Unchained Melody ist der Titel eines von Hy Zaret (Text) und Alex North (Musik) im Jahr 1955 komponierten Popsongs, von dem gleich vier Versionen den Status eines Millionensellers erreichten.

Entstehungsgeschichte Unchained Melody ist einer der wenigen Popsongs, die keine sofort identifizierbare Pointe („Nut“) enthalten, bei denen der Songtitel im Text gar nicht vorkommt und deren Titel für das Lied keine Bedeutung besitzt.

Die Autorenschaft des Evergreens ist umstritten. Der das Urheberrecht verwaltende Musikverlag MPL Music Publishing hat im Jahr 1942 Hy Zaret (Text) und Alex North (Musik) als Autoren bei der ASCAP angemeldet. William Albert Stirrat (* 5. November 1919; † 2. Juli 2004), gelernter Elektriker, beanspruchte seine angeblichen Autorenrechte erst im Jahr 1982 als Texter eines unveröffentlichten Werkes. Danach soll er den Text als 16-Jähriger im Jahr 1936 als Erinnerung an die Liebe zu einer jungen Frau namens Marie Louise „Cookie“ Pierce erdacht haben. Einem nicht verifizierten Zeitungsbericht zufolge habe er für den 1936 geschriebenen Liedtext im Jahr 1941 Dokumente unterzeichnen müssen, die Komponist Alex North berechtigten, das Lied in einem Film zu berücksichtigen. Erst 1979 sei Stirrat der US-amerikanischen Autoren-Gilde beigetreten. In der einzigen, von der Artikelverfasserin DeNicola stammenden Quelle sind jedoch einige Widersprüche aus dem Interview mit Stirrat enthalten. Es kann zwar sein, dass Stirrat als 16-Jähriger einen Liedtext verfasst hat, doch taucht er entgegen seiner Behauptung nicht auf der Teilnehmerliste des Yaddo-Sommercamps – eine Künstlergemeinde im US-Bundesstaat New York – auf, wo er den – ebenfalls nicht aufgelisteten – 26-jährigen Komponisten Alex North getroffen haben will. Der Film Unchained, in dem die Unchained Melody erstmals vorkam, gelangte erst 14 Jahre nach der behaupteten Dokumentenunterzeichnung in die Kinos. Zudem ist rätselhaft, warum der Kläger erst 1982 auf die Idee kam, eine Urheberrechtsklage zu erheben – lange Zeit nach den erfolgreichen Titelveröffentlichungen. Während die ASCAP für Hy Zaret 235 Titel als urheberrechtlich geschützt auflistet, ist für Stirrat keiner aufgeführt – obwohl sein Name dort registriert ist. Es scheint sich um einen typischen Internet-Hoax zu handeln, bei dem eine einzige Quelle ohne weitere Recherchen kritiklos von Dritten übernommen wird.

Gesichert ist jedenfalls, dass North die Musik für den wenig bekannten B-Movie-Kinofilm Unchained schrieb, der unter Regie von Hall Bartlett von einem kalifornischen Gefängnis handelte und am 19. Januar 1955 in die Kinos kam. Zaret wurde von North gebeten, einen Text zur vorhandenen Melodie zu schreiben. Dabei lehnte er den Wunsch des Filmproduzenten ab, das Wort „unchained“ im Text zu verwenden. Im Film wird das Lied von Bariton Todd Duncan – der als Sänger in George Gershwins Porgy and Bess bekannt geworden war – ziemlich zum Ende in einer kurzen Fassung (1:19 min) gesungen. Von Duncans Filmaufnahme des Songs gibt es ersichtlich keine Plattenpressung. In dem im April 1955 erschienenen Film-Soundtrack ist das Lied durch den R&B- und Pop-Sänger Al Hibbler verewigt. Im Text von Hy Zaret gesteht der Sänger, dass er seine Geliebte sehnlichst vermisst, was auch auf einen Gefangenen übertragen werden kann. Der Film geriet schnell in Vergessenheit, der Song jedoch nicht. 1956 wurde er für den Oscar in der Kategorie Bester Song nominiert.

Erste Plattenaufnahmen mini|Les Baxter - Unchained Melody Zwei Tage vor der Filmpremiere nahm Les Baxter den Titel am 17. Januar 1955 mit seinem Orchester auf, der verweilte hiermit für drei Wochen auf Rang eins der US-Hitparade und es verkauften sich über 1 Million Exemplare.Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 87. Seine Aufnahme gilt damit als erste kommerzielle Plattenaufnahme des Liedes. Al Hibbler stand am 4. Februar 1955 mit dem Orchester von Jack Pleis im Studio und überschritt nach Veröffentlichung im März 1955 ebenfalls die Millionengrenze,Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 90. am 9. April 1955 wurden zeitgleich Baxters und Hibblers Versionen veröffentlicht. Roy Hamilton brachte den Titel im April 1955 heraus und erreichte Rang 6 der Pop- und Rang 1 der Rhythm-&-Blues-Hitparade, June Valli nahm das Lied am 15. März 1955 auf und kam bis auf Rang 29. Alle vier Versionen waren am 14. Mai 1955 gleichzeitig in den Top40 platziert. Noch im April 1955 brachte Jimmy Young eine von Dick Rowe produzierte Version für den britischen Markt heraus, die dort für drei Wochen auf dem ersten Rang verblieb. Dick James, späterer Beatles-Musikverleger, brachte zeitgleich mit Liberace im Juni 1955 eine weitere Fassung auf den Markt.

mini|Righteous Brothers - Unchained Melody The Righteous Brothers nahmen eine von Jack Nitzsche hochstimmig arrangierte Version am 2. März 1965 für Phil Spectors Philles-Plattenlabel bei Radio Recorders in Hollywood unter Beteiligung von Larry Levine (Toningenieur) für ihre LP Just Once in My Life auf. Die nachfolgend im Juni 1965 ausgekoppelte Single berücksichtigte den Song zunächst als B-Seite von Gerry Goffin/Carole King’s Komposition Hung on You, doch das Airplay bevorzugte Unchained Melody. Spector, der sich als Produzent meist um Singles kümmerte, produzierte die B-Seite nicht, sondern Bill Medley von den Righteous Brothers. Die Platte gelangte bis auf Rang 4 der Charts. Diese Version war 1990 die Titelmelodie des Films Ghost – Nachricht von Sam mit Demi Moore, Patrick Swayze und Whoopi Goldberg in den Hauptrollen (Premiere am 13. Juli 1990). Am 24. April 1977 nahm Elvis Presley seine Version live für das Album Moody Blue auf, das im Juli 1977 erschien.

Weitere Millionenseller Das britische Duo Robson & Jerome präsentierte am 8. Mai 1995 mit seiner Version die bestverkaufte Single des Jahres in Großbritannien mit 1,844 Millionen verkauften Tonträgern und Rang eins für sieben Wochen, Gareth Gates verkaufte mit seiner im März 2002 erschienenen Europop-Fassung insgesamt 1,4 Millionen Exemplare und erreichte ebenfalls den ersten Rang für zwei Wochen. Damit ist Unchained Melody die einzige Single mit vier verschiedenen Nummer-1-Versionen und zugleich vier unterschiedlichen Millionensellern.

Neuaufnahmen/Coverversionen 1955: Al Hibbler 1955: Bruce Low – Komm ins Land der Liebe, Text: Ralph Maria Siegel 1955: Les Baxter & His Orchestra 1955: Line Renaud – Teen Angel 1955: Chet Atkins 1955: Liberace 1955: Jimmy Young 1955: Peter Sellers & Mike Spilligan 1955: The Kingtones with Jacques Leroy and his Orchestra 1955: The Crew Cuts 1955: Roy Hamilton 1955: June Valli 1956: Harry Belafonte 1956: Claude Goaty – Les enchaînés (französisch) 1956: Franck Pourcel – Les enchaînés (französisch) 1956: Mouloudji – Les enchaînés (französisch) 1956: Nilla Pizzi – Senza catene 1957: Gene Vincent and the Blue Caps 1957: Dorothy Collins 1958: Ricky Nelson 1959: Bobby Day 1959: Andy Williams 1959: Mark Dinning – Teen Angel 1959: Ivo Robić 1959: The Teddy Bears 1959: Earl Bostic 1959: Gene Bua 1960: Frank Ifield – Senza catene 1960: Charlie Rich 1960: Sam Cooke 1960: Celly Campello 1960: The Fleetwoods 1960: The Blackwells 1960: Frankie Knight 1961: Bert Kaempfert and his Orchestra 1961: Cliff Richard and The Shadows 1961: Buzz Clifford 1961: Steve Alaimo 1961: Gerry Granahan 1962: Bing Crosby 1962: Duane Eddy 1962: Conway Twitty 1962: Les Chaussettes Noires avec Eddy Mitchell – Les enchaînés (französisch) 1962: The Three Suns 1963: Vito & the Salutations 1963: John Gary 1964: Tony Sheridan & the Beat Brothers 1964: Matt Monro 1964: Hank Snow & Chet Atkins 1964: Bobby Vinton 1965: The Righteous Brothers 1965: Sonny and Cher 1965: Dionne Warwick 1965: Gene Pitney 1965: Ferrante & Teicher 1965: Eva – Les enchaînés (französisch) 1965: Cocki Mazzetti – Senza catene (italienisch) 1965: Peppino Gagliardi – Senza catene 1966: Miguel Ríos – Melodia encadenada (spanisch) 1966: André Kostelanetz & His Orchestra 1966: Boots Randolph 1966: Fausto Papetti (instrumental) 1966: Bob Asklöf – Väntans melodi (schwedisch) 1966: Tony Lane & the Fabulous Spades 1966: The Jaguars 1967: Al Martino 1967: Jormas – Kuin yö (finnisch) 1967: Iva Zanicchi 1967: The Englishmen (instrumental) 1967: The Caretakers 1967: Mandy & the Girlfriends 1968: The Sweet Inspirations 1968: David Garrick 1969: Joe Dolan & the Drifters Showband 1969: Roy Orbison 1969: Roy Clark 1971: Dean Reed – Swobodnaja melodija 1973: Al Green 1973: Blue Haze 1975: Greyhound 1976: The Stylistics 1977: Joe Dolan 1977: Elvis Presley 1978: Willie Nelson 1978: Peter Hofmann 1978: Sherry 1979: George Benson 197?: Rod Tarras 1981: Gerry & the Pacemakers 1982: Joni Mitchell: Chinese Cafe / Unchained Melody 1982: Pete Tex 1983: Walter Jackson 1984: Karel Gott – Lásko má (tschechisch) 1984: Fred Frohberg – Komm in’s Land der Liebe 1984: The Manhattan Transfer 1985: Leo Sayer 1987: Gerhard Neef – Komm in’s Land der Liebe 1987: Lou Rawls 1988: Topi Sorsakoski & Agents – Kuin yö (finnisch) 1989: U2 1990: Philippe Laumont – Les enchaînés (französisch) 1991: The Ventures (instrumental) 1991: James Galway (instrumental) 1991: Gheorghe Zamfir (Panflötenversion) 1991: Steve Young & Band 1991: Land of Oz 1991: Karen Akers 1991: Francis Goya 1991: Flor 1992: Sil Austin 1992: Richard Clayderman (Klavierversion) 1992: Henry Mancini 1993: The Royal Philharmonic Orchestra 1993: Dread Zeppelin 1993: Johnny Maestro & the Brooklyn Bridge 1993: Van Craven 1994: Spectrum 1994: Countdown Singers 1995: Air Supply 1995: Robson Green & Jerome Flynn 1995: Clarence Gatemouth Brown 1995: Heart 1995: Engelbert 1996: Fausto Leali – Aspetterò (italienisch) 1996: Kenny Rogers 1996: Sarah McLachlan 1997: LeAnn Rimes 1997: Joe Lynn Turner 1997: Jeff Harnar 1997: Will Tura – Oh, My Love (flämisch) 1998: Neil Diamond & Elmer Bernstein 1998: Joy 1998: Sergio Avila (Panflötenversion) 1998: Salena Jones 1998: Dimo Dimov 1999: Bruce Caldwell 1999: Jackie Edwards 1999: Mythos ’n DJ Cosmo 2000: Boppin’B 2000: Bill Hurley 2000: The Firebirds 2000: Gerard Joling 2000: Pierre Namuriel 2000: Dreamlovers 2002: Gareth Gates 2002: Björn Casapietra 2002: Tommy Eyre (Klavierversion) 2003: Cyndi Lauper 2003: Marshall & Alexander mit New York Voices 2003: Bruno Cuomo 2003: Karl Martindahl 2004: Hans-Jürgen Beyer – Komm ins Land der Liebe 2004: Jan Keizer 2005: Il Divo – Senza catene (italienisch) 2006: Barry Manilow 2006: Joseph Williams 2006: Shayne Ward 2006: Leah Durelle 2006: Fron Male Voice Choir 2007: Hit Crew 2008: Bobby Durham, Massimo Faraò, Lorenzo Conte 2008: Johnny Hallyday und Joss Stone — Unchained Melody (Les enchaînés) 2008: Yao Si Ting 2009: Graziano (deutsch) 2009: Mark Vincent 2010: Clay Aiken 2011: Susan Boyle 2011: Lykke Li 2011: Paul Ansell’s Number Nine 2012: Gregorian 2013: Harrison Craig 2013: Aki Yashiro 2014: She & Him 2017: Ane Brun 2019: Sissel Kyrkjebø 2023: Lana Del Rey 2024: Lucy Thomas

Statistik In Coverinfo werden 257 Versionen verzeichnet, damit gehört der Titel zu den oft gecoverten Songs. Für Alex North sind 493 Titel urheberrechtlich registriert, für Hy Zaret 235; sie gehören deshalb zu den professionellen Liedautoren. Der Titel kommt auch im Film Ghost – Nachricht von Sam sowie im Musical Ghost: The Musical, das am 14. Mai 2011 im Manchester Opera House in Manchester uraufgeführt wurde, vor.

Siehe auch Liste der meistverkauften Singles in den USA (1955)

Weblinks

Internet Movie Database über Unchained cover.info über Unchained Melody Songfacts über Unchained Melody

Musikbeispiele Les Baxter: Chet Atkins: The Righteous Brothers:

Einzelnachweise

Kategorie:Popsong Kategorie:Nummer-eins-Hit Kategorie:Lied 1955 Kategorie:Platin-Lied (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Elvis-Presley-Lied