Ein Omnibus ( bzw. ‚für alle‘, Dativ Plural von ), kurz Bus, ist ein großes Straßenfahrzeug, das der Beförderung zahlreicher Personen dient, z. B. im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder in der Schülerbeförderung. In Österreich und in der Schweiz sind sie auch als Autobus bekannt. Reisebusse werden in der Schweiz mit dem französischen Wort Car oder Reisecar, seltener auch Autocar bezeichnet.
In der Europäischen Union gelten gemäß den Bemerkungen in Anhang I der Richtlinie 70/156/EWG motorisch angetriebene Landfahrzeuge der Klassen M2 oder M3 mit mehr als acht Sitzplätzen neben dem Fahrersitz amtlich als Kraftomnibus (KOM)Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV): , aufgerufen am 2. Oktober 2013. und sind Kraftfahrzeuge. In der Schweiz werden Motorfahrzeuge der Klasse M2 über 3,50 t oder M3 gemäß Abs. 2b VTS als Gesellschaftswagen bezeichnet.
mini|Linienbus Mercedes-Benz Citaro der Graz Linien (2023) mini|Niederflur-Gelenkbus der 1990er Jahre (Mercedes-Benz O 405 GN) (<=2007) mini|Ein Volvo 7700 aus 2004 in Vilnius (2007) mini|Doppeldeckerbus Setra S 431 DT (2008) mini|Kombinationsbus mit Laderaum in Schweden (2015) mini|Projekt Superbus (TU Delft) – 4 Elektromotore, max. 250 km/h schnell, 26 Sitzplätze, 200 km Reichweite, 15 m Länge, 16 Flügeltüren auf der IAA 2010
Eng mit dem Omnibus verwandt ist der Oberleitungsbus beziehungsweise Trolleybus, der jedoch aufgrund seiner Abhängigkeit von einer Fahrleitung eine Sonderstellung einnimmt. Weil er ähnlich einer Straßenbahn an eine feste Infrastruktur gebunden ist, gelten für ihn besondere gesetzliche Regelungen.
Etymologie Vor dem Einsatz von Verbrennungsmotoren beziehungsweise Elektromotoren bezeichnete das Wort Omnibus eine relativ große Kutsche zum Personentransport. Jedoch wurden Postkutschen nicht Omnibus genannt. Die Bezeichnung „Omnibus“ ‚für alle‘ soll ihre Entstehung dem Reklameschriftzug „Omnes omnibus“ über dem Laden eines französischen Kaufmanns namens Omnès in der Stadt Nantes verdanken. Der Fuhrwerksbesitzer Baudry wurde dadurch 1825 zur entsprechenden Benennung seiner Fahrzeuge angeregt. Das Wort erreichte 1828 in seiner neuen Bedeutung Paris; Im Jahr 1835 wurde es im Brockhaus’ Conversations-LexikonFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl. Bearbeitet von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin 1967, S. 523. aufgenommen, bezeichnete jedoch bis 1850 allein Pariser Omnibusse.Hermann Paul: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarbeitete und erweiterte Auflage von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Max Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-73057-9, S. 724. Als allgemeines Wort für öffentliche innerstädtische Pferdestellwagen ist es beispielsweise in Wien 1842 erwähnt (Pferdeomnibus).
Nach der Einführung moderner motorisierter Omnibusse entstanden analog zu Kraftwagen und Automobil die Bezeichnungen Kraftstellwagen,So beispielsweise in Österreich noch bis 1955 amtlich: Verordnung des Bundesministers für Handel und Verkehr im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt und den Bundesministern für soziale Verwaltung, für Finanzen und für Heereswesen vom 12. Mai 1930 über den Verkehr von Kraftfahrzeugen (Kraftfahrverordnung). in Bundesgesetzblatt für Republik Österreich, Jg. 1930, Ausgegeben am 20. Mai 1930, 40. Stück, S. 647 f, Österreichische Nationalbibliothek Kraftomnibus, Kraftbus,www.b-v-s.berlinwww.berliner-verkehrsseiten.de Motoromnibus, Motorbus, Autoomnibus, Autobus und Automobilomnibus. Die Begriffe dienen der Unterscheidung der neuen Motorfahrzeuge von den im 19. Jahrhundert verbreiteten Pferdeomnibussen beziehungsweise Dampfomnibussen. In Abgrenzung zum Oberleitungsbus spricht man auch von einem Diesel(omni)bus respektive Dieselautobus. Durch neue Antriebstechniken auch im Busverkehr wird die Bezeichnung „Dieselbus“ nicht mehr häufig verwendet.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der Begriff Omnibus zunehmend durch das Kurzwort Bus ersetzt, was auf den Einfluss der englischen Sprache zurückzuführen ist. Der Begriff Omnibus wird in der Regel in schriftlichen und formellen Kontexten verwendet, während Bus heutzutage vorwiegend in der Umgangssprache und im Verkehrswesen gebraucht wird.
Die Wortendung „-bus“, die eigentlich ein Teil der lateinischen Ablativ- oder Dativendung „-ibus“ war, wurde später als eigenständiges Wort benutzt. Es entsteht der Eindruck, das Wort Omnibus bestehe aus den zwei Teilen Omni und Bus und Omnibus und Autobus seien bestimmte Arten von Bussen, wie beispielsweise der Kleinbus oder der Reisebus.
Technik mini|Batteriebus: Solaris Urbino 12 electric der Braunschweiger Verkehrs-GmbH an der Induktivladestation
Der Antrieb erfolgte bis in die 2020er Jahre meist durch einen Diesel- oder Gasmotor, seltener sind Batteriebusse, Hybridbusse oder Brennstoffzellenbusse. Auch die Energieversorgung aus Schwungradspeichern wurde erprobt, dieses Konzept nannte sich Gyrobus. Anfang des 21. Jahrhunderts erleben elektrisch angetriebene Busse, wie z. B. der BYD ebus im Linienverkehr oder als Vorfeldbus eine Renaissance. Im Jahr 2016 wurden in China 115.000 Elektrobusse neu zugelassen, was 20 Prozent aller Stadtbusse entspricht. 40 Prozent aller Stadtbusse in China fahren Ende 2016 elektrisch. Elektroautomarkt: China fährt schon vor spiegel-online vom 25. Januar 2017, abgerufen am 25. Januar 2017derneuemannde.com vom 25. Januar 2017, abgerufen am 25. Januar 2017All of China’s buses might be electric by 2025 zmscience vom 19. Januar 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016
Busse haben heute meist einen Heckmotor und Hinterachsantrieb. Der Motor ist dabei meist liegend und unterflur angeordnet. Bei Niederflurbussen kommen auch stehende Motoren vor; in jedem Fall ragt bei ihnen der Motorraum immer mehr oder weniger in den Fahrgastraum und erfordert dort eine besondere Sitzanordnung.
Insbesondere beim Stadtbus sind im Betrieb ausgesprochen viele Schaltvorgänge erforderlich. Deshalb wurde schon früh versucht, die Belastung des Fahrpersonals durch das Schalten zu reduzieren. So waren beispielsweise bereits ab 1933 Omnibusse aus der 700er-Serie von Yellow Coach mit halbautomatischen Getrieben ausgestattet, ab Ende der 1930er-Jahre wurden Automatikgetriebe verbaut.Yellow Coach Model 720 and Model 735 auf zavanak.com (englisch) Auch Omnibusse des amerikanischen Herstellers Twin Coach wurden Mitte der 1940er-Jahre standardmäßig mit Wandler-Getrieben ausgerüstet.Twin-Coach Katalog urban type coaches von 1947. auf fageol.com (PDF; 99,6 MB) Andernorts experimentierte man mit dieselelektrischen Antrieben.Sandro Flückiger, Roman Zai: 1941-2016: 75 Jahre Trolleybus in Luzern, vbl-historic 2016, S. 8–12FBW Typ 51 Nrn. 10–11 auf tram-bus-basel.ch Mitte der 1970er Jahre wurde in Zusammenarbeit von MAN und Renk mit dem „Doromat 873“ ein geeignetes Automatikgetriebe für den europäischen Markt entwickelt.Automatisches Getriebe für Stadtbus. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1976, S. 121. Inzwischen werden bei Stadtbussen durchgängig Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler eingesetzt. Anders verhält es sich bei Überland- und Reisebussen, bei denen wesentlich weniger Schaltarbeit anfällt. Auch sind die Busse wesentlich leichter als vergleichbare (beladene) Lastkraftwagen, sodass bei Reisebussen auch heute noch einfache Sechs-Gang-Schaltgetriebe ausreichen, meist mit einer Form von kraftunterstützter Schaltung und/oder automatischer Kupplung. Inzwischen setzen sich aber auch bei Reisebussen automatisierte Getriebe durch, die durch Rechner anhand der Drehzahl und Geschwindigkeit geschaltet werden.
Beim Aufbau der Karosserie gibt es zwei Konzepte: Die klassische Lastkraftwagen-Bauweise besteht aus einem Längsträger, der wiederum den Antriebsstrang mit Motor, Rädern und Bremsanlage trägt. Darauf sitzt der Aufbau mit dem Fahrgastraum. Kleine Busse und einige Hersteller von Reisebussen setzen auf selbsttragende Karosserien wie im Pkw-Bau. Zu den Anbietern von großen Bussen gehört z. B. EvoBus mit der Setra-Baureihe.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Mischformen, je nachdem, ob das Dach mitträgt oder nicht. Der Karosserieaufbau kann zudem entweder in Schalen- oder in Fachwerkbauweise erfolgen.Statische Probleme bei der Entwicklung selbsttragender Aufbauten. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1960, S. 219–225. 1952 entwickelte und produzierte die Firma Theodor Klatte den Bustyp Tk 115, bei dem es sich um einen selbsttragenden, vollständigen Leichtmetallbau handelte.Ein neuer deutscher Leichtomnibus. In: Automobiltechnische Zeitschrift. 6/1952, S. 141–143.
Das Fahrwerk von Bussen besitzt an der Vorderachse häufig eine Einzelradaufhängung. Die Hinterachse ist in der Regel starr. Linienbusse besitzen oft noch starre Vorder- und Hinterachsen.
Bauarten
mini|Midibus mit Anhänger mini|Doppelgelenkbus von Van Hool (Länge 24,8 m) mini|Reisebus Volvo 9900 mini|Doppeldecker-Gelenkbus Neoplan Jumbocruiser
Zulassung Die Zuordnung, ob ein Fahrzeug rechtlich die Fahrzeugart Kraftomnibus beziehungsweise Gesellschaftswagen (Schweiz) darstellt, geht aus der Zulassung hervor.
Ein umgangssprachlich z. B. VW-Bus genanntes Fahrzeug ist zulassungsrechtlich ein „Auto“, amtlich Personenkraftwagen (Deutschland und Österreich) bzw. Personenwagen (Schweiz). Kraftfahrzeuge, die zulassungsrechtlich als „Bus“ zum Einsatz im Straßenverkehr zugelassen sind, sind auch als Bus zu betreiben und zu führen/fahren. In Deutschland ist das in der StVZO und der StVO, in der Schweiz in der VTS geregelt.
Verwendungsarten Für den gewerblichen Einsatz ist je nach Personenbeförderungsgesetz (PBefG in Deutschland, PBG in der Schweiz) eine weitere Zulassung nach der gewünschten Verkehrsart erforderlich. Man unterscheidet grundsätzlich Busse (für die gewerbliche Verwendung/Verkehrsart) in Busse für Linienverkehr und in Busse für den Gelegenheitsverkehr (manche Busse haben nach dem jeweiligen Gesetz eine Zulassung für beide Verkehrsarten). Der Schulbusverkehr stellt eine Sonderform des Linienverkehrs dar und erfordert eine zusätzliche Ausstattung.
Übersicht
Üblicherweise wird zwischen folgenden Bauformen unterschieden, wobei ein einzelnes Fahrzeug mehreren Bauformen entsprechen kann: nach Verwendungszweck: Linienbusse, darunter Stadtbusse Überlandbusse Reisebusse Behindertenbusse Vorfeldbusse
nach Fahrzeuglänge: Minibusse beziehungsweise Kleinbusse bis 8,50 m Länge Midibusse bis 10,50 m Länge Solobusse bis 12,00 m Länge Dreiachsbusse, auch Maxibusse mit 13,50 m oder 15,00 m Länge Gelenkbusse Doppelgelenkbusse Buszüge mit Personenanhänger Sattelomnibusse
nach Einstiegs- und Fußbodenhöhe: Niederflurbusse Low-Entry-Busse Hochflurbusse Hochdeckerbusse
Nach Anzahl der Passagierdecks: Anderthalbdeckerbusse Doppeldeckerbusse
Nach Antriebsart, darunter: Dieselbusse Erdgasbusse Hybridbusse Elektrobusse bzw. Batteriebusse Brennstoffzellenbus
nach Ausstattung, insbesondere im Reiseverkehr: Club-Busse für kleine Gruppen Kombibusse für Überlandlinienverkehre und Gelegenheitsverkehr Standardreisebusse ohne Toilette Komfortbus für Gruppenreisen und Programmfahrten Luxusbusse mit großem Sitzabstand und Luxusausstattung, wie z. B. Liegesitze, Barbereich usw. (Bistrobusse) Nightliner
Erläuterungen und sonstige Bauarten Stadtbusse sind generell mit einer geringeren Anzahl und weniger komfortablen Sitzen ausgestattet, dafür mit zahlreichen Haltestangen für stehende Fahrgäste sowie mit Mehrzweckräumen (für Gepäck, Kinderwagen und Rollstühle). Für Linien mit großem Fahrgastaufkommen werden Doppeldeckerbusse oder Gelenkbusse eingesetzt. Doppelstöckige Gelenkfahrzeuge sind äußerst rar. Ein bekannter Typ ist der Neoplan Jumbocruiser, 18 Meter lang und vier Meter hoch mit einer Kapazität von 110 Sitzplätzen im Reiseverkehr.
In dünn besiedelten Gebieten werden Kombinationsbusse eingesetzt, um gleichzeitig Passagiere und Fracht zu transportieren.
mini|Spezieller Flughafen-Vorfeldbus in Washington, D.C. (IAD)