Der Kreis Düren war von 1816 bis 1971 ein Landkreis im damaligen Regierungsbezirk Aachen. Die Kreisstadt war Düren.
Der Kreis gehörte zunächst zur preußischen Rheinprovinz. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich zu einer wirtschaftsstarken Region mit den Branchen Papier, Tuch und Metallverarbeitung, die von Unternehmerfamilien wie Schoeller und Hoesch geprägt wurden. Auch der Anschluss an die Eisenbahn trug zum Aufschwung bei. Das Leopold-Hoesch-Museum und das Stadttheater Düren entstanden als kulturelle Einrichtungen. Das Kreisgebiet änderte sich durch politische Entscheidungen mehrfach. Im Zweiten Weltkrieg gab es vor allem in der völlig zerstörten Stadt Düren massive Schäden.
Nach dem Krieg kam der Kreis Düren 1946 zu Nordrhein-Westfalen. Politisch war der Kreis Düren schon früh konservativ geprägt. In der Nachkriegszeit stellte die CDU jeweils die Mehrheit im Kreistag und alle Landräte. Durch eine Kommunalreform wurde der bisherige Kreis Ende 1971 aufgelöst und mit dem damaligen Kreis Jülich zum heutigen Kreis Düren verbunden.
Geographie Der damalige Kreis Düren lag wie das heutige Kreisgebiet im westlichen Rheinland zwischen den Großstädten Aachen und Köln, nördlich der Eifel und wurde von der Rur durchflossen. Der Umfang des Kreisgebiets änderte sich im Laufe der Geschichte mehrmals.
Geschichte Vor der Kreisgründung
Die ersten bekannten Spuren von Menschen im Gebiet des Kreises Düren wurden in einer jungsteinzeitlichen Siedlung bei Arnoldsweiler gefunden. Im Römischen Reich trafen die Römer hier auf die Kelten. Die Römerstraße Trier–Neuss durchzog das Gebiet ungefähr auf der Strecke der heutigen B 477.Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 9: Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren. Herausgegeben von Paul Clemen, Düsseldorf 1910, S. 1 Dann folgten die Franken. Die Stadt Düren wurde im 8. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie wurde bedeutend, weil Karl der Große sie als Pfalz nutzte und die als Krönungsstraße bekannte Aachen-Frankfurter Heerstraße dort verlief.
Mitte des 13. Jahrhunderts kam Düren unter den Einfluss der Grafen und Herzöge von Jülich. Daraus entstand im 16. Jahrhundert der Zusammenschluss Jülich-Kleve-Berg. Mit dem Annahaupt begann Dürens Tradition als Wallfahrtsort und Stadt der Märkte. In den 1540er Jahren brannten Düren und Jülich nach der Machtübernahme Kaiser Karls V. nieder. Der Einmarsch der Spanischen Niederlande, der Dreißigjährige Krieg und die Pest sorgten für weitere Katastrophen.
Nach der Französischen Revolution entstand Ende des 18. Jahrhunderts der Kanton Düren im Arrondissement d’Aix-la-Chapelle des Départements de la Roer. In dieser Zeit wurde die Zitadelle Jülich als Festungsanlage um den Brückenkopf erweitert.
19. Jahrhundert Der erste Kreis Düren entstand 1816 in Preußen. Die Regierung zu Aachen erließ am 24. April eine Verordnung, wonach die ehemaligen französischen Kantone Düren und Froitzheim sowie Teile der benachbarte Kantone Eschweiler, Linnich, Monschau und Kerpen zum Kreis Düren im Regierungsbezirk Aachen wurden. Aus dem Kanton Düren wurde alle Gemeinden außer Daubenrath und Krauthausen übernommen, aus dem Kanton Froitzheim alles außer Blens. Aus dem Kanton Eschweiler erhielt der Kreis Düren die Bürgermeistereien Lamersdorf, Langerwehe, Nothberg und Weisweiler. Aus dem Kanton Linnich kamen Gut Müllenark und Schophoven hinzu, aus dem Kanton Monschau die Gemeinde Hetzingen mit Brück und Zerkall sowie aus dem Kanton Kerpen die Gemeinden Oberbolheim und Rath. Der Kreis war zunächst in 27 Bürgermeistereien gegliedert.
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Bürgermeistereien Bergstein und Straß zur Bürgermeisterei Straß-Bergstein fusioniert und die Bürgermeisterei Ollesheim in die Bürgermeisterei Nörvenich eingegliedert.
Mit der Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 wurden die meisten Bürgermeistereien des Kreises in mehrere Gemeinden untergliedert.Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland (PDF; 1,3 MB), Verlag des Königlichen statistischen Bureaus, Berlin 1888, S. 206 ff. Düren erhielt 1856 die Rheinische Städteordnung. Im Kreis Düren bestanden seitdem auf einer Fläche von 563 km² 25 Bürgermeistereien mit insgesamt 89 Gemeinden. Dabei hatten die Stadt Düren sowie die amtsfreien Gemeinden Langerwehe und Weisweiler eine Sonderstellung. Bürgermeistereien und Gemeinden des Kreises Düren im Jahr 1885 Bürgermeisterei Gemeinden Arnoldsweiler Arnoldsweiler, Ellen, Morschenich Binsfeld Binsfeld, Eggersheim, Frauwüllesheim, Irresheim Birgel Berzbuir-Kufferath, Birgel, Gürzenich, Lendersdorf-Krauthausen, Rölsdorf Birkesdorf Birkesdorf, Huchem-Stammeln, Selhausen Bürvenich Bürvenich, Embken Drove Boich-Leversbach, Drove, Jakobwüllesheim, Soller, Thum, Üdingen Düren Düren (Stadt) Echtz Echtz, Geich bei Echtz, Merode, Schlich Froitzheim Frangenheim, Froitzheim, Ginnick, Kettenheim, Vettweiß Füssenich Füssenich, Geich bei Füssenich, Juntersdorf Kelz Gladbach, Kelz, Lüxheim Lamersdorf Frenz, Lamersdorf Langerwehe Langerwehe Merken Derichsweiler, Mariaweiler-Hoven, Merken Merzenich Girbelsrath, Golzheim, Merzenich Nideggen Abenden, Brück-Hetzingen, Nideggen, Obermaubach-Schlagstein Niederzier Niederzier, Oberzier Nörvenich Eschweiler über Feld, Hochkirchen, Nörvenich, Oberbolheim, Poll, Rath bei Nörvenich, Wissersheim Nothberg Hastenrath, Nothberg, Wenau Pier Jüngersdorf, Luchem, Lucherberg, Pier, Schophoven Sievernich Disternich, Müddersheim, Sievernich Stockheim Bogheim, Kreuzau, Niederau, Stockheim, Winden Straß-Bergstein Bergstein, Brandenberg, Gey, Großhau, Hürtgen, Kleinhau, Straß, Untermaubach Weisweiler Weisweiler Wollersheim Berg-Thuir, Pissenheim (1919 in Muldenau umbenannt), Wollersheim
1900 bis 1937 Im Ersten Weltkrieg spielten die Eisenbahnlinien sowie die Zeppeline, die von der Luftschiffhalle Düren abhoben, strategisch wichtige Rolle.
Wie in der gesamten Rheinprovinz wurden ab 1927 die Bürgermeistereien des Kreises als Ämter bezeichnet. In den 1930er Jahren ergaben sich durch verschiedene Erlasse und Anordnungen weitere Änderungen im Landkreis Düren.
Am 1. Januar 1932 wurden die Gemeinden Hastenrath und Nothberg in die Stadt Eschweiler im Landkreis Aachen eingemeindet und Wenau kam wie Weisweiler zum neuen Amt Langerwehe. Am 15. September desselben Jahres folgte ein Erlass des preußischen Innenministers, durch den einige Ämter aufgelöst und die dazugehörigen Gemeinden neu zugeordnet wurden. Boich-Leversbach, Drove, Üdingen und Thum kamen zum Amt Stockheim, das fünf Tage später in Amt Kreuzau umbenannt wurde. Aus Froitzheim, Füssenich, Jakobwüllesheim, Kelz, Sievernich und Soller entstand das neue Amt Vettweiß. Bürvenich, Juntersdorf und Wollersheim wurden zum Amt Wollersheim, das 1937 zum Amt Nideggen eingegliedert wurde. Am 12. April 1935 gab es durch eine Verfügung des Aachener Regierungspräsidenten weitere Neuordnungen. Aus Jüngersdorf, Langerwehe, Wenau und Weisweiler wurde das neue Amt Langerwehe. Aus den Gemeinden Lamersdorf und Pier entstand das Amt Lucherberg und die Gemeinden der bisherigen Ämter Binsfeld und Nörvenich wurden vereinigt. Am 8. März 1936 wurden durch eine Verfügung von gleicher Stelle die bisherigen Ämter Arnoldsweiler und Merzenich zu einem neuen Amt Merzenich. Am 1. April 1937 kamen durch einen Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz die Gemeinden Rölsdorf, Gürzenich und Lendersdorf-Krauthausen vom Amt Birgel zur Stadt Düren, die ihrerseits Teile an die Gemeinde Derichsweiler verlor.
Zweiter Weltkrieg miniatur|Soldaten bei der Schlacht im Hürtgenwald Im Zweiten Weltkrieg gab es auch im Kreis Düren massive Schäden. Die Schlacht im Hürtgenwald, vor allem die Allerseelenschlacht, war eine der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen den Alliierten und der deutschen Wehrmacht. Düren gehörte damals wie die benachbarte Kreisstadt Jülich zu den am stärksten betroffenen Städten Deutschlands, weil die Alliierten dort die Rurfront als Teil der deutschen Westfront durchbrachen. Bei britisch-amerikanischen Luftangriffen am 16. November 1944 im Rahmen der Operation Queen wurden die beiden Städte fast vollständig zerstört. Schon zuvor hatte es mehrere Luftangriffe auf Düren gegeben.
Nach 1945 miniatur|Der Kreis Düren in den Grenzen von 1968 Bis zum Beginn der nordrhein-westfälischen Gebietsreformen war der Kreis Düren in die Stadt Düren sowie zwölf Ämter mit insgesamt 82 Gemeinden gegliedert.
Gemeinden des Kreises Düren im Jahr 1968 Amt Gemeinden amtsfrei Düren (Stadt) Birgel Berzbuir-Kufferath, Birgel, Gürzenich, Lendersdorf-Krauthausen Birkesdorf Birkesdorf, Huchem-Stammeln, Selhausen Echtz Echtz-Konzendorf, Geich-Obergeich, Merode, Schlich-D’horn Kreuzau Bogheim, Boich-Leversbach, Drove, Kreuzau, Niederau, Stockheim, Thum, Üdingen, Winden Langerwehe Jüngersdorf, Langerwehe, Weisweiler, Wenau Lucherberg Frenz, Lamersdorf, Luchem, Lucherberg, Pier, Schophoven Merken Derichsweiler, Mariaweiler-Hoven, Merken Merzenich Arnoldsweiler, Ellen, Girbelsrath, Golzheim, Merzenich, Morschenich Nideggen Abenden, Berg-Thuir, Bürvenich, Embken, Muldenau, Nideggen, Obermaubach-Schlagstein, Wollersheim Niederzier Niederzier, Oberzier Nörvenich Binsfeld, Eggersheim, Eschweiler über Feld, Frauwüllesheim, Hochkirchen, Irresheim, Nörvenich, Oberbolheim, Poll, Rath bei Nörvenich, Wissersheim Straß-Bergstein Bergstein, Brandenberg, Gey, Großhau, Hürtgen, Kleinhau, Straß, Untermaubach Vettweiß Disternich, Froitzheim, Füssenich, Geich, Ginnick, Gladbach, Jakobwüllesheim, Juntersdorf, Kelz, Lüxheim, Müddersheim, Sievernich, Soller, Vettweiß Am 1. Januar 1969 wurden die Gemeinden des Amtes Nörvenich bis auf die Gemeinde Wissersheim zur neuen, größeren Gemeinde Nörvenich zusammengeschlossen.
Am 1. Juli 1969 trat das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Düren in Kraft (Details im dortigen Artikel). Gleichzeitig schied die Gemeinde Wissersheim durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Euskirchen aus dem Kreis Düren aus und wurde in die Stadt Erftstadt im Kreis Euskirchen eingegliedert. Das Amt Nörvenich wurde aufgelöst. Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Düren, der bis zu seiner Auflösung noch aus 43 Gemeinden bestand.
Am 1. Januar 1972 trat das Aachen-Gesetz in Kraft. Damit wurde der bisherige Kreis Düren aufgelöst. Er wurde mit dem Kreis Jülich zum neuen Kreis Düren vereinigt.
Einwohnerentwicklung
Der Kreis Düren hatte bei seiner Gründung im Jahr 1816 rund 37.000 Einwohner. Die Zahl blieb im Laufe des 19. Jahrhunderts fünfstellig, stieg aber im Zuge der Industrialisierung auf mehr als 90.000 im Jahr 1900. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs waren es knapp 120.000 Einwohner. Während des Krieges sank die Einwohnerzahl angesichts der Kriegstoten, der geflüchteten Menschen und der kompletten Zerstörung der Stadt Düren deutlich. Fünf Jahre nach Kriegsende war die Zahl im Jahr 1950 aber fast wieder gleich. Danach stieg sie weiter und bei seiner Auflösung 1971 hatte der damalige Kreis Düren 162.400 Einwohner.
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|links|Stadttheater Düren Bauwerke Zu den Sehenswürdigkeiten im Kreis Düren gehörten damals bereits die Burgen und ehemaligen Adelssitze wie die Burg Nideggen und das Schloss Burgau. Als bekannte kulturelle Einrichtungen entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts das Leopold-Hoesch-Museum und direkt gegenüber das im Krieg zerstörte Stadttheater Düren. Weitere markante Bauwerke waren die verschiedenen Wassertürme im Kreis Düren.
Gotteshäuser Viele Gotteshäuser im Kreis Düren wurden durch den Luftangriff 1944 zerstört und einige von ihnen durch Neubauten ersetzt. Die Annakirche war bis 1944 und dem folgenden Neubau eine im gotischen Stil gebaute Kirche. Aus dem Franziskanerkloster ging 1831 die Marienkirche als zweites katholisches Gotteshaus in Düren hervor. Für die evangelischen Christen gab es die Lutherkirche und die Auferstehungskirche. Von den zahlreichen Synagogen im Kreis Düren blieb nach der Zerstörung durch die Nationalsozialisten nichts mehr übrig.