mini|hochkant|Yuzuru Hanyu (2018) Yuzuru Hanyū (japanisch 羽生 結弦, Ha’nyū Yuzuru; * 7. Dezember 1994 in Sendai, Präfektur Miyagi) ist ein japanischer Eiskunstläufer und Eisshow-Produzent, der im Einzellauf startete und seit 2022 als Profi aktiv ist. Er ist der Olympiasieger von 2014 und 2018 sowie der Weltmeister von 2014 und 2017. Darüber hinaus ist Hanyū vierfacher Gewinner des Grand-Prix-Finals (2013–2016), sechsfacher japanischer Meister (2012–2015, 2020–2021), Gewinner der Vier-Kontinente-Meisterschaften 2020, Juniorenweltmeister 2010 und Sieger des Grand-Prix-Finals der Junioren 2009.
Hanyū ist der erste Olympiasieger aus Asien im Einzellauf der Herren und der jüngste seit Dick Button im Jahr 1948. Mit seinem zweiten Sieg bei den Winterspielen 2018 ist er der erste Läufer seit Button (1948 und 1952), der den Olympiasieg wiederholen konnte. Bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften 2020 in Seoul komplettierte Hanyū als bislang einziger Läufer im Herreneinzel den „Super Slam“, den Gewinn aller internationalen Großtitel im Senioren- und Juniorenbereich. Als erster Läufer in der Geschichte durchbrach Hanyū die 100-Punkte-Barriere im Kurzprogramm, die 200-Punkte-Marke in der Kür und die 300-Punkte-Schranke in der Gesamtwertung. Bereits neunzehnmal in seiner Karriere setzte er neue Bestmarken im Herreneinzel. Im alten Wertungssystem (vor der Saison 2018/19) hält er alle drei historischen Rekorde. Keinem anderen Einzelläufer gelangen so viele Rekorde seit Einführung des ISU Wertungssystems im Jahr 2003. Im Jahr 2016 beim Autumn Classic International landete er als erster Läufer einen vierfachen Rittberger im internationalen Wettbewerb.
Seit Abschluss seiner Wettkampfkarriere im Jahr 2022 produziert Hanyū seine eigenen Eisshows, in denen er teils allein, teils mit Gästen auftritt. Seine Eisshow Prologue (2022) war die erste Soloshow-Produktion und die RE_PRAY Tour (2023–24) die erste Solo-Tour in der Geschichte des Eiskunstlaufs. Im Februar 2023 präsentierte Hanyū seine Show Gift im Tokyo Dome vor einer Eisshow-Rekordkulisse mit 35.000 Zuschauern. Im Dezember 2024 kam seine dritte große Solo-Eisshow Echoes of Life in der Saitama Super Arena zur Premiere, die wieder als Tour an mehreren Aufführungsorten stattfinden wird.
In Anerkennung seiner herausragenden Leistungen erhielt Hanyū eine Vielzahl von Preisen. Zu den wichtigsten Auszeichnungen zählen der People’s Honour Award im Jahr 2018 sowie die japanische Ehrenmedaille mit violettem Band in den Jahren 2014 und 2018. Darüber hinaus gewann er den Preis für den wertvollsten Eiskunstläufer (Most Valuable Skater) beim Debüt der ISU Skating Awards 2020.
Kindheit und erste Erfolge Hanyū ist im Bezirk Izumi-ku der japanischen Großstadt Sendai geboren und aufgewachsen. Seit seiner Geburt leidet er unter einer Asthmaerkrankung, die ihn im Sport und im Lebensalltag einschränkt. Eiskunstlauf als Hallensportart bot eine günstige Umgebung, um seine Krankheit zu überwinden. So begann Hanyū im Alter von vier Jahren mit dem Eislaufen und begleitete seine ältere Schwester Saya zu ihren Übungsstunden. Sein damaliger Trainer, Shoichiro Tsuzuki, erkannte schnell sein außergewöhnliches Talent und Potential.
In den folgenden Jahren besserte sich Hanyūs Gesundheitszustand, allerdings haderte er mit seiner Motivation im Training und sein Vater schlug ihm mehrfach vor, zum Baseballsport zu wechseln. Nach eifriger Überlegung entschied sich Hanyū jedoch, beim Eiskunstlauf zu bleiben. Das Duell zwischen Alexei Jagudin und Jewgeni Pljuschtschenko bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City inspirierte und bestärkte ihn in seiner Entscheidung. 2004 gewann er zum ersten Mal die japanischen Meisterschaften im Nachwuchsbereich (Kategorie B). Wenig später wurde seine Eislaufschule aufgrund finanzieller Probleme geschlossen und Hanyū musste auf andere Trainingseinrichtungen ausweichen. In dieser Zeit wurde Nanami Abe seine neue Trainerin. 2007 gewann er die japanischen Nachwuchsmeisterschaften in der Kategorie A und holte Bronze bei den Juniorenmeisterschaften.
Karriere Erfolge bei den Junioren mini|hochkant|Hanyū bei der Junioren-WM 2010 in Den Haag Im Jahr 2008 gab Hanyū sein internationales Debüt im Juniorenbereich. Bei seinem ersten Junior Grand Prix im italienischen Meran belegte er den fünften Platz. Im selben Jahr gewann er als jüngster Läufer mit nur 13 Jahren die japanischen Juniorenmeisterschaften. Damit qualifizierte er sich für die Junioren-WM 2009 und erhielt eine Einladung zu den japanischen Seniorenmeisterschaften, wo er den achten Platz erreichte. Bei der Juniorenweltmeisterschaft in Sofia wurde er Elfter im Kurzprogramm, Dreizehnter in der Kür und Zwölfter in der Gesamtwertung.
Die Saison 2009/10 eröffnete Hanyū mit zwei Siegen in der Junior Grand Prix Serie in Polen und Kroatien und qualifizierte sich als höchstgesetzter Läufer erstmals für das Grand Prix Finale der Junioren. Beim Grand Prix in Toruń stand er seinen ersten sauberen dreifachen Axel im internationalen Wettbewerb. Im November gewann er zum zweiten Mal in Folge die japanischen Juniorenmeisterschaften. Beim Grand Prix Finale in Tokio belegte Hanyū nach dem Kurzprogramm den dritten Rang, konnte mit einer persönlichen Bestleistung in der Kür dennoch seinen ersten großen internationalen Titel gewinnen. Auch bei den japanischen Seniorenmeisterschaften gelang ihm ein starkes Comeback vom dreizehnten auf den sechsten Platz. Hanyū beendete die Saison mit einem Sieg bei der Junioren-WM in Den Haag und blieb damit ungeschlagen in allen Juniorenwettbewerben. Mit 15 Jahren war er der jüngste und insgesamt vierte Japaner, der den Weltmeistertitel bei den Junioren gewann.
Saison 2010/11: Debüt im Seniorenbereich Geplantes Programm-Layout Kurzprogramm Kür # Element Basiswert # Element Basiswert 1 3A 8,50 Erste Programmhälfte 2 3Lz+3T 10,10 1 4T 10,30 3 CCoSp 3,50 2 3A 8,50 4 3F 5,30 3 3F 5,30 5 StSq 3,90 4 CSSp 3,00 6 FCSp 3,20 5 3Lz+2T 7,30 7 CSSp 3,00 6 StSq 3,90 Zweite Programmhälfte 7 3A+3T 13,86* 8 3Lz+2T+2T 9,46* 9 3Lo 5,61* 10 FCCoSp 3,50 11 ChSq 2,00 12 3S 4,62* 13 CCoSp 3,50 Gesamt 37,60 Gesamt 80,85 * 10-%-Bonus für Sprünge in der zweiten Programmhälfte einberechnet
Seinen ersten großen internationalen Auftritt bei den Senioren hatte er bei der Vier-Kontinente-Meisterschaft 2011 in Taipeh. Er gewann dort mit persönlicher Bestleistung von 228,01 Punkten die Silbermedaille hinter seinem Landsmann Daisuke Takahashi.
Saison 2011/12: Erste Goldmedaille bei den Senioren und WM-Debüt Geplantes Programm-Layout Kurzprogramm Kür # Element Basiswert # Element Basiswert 1 4T 10,30 Erste Programmhälfte 2 3A 8,50 1 4T 10,30 3 FCSp 3,20 2 3A 8,50 4 3Lz+3T 10,10 3 3F 5,30 5 StSq 3,90 4 FCSSp 3,00 6 CSSp 3,00 5 3Lz+2T 7,30 7 CCoSp 3,50 6 StSq 3,90 Zweite Programmhälfte 7 3A+3T 13,86* 8 3Lz+2T+2T 9,46* 9 3Lo 5,61* 10 CCoSp 3,50 11 ChSq 2,00 12 3S 4,62* 13 FCCoSp 3,50 Gesamt 42,50 Gesamt 80,85 * 10-%-Bonus für Sprünge in der zweiten Programmhälfte einberechnet
Die Saison begann für ihn mit einem Sieg bei der Nebelhorn Trophy. Das war die erste Goldmedaille seiner Karriere im Seniorenbereich. Beim Cup of Russia 2011 feierte Hanyū seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Er verbesserte seine persönlichen Bestleistungen in Kurzprogramm, Kür und Gesamtleistung. Bei letzterer erreichte er 241,66 Punkte. Beim Grand-Prix-Finale, für das er sich erstmals qualifizieren konnte, verpasste er eine Medaille als Vierter nur knapp, steigerte aber seine persönlichen Bestleistungen in der Kür auf 166,49 Punkte und in der Gesamtleistung auf 245,82 Punkte.
Bei den japanischen Meisterschaften gelang es Hanyū erstmals, das Podium zu erreichen. Er errang die Bronzemedaille hinter Daisuke Takahashi und Takahiko Kozuka. Dies bedeutete die Qualifikation für die Weltmeisterschaft.
mini| Weltmeisterschaft 2012. Bei seinem Weltmeisterschaftsdebüt in Nizza hatte der erst 17-jährige nach dem Kurzprogramm noch auf dem siebten Rang gelegen, da er seinen Lutz nur einfach rotiert hatte, zeigte dann jedoch die beste Kür seines noch jungen Lebens. Zur Filmmusik von Romeo und Julia und Escape aus Plunkett & Macleane begann er mit einem sicheren und schönen vierfachen Toeloop und stand alle weiteren Sprünge, darunter acht Dreifachsprünge, ohne Fehl und Tadel. Er bekam keine einzige negative Bewertung zur Ausführung seiner Elemente (GOE). Lediglich im Laufschritt stürzte er einmal, was das Gesamtbild jedoch nicht negativ beeinflusste. Seine künstlerisch reife und hoch emotional wirkende Kür brachte ihm stehende Ovationen und lautstarke Bewunderungsrufe des Publikums. Hanyū selbst konnte seine Leistung kaum fassen und bekam nach der Kür einen Weinkrampf. Seine Kür wurde als zweitbeste des Feldes gewertet, er schlug sogar seinen Landsmann Takahashi um 0,05 Punkte in diesem Segment und wurde insgesamt mit der Bronzemedaille belohnt. Hanyū steigerte seine persönliche Bestleistung in der Kür und durchbrach mit seinen 251,06 Punkten in der Gesamtleistung zum ersten Mal die 250-Punkte-Marke. Durch Hanyūs Bronzemedaille und Takahashis Silbermedaille konnte Japan zum ersten Mal in der Geschichte der Herrenkonkurrenz bei Eiskunstlaufweltmeisterschaften bei einer WM zwei Medaillen erringen.http://www.goldenskate.com/2012/03/chan-wins-second-consecutive-world-title/
Saison 2012/13: Erster Weltrekord und Sieg bei den japanischen Meisterschaften Geplantes Programm-Layout Kurzprogramm Kür # Element Basiswert # Element Basiswert Erste Programmhälfte Erste Programmhälfte 1 4T 10,30 1 4T 10,30 2 FCSp 3,20 2 4S 10,50 3 CSSp 3,00 3 3F 5,30 Zweite Programmhälfte 4 FCCoSp 3,50 4 3A 9,35* 5 StSq 3,90 5 3Lz+3T 11,11* Zweite Programmhälfte 6 StSq 3,90 6 3A+3T 13,86* 7 CCoSp 3,50 7 3A+2T 10,78* 8 3Lo 5,61* 9 3Lz+2T+2T 9,46* 10 3Lz 6,60* 11 ChSq 2,00 12 CCoSp 3,50 13 FCSSp 3,00 Gesamt 44,36 Gesamt 88,31 * 10-%-Bonus für Sprünge in der zweiten Programmhälfte einberechnet
Hanyū begann die Saison mit einem Sieg bei der Finlandia Trophy. Dabei zeigte er zum ersten Mal in einem Wettbewerb einen vierfachen Salchow.http://www.goldenskate.com/2012/10/2012-finlandia-trophy/ Seinen ersten Grand-Prix-Auftritt der Saison bestritt er bei Skate America. Dort stellte er im Kurzprogramm mit 95,07 Punkten einen neuen Weltrekord auf. Er zeigte einen vierfachen Toeloop, einen mühelos gesprungenen dreifachen Axel sowie eine Dreifach-Lutz-Dreifach-Toeloop-Kombination. Die beiden letztgenannten Elemente sprang er erst in der zweiten Hälfte seinen Kurzprogramms, was Bonuspunkte einbringt. Obwohl Hanyūs Augenmerk nach eigenem Bekunden auf den technischen Komponenten lag, bekam er auch eine hohe Punktzahl im künstlerischen Bereich.http://www.goldenskate.com/2012/10/hanyu-dominates-at-skate-america-with-world-record-performance/ Seinen großen Vorsprung aus dem Kurzprogramm konnte Hanyū jedoch nicht über die Kür retten. Er fiel dreimal und musste seinem Landsmann Takahiko Kozuka die Goldmedaille überlassen. Bei seinem zweiten Grand-Prix-Wettbewerb, der NHK Trophy, verbesserte Hanyū seinen bei Skate America erreichten Punkteweltrekord im Kurzprogramm auf 95,32 Punkte. Zur Musik „Parisian Walkways“ von Gary Moore zeigte er sich solide in seinen Sprüngen sowie sicher und flüssig in seiner Fußarbeit. Für jedes Element bekam er von allen neun Punktrichtern positive Bewertungen im Ausführungsgrad (GOE). Seine Pirouetten wurden mit dem Höchstlevel 4 bewertet.http://www.goldenskate.com/2012/11/hanyu-sets-new-record-at-nhk-trophy/ In der Kür machte Hanyū wie schon bei Skate America Fehler, konnte diesmal jedoch seine Führung verteidigen und so in seiner Heimatstadt die Goldmedaille erringen.http://www.goldenskate.com/2012/11/hanyu-celebrates-victory-on-home-ice/ Im Grand-Prix-Finale errang der junge Japaner die Silbermedaille hinter seinem Landsmann Daisuke Takahashi. Dabei stellte er persönliche Bestleistungen in der Kür (177,12 Punkte) und der Gesamtleistung (264,29 Punkte) auf.http://www.goldenskate.com/2012/12/takahashi-scores-victory-at-grand-prix-final/