mini|300px|Spieler des Karlsruher FV im Jahr 1904.

Die süddeutsche Fußballmeisterschaft 1903/04 des Verbandes Süddeutscher Fußball-Vereine gewann zum vierten Mal in Folge der Karlsruher FV, dieses Jahr im Endspiel durch einen 5:0-Erfolg gegen den Frankfurter FC Germania. Wie in den meisten Jahren zuvor, war auch diese Meisterschaft durch kurzfristige Spielabsagen und teilweise erratische Änderungen der ursprünglichen Ansetzungen beeinträchtigt, so dass die Schlussphase aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen ist. Termin, Ort und Ergebnis des Endspiels sind aber belegt.Neues Wiener Tagblatt vom 28. März 1904, Seite 12, sowie: Wettspielbuch Ivo Schricker (handschriftlich), Seite 17, im DFB-Archiv; siehe außerdem unten „Finale“.

Jedenfalls war es der vierte, nach anderen Quellen sogar fünfteSportkroniek vom 31. März 1904: „Sedert fijf jaren is de Karlsr. F.V. kampioen van Zuid-Duitschland“ (ein Beispiel, es gibt weitere) Gewinn der süddeutschen Fußballmeisterschaft für die Karlsruher, die sich dadurch für die deutsche Fußballmeisterschaft 1903/04 qualifizierten. Bei dieser schieden die Karlsruher bereits in der ersten Runde aus, bewirkten aber durch einen Protest gegen die Spielwertung sogar den Abbruch der deutschen Fußballmeisterschaft: Zum ersten Endrundenspiel um die deutsche Meisterschaft mussten die Karlsruher bei Britannia 92 Berlin antreten. Der KFV absolvierte dieses Spiel, das mit 1:6 verloren ging, nicht mit seiner besten Aufstellung, da einige Spieler keinen Urlaub für die weite Reise bekommen hatten. Da das Spiel zudem nicht wie vorgesehen an einem neutralen Ort stattfand, legte der Verein beim DFB Protest gegen dessen Wertung ein. Über diesen Einspruch wurde erst am Morgen des Endspieltermins am 22. Mai 1904 beraten, als die DFB-Funktionäre zu ihrem jährlichen Bundestag zusammenkamen. Der DFB erkannte den Protest der Karlsruher an, sagte kurzerhand das für den Nachmittag geplante Endspiel ab und setzte die Meisterschaft in diesem Jahr aus. Pikanterweise war auf derselben Tagung der Vorsitzende des KFV, Friedrich Wilhelm Nohe, zum neuen DFB-Präsidenten gewählt worden.

Modus und Übersicht Zum erstmals angewandten Spielbetrieb im Rundenturnier wurde das Gebiet des Verbands Süddeutscher Fußball-Vereine (VSFV) in sechs Gaue aufgeteilt, deren Meister sich für die süddeutsche Endrunde qualifizierten. Die regionalen Gegebenheiten waren jedoch höchst unterschiedlich. Während der Maingau aufgrund der großen Anzahl von Mannschaften in Staffeln aufgeteilt werden musste, beschränkte sich der Spielbetrieb beispielsweise in ganz Bayern auf noch wenige Vereine. Neben einer Münchner Stadtmeisterschaft wurde mit dem Nürnberg-Fürther Fußball-Bund im Laufe der Saison ein weiterer Verband gegründet. Zu Beginn der Spielzeit 1903/04 gehörten dem VSFV erst 65 Vereine an.

Gau Gaumeister Main Frankfurter FC Germania Mittelbaden Karlsruher FV Oberbayern FC Bayern München Oberrhein Straßburger FV Pfalz Mannheimer FG 1896 Schwaben Stuttgarter Cickers

Gau Main Die mit Abstand größte Beteiligung gab es im Rhein-Main-Gebiet, für den Maingau meldeten insgesamt 32 Mannschaften, so dass hier eine Unterteilung in Staffeln vorgenommen werden musste. In der Staffel Westmain traten 13 Mannschaften in einer einfachen Runde gegeneinander an, Helvetia Bockenheim zog seine Mannschaft allerdings schon vor Rundenbeginn zurück. In Frankfurt wurde im Anschluss an die Verbandsrunde des VSFV eine Meisterschaft des Frankfurter Association Bunds ausgetragen, an der sich vier Mannschaften beteiligten und die der Frankfurter FC 1899 Kickers für sich entschied.

Staffel Ostmain

Staffel Westmain

Gau Mittelbaden In Mittelbaden dominierte der süddeutsche Titelverteidiger Karlsruher FV und ließ die lokale Konkurrenz hinter sich.

(SM) süddeutscher Titelverteidiger

Gau Oberbayern In Oberbayern wurde erstmals eine Meisterschaft des Münchner Fußball-Bunds ausgespielt, an der sechs Vereine teilgenommen hatten und aus deren Herbstserie die Fußballabteilung des MTV München hervorgegangen war.Luy, Seite 150 f. Diese Meisterschaft diente nicht als Qualifikation für die süddeutsche Endrunde. Ob zusätzlich noch eine Frühjahrsrunde stattfand, ist aufgrund der schlechten Quellenlage unbekannt. An der VsFV-Meisterschaft nahm der FC Bayern München teil, weil „keine andere Mannschaft gemeldet hatte“.Luy, Seite 149.

Gau Oberrhein

Gau Pfalz In Pfalz spielten nur Vereine aus Mannheim, Ludwigshafener Vereine nahmen noch nicht an den Verbandsspielen teil. Mannschaften aus Kaiserslautern, Pirmasens, Zweibrücken und Landau spielten im Verband Pfälzer Vereine für Bewegungsspiele.

Gau Schwaben mini|300px|Die Mannschaft der Stuttgarter Kickers 1903/04. Über Jahre hinweg die Nummer eins in Schwaben, konnten sie sich allerdings auf süddeutscher Ebene erst 1907/08 durchsetzen. Auch in Schwaben beteiligten sich nur einige wenige Vereine aus der württembergischen Hauptstadt.

Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft Daten und Austragungsorte des Karlsruher FV (alle Spiele) nach Ivo Schricker, der selbst mitwirkte.Wettspielbuch Ivo Schricker (handschriftlich), Seite 17, im DFB-Archiv. Das 1:1 beim ersten Spiel in Straßburg enthält den Zusatz „Sumpf“, was erklären könnte (!), warum keine Verlängerung stattfand. Viertelfinale

Wiederholungsspiele:

Halbfinale Nun sollte der KFV am 28. Februar 1904 bei Mannheim 1896 antreten, doch wurde die Partie am Vortag abgesagtBadische Landes-Zeitung vom 2. März 1905, Mittagsblatt, Seite 3 und, wie es scheint, nicht neu angesetzt. Die Mannheimer trafen stattdessen auf Germania Frankfurt, Karlsruhe auf die Stuttgarter Kickers. Grund hierfür war die Verzögerung im Viertelfinale.Einige Vorschauen sind so formuliert, dass schon in diesem Spiel am 13. März der neue (oder alte) Meister ermittelt würde, so z. B. die Badische Landes-Zeitung am 2. März 1904, Seite 3, aber auch Sport im Wort, Ausgaben 12 und 13/2004, Seiten 137 bzw. 151 f. Dann kam es anders.

Torschützen für Karlsruhe waren Wetzler und Zinser.Spielbericht im Prager Tagblatt vom 16. März 1904, Seite 6, worin auch der Termin und Austragungsort bestätigt sind.

Finale

KFV: Wilhelm Langer – Fritz Gutsch, Kohts – Erwin Schricker, Ivo Schricker, A. Holdermann („neu aus London“) – Hans Ruzek, Louis Heck, Rudolf Wetzler, Julius Zinser, Fritz Langer.Aufstellung so im Halbfinale (!) nach Sport im Wort Nr. 13/1904, S. 151 f.; Tore durch Wetzler (1:0) und Zinser (2:0), Schiedsrichter war Scherwitz aus Straßburg. Die Endspielelf scheint nicht komplett überliefert zu sein. Die Tore beim 5:0 erzielten Wetzler (2) sowie Heck, Zinser und Holdermann.Prager Tagblatt vom 30. März 1904, Seiten 30 f.; der Spielbericht erwähnt auch beide Schricker, Fritz Langer und Kohts.

Literatur

Der deutsche Fußball (1900–1920) (= Libero, Spezial deutsch, Nr. D3, 1992). IFFHS, Wiesbaden 1992, S. 85. Udo Luy: Fußball in Süddeutschland 1889–1980, Kleinrinderfeld 2016.

Weblinks www.claudionicoletti.eu – Abschlusstabellen Deutschland 1903/04 Westmaingau: Saison 1903/04 (Eintracht-archiv.de) Gau Schwaben: 1903/04 (Kickers-archiv.de)

Einzelnachweise

Kategorie:Fußballsaison 1903/04 #1903