Kultstätte.“Otto Schlüter: Wald, Sumpf und Siedelungsland in Altpreussen vor der Ordenszeit. M. Niemeyer, Halle an der Saale 1921, darin: Braunsberg, Frauenburg und das Baudetal. S. 56.
Die Quellen erwähnen das Castrum Dominae Nostrae, zu deutsch: Burg Unserer Lieben Frau. Davon leiten sich der Ortsname Frauenburg und seine polonisierte Version Frombork ab. Einer legendarischen Überlieferung zufolge soll eine hochgestellte Frau aus dem Geschlecht der Nartzen namens Supna ihren Besitz Heinrich Fleming, von 1278 bis 1300 Bischof von Ermland, geschenkt haben, der die auf sein Geheiß erbaute Burg nach ihr benannt haben soll.Johann Gottlob Behnisch: Versuch einer Geschichte der Stadt Bartenstein in Ostpreußen und des Kirchspiels, als Denkmal der fünfhundertjährigen Jubelfeier der Stadt am 3ten August 1832, nebst Beschreibung dieser Feier und LIX Beilagen. Paschke, Königsberg 1836, S. 22 (books.google.de). In mehreren lateinischen Texten wurde die Stadt Warmia genannt, womit der Name des die Kathedrale beherbergenden prußischen Gaues auf den Ort übertragen wurde.
An der Burg des Domkapitels entstand eine Siedlung, die im Jahre 1310 Handfeste nach Lübischem Stadtrecht vom Bischof Eberhard von Neisse verliehen bekam. Angesichts der Konkurrenz der nur 10 Kilometer entfernten mächtigen Hansestadt Braunsberg blieb die Stadt über Jahrhunderte bedeutungslos und kam nicht aus dem Schatten der ermländischen Domburg heraus.
Frühe Neuzeit mini|Frauenburg, Altes und neues Preußen, Christoph Hartknoch, 1684
Mit dem Zweiten Frieden von Thorn kam Frauenburg wie das gesamte Fürstbistum Ermland 1466 unter die Schutzherrschaft der polnischen Krone. Im Reiterkrieg, den Albrecht von Brandenburg-Hohenzollern noch als letzter Hochmeister des Deutschen Ordens gegen Polen führte, eroberten und verwüsteten seine Truppen 1520 die Stadt. Nikolaus Kopernikus, der zu der Zeit Domherr in Frauenburg war, zog deswegen zeitweise nach Allenstein um. Er machte sich um die Verteidigung und später um den Wiederaufbau des Ermlands verdient.
Die Stadt erlitt auch in den folgenden Jahrhunderten Zerstörungen und schwere Bevölkerungsverluste. Von 1626 bis 1632 wurde sie vom schwedischen König Gustav II. Adolf besetzt, der die Kathedrale plünderte und unter anderem Kopernikus’ Manuskripte nach Schweden bringen ließ. Zu weiteren Zerstörungen kam es im Zweiten Nordischen Krieg, im Großen Nordischen Krieg und im Vierten Koalitionskrieg.
1675 ließ das Domkapitel einen Hafen anlegen.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Erster Theil, welcher die Topographie von Ost-Preussen enthält. Kanter, Königsberg 1785, S. 21 (Digitalisat der Bayerische Staatsbibliothek). Um der Versandung vorzubeugen, wurde die Hafenzufahrt später beidseitig durch eine Mole abgeschirmt.Ludwig Passarge: Aus Baltischen Landen. Studien und Bilder. Flemming, Glogau 1878, S. 75.
19. Jahrhundert Im Jahr 1828 wurde in der katholischen Bischofsstadt ein evangelischer Betsaal eingerichtet.Karl Emil Gebauer: Kirchengeschichtliche Bemerkungen über das Ermland in Bezug auf Gründung der evangelischen Gemeinden im Allgemeinen und der zu Frauenburg ins Besondere. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 9, Königsberg 1833, S. 280–292 (books.google.de). Die kleine lutherische Gemeinde wuchs; der Betsaal wurde durch eine Kirche ersetzt. Ebenso wuchsen die Einwohnerzahl der Stadt, die Zahl der gewerblichen Betriebe und das Angebot öffentlicher Einrichtungen. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Frauenburg unter anderem ein Krankenhaus, ein Stadtarchiv, ein Gaswerk, eine Molkerei und ein Sägewerk.Art. Frauenburg Ostpr. In: Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs, Band 1: A – K. Bibliographisches Institut, Leipzig 1912, S. 503. mini|Frauenburg am Frischen Haff, südwestlich von Königsberg i. Pr. und von Braunsberg, auf einer Landkarte von 1910 mini|hochkant|Gedenkstein für die ostpreußischen Flüchtlinge in Frombork
Nach dem Zweiten Weltkrieg Bis 1945 gehörte Frauenburg zum Kreis Braunsberg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte am 9. Februar 1945 die Rote Armee Frauenburg im Zuge der Schlacht um Ostpreußen, wobei es zu 80 Prozent zerstört wurde. vom SowInformBüro. Anschließend wurde Frauenburg von der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens mit Ausnahme militärischer Sperrgebiete der am 14. März 1945 gebildeten Verwaltung des „Masurischen Bezirks“ der Volksrepublik Polen überlassen.Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-808-4, S. 350. Die polnische Verwaltung entzog Frauenburg das Stadtrecht und benannte die Stadt in Frombork um. Es begann die Ansiedlung von Polen und Ukrainern, zunächst vorwiegend im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung aus Frauenburg vertrieben, mit Ausnahme derjenigen, die als Polen „verifiziert“ wurden, und weniger Fischer, die bleiben mussten, um umgesiedelte Polen in der Hafffischerei zu unterweisen.
Die Stadt erhielt erst 1959 die Stadtrechte zurück. Ab 1966 halfen polnische Pfadfinder beim Wiederaufbau der Stadt.
Am Frischen Haff ließ der polnische Staat im Jahr 2001 einen großen Gedenkstein zur Erinnerung an die Vertreibung der ostpreußischen Bevölkerung aufstellen. Der Gedenkstein mit einer Plakette in deutscher und polnischer Sprache wurde in Gegenwart des Erzbischofs Edmund Piszcz enthüllt.
Demographie + Bevölkerungszahlen bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 1808 einschließlich der VorstädteJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 21, Ziffer 2). (books.google.de). 1802 1392 1810 1402 1816 1388 davon 69 Evangelische, 1296 Katholiken, 17 Juden 1818 1621 ohne die Domburg mit 45 Einwohnern 1821 1731 in 230 Privatwohnhäusern 1831 2021 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 465–467, Z. 80 (books.google.de) 1852 2370 am JahresendeUebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussisches Staates, und Alphabetisches Verzeichniss der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusse des Jahres 1852, Decker, Berlin 1854, S. 12 (books.google.de). 1858 2369 in 242 Wohngebäuden, davon 198 Evangelische, 2145 Katholiken, sechs Mennoniten, 20 Juden; ohne die Domburg mit 20 Wohngebäuden und 102 Einwohnern (zwei Evangelische, 100 Katholiken)Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 41, Z. 40–41 (books.google.de). 1875 2496 1880 2621 1890 2458 davon 176 Evangelische, zwölf Juden 1900 2492 meist Katholiken, ohne die Domburg mit 200 Einwohnern 1910 2522 am 1. Dezember 1933 2951 1939 3000
+ Anzahl Einwohner der Stadt bzw. der Gemeinde seit dem 21. Jahrhundert Jahr EinwohnerAnmerkungen 2014 ? / 3738 2019 2332 / 3575 am 30. Juni
mini|Kathedralhügel mini|Frauenburger Dom
Dom Frauenburg (Gutsbezirk) Zurückgehend auf ein ehemaliges Rittergut gab es südlich der Stadt Frauenburg einen Gutsort, der sich „Dom Frauenburg“ nannte und bis 1928 eine selbständige Kommune bildete.Dietrich Lange: Dom Frauenburg, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Die Ortsstelle befindet sich heute im Stadtteil Osiedle Słoneczne im Süden von Frombork. Die Kreisstadt Braniewo (Braunsberg) liegt zehn Kilometer entfernt in nördlicher Richtung.
Der Gutsort Dom Frauenburg wurde am 18. Juni 1874 Sitz und namensgebend für einen Amtsbezirk.Rolf Jehke: Amtsbezirk Dom Frauenburg Ihm waren die Orte Dom Frauenburg und Kilienhof (polnisch Kilie) eingegliedert. Am 25. Januar 1877 kam es zu einem Gebietsaustausch zwischen diesen beiden Kommunen.
Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Dom Frauenburg 139 Einwohner.
Kirchlich war Dom Frauenburg sowohl seitens der römisch-katholischen als auch der evangelischen Kirche in die Stadt Frauenburg eingepfarrt.
Am 30. September 1928 verlor Dom Frauenburg seine Eigenständigkeit: der Ort wurde zusammen mit Kilienhof sowie Orten aus dem Nachbaramtsbezirk Sonnenberg (polnisch Bogdany) in die Stadtgemeinde Frauenburg eingegliedert. Zeitgleich wurde der Amtsbezirk Dom Frauenburg aufgelöst.
Der Ort Dom Frauenburg ist in der Stadt aufgegangen und hat nach 1945 auch keine polnische Namensform erhalten. Die Ortsstelle liegt heute östlich der Straße von Frombork nach Krzywiec (Dittersdorf).
Baudenkmäler Frauenburger Dom
Der Dom entstand im 14. Jahrhundert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelte der Domherr Nikolaus Kopernikus hier im „hintersten Winkel der Welt“„in remotissimo angulo terrae“ – Andreas Kühne: Die Edition von Briefen, Urkunden und Akten in der Münchner Kopernikus-Gesamtausgabe. In: Hans-Gert Roloff, Renate Meincke: Editionsdesiderate zur Frühen Neuzeit: Beiträge zur Tagung der Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit. Arbeitsgemeinschaft für Germanistische Edition. Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit. Arbeitstagung. Rodopi, Amsterdam 1997, ISBN 90-420-0332-4, S. 141 (books.google.com). Capitel 2. In: Nicolaus Coppernicus aus Thorn über die Kreisbewegungen der Weltkörper/Drittes Buch Teil A. S. 133 (Volltext [Wikisource]).Manuskript 72 recto (korrigiert) – seine Theorie des Heliozentrischen Weltbilds.
Die Bebauung stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde nach einem einheitlichen Plan von 1329 bis 1388 errichtet. Die 99 m lange Hallenkirche ist architektonisch in weitgehend ursprünglichem Zustand erhalten.
Domburg Um den Dom entstand bis in das 15. Jahrhundert eine Wehranlage mit drei Toren, zahlreichen Türmen und Basteien sowie Wohnhäusern der Domherren und des Bischofs. Das mächtigste Bauwerk der Domburg ist der erst im 17. Jahrhundert unter Bischof Radziejowski vollendete Campanile (Glockenturm), der seit Ende des 20. Jahrhunderts Radziejowski-Turm genannt wird.
Das Castrum Dominae Nostrae war der Bischofssitz des Ermlands bis zur Verlegung des Sitzes des Domkapitels und des Bischofssitzes nach Allenstein zu Beginn der polnischen Verwaltung 1945.