Ober-Modau (im lokalen Dialekt: Owwern-Murre),Darmstädter Echo, Dienstag, 1. Dezember 2015, S. 19 die ehemals eigenständige Gemeinde war ein Ortsteil von Modau, welcher jetzt ein Stadtteil von Ober-Ramstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg ist.

Geschichte Ortsgeschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort um 1360.Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1237, Ziff. 5. Spätere Namensformen waren Kleinmodau (1386),Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1838, Ziff.12. Obirn Modau (1451), Obern Modauwe (1454), Obern Muda (1516)Rudolf Kunz: Weistum des Landsiedel-Gerichts zu Ober-Modau (1549). In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1971, Nr. 4, S. 124–126. und Obern Modau (1674). Dabei ist belegt, dass der Ort zu den Verwaltungsbezirken Amt Lichtenberg (ab 1783), Landratsbezirk Reinheim (ab 1821), Kreis Dieburg (ab 1832), Regierungsbezirk Dieburg (ab 1848), Kreis Dieburg (ab 1852) und Kreis Darmstadt (1938) gehörte.

Lehnsträger in Ober-Modau waren im Spätmittelalter die Familien Jude vom Stein, (Steyne) (1360) eine aus Mainz stammende und später in Bensheim sesshafte Familie,Jude vom Steyne. In: Regesten der Mainzer Erzbischöfe, StA Wü, MIB 14 fol. 375v, 20. Juli 1413 (Online) Kalb von Reinheim (1382), die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald und Werberg von Lindenfels (1403), eine im 15. Jahrhundert zeitweise sehr einflussreiche Familie am Heidelberger Hof.

1382 haben in „Werner Kalbs Krieg“ Reisige (bewaffnete Dienstleute) der Städte Frankfurt, Mainz und Worms erhebliche Schäden in Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und auf dem Hofgut Illbach (Eulbach) angerichtet. Im Jahr 1449 übertrug Graf Philipp I. von Katzenelnbogen, genannt der Ältere (* 1402; † 1479), Ober-Modau seinem Sohn Philipp dem Jüngeren (* 1427; † 27. Februar 1453 – er wurde in Brügge erstochen), damit er seinen eigenen Hausstand gründen konnte.Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 4590 Um 1490 war Ober-Modau neben weiteren benachbarten Orten nach altem Herkommen verpflichtet, im Frondienst Brennholz auf das Schloss Lichtenberg zu bringen. 1549 wird die Gerichtsstätte unter der Linde erwähnt.Johann Friedrich Conrad Retter: Heßische Nachrichten 2, Frankfurt am Main 1739, S. 193. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war der Ort unbewohnt. Anfang des Jahres 1785 wurde in Ober-Modau eine eigene Schule eröffnet, sie bestand etwa 10 Jahre und wurde danach durch eine Winterschule abgelöst. 1834 erhielt Ober-Modau wieder eine ständige Schule, die die Winterschule ablöste.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Ober-Modau:

Um 1865 gehörte Neutsch zu Ober-Modau. Die Schneider’sche Zündholzfabrik wurde am 1. November 1896 von Gustav Kunzmann aus Frankfurt zum Preis von 97.000 Mark erworben. Er führt die Firma unter dem Namen Schneider und Sohn Nachfolger weiter.Odenwälder Bote, 21. Okt. 1896. 1899 ist geplant dort eine elektrotechnische Maschinenwerkstätte, verbunden mit Eisengießerei und Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten zu errichten.Odenwälder Bote, 29. März 1899.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Ober-Modau und Nieder-Modau freiwillig zur neuen Gemeinde Modau, die am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz nach Ober-Ramstadt eingegliedert wurde. Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet, allerdings bildet der Ort noch eine eigene Gemarkung.

Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte Die Verwaltung des Ortes erfolgt schon zur Zeit der Grafen von Katzenelnbogen und nach dessen Aussterben im 15. Jahrhundert, in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt durch das Amt Lichtenberg. Ober-Modau lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Fuhrknechten für Feldzüge bereitzustellen. Ober-Modau gehörte zum „Ober-Ramstädter Reiswagen“, dem auch noch die Orte Ober-Ramstadt mit seinen Mühlen sowie den deutschen Einwohnern in Hahn und Wembach, Asbach, Dilshofen, Nieder-Modau und Frankenhausen angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ober-Modau angehört(e):

vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg ab 1500: Heiliges Römisches Reich, Oberrheinischer Reichskreis (bis 1806), Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Lichtenberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: Zent Oberramstadt, Oberramstädter Reiswagen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt, Gemeinde ModauAm 1. Juli 1971 Zusammenschluss mit der Gemeinde Nieder-Modau zur Gemeinde Modau. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Ober-RamstadtAm 1. Januar 1977 als Stadtteil zu Ober-Ramstadt.

Gerichte Ober-Modau gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Ober-Modau das Amt Lichtenberg zuständig. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung von Lichtenberg nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerentwicklung 1549: 100 (geschätzt) Rudolf Kunz: Weistum des Landsiedel-Gerichts zu Ober-Modau (1549). In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1971, Nr. 4, S. 126. 1630: 50 (geschätzt)Einwohnerzahl 1630. In: „Der Odenwald“, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1965, Heft 3, S. 79., ca. 13 HäuserRudolf Kunz: Die Wiederherstellung des Dorfes Billings nach dem 30 jährigen Krieg. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1960, Heft 1, S. 16. 1791: 136 Einwohner 1800: 147 Einwohner 1806: 175 Einwohner, 23 Häuser 1829: 234 Einwohner, 31 Häuser 1867: 335 Einwohner, 45 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 233 lutheranische (= 99,57 %) und ein katholischer (= 0,43 %) Einwohner • 1961: 408 evangelische (= 76,98 %), 103 katholische (= 19,43 %) Einwohner

Bürgermeister mini|Ehemaliges Rathaus in der Odenwaldstraße

1848 – 1856 Boßler, Johann AdamBürgermeister Johann Adam Boßler * 22. Jan. 1797 Beedenkirchen † 29. Mai 1856 Ober-Modau. Die Bürgermeisterei Ober-Modau ist zuständig für die Gemeinden Ober-Modau und Neutsch. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt Nr. 9/1856 u. Nr. 19/1862.Bürgermeister Johann Adam Boßler. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt), 16. November 1898. 1857 – 1865 Hahn, Adam II. 1865 – 1874 Hahn, JohannesDie Bürgermeisterei Ober-Modau ist zuständig für die Gemeinden Ober-Modau und Neutsch. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt Nr. 27/1865. 1874 – 1894 Keller, Philipp V.Keller, Philipp V., seit 1862 Beigeordneter. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt Nr. 19/1862.Bürgermeisterwahl am 15. Dezember 1874 und am 11. Oktober 1892. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt), 19. Dezember 1874, 25. August 1883 und 19. Oktober 1892. 14. Juni 1896 Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens mit der Inschrift Für langjährige Dienste.Philipp Keller verstorben. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt), 11. Mai 1898. 1894 – ???? Keller, JohannesAltbürgermeister Johannes Keller gestorben im Jahr 1929. 1905 – ???? Keller, Philipp VII. Odenwälder Nachrichten, 3. Aug. 1905. 1919 – 1933 Daum, Johann Peter ???? – 1945 Hahn, Georg Karl Wilhelm 1945 – 1948 Keller, Georg Philipp 1948 – 1965 Roßmann, Georg 1965 – 1968 Ritscher, August 1968 – 1971 Lorz, Hermann

Literatur Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060–1486, Band I–IV. Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1953/57 Arthur Funk: Heimat in alten Fotografien: Ober-Modau. In: Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1988, Heft 3, S. 114 Rudolf Kunz: Weistum des Landsiedel-Gerichts zu Ober-Modau (1549). In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1971, Nr. 4, S. 124–126 Magistrat der Stadt Ober-Ramstadt: Ober-Ramstadt – Eine Chronik zur Geschichte der Stadt. Ober-Ramstadt 2010, ISBN 978-3-9813356-0-6. Horst Matthes: Ober-Modau nach 1945. Ober-Ramstadt 2015. ISBN 978-3-9812976-9-0 Horst Matthes: Die Jagdgenossenschaft von Ober-Modau II von sellemols bis heute. Ober-Ramstadt 2020. Thomas Steinmetz: Der Südwestzipfel des Wildbanns Dreieich im Odenwald – Ein Beitrag zur Geschichte des oberen Modautals und der Burg Nieder-Modau, In: „Der Odenwald“, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2014, Heft 2, S. 43–62

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Ober-Ramstadt) Obermodau Kategorie:Ersterwähnung 1360 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971