mini|hochkant=1.5|Demonstranten auf dem Perlenplatz (19. Februar 2011). Das 90 Meter hohe Monument wurde nach Auflösung der Proteste am 18. März 2011 abgerissen.

Die Proteste in Bahrain seit 2011 richten sich gegen die politische Führung im Königreich Bahrain. Sie sind Teil des Arabischen Frühlings. Die Protestwelle begann am 14. Februar 2011. Die Hauptforderungen der Demonstranten sind ein Regierungswechsel, eine neue Verfassung, ein Ende der Menschenrechtsverletzungen sowie die Verbesserung der Lebensbedingungen. Auch den Ministerpräsidenten und die Regierung wollen die Menschen künftig direkt wählen können.

Die Zahl der Protestierenden wird auf 150.000 bis 300.000 geschätzt. Von den rund 30 bis 40.000 eingesetzten Sicherheitskräften stammen viele aus Pakistan und anderen sunnitischen Staaten und wurden teilweise speziell zur Unterdrückung der Proteste angeworben. 1.500 Soldaten wurden von den Nachbarländern im Rahmen des Peninsular Shield Force des Golf-Kooperationsrats entsandt.

Bei der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste starben 93 Zivilisten, annähernd 3.000 wurden verwundet.Es gab 4 Verwundete am 14. Februar (BICI Report, Seite 68), 25 am 15. Februar , >600 am 17. Februar , 774 am 11. März , >905 am 13. März , 250 am 15. März , >150 am 16. März sowie weitere 200. 846 Polizisten wurden verwundet und 11 getötet."Bahrain police injured in bomb attack". BBC News. 10. April 2012. Abgerufen am 14. Juni 2012.

Es kam zu rund 3.000 Verhaftungen. Inhaftierte wurden offenbar systematisch gefoltert, um Geständnisse zu erzwingen."Pakistani Veterans Beef Up Bahrain Security Forces". Voice of America. 17. August 2011. Abgerufen am 20. Juli 2012. Eine Reihe von Demonstranten wurden in der Folge zur Todesstrafe verurteilt. Mindestens fünf Personen starben an der Folter während des Polizeigewahrsams, darunter die Journalisten Karim Fakhrawi und Zakariya Rashid Hassan al-Ashiri."Bahrain: Attack on Rights Defender's Home". Human Rights Watch. 18. April 2011. Abgerufen am 18. Mai 2011."Bahrain's security clampdown divides kingdom". BBC. 14. April 2011. Abgerufen am 3. September 2012.. PBS NewsHour. 17. Mai 2011. Abgerufen am 18. Mai 2011.

4.500 Personen wurden aufgrund ihrer Teilnahme an den Protesten an ihren Arbeitsplätzen entlassen, 500 Personen wurden des Landes verwiesen und 500 Studenten vom Studium ausgeschlossen. Elf Personen wurde die Staatsbürgerschaft entzogen.

Hintergrund mini|hochkant|Hamad bin Isa Al Chalifa ist das Staatsoberhaupt von Bahrain, gegen ihn richten sich die Proteste

Bahrain ist eine Monarchie mit konstitutionellem Charakter. Der König ernennt die Regierung sowie die Mitglieder des Oberhauses. Er kann jederzeit das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Das Königshaus gehört der sunnitischen Richtung des Islams an, während rund 70 % der Muslime in Bahrain Schiiten sind. Religiöses Oberhaupt der hiesigen Schiiten ist Ajatollah Isa Qassim.

Insbesondere in den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, die Wirtschaft zu diversifizieren. So sollte eine stabile und unabhängige Entwicklung auch für die Zukunft ermöglicht werden. Dabei wurde gleichzeitig die Arbeitslosenquote von 16 % (2006) auf unter 4 % (2011) gesenkt.Bahrain News Agency, 2011 Das Gesundheitswesen ist genauso wie das Bildungswesen frei zugänglich und gut entwickelt.

54 % der Bevölkerung Bahrains sind ausländische Arbeitnehmer, der Rest sind Bahrainer, von denen ungefähr zwei Drittel schiitisch sind. Die ausländischen Arbeitnehmer sind vorwiegend im Niedriglohngewerbe als Bauarbeiter, Fabrikarbeiter und Verkäufer beschäftigt. Die meisten stammen aus asiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien und Pakistan.

Im Gebiet um den Persischen Golf befinden sich fast zwei Drittel der weltweit nachgewiesenen Erdölvorräte und 45 % der weltweiten Gasvorräte. Bahrain ist über einen Damm mit dem östlichen Teil Saudi-Arabiens verbunden, dessen regionale Bevölkerung ebenfalls mehrheitlich schiitisch ist. In diesem Teil Saudi-Arabiens befinden sich die größten Ölvorkommen des Landes.

Hinter einem häufig als religiös beschriebenen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten verbergen sich eher politische, soziale und wirtschaftliche Ursachen.

Die schiitisch-muslimische Bevölkerungsmehrheit hat es schwer, eine Anstellung oder auch angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Von staatlichen Anstellungen bei Ministerien, Polizei oder Armee sind sie weitgehend ausgeschlossen. Unter bahrainischen Beamten und Sunniten gibt es einen Argwohn gegenüber den Schiiten hinsichtlich ihrer nationalen Loyalität und wegen ihrer Glaubensgenossen im Iran und im Irak. vom 6. Mai 2005 (englisch) Der Anteil der Schiiten in höheren staatlichen Positionen sank in den vergangenen zehn Jahren von 30 Prozent auf zehn Prozent. Bei den Sicherheitskräften sind sogar nur zwei Prozent Schiiten. Dem Premierminister, der seit 40 Jahren ununterbrochen im Amt ist und ein Onkel des Königs ist, wird vorgeworfen, die Wahlbezirke so aufgeteilt zu haben, dass die schiitische Bevölkerungsmehrheit nicht die Mehrheit im durch Wahlen bestimmten Unterhaus erhalten kann. Obwohl die Schiiten knapp 70 Prozent der Staatsbürger stellen, entfallen von den 40 Sitzen im Unterhaus nur 18 auf schiitische Gruppierungen.

Wiederholt wurden gegen Demonstranten die Nationalgarde und einige Sondereinsatzkräfte eingesetzt. Diese Einheiten bestehen zum überwiegenden Teil aus Neuzuzügern aus dem sunnitischen Ausland (Pakistan, Jemen, Syrien, Jordanien), die nun mit ihren Familien in Bahrain leben und nicht selten zu Staatsbürgern Bahrains geworden sind.

Im Vorfeld der für den 23. Oktober 2010 angesetzten Wahlen zum Abgeordnetenhaus ging die Regierung massiv gegen die Opposition vor. Nach zahlreichen Festnahmen kam es zu teilweise gewaltsamen Protesten oppositioneller Jugendlicher. Anwälte der in diesem Zusammenhang Inhaftierten erhoben Foltervorwürfe gegen die Behörden.

Bahrain beherbergt die 5. US-Flotte, die wichtigste militärische Streitmacht in der Region.

Verlauf 2011 11. bis 19. Februar Angesichts des Arabischen Frühlings erhöhte die bahrainische Regierung die Sozialausgaben und kündigte die Freilassung einiger schiitischer Regimekritiker an, die ein halbes Jahr zuvor bei einer Razzia inhaftiert worden waren. Nach Aufrufen zu Protesten in Bahrain zum zehnten Jahrestag der bahrainischen Verfassung kündigte König Hamad ibn Isa Al Chalifa am 11. Februar an, für den 14. Februar, den Jahrestag der Verabschiedung der National Action Charter, jeder Familie 1000 Bahrain-Dinar (ca. 2000 €) zu geben.Al Jazeera: Bahrain doles out money to families

Bei den angekündigten Demonstrationen am 14. Februar kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die Tränengas und Gummigeschosse einsetzten, wobei ein Demonstrant zu Tode kam. Tags darauf, während des Trauerzuges für den Getöteten, erlitt ein weiterer Demonstrant durch Schrotmunition der Polizei tödliche Verletzungen. Daraufhin kündigte die mit 18 Sitzen im 40-köpfigen Parlament vertretene Partei al-Wifaq an, ihre Teilnahme im Parlament auszusetzen.Al Jazeera: Deaths heighten Bahrain tension

mini|Räumung des Perlenplatzes am 17. Februar 2011 Ähnlich der Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo während der Revolution in Ägypten 2011 wurde in Bahrains Hauptstadt Manama im weiteren Verlauf der Proteste der Perlenplatz besetzt, was vorerst geduldet wurde. Am frühen Morgen des 17. Februar räumten Nationalgarde und die bei Demonstrationen eingesetzte Polizei (englisch: riot police) den Platz. Dabei wurden fünf Menschen von den Sicherheitskräften erschossen und mehr als 200 verletzt. Im Zentrum von Manama wurden Panzer auf zentralen Straßen und Plätzen postiert und weitere ungenehmigte politischen Kundgebungen dort nicht mehr toleriert.Al Jazeera: Clashes rock Bahraini capitalSpiegel: Tausende verwandeln Trauerfeier in Massenprotest

An der Beerdigung der bei der Räumung des Perlenplatzes getöteten Demonstranten nahmen rund 15.000 Menschen teil. Dabei wurden Rufe nach dem Tod des Königs laut.Tausende verwandeln Trauerfeier in Massenprotest. In: Spiegel Online, 18. Februar 2011.Michael Slackman: Security Forces in Bahrain Open Fire on Protesters. In: The New York Times, 18. Februar 2011 (englisch). Als tags darauf die Herrscherfamilie das Militär anwies, die Straßen Manamas und anderer Ortschaften zu verlassen, zogen am Abend tausende Menschen zum Perlenplatz in Manama.

21. bis 27. Februar Wegen der anhaltenden Proteste in Bahrain wurde der ursprünglich am 13. März vorgesehene Grand Prix von Bahrain der Formel 1 abgesagt.Detlef Hacke: Das Schweigen der Männer. In: Spiegel Online, 21. Februar 2011.

Am 21. Februar gab es einen großen Demonstrationszug von Unterstützern der Königsfamilie.Zeit: Massenproteste gegen Bahrains König In: The Global Herald, 21. Februar 2011 (englisch).

König Hamad ibn Isa Al Chalifa begnadigte am 22. Februar mehrere hundert Menschen, zu denen auch 23 Schiiten gehörten, die seit letztem Jahr in Untersuchungshaft waren wegen Umsturzplänen und Mitgliedschaft in einem terroristischen Netzwerk. Der Blogger Ali Abdulemam, der auch auf Global Voices Online schreibt, kam ebenfalls frei.Amira Al Hussaini: Bahrain: Jailed Blogger Ali Abdulemam Free. In: Global Voices Online, 23. Februar 2011 (englisch). Im Laufe des Tages versammelten sich mehrere tausend Menschen beim bisher größten Protestmarsch gegen die Regierung in der Hauptstadt Manama und marschierten in Richtung Perlenplatz.Bahrain protesters back in action. In: Al Jazeera, 22. Februar (englisch).

Der exilierte schiitische Oppositionsführer Hassan Muschaima kehrte am 26. Februar nach Manama zurück. Muschaima gilt als Kopf der Gruppierung Haqq, die als radikaler gilt als der größte schiitische Oppositionsblock im Abgeordnetenhaus al-Wifaq, der die Proteste in Bahrain bislang anführte. Muschaima war zusammen mit anderen schiitischen Aktivisten vorgeworfen worden, er habe an einem Sturz des bahrainischen Regimes gearbeitet.

Am 26. Februar wurde die Regierung umgebildet. Die Minister für Gesundheit und für Wohnen wurden abgelöst. Neuer Minister für Wohnen wurde Madschid al-Alawi, ein früherer Antiregierungsaktivist, der unter anderem einen Mindestlohn für Bahrainer eingeführt hatte und während dessen Zeit als Minister die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen war. Neuer Minister für Gesundheit wurde Nizar al-Baharna, der diese Aufgabe zusätzlich zu seiner Aufgabe als Außenminister übernahm. Der Minister ist Schiit. Der Minister für Kabinettsangelegenheiten, Ahmed bin Atiyyatullah Al Chalifa, ein Mitglied der königlichen Familie und angeblich Anstifter der Bandargate-Affäre, wurde abgelöst. Die geplante Zahl der jährlich von der Regierung zu errichtenden Gebäude wurde von 2.000 auf 8.000 bis 10.000 erhöht und die Hypothekendarlehen für von der Regierung gestellten Wohnraum (englisch: government housing loans) um 25 Prozent reduziert.IAA PRESS BRIEFING 27th February 2011. In: Bahrain News Agency, 27. Februar 2011 (englisch).Frederik Richter: Bahrain Shi'ite opposition leader to fly home. In: Reuters, 26. Februar 2011 (englisch).

Unterdessen kam es zu weiteren Protestmärschen.Schiitischer Oppositionsführer kehrt zurück. In: Spiegel Online, 26. Februar 2011. Am Sonntag, den 27. Februar, demonstrierten Zehntausende in Manama. In: RP online, 27. Februar 2011.

1. März bis 13. März mini|Der Perlenplatz am 1. März 2011

Am Abend des 2. März fand eine Pro-Regierungsdemonstration statt, die nach Angaben des staatlichen bahrainischen Fernsehens 300.000 Teilnehmer umfasste. In: Google News, 2. März 2011 (englisch). Nach wie vor dauerten die Antiregierungsproteste an.

mini|hochkant|Zelte der Demonstranten am Perlenplatz vor der Räumung (4. März 2011)